Freundschaft

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NicciLA
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Freundschaft

Beitrag von NicciLA » 10. November 2006 14:36

Hallo liebe Forummitglieder!

Mein Name ist Nicci und ich hab etwas auf dem Herzen, ich weiß aber nicht ob ich hier richtig bin. Wenn nicht, dann ignoriert es bitte einfach.

Es ist so, dass ich vor einigen Monaten einen Mann kennengelernt hab, der starker Stotterer ist. Wir haben uns schon öfter verabredet und wir verstehen uns auch sehr gut. :)
Nur ist es nun so, dass er einige Tagen sehr offen und humorvoll ist und dann kann es sein, dass er sich wieder eine Zeit lang vollkommen verschließt.
Ich mache mir natürlich Gedanken, und da ist mir aufgefallen, dass er sich immer volkommen anders verhält, wenn er einmal in meiner Gegenwart extrem zu stottern angefangen hat. Kann es da einen Zusammenhang geben, dass ihm das so peinlich ist, das er sich völlig in sich kehrt?
Wie könnte ich ihm helfen?
:cry: Liebe Grüße & danke für eure Hilfe
Nicci

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Frankie
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Beitrag von Frankie » 10. November 2006 16:05

Hallo Nicci,

Du bist schon im richtigen Forum gelandet.

Könnte durchaus sein, dass ein Zusammenhang besteht. Habt ihr mal über sein Stottern geredet? Vielleicht entspannt es die Angelegenheit, wenn Du ihm sagst, dass es Dir nichts ausmacht (oder macht es Dir was aus?). Stottern sollte auch kein Tabuthema zwischen euch sein.

Macht Dein Freund etwas gegen sein Stottern? Es scheint, als ob er Scham- und Angstgefühle im Zusammenhang mit seinem Stottern hat. Das ist nicht ungewöhnlich, kann aber im Rahmen einer vernünftigen Therapie gut behandelt werden. Nur mögen es Stotternde nicht so gerne, wenn wohlmeinende Außenstehende sie zu einer Therapie überreden möchten... hier ist also eine diplomatische Vorgehensweise angesagt :wink:

Grüße,
Frank

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NicciLA
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Beitrag von NicciLA » 10. November 2006 22:34

Hallo Frank,

vielen vielen Dank für deine Antwort. Ja, wir haben einmal über sein Stottern gesprochen, ich habe ihm auch gesagt, das es mir nichts ausmacht. Allerdings ist es so, dass ich manchmal unruhig werde, wenn ich merke, dass er Panik kriegt und anfängt zu Zittern und zu Zucken, je nach Situation, wenns halt besonders schlimm ist. Und ich bin mir sicher, das er das ja auch merkt.
Es ist auch so, dass ich (genauso wie er) sehr schüchtern bin, das heißt, es wird mich gehörig Mut kosten das anzusprechen.
Als wir dieses eine mal drüber geredet haben, haben wir so grob drüber geredet und er meinte, er könne da drüber reden und es macht ihm nicht viel aus. Es war also GARNICHT tiefgründig, er hat es eher als kleinstes Problem abgetan.
Das Gefühl habe ich nun aber garnicht, weil ich merke, das das zwischen uns steht. Ich merke auch, das er öfter halbwahrheiten erzählt, um z.B. nicht mit mehreren Personen was trinken gehn zu müssen und eben bestimmten Situationen zu entfliehen.
Er hat mir erzählt, dass er ständig bei einem Logopäden in Behandlung ist aber keinen Erfolg sieht, und auch nicht dran glaubt, dass noch was helfen kann. (Er hat sich schon einmal ein Jahr in stationärer intensivtherapie befunden, nach der er stotterfrei war, nur kam dann in der alten Umgebung ein Rückfall)
Ich habe auch das Gefühl (ich will ja nicht Psychologe spielen) das er psychologische Hilfe bräuchte.
Aber wie du schon gesagt hast, es ist schwierig so eine Idee in Richtung Therapeut zu äußern...

Grüße und schönen Abend!

Nicci

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Ernst-Martin
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einen stotternden Freund

Beitrag von Ernst-Martin » 11. November 2006 19:44

Liebe Nicci,
:lol:
ich freue mich, daß Du Deinem Freund eine Chance für die gemeinsame Zukunft mir Dir gibst.

