suche Austausch als betroffene Eltern, Lidcombe

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katze30
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suche Austausch als betroffene Eltern, Lidcombe

Beitrag von katze30 » 23. Februar 2012 10:16

Hallo,

meine Tochter stottert sehr stark. Es fing mit 3 1/2 Jahren an und steigerte sich dann immer mehr, so weit bis garnichts mehr ging. Endlich nach ca. 1 Jahr als meine Tochter auch schon häufig aufgab mir was zu erzählen, schickte uns der Kiarzt zum Logopäden allerdings mit sprachproblemen und nicht stottern. Bis dahin wußte ich auch noch nicht, das man schon so früh was unternehmen kann.
Wir also fast ein ganzes Jahr dahin um sch und s und sonstiges zu üben. Früh wurde uns auch schon gesagt, dass meine Tochter ein echtes Stottern hat, aber man nur darauf hin arbeiten kann , dass es lockerer wird und leichter für sie. Sie wird es immer behalten. Am ende des Jahres wurde uns dann aber auf Nachfrage doch zwei Therapien vorgstellt Lidcombe und Kids . Wir entschieden uns für Lidcombe, weil es auch von der Methode her gut zu unserer Tochter passen würde.
Abgesehen, das ich schon ziehmlich sauer über die Logopädenpraxis bin, weil uns das erst so spät mitgeteilt wurde und dann auch eher so "wir würden von der Therapie abraten" , (dafür mussten wir die Praxis nämlich wechseln) machen wir das jetzt ca. 1 Jahr mit vielen auf und ab.
Beim ab bin ich immer ziehmlich down und mache mir riesige Sorgen. Es hatte auch einige Verbesserungen gegeben. Meine Tochter Jetzt 6 Jahre konnte sich wieder unterhalten, wenn auch nicht besonders einfach. Sie schien aber schon sehr zufrieden damit zu sein. Wir sind bei einer Stotterrate von ca. 20 % gestartet und haben zeitweise die eine Rate von 8% erreicht. Aber jetzt geht es seit einiger ZEit ( ca. 2 bis 3 wochen) nur noch immer schlechter. Heute war sie schon ganz verzweifelt, weil wieder alles hängen bleibt und sie es einfach nciht sagen kann. Raten geht auch nicht immer :( gefühlt und auch relativ realistisch sind wir momentan wieder am Anfang angelangt.
Meine Nerven liegen blank, da ich es auch nicht so schaffe eine optimale Umgebung für sie zu schaffen (stressfrei, ruhig, konzentriert...) ich habe noch zwei weitere kleinere Kinder.
Wir fangen jetzt seit ca. 1 Woche damit an Sprechtechniken zu üben zusätzlich zum Lidcombe Programm und ich hoffe dass sie damit einen Weg für sich finden kann die Sprache flüssiger zu halten.
Die Schule rückt immer näher und ich habe große Sorge wie es wird.
Leider gibt es keinen hier mit dem man sich mal austauschen kann über Sorgen, Erfahrungen mit dem lidcombe-Programm , Erfahrungen mit Sprechtechnik und das ständig sich sorgende Mutterherz. Den Umgang mit allem. Vielleicht tips und Ticks was helfen könnte (meiner Tochter, aber auch mir)
Ich wäre uber Kontakte sehr erfreut.
LG Katze30

