Mein Sohn (2,5 J.) stottert plötzlich und immer heftiger

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Tanja

Mein Sohn (2,5 J.) stottert plötzlich und immer heftiger

Beitrag von Tanja » 4. Dezember 2006 14:09

Hallo,

mein kleiner Sohn konnte bis Ende September fließend sprechen. Er hat sehr deutlich und schön gesprochen. Ende September fing er leicht an zu stottern....ich erzählte es der Logopädin meiner Tochter (4 J., hat undeutlich gesprochen, mittlerweile fast "geheilt").
Die Logopädin sagte, wir sollen das stottern nicht beachten, das ginge von alleine wieder weg. Viele Kinder (bes. Jungs) in dem Alter fangen an zu stottern und das ist spätestens mit 4 vorbei. Wenn nicht, dann muss man dann erst was unternehmen. Na gut, das habe ich bis jetzt auch getan - nichts - dann war das Stottern ca. eine Woche weg - aber in den letzten Wochen ist es wieder gekommen und noch schlimmer. Manchmal braucht er sehr lange für einen einfachen kleinen Satz. Die Kinder lachen ihm aus deswegen....sogar manche Erwachsene :shock: :evil:

Nun habe ich mich heute mal im Internet erkundigt und habe hier erfahren, das man doch schon früher eingreifen soll....mmh...kann mir jemand sagen, was ich tun soll? Wie kann ich meinem Sohn helfen?

Achja, stören tut es ihn meiner Meinung nach nicht.

LG Tanja mit Luca

Norbert

Beitrag von Norbert » 4. Dezember 2006 14:27

Hallo Tanja

grundlegend ist der Rat der Logopaedin schon in Ordnung - es geht oft von ganz alleine wieder weg. Wenn es aber in der Familie schon vorher Probleme mit der Sprachentwicklung gegeben hat, und wenn, wie bei Deinem Sohn (wie alt ist er denn?), das Stottern kommt und geht, dann sind damit schon gewisse Risikofaktoren gegeben die auf ein moeglicherwise chronisches Stottern schliessen lasen und ich wuerde mich dringend wieder an einen Logopaeden wenden. Wenn die Frau bei der Du jetzt bist Dir wieder sagt man sollte bis vier warten und auf Nachfrage NICHT sagt sie wuerde dann den 'Lidcombe' Ansatz waehlen, dann wuerde ich mir dringendst jemand anders suchen.

Ansonsten - die Informations- und Beratungsstelle der BV in Koeln ist immer einen Anruf wert!

Viele Gruesse

Norbert

Gast

Beitrag von Gast » 4. Dezember 2006 17:22

Hallo Norbert,

danke für Deinen Rat.

Mein Sohn ist 2,5 Jahre alt. Ich werde nächste Woche mal mit der Kinderärztin sprechen. Kann ich denn eigentlich ohne Verordnung zu einem Logopäden gehen oder muss da vorher der Kinderarzt zustimmen?

LG Tanja mit Luca

Norbert

Beitrag von Norbert » 4. Dezember 2006 17:33

Anonymous hat geschrieben:Hallo Norbert,

danke für Deinen Rat.

Mein Sohn ist 2,5 Jahre alt. Ich werde nächste Woche mal mit der Kinderärztin sprechen. Kann ich denn eigentlich ohne Verordnung zu einem Logopäden gehen oder muss da vorher der Kinderarzt zustimmen?

LG Tanja mit Luca
Hallo Tanja - da ich nicht in Deutschland wohne kenne ich mich mit den Ueberweisungen nicht so aus. Aber Ruth in der Geschaeftsstelle in Koeln ist da Spezialistin!

Gruss

Norbert

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Ernst-Martin
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Rezept für die Logopädin ...

Beitrag von Ernst-Martin » 4. Dezember 2006 18:41

Lieber Gast,
:lol:
meine Hausärztin weist darauf hin, daß Du grundsätzlich ein Rezept brauchst, wenn Du die Logopädin nicht selbst bezahlen willst und empfiehlt auch einen Anruf bei der Krankenkasse.

Grundsätzlich ist logopädische Hilfe immer ein Gewinn - es kann natürlich auch ein Therapeut sein.
"Anschauen kostet nichts" zumindest bei dem "Vorstellungsgespräch", somit wäre erstmal ein Rezept nicht erforderlich.
8)
Zum anderen ist eine regelrechte Therapie für ein noch nicht 3,5 jähriges Kind nur vorsichtig zu empfehlen - besser wäre eine "gute Tante zum Kuchenessen und Erzählen". Es kann auch nur eine vorübergehende Sprachhemmung sein ...

Daher mein Rat - ich bin Leie - lade eine junge Therapeutin oder auch eine intelligente Oma doch mal zum Kaffee ein .... vielleicht spricht er auf eine der beiden an - und dann hast Du erstmal schon gewonnen.
:wink:
Der bvss wurde ja schon als Ansprechpartner angeboten.