Ich bin kein Therapeut - aber ich will Dir erzählen, wie ich gerne ein Stell-Dich-ein mit einer jungen Dame gehabt hätte

Es ist schon richtig, wenn ich in eine Umgebung "hineingehen" soll, in der ich sprachliche Befürchtungen hege - ist es erstmal besser, ich bleibe draußen. Ich muß erst einmal abwägen: was bringt sie mir und was riskiere ich.
8)
Der Anfang ist oft das Schwierigste.
Ich habe die Begegnung mit "lasst Blumen sprechen" angefangen und "sie" dann in eine Parkanlage eingeladen - noch lieber in einen gepflegten "Friedhofs-Garten". In dieser Atmosphäre taute ich schnell auf und wenn es nun zu einer vertraut-verstehenden Zweisamkeit kam, meisterte ich den entsprannten Redefluß ganz gut und bekam dadurch Mut, auch in die Öffentlichkeit zu gehen.

Natürlich mußte ich die erste Zeit immer wieder zurück in die Friedhofsanlage - aber nach einiger Zeit gar nicht mehr; allerdings auch deshalb, weil ich niemand mehr hatte, der mitgehen wollte ...
:cry:
Daß Umfeld machts ... und die Übung im Sprechen (Stotternde ohne "Publikum" stottern meistens nicht ...!

Es gibt sicher Berufene, die dies auch wissenschaftlich begründet ausdrücken können ....

Alles Gute für Dich und Deinen Freund - hat er auch Hobby, in die er sich zurückziehen kann, um aufzutanken?
Laß ruhig wieder einmal etwas von Dir hören es ist immer erfreulich, von guten Anfängen zu hören.
:wink:
Ernst-Martin,
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djub
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Beitrag von djub » 15. November 2006 10:37

Ich war immer genau so wie dein Freund und bin es auch jetzt noch nicht ganz los. Eigentlich bin ich total gesprächig und schlagfertig. Aber nach einem starken Block bin ich zumindest früher immer für Stunden verstummt. Heute versuche ich GERADE dann weiterzusprechen.

Nur so kann man Selbstbewusstsein aufbauen.

In dieser Phase wäre es allerdings für mich ein Horror gewesen, auf mein Stottern angesprochen zu werden. Und diese Phase ist noch nicht lange her.

Meine Sprechangst ist auch einer der Hauptgründe, warum ich bis zu meinem 21. Lebensjahr keine längere Beziehung hatte, obwohl etliche Mädchen und später Frauen (trotz meines Stotterns) Interesse angemeldet haben. Ich habe mich einfach minderwertig gefühlt und habe deshalb nie jmd. langfristig an mich rangelassen.
Das tragisch komische daran ist, dass die meisten Menschen um mich herum, mich eher bewundert haben. Das habe ich aber damals gar nicht registriert, weil das Stottern eine viel zu große Rolle in meinem Kopf spielte.
Ich habe auch gelernt, dass nur ich selbst für mich herausfinden kann, dass ich mich von meinem Stottern nicht unterkriegen lassen darf und mir kein Dritter (also etwa ein Therapeut) bei dieser Erkenntnis behilflich sein kann.
Als Stotterer ist man darauf aus, sein Problem zu vedrängen. Man will sich so wenig wie möglich damit beschäftigen.
BIS MAN ES ALS PROBLEM AKZEPTIERT!
Und seitdem arbeite ich wirklich für mich (und nicht für den Therapeuten)an meinem Sprechen und vor allem an MIR!

Ich war schon immer recht aufgeschlossen, lebensfroh und selbstbewusst, mein Stottern hat mich aber dennoch immer sehr ausgebremst. Und heute ärgere ich mich über all die Chancen, die ich nicht ergriffen habe, weil ich Angst hatte zu stottern.
Und so wird es deinem Bekannten auch gehen. Jeden Abend wird er zu hause im Bett liegen und sich über sich selbst ärgern, dass er wieder nicht das gesagt hat, was er sagen wollte, weil er es in dem Moment nicht konnte. Das ist auch ein unsagbar frustrierendes Gefühl.

