Stottern 4 Jährige Tochter, bin ich Schuld?

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karla11
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Stottern 4 Jährige Tochter, bin ich Schuld?

Beitrag von karla11 » 27. Januar 2016 08:45

Wie fange ich an?
Unsere Tochter ist 4 1/4 und stottert seit ziemlich genau 10 Monaten. Was anfänglich mit einzelnen Worten begann, hat nun das Ausmaß, dass fast kein Wort mehr fließen möchte.
Besserungen treten selten und tageweise durchaus auf. Ich erinne mich an den Tag des Beginns, weil wir damit ein Erlebnis in der Kita verbinden. Unsere Tochter (damals gerade 3 Jahre) kam recht ruhig und in sich gekehrt aus der Kita. Das ist bei ihrem Temperament ungewöhnlich. Sie sprach überhaupt nicht. Ich versuchte sie immer mal wieder zu motivieren und fragte wie ihr Tag so war, ob sie schön gespielt hätte etc. Irgendwann kam dann in einer Demutshaltung eine Geschichte, die sie von vorn bis hinten stotterte. Das tat sie bis dahin nie.Sie hätten in der Kita ein Muttertagsgeschenk gebastelt und sie wäre nicht schnell genug gewesen. Daraufhin bekam sie zur Strafe : diese Arbeit noch zu Ende zu tupfen, während alle anderen Kindern rausgehen durften.Sie saß allein in der Kita und musste die Vase zu Ende betupfen....Darüber war sie so traurig, weil sie es nicht rechtzeitig fertig schaffte und das einzige Draußenspielen am Tag verpasste, dass sie dort wohl bitterlich weinte und kein Mittag zu sich nahm.
Die Übergabe der Vase am Muttertag war dementsprechend..mit gesenktem Kopf und sich schämend.
So, lange Rede kurzer Sinn. Seitdem stottert sie. Vermutlich nur ein begleitendes Erlebnis, aber für uns sehr einprägsam.
Nun warteten wir auf Anraten der Kita erstmal ab. Es wurde aber immer schlimmer. Letztlich waren wir jetzt zweimal bei einer Logopädin. In der ersten Sitzung spielte sie mit unsere Tochter an der Puppenstube und beobachtete sie. In der Sitzung sprach unsere Tochter recht wenig. Die Logopädin meinte, dass es sooo schlimm doch gar nicht sei. Ich erklärte ihr, dass unsere Tochter sonst auch anders sei. In der zweiten Sitzung spielte die Logopädin ein Fehlersuchspiel auf dem Laptop mit ihr und auch dies verlief recht wortkarg. Ich wollte der Therapeutin gern ein kurzes Video einer typischen Spielsituation mit dem typischen Stottern zeigen, das lehnte sie ab.
Am Ende der Sitzung kam die Logopädin zu dem Schluss, dass sie mit unserer Tochter nicht mehr arbeiten müsse, sondern mit mir als Mutter. Ich spreche zu schnell und das sei die ganze Ursachen. Wenn wir daheim ein 1/4 Jahr lang sehr, sehr, sehr langsam sprächen, wäre es vorbei mit dem Stottern, wenn nicht, sind wir selbst Schuld.
Dies traf mich natürlich persönlich sehr. Wir bemühen uns zuhause einen entschleunigten Alltag zu leben. Unsere Tochter sieht kaum fern und wir lesen dafür viel und gern mit ihr, gehen viel raus in die Natur.
Im dreiwöchigen Sommerurlaub stotterte unsere Tochter nach ein paar Tagen deutlich weniger und da war ich doch auch dabei?
Es geht mir nicht um Absolution ;-) Ich bin selbst Therapeutin (Naturheilkunde) und kann Kritik durchaus annehmen. Ich habe nur die Angst, dass wir es dadurch "verschleppen". Keinerlei Therapie mit dem Kind finde ich persönlich zu wenig. Die Erzieherinnen sehen es genau so. Es ist dort auch ganz extrem. Gerade in der Kita wird unsere Tochter mittlerweile schon ausgelacht und gemieden.Sie möchte dort nicht mehr hin. Das tut mir so Leid.
Wie können wir ihr nur helfen? Sollten wir nochmal eine andere Logopädin aufsuchen? Und wenn ja, worauf sollten wir achten? Kann ich diese Therapie einfach abbrechen?
Für Hilfe wäre ich sehr dankbar. Gern auch eigene Erfahrungsberichte.

paul.dest
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Re: Stottern 4 Jährige Tochter, bin ich Schuld?

