Pseudostottern als Therapie bei Kindern

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Irina
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Pseudostottern als Therapie bei Kindern

Beitrag von Irina » 1. Januar 2008 22:05

Hallo,

hat jemand Erfahrung mit Pseudostottern als Therapie? Mein Sohn, 4,5 Jahe macht z.Zt. eine solche Therapie. Zu dieser Therapie gehört auch, dass ich als Mutter Zuhause das entspannte Stottern bei den Gesprächen mit meinem Sohn anwende.
Mich würde interessieren, ob jemand mit der Anwendung von Pseudostottern bei stotternden Kindern bereits Erfahrungen gemacht hat?

Quax
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Beitrag von Quax » 2. Januar 2008 01:10

Hallo Irina,

ich bin zwar selber kein ausgewiesener Experte (Logopäde o.ä.) und kann und will mir auch kein Urteil über die Therapie, die dein Sohn derzeit absolviert, erlauben.

Allgemein kann ich aber sagen, dass ich persönlich kein Fan von Pseudo-Stottern bin, es jedoch auch noch nie ausprobiert habe, zumindest nicht in konsequenter und professioneller Form. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, was eine solche Vorgehensweise bringen soll und ob damit die Symptomatik evtl. nur noch mehr genährt wird.

So wie ich es verstehe, soll mit Pseudostottern in erster Linie Angst abgebaut werden - dem Stottern soll willentlich Raum gegeben werden und somit seinen Schrecken verlieren.
Im Ergebnis soll somit die Symptomatik lockerer und weicher werden.

Für die Behandlung des kindlichen Stotterns eignet sich Pseudostottern m.A.n. weniger, da wie gesagt eher die psychologische Komponente ("Stottern offen zeigen") im Vordergrund steht, was für Kinder in diesem Alter eigentlich noch nicht nötig ist (wenn ich z.B. von meiner Kindheit ausgehe :wink: ).

Wie eingangs aber schon erwähnt, Irina, ich habe keine näheren Infos zum Konzept eurer Logopädin, der Symptomatik deines Sohnes o.ä. Paramentern.
... verfolgt euren Weg einfach weiter ... eure Logopädin wird sicherlich wissen warum sie diese Methode wählt und warum sie wie vorgeht. Vertraut ihr einfach und versuche es so umzusetzen, wie es angewiesen wird.

Einstweilen hoffe ich auf viele (evtl. konstruktivere) Antworten für dich ...
Viel Erfolg und Gottes Segen !

BERND 8) :D

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Pseudostottern mit Kindern

Beitrag von Jaspis » 2. Januar 2008 13:29

Hallo Irina,
ich habe von einem stotternden Vater gehört, dass er mit Pseudostottern bzw. gemeinsamen Stottern seiner Tochter sehr gut helfen konnte. Dadurch wurde verhindert, dass das Stottern "hart" wurde, die Tochter fand spielerisch und "weich" aus Blockaden heraus und stottert heute gar nicht mehr. Das ganze wurde meines Wissens logopädisch begleitet, aber die Idee dazu kam vom Vater selbst.

Gruss, Karen

Irina
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Beitrag von Irina » 10. Januar 2008 10:34

Hallo Karen,

bei dieser Therapie soll wie Du schon beschrieben hast das Stottern nicht mit Anstrengung verhindert werden, sondern bewusst zugelassen werden, aber eben entspannt, um wie Du schon sagtest das Stottern weich zu machen. Als Eltern haben wir ja bekanntlich eine Vorbildfunktion eben auch beim Sprechen. Und indem wir das entspannte Stottern ebenfalls anwenden und uns auch bemühen generell langsamer zu sprechen (wir Erwachsenen bemerken gar nicht wie schnell wir manchmal reden.....das liegt wohl an unserem hektischen Alltag) . Er wird sehen, dass wir entspannt stottern und es aber auch sein lassen können.
Durch viele spielerische Übungen wird ihm nah gebracht die Worte konzentrierter auszusprechen. Um das zu verstehen ist er noch zu klein und dass muß er auch nicht, schließlich soll das Sprechen ihm nach wie vor Spaß machen. Aber wir hatten schon zwischendurch überraschende Ergebnisse, die uns die Hoffnung geben, dass auch wenn er immer ein Stotterer bleiben wird es soweit im Griff haben wird, dass er selbst damit klar kommt.
Die Anwendung des Pseudostotterns hatte mir selbst geholfen das Stottern etwas besser zu verstehen.
Trotzdem wäre es interessant aus Erfahrungen anderer Eltern, die eine solche Therapie machen oder gemacht haben etwas mehr zu erfahren.

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Pseudostottern mit Kindern

Beitrag von Jaspis » 10. Januar 2008 12:20

Hallo Irina,
was mich noch persönlich interessiert: Wann setzt Ihr das Pseudostottern ein? Immer, oder wenn Euer Sohn unflüssig wird, oder z.B. nur wenn er selbst flüssig spricht?

Ich hoffe natürlich für Dich, dass sich noch andere Eltern melden, die diese Art von Therapie mit ihren Kindern machen. Vielleicht lesen davon gerade keine mit, jedoch evtl. später.