2412

Re: suche Austausch als betroffene Eltern, Lidcombe

Beitrag von 2412 » 24. Februar 2012 16:05

katze30 hat geschrieben:Hallo,

meine Tochter stottert sehr stark. Es fing mit 3 1/2 Jahren an und steigerte sich dann immer mehr, so weit bis garnichts mehr ging. Endlich nach ca. 1 Jahr als meine Tochter auch schon häufig aufgab mir was zu erzählen, schickte uns der Kiarzt zum Logopäden allerdings mit sprachproblemen und nicht stottern. Bis dahin wußte ich auch noch nicht, das man schon so früh was unternehmen kann.
Wir also fast ein ganzes Jahr dahin um sch und s und sonstiges zu üben. Früh wurde uns auch schon gesagt, dass meine Tochter ein echtes Stottern hat, aber man nur darauf hin arbeiten kann , dass es lockerer wird und leichter für sie. Sie wird es immer behalten. Am ende des Jahres wurde uns dann aber auf Nachfrage doch zwei Therapien vorgstellt Lidcombe und Kids . Wir entschieden uns für Lidcombe, weil es auch von der Methode her gut zu unserer Tochter passen würde.
Abgesehen, das ich schon ziehmlich sauer über die Logopädenpraxis bin, weil uns das erst so spät mitgeteilt wurde und dann auch eher so "wir würden von der Therapie abraten" , (dafür mussten wir die Praxis nämlich wechseln) machen wir das jetzt ca. 1 Jahr mit vielen auf und ab.
Beim ab bin ich immer ziehmlich down und mache mir riesige Sorgen. Es hatte auch einige Verbesserungen gegeben. Meine Tochter Jetzt 6 Jahre konnte sich wieder unterhalten, wenn auch nicht besonders einfach. Sie schien aber schon sehr zufrieden damit zu sein. Wir sind bei einer Stotterrate von ca. 20 % gestartet und haben zeitweise die eine Rate von 8% erreicht. Aber jetzt geht es seit einiger ZEit ( ca. 2 bis 3 wochen) nur noch immer schlechter. Heute war sie schon ganz verzweifelt, weil wieder alles hängen bleibt und sie es einfach nciht sagen kann. Raten geht auch nicht immer :( gefühlt und auch relativ realistisch sind wir momentan wieder am Anfang angelangt.
Meine Nerven liegen blank, da ich es auch nicht so schaffe eine optimale Umgebung für sie zu schaffen (stressfrei, ruhig, konzentriert...) ich habe noch zwei weitere kleinere Kinder.
Wir fangen jetzt seit ca. 1 Woche damit an Sprechtechniken zu üben zusätzlich zum Lidcombe Programm und ich hoffe dass sie damit einen Weg für sich finden kann die Sprache flüssiger zu halten.
Die Schule rückt immer näher und ich habe große Sorge wie es wird.
Leider gibt es keinen hier mit dem man sich mal austauschen kann über Sorgen, Erfahrungen mit dem lidcombe-Programm , Erfahrungen mit Sprechtechnik und das ständig sich sorgende Mutterherz. Den Umgang mit allem. Vielleicht tips und Ticks was helfen könnte (meiner Tochter, aber auch mir)
Ich wäre uber Kontakte sehr erfreut.
LG Katze30
.
Liebe Katze30,

du misst Stotterraten, deine Nerven liegen blank und du machst dir große Sorgen. Auch wenn es hart klingt, aber damit tust du unfreiwillig alles dafür, dass deine Tochter ein Mobbing-Opfer wird. Du überträgst deine negativen Gefühle auf sie, ziehst vermutlich auch noch ein sorgenvolles Gesicht, wenn sie Symptomatik zeigt und bedeutest ihr mit jeder deiner Handlungen, dass Stottern etwas ist, das die Mama unendlich traurig macht.

Dadurch verunmöglichst du deiner Tochter von Anfang an einen proaktiven und selbstsicheren Umgang mit Stottern, der sehr dazu beitragen kann, von der Gesellschaft auch als Stotterer voll akzeptiert zu werden. Auch wenn die Meinungen hier sicher kontrovers sind, aber ich persönlich kann nur davon abraten, ein 6-jähriges Mädchen mit Sprechtechniken zu quälen, weil Mami findet, dass Stottern nicht sein darf. Die beste Therapie ist - auch wenn Sprechtechniken irgendwann im Jugendalter, wenn deine Tochter WILL, sicher in Erwägung gezogen werden können - deiner Tochter einen offenen und selbstbewussten Umgang mit dem Stottern zu lehren und ihr bewusst zu machen, dass es bei Gott nichts ist, wofür man sich schämen sollte. Nur jene Stotterer haben die Schulzeit halbwegs ohne seelische Narben hinter sich gebracht, die mit ihrem Handicap locker, ja sogar humorvoll umgehen konnten und denen es schlichtweg egal war, ob ihr Stotterrate 8 oder 80% betrug.

katze30
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Re: suche Austausch als betroffene Eltern, Lidcombe

Beitrag von katze30 » 26. Februar 2012 12:22

Hallo,

vielen Dank für die Antwort.
Allerdings denke ich , dass der Artikel nicht genau gelesen wurde.
Ja du hast recht , ich mache mir riesige Sorgen und sicher ist das nicht gerade förderlich für mein Kind. Auch ist es so, dass ich natürlich am liebsten hätte , dass das Stottern ganz aufhört.
Hier geht es aber auch darum, dass meine Tochter sich kaum mitteilen kann, weil fast nichts rauskommen will. Sie versucht dann mehrerer Taktiken aber viele male führt es dazu, dass dem Zuhörer es unmöglich ist zu verstehen was sie sagen möchte. Und mit zunehmendem Alter wird das ein richtiges Problem, da sie viele Fragen hat und vieles mitteilen möchte und kann es nicht. Daher wäre ein leichteres Stottern sicher sehr wünschesnwert.
Auch der Zuhörer kann nicht alles ertragen.