Beitrag von paul.dest » 27. Januar 2016 21:34

Hallo Karla,

Den folgenden Satz Deines Berichtes finde ich äußerst aussagekräftig:
karla11 hat geschrieben:Ich wollte der Therapeutin gern ein kurzes Video einer typischen Spielsituation mit dem typischen Stottern zeigen, das lehnte sie ab.
Mein Ratschlag: wechsel auf der Stelle die Therapeutin! Vergeude keine weitere Minute mit/bei dieser Therapeutin!
karla11 hat geschrieben:Nun warteten wir auf Anraten der Kita erstmal ab.
Das ist die gängige Falschberatung, ist leider ein Fehler. Stottern - selbst wenn man es nicht gleich nach dem Auftreten mildern kann - ist spätestens dann therapiebedürftig, wenn der Mensch - ob Kind oder nicht - unter dem Stottern leidet. Und das ist Deinem Bericht zufolge bei Deiner Tochter schon von Anfang an der Fall. Ein richtiger Stottertherapeut bringt in diesem Fall dem Kind bei, wie es trotz Stottern mit seiner Umwelt einfacher kommunizieren kann.
karla11 hat geschrieben:Am Ende der Sitzung kam die Logopädin zu dem Schluss, dass sie mit unserer Tochter nicht mehr arbeiten müsse, sondern mit mir als Mutter. Ich spreche zu schnell und das sei die ganze Ursachen. Wenn wir daheim ein 1/4 Jahr lang sehr, sehr, sehr langsam sprächen, wäre es vorbei mit dem Stottern, wenn nicht, sind wir selbst Schuld.
Liebe Karla, ich kann anhand Deines Berichtes Deine Sprechgeschwindigkeit nicht beurteilen, aber lass Dir so einen pauschalen Unsinn nicht einreden.

Zu der Sprechgeschwindigkeit von Mütter stotternder Kinder siehe den Artikel "Das Geschäft mit dem Stottern".

Über kindliches Stottern unmittelbar nach seiner Entstehung kannst Du Dich in den folgenden Artikeln informieren: Ich hoffe, das hilft Dir, etwas Überblick zum Thema "Stottern bei Kindern" zu gewinnen, so dass Du die Situation Deiner Tochter besser einordnen kannst.

...

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Zuletzt geändert von paul.dest am 5. Dezember 2016 19:53, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Stottern 4 Jährige Tochter, bin ich Schuld?

Beitrag von karla11 » 28. Januar 2016 09:13

Lieber Paul,

ich danke Dir für Deine umfangreiche, freundliche Antwort.Die Links waren sehr informativ.Es bestätigt mein/ unser Gefühl und erleichtert den Therapeutenwechsel.

Liebe Grüße
Karla

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Re: Stottern 4 Jährige Tochter, bin ich Schuld?

Beitrag von BVSS » 28. Januar 2016 10:10

Liebe Karla,

auch ein Anruf bei unserer Fachberatung lohnt sich im Vorfeld sicher. Hier kannst du alles noch mal ausführlich und persönlich besprechen, auch wie es sinnvoll ist weiter zu machen und was du von einer/einem guten StottertherapeutIn erwarten darfst. Außerdem kannst du mit der Fachberaterin, die ebenfalls eine erfahrene Stottertherapeutin ist, auch über die Frage mit deinem Sprechtempo reden sowie generell darüber, wie du bzw. ihr als Familie eure Tochter unterstützen könnt. Im Anschluss können wir auch gerne schauen, ob wir Adressen von StottertherapeutInnen aus eurer Stadt in unserem Verzeichnis haben.

BVSS-Fachberatung zu Stottertherapie und Selbsthilfe
Donnerstag 17-20 Uhr
Freitag 12-14 Uhr
Durchwahl 0221 139 1108
Achtung: Entfällt nächste Woche wg. Karneval (4. und 5. Februar).

Alles Gute
Deine
BVSS

PS: Vermutlich kennst du unsere Homepage bereits, da du den Weg ins Forum gefunden hast. Zur Sicherheit hier aber noch zwei Tipps: Unser Familienseminar (http://www.bvss.de/elternseminar) und das Informationsmaterial, insbesondere die Broschüren "Was Sie schon immer über Stottern wissen wollten" und "Wenn Kinder stottern - Tipps zur Therapeutensuche" (http://www.bvss.de/infomaterial)
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Re: Stottern 4 Jährige Tochter - hilf ihren Lebenskräften !