Wenn du geduldig bist, dann ist das beste was du machen kannst, für ihn da zu sein. Allerdings solltest du nach einiger Zeit auch selbstbewusst genug sein, ihn "zur Rede zu stellen" und ihm auch mal in den Hintern zu treten, dass er sich nicht im Selbstmitleid verliert.
Mir hat die z.B. Lektüre von Stotterliteratur und von diversen Foren sehr geholfen mein Stottern zu entdämonisieren.

An dem Abend, an dem mir zum ersten Mal absolut bewusst wurde, dass es so nicht weitergehen kann und ich mein Stottern und meine damit verbundenen Ängste ernsthaft anpacken muss, habe ich meine jetzige Freundin kennen gelernt, ihre Telefonnummer bekommen und mich zwei Wochen später mit ihr getroffen. Jetzt wohenn wir zusammen und sind seit fast einem Jahr ein glückliches Paar.

Vllt. klappt das ja auch bei euch. :)
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Tarantandy
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Beitrag von Tarantandy » 15. November 2006 11:18

Hallo djub,

bitte beachte die "PN", die wir Moderatoren dir geschrieben haben.

Danke

Andi.

Gast

Beitrag von Gast » 15. November 2006 18:43

Guten Abend ihr alle.... :wink:

Ernst-Martin, noch zu deiner Frage:
"hat er auch Hobby, in die er sich zurückziehen kann, um aufzutanken?"
Ja, er hat schon Hobbies die im Spaß machen und von denen hat er mir schon erzählt. :wink:
Und ich hab schon auch das Gefühl, dass mit jedem mal wenn wir reden alles ein bisschen leichter und entspannter wird.
Wie ist das nun, wenn ich mit ihm wo hingehen will, sei es z.B. ein Café oder ähnliches, soll ich dann für uns beide bestellen oder soll ich ihn das selber machen lassen, weil es ihn viell. demütig, wenn ich ihm anbiete für ihn mitzubestellen?
Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie frustrierend und peinlich es für einen Stotterer ist, wenn er einen "Block" wie ihr das glaub ich nennt (seht ihr hab was gelernt...) hat. Und irgendwie auch logisch, dass man da resigniert aber ich denk mir man braucht auch Hilfe von außen, und sei es ein guter Freund/ Freundin der einem Selbstvertrauen einflöst, um sich aufzurappeln und es mit dem Problem aufzunehmen, weil einfach zu schweigen ist sicher nicht die Lösung, man kann dann wieder seine Gefühle und Meinung ausdrücken, noch findet man so Freunde...
Ich bin wirklich froh, dass ich mich hier bei euch informieren kann, und euch auch fragen darf... weil es eben manchmal schwierig ist, sich hineinzufühlen aber dank euch kann ich bestimmt besser reagieren und auf ihn eingehen :D
Also nur her mit den Tipps ...! :lol:

Grüße & eine gute Nacht!!!
Nicci

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Ralf_D.
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Beitrag von Ralf_D. » 15. November 2006 19:11

Anonymous hat geschrieben: Wie ist das nun, wenn ich mit ihm wo hingehen will, sei es z.B. ein Café oder ähnliches, soll ich dann für uns beide bestellen oder soll ich ihn das selber machen lassen, weil es ihn viell. demütig, wenn ich ihm anbiete für ihn mitzubestellen?
Hallo Nicci,
also eigentlich ist es immer besser, wenn der Stotterer selbst bestellt, auch wenn's schwer fällt.
Es sei denn, Dein Freund bekommt das Wort, was er dann sagen will, absolut nicht heraus, aber dann kann er ja immer noch auf die Karte zeigen :wink:
Vielleicht möchte Dein Freund, dass Du für ihn bestellst (obwohl er es selber auch könnte), weil er sich ganz einfach nicht traut. Das ist dann wieder das berühmte "Vermeidungsverhalten", über das hier auch schon gesprochen wurde. Es führt bei ihm zwar zu einer kurzfristigen Erleichterung, verstärkt aber die Angst vor dem "nächsten Mal" umso mehr. Lies mal den entsprechenden Thread dazu.

Frag Deinen Freund doch mal, ob er sich nicht auch in diesem Forum anmelden möchte. Es ist oft leichter, etwas zu beurteilen, wenn man es aus "erster Hand" hört.

Gruß
Ralf
We are Motörhead und we play Rock n' Roll!

