Ich kann nicht reden Mama...

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yannicknoah
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Ich kann nicht reden Mama...

Beitrag von yannicknoah » 11. Mai 2008 22:30

...dieser Satz hat mich heute abend sehr traurig gemacht beim abendlichen Buchlesen mit meinem fast 3jährigen Sohn. Er hat immer mal Phasen, bei denen er beim sprechen hängen bleibt zu Beginn eines Satzes. Ich war bisher recht entspannt im Umgang damit, nur heute hat es sich anderst angefühlt. Er hat im laufe des Tages ein paar mal einen Satz nicht beginnen können, konnte nur einen Buchstaben sprechen und hat fast geweint, wenn es nicht weiter ging. Oweia, das geht mir echt sehr nah, wenn ich nur an die Situationen jetzt denke. Er ist seit einer Woche im Kindergarten, hatte 3-4 Wochehn voher keine gute Phase und ich befürchtete, das es sich jetzt steigert, weil Stress dazu gekommen ist. Soll ich noch warten, bis die Eingewöhnu ng überstanden ist? Läuft bislang auch gut, nur kurz ein paar Tränchen? Brauches professionelle Hilfe?
Gruß Yannicknoah

F.J.Neffe
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Mama könnte TALENTE BE-STIMMEN lernen

Beitrag von F.J.Neffe » 13. Juli 2008 19:09

Überleg mal: Kindergarten signalisiert: "Du bist uns nicht gut genug!" Mutter erschrickt und macht sich Sorgen, das verändert ihre Ausstrahlung und die Atmosphäe damit noch mehr in Richtung Belastung. Alles staut einen zurück und wartet gleichzeitig auf den Durchbruch!
Noch schöner kann man das erste STOTTERN doch gar nicht vorbereiten!
Und jetzt nehmen auch noch alle das Problem wichtig und stecken ihre ganze Energie hinein!
Und die Kräfte der Persönlichkeit, die sich missverstanden und nicht gut genug fühlen und sich total erschöpft haben, müssen auch noch zuschauen, wie die ganze Energie an ihrer Nase vorbei dem Problem zugeführt werden und es groß machen. So groß, dass schon alle - wie vor einem Götzenbild - in die Knie gehen.
Wo ist die Leichtigkeit des Seins geblieben?
Warum nur konzentriert Ihr Euch alle auf die SCHWERE des Lebens?
In der neuen Ich-kann-Schule, würde ich die Sprech UND Persönlichkeitstalente Deines Sohnes gerade jetzt ganz besonders fein begrüßen. Unter solchen Bedingungen hätte es mir auch die Sprache verschlagen, das ist ganz normal. Ich wäre kein bisschen traurig, denn ich würde schon hinter den Wolken die ersten Sonnenstrahlen blitzen sehen. Die gezeigte Schwäche würde mich gar nicht interessieren: die feinen Talente der Sprache, Ausdrucksweise, Darstellung usw. Deines Sohnes hätten mein allergrößtes Interesse und ich würde so fasziniert nach ihnen fragen, dass wir uns bald im lebhaftesten Austausch über ihre gute Entwicklung befänden. Das hab ich übrigens vor Jahrzehnten schon erfolgreich auch mit erwachsenen Stotterkünstlern probiert. WIR selbst sind die Herren unserer TALENTE, doch was man beherrschen will, muss man bedienen lernen. Auch der Umgang mit seinem Sprechtalent hat seine Gesetze. Geistige gesetze. In Coués Autosuggestion findest Du sie kurz und praktisch mit Lösungsbeispielen.
Das Leben stellt uns schwierige Aufgaben immer wenn es gilt, besondere TALENTE zu heben. Also: sprich die Talente an und werde ihr bester Freund, dann werden sie auch Deine besten Freunde! Ich wünsche guten Erfolg.
Franz Josef Neffe, DCI
[i]"Nicht der Wille ist der Antrieb unseres Handelns sondern die Vorstellungskraft." [/i] Émile Coué

pinky
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Re: Ich kann nicht reden Mama...

Beitrag von pinky » 1. Dezember 2008 10:27

Ich kann mit dir mitfühlen. Als MUtter fühlt man sich so verantwortlich, aber man kann einfach nicht helfen :-(

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Ernst-Martin
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im Kindergarten ...

Beitrag von Ernst-Martin » 2. Januar 2009 14:06

die Talente heben ... gewiß!

Welche Talente können sich bei Deinem Sohn im Kindergarten entwickeln?

Wäre es nicht auch hilfreich, ihm eine junge Kindergärtnerin als Bezugsperson zur Seite zu stellen, bis er sich eingewöhnt hat?