Beitrag von F.J.Neffe » 30. März 2016 21:18

Wenn wir Menschen mit einem Problem erleben, denken wir in der Regel sofort DAS PROBLEM und nicht die Lösung. Was wir dabei fühlen + denken, das strahlen wir aus und das macht dann die ATMOSPHÄRE noch günstiger für das Problem.
Zwei Aspekte sehe ich für die Lösung als wichtig an:
1. Ich ändere mich und konzentriere mich auf Lösung, auf gute Entwicklung, auf Befreiung, auf Wachstum der Kräfte und stärke auch mich dafür.
Wenn ich dann mit mir eins bin, kann ich mich
2. an die Instanz im Kind wenden, in der die Lebensfunktionen gesteuert werden und dieser alles zudenken und zusprechen, was für die gute Entwicklung notwendig ist. Am wirksamsten ist das, wenn das Kind schläft, weil da nichts ablenkt.
Wenn du mit dir selbst im Reinen bist, versteht dich dabei sogar ein Baby; es geht durch Schwingung.
Beispiele für diese Schlafsuggestion finden sich im Coué Brief 9 im Net.
Im Unbewussten werden auf feinste Weise die Lebensfunktionen gesteuert. Gehe fein damit um, dann erreichst du auf feine Weise dein Ziel!
Ich freue mich auf Euren Erfolg.
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Re: Stottern 4 Jährige Tochter, bin ich Schuld?

Beitrag von Quarti » 6. August 2016 20:46

Meine Tochter ist auch manchmal stotterte. Dies zeigt sich vor allem, wenn die Tochter sorgen könnten. Ich habe sie unterstützt und inspiriert. Stottern ist ein Jahr vergangen.
"Wir kommen aus dem Nichts,
wir werden zu Nichts,
also was haben wir zu verlieren?
Nichts!"
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Re: Stottern 4 Jährige Tochter, bin ich Schuld?

Beitrag von Duddler89 » 14. November 2016 13:08

Sehr gut, dass alles gut ausgegangen ist, herzlichen Glückwunsch.

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Re: Stottern 4 Jährige Tochter, bin ich Schuld?

Beitrag von Tita2017 » 12. Februar 2017 22:57

" Gerade in der Kita wird unsere Tochter mittlerweile schon ausgelacht und gemieden.Sie möchte dort nicht mehr hin. Das tut mir so Leid."

Diese Aussage von dir geht mir durch den Kopf. Bei uns ist das Stottern noch ganz frisch. Habe Angst vor morgen, einem neuen Kita-Tag nach dem Wochenende. Nicht Angst vor den Erzieherinnen, sondern vor den Kindern. Meine Tochter (3) stottert seit ein paar Tagen ganz schlimm (bis zu 20 Wiederholungen pro Silbe). Die Erzieher kann ich ins Gespräch holen, aber die anderen Kinder?

Ich warte morgen auf Rückmeldung nach dem Kita-Tag. Sollte es zu Hänseleien durch die anderen Kinder kommen, nehme ich meine Tochter aus der Kita. Schicke sie zur Oma oder keine Ahnung... Aber ich möchte nicht, dass sie durch die Hänseleien anderer Kinder in dieser sensiblen Phase Schaden nimmt.

Liebe Grüße

Titas Mama

Nachtrag: Ja, am liebsten würde ich mit meiner Tochter - oder zusammen mit Papa und Schwester für ein paar Wochen auf eine karibische Insel auswandern, einer Insel, auf der es andere Kinder und Menschen gibt, die aber eine andere Sprache sprechen und daher das Stottern meiner Tochter gar nicht wahrnehmen.

Man weiß bis heute nicht, wann und warum sich Stottern in den einen Fällen verwächst, in den anderen Fällen manifestiert und für immer bleibt.

Ganz neu in der Materie lese ich von Fachseiten (wie dem Bundesverband) den Ratschlag, dem Stottern nicht zu viel Raum zu geben, die Kinder zum Sprechen zu animieren etc.

Je länger das Stottern anhält, desto stabiler wird es...

Wir sind noch ganz am Anfang.. Und ich überlege im Ernst.... Mehrere Wochen raus aus dem System? Alleine weg mit Kind? Sonderurlaub? Oder zur Oma? Wann, wenn nicht jetzt?

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Re: Stottern 4 Jährige Tochter, bin ich Schuld?

Beitrag von BVSS » 13. Februar 2017 10:31

Liebe Mama von Tita,

ergänzend zu deinem Austausch hier mit anderen Eltern möchten wir dir ans Herz legen, unsere Fachberatung zu kontaktieren. Auch hier kannst du über genau diese Gedanken und Nöte sprechen und bekommst direkt konkrete Tipps und Hilfestellungen von erfahrenen StottertherapeutInnen (die übrigens meist auch selbst Mütter sind). Also, falls du es noch nicht genutzt hast, hier der Hinweis auf die Zeiten und die Rufnummer:

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Alles, alles Gute für dich und deine Tochter!
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