"Es wird ja alles wieder gut.... " wünsche ich Dir und Deinem Sohn, aber Du mußt jetzt handeln!

Laß ruhig wieder einmal etwas von Dir hören! :wink:
Ernst-Martin,
der Lechgeist
--------------------------------
... die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere -
ja, wenn man sie läßt!
Peter Alexander

nescio
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Beitrag von nescio » 5. Dezember 2006 16:23

[Malheur]
Zuletzt geändert von nescio am 5. Dezember 2006 19:03, insgesamt 1-mal geändert.

Norbert

Beitrag von Norbert » 5. Dezember 2006 16:28

nescio hat geschrieben:Ich frage mich immer wieder, wie es einzelne Leute schaffen, aus fünf Zeilen Text meine Psyche zu analysieren. Dafür muß man wohl lange studiert haben. Aber eins möchte ich nochmal geklärt haben: Wovon müßt ihr euch hier emanzipieren? Das ist ein Forum der SHG, also von Stotterern für Stotterer, und wenn sich doch einmal ein "normaler" Mensch mit seinen Ansichten hierher verirrt, wird er doch von den humorlosen Kommentaren sofort vergrault. (Anm. für alle Hellseher: ich meine nicht mich!).

Diese Diskussion ist also so überflüssig wie ein Kropf, aber wie ich sehe, wird sie immer wieder gern und mit aller Vehemenz geführt. Ihr würdet eure Zeit sinnvoller verbringen, wenn ihr wirklich an die Öffentlichkeit gehen und dort eure Weisheiten postulieren würdet.
Hallo Nescio

hast Du Dich hier nicht im thread vertan?

Ich dachte eigentlich dies ist ein Forum fuer alle die sich fuers Stottern interessieren, egal ob sie stottern oder nicht. Ich kann uebrigens Deinen postings nicht sonderlich viel Humor abgewinnen.

Gruss

N.

Gast

Beitrag von Gast » 6. Dezember 2006 19:55

Hallo Tanja,

ich bin Logopäde und auf Stottern spezialisiert. Ich würde Euch durchaus raten, jetzt schon eine(n) LogopädIn aufzusuchen. Informiert Euch aber vorher, wer Erfahrung mit Stottern bei Vorschulkindern hat. Die Bundesvereinigung Stotterer Selbsthilfe (wurde hier schon genannt) berät gerne, an wen man sich in Ihrem Raum wenden kann. Eine direkte Behandlung kann durchaus auch schon in dem Alter sinnvoll sein, oft reicht aber zunächst Beratung und weitere Beobachtung des Verlaufs. Wenn das Kind Anstrengungsreaktionen zeigt (Spannung beim Stottern, Mitbewegungen, Ansteigende Tonhöhe z.B), würde ich auf jeden Fall eine Behandlung durchführen. Das kann eine Spontanremission sehr begünstigen. Spontanremission heißt, dass das Stottern sich spontan wieder verliert. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt immerhin bei ca. 80%, sagen wissenschaftliche Untersuchungen. Ein wesentlicher Faktor ist übrigens die Gelassenheit der Eltern und Vertrauen in das Kind. Alleine schon um diese Faktoren zu stärken, kann eine Beratung sinnvoll sein.

Alles Gute!

Marc Schneider
Praxis für Stottertherapie
Baadenberger Str. 20
50825 Köln
Tel. 0221-955 38 13

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Therapie

Beitrag von Ellinor » 7. Dezember 2006 23:08

Hallo Tanja,

ich kann mich Herrn Schneider nur anschließen.
Ich bin auch Logopädin mit dem Schwerpunkt Stottern und kann dem, was Herr Schneider schreibt nur zustimmen.
In diesem Forum hatte vor Ihnen auch eine andere Mutter Ihre Fragen gestellt. Dort könnten Sie zum Thema Stürmische Sprachentwicklung und Stottern meine Antwort nachlesen und ein paar Hinweise zum eigenen Sprechverhalten.
Vielleicht hilft Ihnen das ein kleines bisschen weiter.

Viele Grüße aus Berlin an Sie
Ellinor Schunack
Logopädische Praxis im Ärztehaus am Moritzplatz
Oranienstrasse 155
10969 Berlin
Tel.030-695 313 55

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Stürmische Sprachentwicklung

Beitrag von Ellinor » 7. Dezember 2006 23:17

Hallo Tanja,
der Einfachheit halber hier eine Kopie von dem Text.
Gruß Ellinor

BeitragVerfasst am: 25.11.2006, 17:41 Titel: Sprachentwicklung Antworten mit Zitat
Hallo Sarah,

ich bin Logopädin und arbeite mit dem Schwerpunkt Stottern bei Kindern und Erwachsenen.
Ich finde es sehr gut, dass Du das forum bvss gefunden hast und Dich gemeldet hast.
Es sind ja schon viele Antworten geschrieben worden, so daß ich mich eher fachlich mit meiner Antwort ausrichten möchte.