Viel Glück mit Eurem Sohn,
Karen

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Beitrag von Irina » 14. Januar 2008 15:16

Hallo Karen,

wir wenden das Pseudostottern eigentlich immer ganz spontan an. Natürlich dann etwas verstärkt, wenn wir ganz intensiv zusammen im Kinderzimmer spielen. Vor einigen Tagen allerdings sagte er zu mir und später dann dem Logopäden, daß er keine Spiele mehr mit Schnecken- und Ballworte (so nennen wir das Pseudostottern, d.h. Schneckenworte werden gedehnt: Aaaauto und Ballworte hüpfen: B-b-ball) mehr machen möchte, weil im das zu anstrengend ist (dabei macht er das echt super und völlig entspannt und wendet sogar wenn er alleine spielt diese sogenannten Schneckenworte an). Ich vermute einfach dass er jetzt eine Abwechslung möchte. Das interessante war, dass er beim Abendbrot aus eigener Initiative heraus bewusst einen Satz sehr langsam aber dafür sehr flüssig ausgesprochen hatte. Ich hatte mich sehr darüber gefreut, denn manchmal frage ich mich schon, ob und was von den Übungen ankommt. Ich wende das Pseudostottern nun überwiegend beim Vorlesen an und versuche nun spielerische Übungen anzuwenden, wo sehr langsames Sprechen erwünscht ist, oder z.B. auch Worte von den Lippen ablesen (dabei muss er sich sehr auf die Aussprache konzentrieren, damit ich das Wort erraten kann). Ich mache mir schon ziemlich Gedanken, ob wir genug für unseren Sohn tun, oder ob wir das richtige machen.
Man muss sich eben sehr viel in Geduld üben und schließlich ist er noch mit seinen 4 1/2 Jahren mitten in der Sprachentwicklung und das macht das Stottern noch mal etwas verstärkt.

Vielen Dank für Dein Interesse Karen,
viele Grüße Irina

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Michael13
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Beitrag von Michael13 » 27. Januar 2008 00:27

Hallo liebe Irina, liebe Forums-LeserInnen,

beim Lesen deines Beitrages und dem Wunsch deines Sohnes nach Abwechslung könnte ich mir vorstellen, dass das Medium Musik vielleicht ganz interessant wäre. Im "internationalen Forum" gibt es eine Rubrik mit Liedern, die Stottern beinhalten - http://forum.bvss.de/viewtopic.php?t=707

Ich meine er könnte ja auch versuchen, spielerisch und singend das Stottern einzubauen, was a.) nicht nur ein anderer Ansatz wäre, b.) die Stimme an sich auch schult und c.) ihm vielleicht auch das Gefühl geben würde, dass er in gewisser Weise da etwas "cooles" macht ... Damit kann er auch mal Freunden davon erzählen, die das vielleicht auch "cool" finden.

Ich meine, ich hätte als Kind wohl auch Probleme damit, längere Zeit Schneckenwörter zu wiederholen geschweige denn meinen Freunden davon zu erzählen, doch wenn ich z.B. Falcos "R-r-rock me Amadeus" inklusive "S-s-s-s-uperstar" singen würde, könnte ich meine Freunde vielleicht sogar dafür begeistern :) ...

Naja, war so eine spontane Idee ... habe in den letzten Tagen häufiger Falco gehört und fand ihn nach Jahren Nichthörens echt "cool" :) ... zudem traf ich vor reichlich vier Jahren mal einen Dresdner Künstler, der mir ein Pseudostottern par excellence vormachte und dann meinte, dass man das Stottern eigentlich kultivieren sollte ... Seine Worte sind mir heute noch im Ohr.

So weit, so gut ... alles Gute für dich und deinen Sohn, ciao Micha.

Muddel
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Re: Pseudostottern als Therapie bei Kindern

Beitrag von Muddel » 8. Januar 2009 16:38

Hallo Irina,
ich bin Logopädin und auf Stottern spezialisiert. Ich wende Pseudostottern sehr häufig an, vor allem auch gerne in der Therapie mit kleinen Kindern. Pseudostottern wird in der Regel aus zwei Gründen durchgeführt: zum einen, um "lockeres, entspanntes" Stottern zu üben. Zum anderen, und das ist nach meiner Meinung der wesentliche Punkt, soll durch Pseudostottern ein offener Umgang mit Unflüssigkeiten ermöglicht werden- das Kind merkt, dass es nicht schlimm ist, unflüssig zu sprechen. Dies nennt man "Desensibilisierung" und soll verhindern, dass negative Emotionen aufgebaut werden. Schließlich sind selbst junge Kinder ja schon (manchmal erschreckend gut) in der Lage, ihre Sprechweise wahrzunehmen. Sie merken, dass etwas "nicht stimmt" und sich verändert hat, aber sie kommen "nicht dagegen an". So ist die Gefahr sehr groß, dass sich negative Gefühle und negative Verhaltensmuster aufbauen, z.B. Sprechangst, Vermeideverhalten etc. Dadurch entsteht ein Kreislauf- etwas platt gesagt: je mehr das Kind das Stottern vermeidet, desto mehr Angst baut sich auf, desto stärker wird das Stottern etc. (ganz so einfach ist es natürlich nicht, aber ich hoffe es wird deutlich, worauf ich hinaus will !) Das Pseudostottern ist nach meiner Erfahrung eine sehr gute Möglichkeit, zusammen mit dem Kind spielerisch gegen den Aufbau negativer Emotionen zu arbeiten. In vielen Fällen reduziert sich allein hierdurch schon die Symptomatik.
Ansonsten- sprich die Logopädin auf die Therapie an, lass Dir Ihre Hintergründe erklären und formuliert gemeinsam, was ihr euch von der Therapie erhofft!

Ich hoffe, ich konnte ein bisschen helfen!
Nina

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