LG katze30

2412

Re: suche Austausch als betroffene Eltern, Lidcombe

Beitrag von 2412 » 26. Februar 2012 13:58

katze30 hat geschrieben:Daher wäre ein leichteres Stottern sicher sehr wünschesnwert.
Auch der Zuhörer kann nicht alles ertragen.
Stottern gehört zum realen Leben dazu und man kann dem Zuhörer nur wünschen, dass ihm bewusst ist, dass er in der Realität lebt. Wir müssen tatsächlich Rollstuhlfahrer ertragen, die wir auf der Straße sehen, wir müssen Blinde mit ihrem Blindenstock ertragen und natürlich auch Menschen mit den Tics des Tourette-Syndroms. Eine soziale Gesellschaft ist dazu verpflichtet, sonst wird sie untergehen.

Das Verhalten, das du gegenüber deiner Tochter zeigst, erinnert mich verblüffend an das Verhalten meiner Mutter zu mir damals. Meine Mutter ist überfürsorglich, wie du es wohl auch bist und wollte/will immer nur das Beste. Ich habe das traurige Gesicht meiner Mutter von damals noch genau in Erinnerung und die Panik, die mich jedes Mal überkam, wenn ich als Kind Stottergefühle (Stotterer antizipieren, wann sie stottern werden) hatte. Die Panik bei Stottergefühlen hatte ich nicht wegen des Stotterns, sondern wegen der Reaktion meiner Mutter darauf. Welches Kind will seine Mama schon traurig machen? Die Panik wiederum führt zur Verstärkung des Stotterns, die Blockaden werden härter und länger. Insofern hast du die Intensität des Stotterns deiner Tochter selbst in der Hand. Wenn du ihr klar machst, dass Stottern völlig in Ordnung ist und in der Familie einen völlig unverkrampften Umgang damit sicherstellst, wirst du merken, dass sie zwar vermutlich weiter stottern wird, aber so, dass man sie verstehen wird.

Ich persönlich kann dir nur von mir berichten, dass Stottern nicht der Weltuntergang ist und der eigene Umgang damit, die eigene Perspektive darauf, wesentlich beeinflussen kann, ob man in der Gesellschaft voll akzeptiert wird oder eben nicht. Ich stottere heute, mit 25, immer noch merklich, habe einen akademischen Sprechberuf, indem ich u.a. Tutorien von bis zu 40 Studierenden leite und während des Studiums habe ich jahrelang in einem Nachhilfe-Institut gearbeitet, in dem ich auch regelmäßig vor Gruppen sprechen musste. Jetzt werden dir die Zuhörer bestimmt leid tun, aber ich bin mir sicher, dass, wenn du sie selbst fragst, sie dir erzählen werden, dass es lediglich eine Frage der Gewöhnung ist und meine Tutorien nicht jene sind, die am wenigsten besucht sind :wink:

Ich finde, dass in solchen Fällen immer zuerst die Eltern geheilt werden müssen. Geheilt von der Perspektive auf das Stottern und geheilt vor ihrer irrationalen Angst davor. Heilen die Eltern, tut das dem Kind nur gut.

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Re: suche Austausch als betroffene Eltern, Lidcombe

Beitrag von Jaspis » 28. Februar 2012 10:55

Liebe Katze30,
ich habe 2 Kinder, 6 und 10 und ich stottere selbst. Wahrscheinlich kann ich mich damit in beide Seiten hineinversetzen, in Deine Tochter und in Dich.
Eine einfache Lösung gibt es nicht und auch keine schnellen Ratschläge, das ist uns allen klar. Deshalb würde ich an dieser Stelle gern erst mal nur einen Tipp geben wollen:
Wenn es Lebensbereiche und Situationen gibt, in denen Deine Tochter sehr gern und locker spricht, ermögliche ihr diese Situation so oft wie möglich. Das können z.B. auch nur Selbstgespräche im Kinderzimmer sein oder Mitsprechen beim Hören von Hörspielen. Sie sollte Zeit für sich haben, in der Sprechen "keine Rolle" spielt, also nur aus Freude und "nebenbei" gesprochen wird. Mit dem Ziel, dass sie die Freude am Sprechen und ihrer Stimme behält bzw. wieder aufbaut und dass es immer wieder flüssige Zeiten im Laufe eines Tages gibt, die sich ihr genauso einprägen können wie eben auch die Stotterphasen. Kinder lernen aus ihren unmittelbaren Erfahrungen. Und wenn zu diesen Erfahrungen auch Stottern gehört (ganz wertfrei gemeint), dann ist es günstig, wenn sie auch die anderen Erfahrungen mit flüssigem Sprechen macht. Damit sich das flüssige Sprechen zumindest parallel genauso einprägt, und nicht nur das Stottern.