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NicciLA
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Beitrag von NicciLA » 15. November 2006 20:02

Hallo nochmal!!! :wink:
Ja ich hab mir jetzt natürlich gleich den Tread "Vermeidungsverhalten" ganz durchgelesen. Ist sehr interessant, wie schon vorher erwähnt hilft mir das sehr Stotternde zu verstehen.
Aber ich fand auch die Aussage von djub interessant und gleichzeitig schockierend, dass er niemanden an sich ran kommen ließ, aufgrund seines Stotterns. Das kommt mir nämlich sehr bekannt vor.
Doch das eigentliche Problem dabei ist, das der andere das dann sehr schnell als Desinteresse deuten kann.
:arrow: Und folglich den Kontakt zu dem Stotternden abbricht
:arrow: was dem Stotternden wiederrum bestätigt, dass er nicht liebenswert ist.
Eine Herausforderung für Außenstehende finde ich...
Mit dem Café ja das stimmt schon Ralf, da hast du vollkommen Recht, vielen Dank. Ich werde ihn selber bestellen lassen, weil es das beste ist, wenn er da mal durch muss, naja, okay "mal" sind wohl eher viele Male, aber ich hab verstanden dass es ja durch Vermeidungsverhalten nur schlimmer wird.
Wisst ihr, ihr macht mich jetzt richtig ermuntert ihm unter die Arme zu greifen und ihm auch mal klar zu sagen, dass er sich aufrappeln muss und dass er was tun muss, wenn er ne Besserung will...
Viele Grüße, Nicci

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Ernst-Martin
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das Cafe ..

Beitrag von Ernst-Martin » 15. November 2006 21:29

Liebe Nicci,
:lol:
Ralf, der Moderator, hat vollkommen Recht, "er" soll ritterlich für Dich bestellen - notfalls mit Hilfe der Speisekarte; aber dies muß vorher auch auf der Straße geübt worden sein. Vielleicht kann er mal es mit "laut und deutlich"-Sprechen versuchen und im Stehen; hier bleibt die Luftsäule erhalten.
8)
Voraussetzung ist jedoch, daß der gute Freund sich im Cafe wohlfühlt (das Umfeld stimmt - es gibt aber auch noch andere Orte); auch die Bedienung kann dazu beitragen ... (vielleicht kannst Du vorher mit ihr sprechen, so daß sie mehr auf ihn eingeht, obwohl sie wenig Zeit hat - der Hinweis auf ein großzügigeres Trinkgeld (+ 10 %) kann Wunder wirken ...); mich hat mal eine gefragt, ob mir ihr Busen so gut gefällt, weil ich unbewußt plötzlich beim Sprechen stockte ... ich besuche dieses Cafe heute noch und es kennt mich jeder.

Ich kann nur Vermutungen anstellen, weil ich Deinen Freund nicht kenne - vielleicht spricht er auf eine Psychologin an ... und nicht aufgeben!
:wink:
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Beitrag von NicciLA » 15. November 2006 21:40

Ernst-Martin Schneider hat geschrieben: Voraussetzung ist jedoch, daß der gute Freund sich im Cafe wohlfühlt (das Umfeld stimmt - es gibt aber auch noch andere Orte); auch die Bedienung kann dazu beitragen ... (vielleicht kannst Du vorher mit ihr sprechen, so daß sie mehr auf ihn eingeht, obwohl sie wenig Zeit hat - der Hinweis auf ein großzügigeres Trinkgeld (+ 10 %) kann Wunder wirken ...)
Guten Abend, ich werde noch richtig fleißig, 3 Beiträge an einem Abend :wink:

Denkst du ich sollte wo anders hingehen? Das würde mir nichts ausmachen weißt du... Ich weiß nicht, was einem Stotterer am leichtesten fällt bzw. in welcher umgebung er sich am wohlsten fühlt, ich hab ihn gefragt wo er hingehen möchte, aber darauf gibt er mir keine auskunft.

Ernst-Martin Schneider hat geschrieben: Ich kann nur Vermutungen anstellen, weil ich Deinen Freund nicht kenne - vielleicht spricht er auf eine Psychologin an ... und nicht aufgeben!
:wink:


Was meinst du mit "vielleicht spricht er auf eine Psychologin an"?
Hab ich nicht verstanden... :oops: :wink:

Grüße bis später... (was ja sicher ganz bald sein wird... :-))

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das Ausgehen und sich aussprechen ..