1. Stürmische Sprachentwicklung
Kinder im Alter von ca 3 bis 6 Jahren befinden sich in der Phase der stürmischen Sprachentwicklung.
Das bedeutet, Kinder lernen innerhalb sehr kurzer Zeit sehr viele neue Wörter und Satzkonstruktionen.
Dabei müsen sie ihr Denken, ihre Mundmotorik, die Atmung und ihre emotionale Beteilung so beeinflussen, das sie sagen können, was sie möchten. Da Sprechen ein sehr komplexer Vorgang ist, kann es in dieser Zeit immer wieder zu Redeunflüssigkeite kommen, die sich zu einem chronischen Stottern verfestigen können aber nicht müssen.
Hat ein Kind in dieser Zeit Redeunflüssigkeiten müssen die nicht sofort ein chronischen Stottern werden.
Ob sich die Redeunflüssigkeiten zu einem andauernden Stottern entwickeln hängt von verschiedenen Faktoren ab, die sich teilweise beeinflussen lassen.
Dazu gehören:
- Redeunflüssigkeiten sind erlaubt!
Klingt ein bisschen absurd aber dahinter steckt, je ruhiger ich auf die Redeunflüssigkeiten reagiere, desto besser für das Kind.
Wie Du schon bemerkt hast:
Anspannungen des Erwachsenen übertragen sich auf das Kind.
Ebenso kann aber auch eine entspannte Redeatmosphäre positiv auf das Kind wirken und es sich entspannen, was Blockaden und damit einer erhöhten Anspannung entgegen wirken.

- Inhalt geht vor Form!
Egal wie das Kind spricht, der Inhalt ist wichtig und muss beachtet werden und darauf sollte sich bezogen werden.
Das bedeutet wenn Du mit heftigen Gefühlen auf das Sottern und die Mitbwegungen reagierst ist das natürlich zutiefst menschlich. Verliere den inhalt darüber nicht aus den Augen.
Versuche dennoch so gelassen wie möglich zu reagieren und solche Sätze wie: Das ist aber auch ein ganz schön schwieriges Wort stellvertretend für das Kind zu verbalisieren.
- Versuche nicht für das Kind zu sprechen. Gib ihm die Zeit, die es braucht.
Du kannst einige Sätze des Kindes, nachdem es gesprochen hat wiederholen. Versuche mit einem sehr weichen Stimmeinsatz und langsam und ganz leicht gedehnt dem Kind sprachlich als Modell zu dienen.
Eine Sprechweise, die so unangestrengt wie möglich ist, ist ein sehr gutes Modell für das Kind.
Langsam und deutlich sprechen und mit einer weichen Stimme.
Gemeinsam, zur gleichen Zeit sprechen-unisono- geht auch. Dabei solltet ihr Blickkontakt haben und genau auf die Bewegungen des Mundes achten, damit ihr schön gleichzeitig sprechen könnt. Langsam und mit weicher Stimme. Aber auch schneller wenn das Kind es möchte.
- Ängste, die Du hast versuche nicht auf das Kind zu übertragen. Versuche die Sprechfreude und die vielen Möglichkeiten des stimmlichen und sprachlichen Ausdrucks zu fördern.
- Das Singen wurde schon erwähnt aber auch Reime und Abzählverse, die eine Rhythmisierung der Sprache erzeugen können Blockaden lösen und dem Kind Erfolgserlebnisse verschaffen, die wichtig sind.
- Vergesst den Spaß am Leben nicht! Sucht schöne Momente im Leben und behaltet die Freude am Leben. Eine entspannte und freundliche Lebensstimmung wirkt sich sehr positiv aus.
-Typisch für Redeunflüssigkeiten ist, das sie mal weg sein können und dann plötzlich wieder auftauchen. Das ist normal und auch hier gilt wieder:
Je gelassener Du darauf reagieren kannst, desto besser.
- Wenn das Kind gehänselt werden sollte, muss darauf reagiert werden.

Per Internet ist es gar nicht so einfach, die wesentliche Punkte hervorzuheben, zu mal Du auch von mir keinen sprachlichen Eindruck bekommen kannst und ich Dir die Sprechweise nicht vormachen kann aber ich hoffe wenigstens ein bisschen Ruhe erzeugt zu haben und Dir den Druck zu nehmen.
Falls Du nicht warten möchtest, bis ihr euren Termin habt kann man auch am Telefon schon einiges vormachen und erklären. Vielleicht könntest Du bei eurer zukünftigen Logopädin so ein Telefonat erbitten?
Oder wenigstens einen Termin vorab ausmachen, in dem es um eine Beratung geht, bis es dann mit der richtigen Therapie losgehen kann.
Falls das Alles nicht geht und Du beunruhigt bist kannst Du mich auch anrufen oder eine mail schreiben an mich oder wie bereits geschehen, an das Forum.
Du bist mit Deinen Fragen nicht alleine!

Dann wünsche ich euch trotz allem viel Spaß bei der stürmischen Sprachentwicklung.

Viel Grüße aus Berlin

Ellinor

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