Das ist das, was ich aus meiner eigenen Erfahung und aus der Erfahrung mit meinen Kindern sage.

Vielleicht helfen Dir auch frühere Beiträge hier im Forum zum Thema Lidcombe, es gab schon ähnliche Anfragen wie Deine. Du kannst mit der Such-Funktion (oben rechts) nach Beiträgen zum Stichwort "Lidcombe" suchen.
Und auch in der Fachberatung für Betroffene, Eltern, Angehörige, Lehrer und Freunde war Lidcombe schon mehrmals Thema, z.B. in diesem Beitrag hier:
http://forum.bvss.de/viewtopic.php?f=2& ... mbe#p17828
Schreibe ruhig ähnlich Betroffene über eine PN (Persönliche Nachricht) an, der direkte Austausch fällt oft leichter als öffentlich über das Forum.

Alles Gute und starke Nerven!
Jaspis

Eberhard
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Re: suche Austausch als betroffene Eltern, Lidcombe

Beitrag von Eberhard » 29. Februar 2012 14:00

Hallo Katze30,

den guten Antworten von JonnyHell (Hallo Jonny) und Jaspis möchte ich gerne noch etwas hinzufügen.

Die Persönlichkeit eines Kindes bildet sich fast ausschließlich anhand der Beziehungserfahrungen, die es mit anderen Menschen, vor allem natürlich mit den nahestehenden, macht. Dazu kommen die Erfahrungen, die das Kind mit dem eigenen Körper macht.

Eltern ist das meistens gar nicht so klar. Ein Mensch entwickelt sich nicht von alleine. Wir sind hinsichtlich Geist, Verstand und Gefühl immer die Summe der Beziehungserfahrungen, die wir bis dahin gemacht haben. Wenn Eltern sich eine bestimmte Entwicklung für ihr Kind wünschen, dann müssen sie diese Entwicklung über die Ausgestaltung ihrer Beziehung zu ihrem Kind vermitteln.

Man darf für das Kind sorgen, aber sich wegen des Kindes keine Sorgen machen. Alle negativen Reaktionen auf das Kind (Verzweiflung, Ratlosigkeit, Selbstmitleid, usw.) erzeugen beim Kind den katastrophalen Eindruck "Meiner Mama geht es schlecht und ich bin Schuld daran und ich kann doch gar nichts dafür" und schließlich gehen diese Reaktionen dann auf das Kind selbst über. Nerven können nicht blank liegen. Das ist so ein Gerede, wenn man erregt ist. Die Erregung hat aber einen Sinn, sie schärft die Sinne für eine bessere Zuwendung und Einfühlung zum Kind. Dass du drei Kinder hast, erhöht sicher die Anforderungen an dich, aber lass dich nicht von der Vorstellung hinreißen "Ich schaff das nicht". Man schafft das immer irgendwie. Die Zeit geht so oder so rum, egal, was man mit ihr anstellt.

Dein Kind braucht deinen Optimismus, deine Aufmunterung, dein Mutmachen. Zum Beispiel so: "Du brauchst keine Angst zu haben, wir zwei wir schaffen das schon!". Wenn dir jemand sagt, dein Kind würde das Stottern immer behalten, dann meide solche Leute. Die Statistik sagt, nur 20 % der Kinder behalten das Stottern bis ins Erwachsenenalter und bei diesen vermutlich auch nur, weil falsch damit umgegangen wurde. Dein Kind braucht keine optimale Umgebung, es braucht eine optimale Beziehungserfahrung mit dir. Eine optimistische Haltung würde auch dir selbst sehr helfen. Nimmst du dir die Zeit, deiner Tochter Geschichen vorzulesen? Lies mal mit ihr zusammen laut ein Buch und blende dabei dein eigenes Mitlesen nach und nach aus. Gib deinem Kind das sichere Gefühl "Mama hilft mir" statt "Mama ist traurig wegen mir".