Beitrag von Ernst-Martin » 16. November 2006 08:46

NicciLA hat geschrieben:
Denkst du ich sollte wo anders hingehen? Das würde mir nichts ausmachen weißt du... Ich weiß nicht, was einem Stotterer am leichtesten fällt bzw. in welcher umgebung er sich am wohlsten fühlt, ich hab ihn gefragt wo er hingehen möchte, aber darauf gibt er mir keine auskunft.
Liebe Nicci,
:lol:
ja, wenn er nicht ins Cafe will, würde ich mich erst einmal woanders ausführen lassen. Falls er sich mit Dir aussprechen will, würde ich eine Parkanlage oder ähnliches bevorzugen - ein paar Menschen sollten schon in der Nähe sein. Hoffentlich liebt er auch Blumen ... für Dich!
8)
Könnt Ihr auch gemeinsame Tätigkeiten verrichten - z.B. Backen oder Kochen - dies verbindet und hebt das Selbstbewußtsein.
:)
NicciLA hat geschrieben: Was meinst du mit "vielleicht spricht er auf eine Psychologin an"?
Hab ich nicht verstanden... :oops: :wink:
Über die Kirche kann Dir sicher eine "Psychologin" vermittelt werden; das 1. Zusammensein kostet in der Regel nichts.
Sie könnte abklären, ob er sich als Ehemann/Familienvater geeignet fühlt und überhaupt, welche Zukunft er sieht- vielleicht mit ihrer Hilfe.
Übrigens, auch Pfarrerinnen sind auch dafür "ausgebildet" - besonders wenn sie verheiratet sind ... und könnten zwischen Dir und Deinem Freund vermitteln.
Wie auch immer - er muß aus sich herausgehen und seine Anpassungsfähigkeit an das zukünftige Leben zeigen.
:wink:

Weiterhin viel Glück und ich halte Euch beide Daumen ..
Ernst-Martin,
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Beitrag von NicciLA » 16. November 2006 11:39

Guten Morgen,
ja Backen und Kochen- das ist wirklich ne super Idee.
Auch das ist mit der Parkanlage ist eine super Idee muss ich sagen, stell ich mir schon mal romantisch vor… ;-) Und jetzt bin ich auch schon ganz neugierig, wo es in Augsburg geeignete Parkanlagen gibt, die werde ich dann nämlich gleich mal ansteuern… ;-)
Wie du ja gesagt hast – er müsste aus sich herausgehen –…
Denkt ihr ich kann das Stottern einfach so ansprechen? Denkt ihr er wird darüber reden wollen? Manchmal kommt es mir so vor als wollte er eben einfach allem aus dem Weg gehen, „Vermeidungsverhalten“ eben, und deshalb bin ich auch nicht besonders zuversichtlich, dass er sich mit mir aussprechen will…

Grüße…!

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Beitrag von Ernst-Martin » 16. November 2006 15:52

NicciLA hat geschrieben: Auch das ist mit der Parkanlage ist eine super Idee muss ich sagen, stell ich mir schon mal romantisch vor… ;-) Und jetzt bin ich auch schon ganz neugierig, wo es in Augsburg geeignete Parkanlagen gibt, die werde ich dann nämlich gleich mal ansteuern… ;-)
:lol:
In Augsburg gefiel es mir gut
1)
im Hofgarten (neben der Regierung von Schwaben, vermutlich in der "alten Gasse" mit dem Springbrunnen) - jedem Liebespaar bekannt!
2)
natürlich auch im ausgedehnten Wittelbacher Park (Hotelturm)

3)
jetzt im Herbst bietet sich noch eine Fahrradfahrt zum Königsbrunner Stausee an (Lechstaustufe 23), bitte Brotzeit mitnehmen! Von Hochzoll leicht in einer guten halben Stunde zu erreichen .... Parkbänke gibts auch auf der Königsbrunner Seite mit Blick auf das Wasserkraftwerk).
4)
Herbstlich geschmückt ist auch noch der neue Ostfriedhof an der Zugspitzstraße - es kommt also darauf an, in welchem Stadteil Ihr wohnt.