Ich halte die 1. Enttäuschung im Kindergarten für normal ... manchmal setzt sie sich auf am Anfang des Berufslebens fort, bis man sich gefangen hat.
Ich spielte damals schon gerne Mühle, Dame und vor allen Dingen Schach ...
Deshalb erstmal die Talente heben ...
§prost
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x = Sprechen

Beitrag von F.J.Neffe » 2. Januar 2009 14:48

Haben wir nicht alle mal ein wenig ALGEBRA gelernt: Rechnen mit einer Unbekannten?
Kein Mensch, auch der Lehrer nicht (außer er hat in seinem Lösungsverzeichnis nachgeschaut), weiß am Anfang, wie die Lösung ausschaut und wie sie heißt. Aber der Lehrer weiß, wenn wir nur davon ausgehen, dass wir es am Schluss wissen werden, und wenn wir mit diesem Vertrauen jeden Rechenschritt gehen, dann steht am Schluss z.B. da: x = 17.
Mit unseren Talenten ist es doch nicht anders: Dem Talent, mit dem wir rechnen und mit dem wir einen Schritt nach dem anderen machen, stehen wir am Schluss gegenüber. Wenn wir mit Angst gerechnet haben, steht am Schluss: x = Angst. Wenn wir mit Stottern gerechnet haben, steht am Schluss: X = Stottern. Wenn wir mit Nicht-helfen-können gerechnet haben, steht am Schluss: x = Nicht-helfen-können. Wenn wir mit Frei Sprechen gerechnet haben, steht am Schluss: x = Frei Sprechen. Wenn wir mit Zweifeln gerechnet haben, steht am Schluss: x = Zweifeln. Ganz gleich, ob wir an Algebra glauben und sie verstanden haben, wenn wir nur nach den Regeln rechnen, steht am Schluss unser x = __. Was genau das Talent ist, können wir bei viel Erfahrung vielleicht vorher schätzen, aber konkret erfahren wir es immer erst am Schluss. Es ist also sinnvoll, davon auszugehen, dass man am Ende immer genau das Talent gefunden und befreit hat, um das es geht. Wenn wir immer schon vorher festlegen wollen, was am Ende herauskommen muss, dann erleichtert das das Finden eines guten Ergebnisses nicht.
Wir sind durch eine künstlich konstruierte Pädagogik heute ohnedies dazu verleitet, die Talente immer an der verkehrten Stelle zu suchen. Wenn jemand Rechtschreibfehler macht, dann schreiben wir seine Schreibtalente ab und fördern sein Rechentalent. Bei dem, was er eh alleine kann, hilft ihm der Lehrer; bei dem, wo er Aufbauhilfe bräuchte, sagt der Fachmann: "Das kann er nicht, das wird er nie können." - welch ein Umgang mit dem Leben!
Ich rechne als Ich-kann-Schule-Lehrer ganz anders: Dem Kind, das Rechtschreibfehler macht, sage ich: "Du hast besonders feine Schreibtalente, sie sind nur schwach und noch nicht entwickelt und die Fehler zeigen uns, was ihnen fehlt. Deine Schreibtalente haben Hunger und wir müssen ihnen Kraftfutter geben, dann können sie schon." Ich weiche nicht auf andere Talente aus, ich stärke die SchreibSTÄRKE hinter der SchreibSCHWÄCHE. Das Ergebnis ist immer in vielfacher Hinsicht erfreulich: Die tatsächlich betroffenen Talente verhungern und verwahrlosen nicht mehr, sie erholen sich, sie entfalten ihr können zu aller Freude und sie werden meine Freunde, da ich ja ihr Freund bin. Unter Freunden ist vieles möglich. Würde ich die übliche Du-musst-Pädagogik machen, so müsste ich permanent alle Fehler ausspähen und den Talenten bestätigen, dass sie Versager sind. Ich mache es gerade umgekehrt: Ich bestätige den geschwächten Talenten schon bei der ersten Begegnung, dass sie gut sind, und ich sage das auch so, dass es jeder hören kann. Das tut den Talenten gut und gibt ihnen ihre Würde zurück. Wenn ich sie weiter so behandle, erholen sie sich und erstarken, und dann können sie das, was ich ihnen vorab bestätigt habe. Dafür dass ich bereit war und bin, ein Risiko für ihre Güte einzugehen, sind sie mir Freunde. Und wenn der Betroffene selbst dann mit seinen Talenten so umgeht, werden sie auch seine Freunde und entwickeln sich demgemäß.
Ich wünsche allen die Freundschaft aller ihrer Talente.
Franz Josef Neffe
[i]"Nicht der Wille ist der Antrieb unseres Handelns sondern die Vorstellungskraft." [/i] Émile Coué

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