Vielleicht es schwierig, dass du zu deinem Kind eine Beziehung herstellen sollst, die du selbst nie erfahren hast. Aber diese Aufgabe stellt sich uns allen: Mit dem Alten brechen und selbst etwas Neues anfangen.
Nichts ist wirkmächtiger als das Selbstbild, mit dem einer durch die Welt läuft. Noch dazu, wenn er es für seine wahre Natur hält.

2412

Re: suche Austausch als betroffene Eltern, Lidcombe

Beitrag von 2412 » 29. Februar 2012 15:26

Eberhard hat geschrieben:Die Statistik sagt, nur 20 % der Kinder behalten das Stottern bis ins Erwachsenenalter und bei diesen vermutlich auch nur, weil falsch damit umgegangen wurde.
Worauf stützt du dieses "vermutlich"? Ich meine, so ein "vermutlich" stütze ich persönlich auf wenigstens belegbaren Indizien, oder? Nach aktuellem Forschungsstand ist eine genetische/organische Persistenz als Ursache für die 20%, die nach der Pubertät weiterhin stottern, vermutlich. Der Einfluss des Umgangs als wesentlicher Faktor hierfür hingegen ist nicht vermutlich, sondern schlicht phantasiert. Ich kann dir spontan Dutzende erwachsene Stotterer benennen, deren Eltern sehr locker und vorbildlich mit der Störung umgegangen sind. Genützt hat das nichts.

Letztlich muss katze30 gewahr sein, dass ihr Kind ein Leben lang stottern könnte und vor allem, dass es nicht schlimm wäre. Macht sie sich hingegen falsche Hoffnungen und meidet Leute, die schlichtweg realistisch argumentieren, dann könnte das nach der Pubertät eine äußerst destruktive Atmosphäre mit vielem Weinen ergeben.

Das soll keine Anregung zur Diskussion sein, du wirst mir nachsehen, dass ich mit dir nicht mehr diskutiere und dir alles erdenklich Gute für deine metaphysische, esoterische Perspektive des Stotterns wünsche. Jedoch hat auch deine Auffassung eine Daseinsberechtigung und ich käme nicht auf die Idee, Leuten nahe zu legen, dich zu meiden. Insoweit müssen Betroffene sich immer unterschiedliche Ansichten anhören, um ein fundiertes Bild des Meinungsstands zu haben und hieraus eine eigene Anschauung zu bilden.

paul.dest
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Re: suche Austausch als betroffene Eltern, Lidcombe

Beitrag von paul.dest » 29. Februar 2012 22:54

Eberhard hat geschrieben:Die Statistik sagt, nur 20 % der Kinder behalten das Stottern bis ins Erwachsenenalter und bei diesen vermutlich auch nur, weil falsch damit umgegangen wurde.
Spätestens seit der Studie "Brain Anatomy Differences in Childhood Stuttering" von Chang e.a. aus dem Jahr 2007 ist es viel mehr als nur vermutlich, dass die Minderung des Vernetzungsgrades bestimmter, fürs Sprechen verantwortlicher Gehirnareale darüber entscheidet, ob das Stottern bis ins Erwachsenenalter bleibt oder nicht.

Eine harte Grenze gibt es allerdings nicht. Und hier kommen weiche Faktoren, wie der richtige Umgang mit dem Stottern und die richtige (Selbst)Therapie ins Spiel.

...

-----------------

Der vollständige Inhalt dieses Beitrages ist ab jetzt nur noch unter http://www.stottern-verstehen.de verfügbar.
Zuletzt geändert von paul.dest am 3. Dezember 2016 08:56, insgesamt 1-mal geändert.
http://stottern-verstehen.de

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Re: suche Austausch als betroffene Eltern, Lidcombe

Beitrag von Eberhard » 1. März 2012 12:51

paul.dest hat geschrieben:Spätestens seit der Studie "Brain Anatomy Differences in Childhood Stuttering" von Chang e.a. aus dem Jahr 2007 ist es viel mehr als nur vermutlich, dass die Minderung des Vernetzungsgrades bestimmter, fürs Sprechen verantwortlicher Gehirnareale darüber entscheidet, ob das Stottern bis ins Erwachsenenalter bleibt oder nicht.