Kennst Du schon die Augsburger Stotterer-Selbsthilfegruppe?
Marion ist dort ein jugendliches freundliches Mädchen; sie hätte gar nichts gegen Deinen Anruf einzuwenden: Tel (...). Viele Grüße von mir ...

Falls Ihr gerne mit der Bahn einen halbstündigen Ausflug machen wollt, dort wohnt auch eine freundliche "Psychologin" zur Klärung von Alltagsfragen.

NicciLA hat geschrieben: Wie du ja gesagt hast – er müsste aus sich herausgehen –…
Denkt ihr ich kann das Stottern einfach so ansprechen? Denkt ihr er wird darüber reden wollen? Manchmal kommt es mir so vor als wollte er eben einfach allem aus dem Weg gehen, „Vermeidungsverhalten“ eben, und deshalb bin ich auch nicht besonders zuversichtlich, dass er sich mit mir aussprechen will…
Ich würde erstmal nicht das Stottern ansprechen sondern seine Zukunftspläne - nach dem Sonntags-Gottesdienst in der Kirche lügt man nicht und daher zu empfehlen. Die sonnigste Kirche ist allerdings eine halbe Stunde von Augsburg entfernt + Fußweg; ich könnte Euch von der Haltestelle abholen lassen.
:)
Du hast ja bald Namenstag - dann bekommst Du ja von einem lieben Menschen eine Tafel Schokolade geschenkt - ein gemeinsamer Nußkuchen wäre für jeden Mann (besonders für mich) die reinste Verführung ..
:wink:

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Beitrag von djub » 17. November 2006 10:45

Wenn mich eine Frau nach so kurzer Zeit über meine Zukunftspläne ausfragen würde, würde ich flüchten. Ich bin zwar Stotterer, aber trotzdem durch und durch ein Mann. ;)
Vllt. möchtest du beginnen und über deine Ängste sprechen, die du ja vermutlich auch hast. Ein Stotterer, der sich tief in dem Stotter-Selbstmitleid-Teufelskreis befindet, registriert nicht, dass auch andere Menschen Probleme haben und wenn, dann sind sie für ihn lange nicht so schlimm wie das Stottern.

Wenn er immer vermeidet über das Stottern zu sprechen, dann hat er wohl noch sehr große "Komplexe". Um mit ihm also auf eine Problemebene zu kommen, solltest du ihm vllt. vor Augen führen, dass auch du Ängste und Probleme hast und dir u.U. wünschst, diese mit ihm gemeinsam zu lösen.

Das klingt jetzt tierisch bescheuert, aber eines meiner größten "Aha-Erlebnisse" war, als ich mich überwunden habe, mit einer (besonderen) Frau über mein Stottern zu sprechen und sie mich hinterher ins Bett gezerrt hat und wir fantastischen Sex hatten.

Ich will damit nicht sagen, dass du ihn ins Bett zerren sollst, sondern, dass mich das total überrascht hat, weil ich mich in diesem Moment wieder mal total minderwertig und unmännlich gefühlt habe. Wenn er also doch von seinem Stottern spricht, sage ihm z.B. dass du ihn dafür bewunderst, was er trotz seines Handicaps und den damit verbundenen Unannehmlichkeiten alles erreicht hat. Natürlich nur, wenn du das auch wirklich tust. Aber wer nach lebenslangen Demütigungen nicht völlig in sich gekehrt ist und versucht glücklich zu leben, hat schon etwas Respekt verdient, oder?

Er ist ein Mann. Nichts macht ihm mehr zu schaffen als vor dir minderwertig zu erscheinen. Er will dein starker Beschützer sein. Zeig ihm, dass er das auch mit Stottern sein kann (vorausgesetzt DU willst es).
Und dann packt es gemeinsam an.

Meine Freundin ignoriert mein Stottern ziemlich, was ich einerseits schön und andererseits ein wenig störend finde.
Schön deshalb, weil sie mich so zu allem mitschleppt und ich immer wieder gezwungen bin, mich in Sprechsituationen zu begeben und störend, weil ich mich gerne ab und an darüber auskotzen würde.
Aber das ist dann auch meine Schuld. Ich sollte da wohl eher auf sie zugehen. ;)
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