Eine harte Grenze gibt es allerdings nicht. Und hier kommen weiche Faktoren, wie der richtige Umgang mit dem Stottern und die richtige (Selbst)Therapie ins Spiel.
Danke, Paul, für den Hinweis. Es ist das, wonach ich schon seit langem suche. Hast du die Studie oder könntest du mir sagen, wie ich an sie komme?

Vielleicht kann ich damit erklären, was mir in den letzten Jahren so sehr genutzt hat, um immer mehr so sprechen zu können, als hätte ich nie gestottert. Möglicherweise hat das, was ich in den letzten Jahren intensiv gemacht habe, dazu verholfen, in diesen Gehirnarealen neue Strukturen aufzubauen.

Das passt aber jetzt nicht hierher. Ich mache in den nächsten Tagen dazu ein neues Thema auf.

Viele Grüße, Eberhard
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2412

Re: suche Austausch als betroffene Eltern, Lidcombe

Beitrag von 2412 » 1. März 2012 13:00

Mit dem Alter wird man - und das ist psychologisch belegt - gelassener und selbstsicherer. Das kann natürlich dazu führen, dass der typische Verstärker des Stotterns, die Angst, reduziert wird.

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Re: suche Austausch als betroffene Eltern, Lidcombe

Beitrag von Eberhard » 1. März 2012 14:03

Das ist sicher richtig, JonnyHell. Aber es gibt auch welche, die im Alter auf die Idee kommen, ihren Nachbarn zu erschießen, weil der immer in der Mittagsruhe den Rasen mäht, und welche, die im Alter im Gram über ihr verpfuschtes Leben ersticken. Spaß beiseite, ob man im Alter gelassener und selbstsicherer wird, hängt davon ab, wie das Leben zuvor verlaufen ist, ob die bisherigen Lebenserfahrungen Gelassenheit und Selbstsicherheit zulassen. Und ob es einem gelingt, auch die Augenblicke im bisherigen Leben, in denen man andere verletzt hat oder anderen vielleicht geschadet hat, sich selbst einzugestehen und als Teil seiner Biographie zu akzeptieren.

Das Thema der Studie, die Paul erwähnt, ist ein anderes. Ich hoffe auf eine rege Diskussion, wenn ich meine Erfahrungen damit demnächst als neues Thema eingestellt habe.
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2412

Re: suche Austausch als betroffene Eltern, Lidcombe

Beitrag von 2412 » 2. März 2012 12:45

Jedenfalls, um noch einmal auf die Problematik des Thread-Themas zurückzukommen, halte ich Folgendes für wesentlich:

Bei Kindern ist es insbesondere wichtig, dass das Kind sich zu Hause angenommen fühlt, nicht ständig auf die Störung hingewiesen wird und somit dem Entstehen einer Sprechangst vorgebeugt wird. Entsteht nämlich erst eine ausgeprägte Sprechangst, ist sie erkennbar gravierender als die Stottersymptomatik an sich. Und eine Sprechtherapie - wie jede andere Therapie auch - setzt den mündigen Willen des Betroffenen voraus. Dieser kann sich frühestens erst ab dem zehnten Lebensjahr herausbilden. Es ist nicht schwer abzuschätzen, was einem sechsjährigen Kind mit der tagtäglichen Forderung, Sprechtechniken zu üben, angetan wird.

Eberhard
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Re: suche Austausch als betroffene Eltern, Lidcombe

Beitrag von Eberhard » 2. März 2012 13:45

Da stimme ich dir völlig zu. Es hat hier im Forum mal eine Mutter geschrieben, die Logopädin hätte sich beklagt, ihr 5jähriger würde sich weigern, beim Pseudostottern mitzumachen. Da kann ich den 5jährigen gut verstehen.

Bei mir fing das Stottern mit etwa 7 Jahren an. Ich kam zu einer älteren Frau, deren Berufsbezeichnung ich nicht mehr weiß. Sie war resolut in ihrer Art, aber ich fühlte mich gut bei ihr aufgehoben. Sie machte mit mir Laut-Leseübungen mit einem Buch, sonst nichts. Was wohl sehr geholfen hat, war, dass ich die Geschichte sehr spannend fand (Es hieß 'Max, die Ameise', leider habe ich es später im Buchhandel nicht mehr finden können). Nachdem das Buch gelesen war, war auch das Stottern wieder weg. Dass es dann in der Pubertät wieder anfing, ist eine andere Geschichte.

Ich bin auch den Zeiten meines schlimmsten Stotterns immer wieder mal Menschen begegnet, in deren Gegenwart mein Stottern schlagartig weg war, als wenn ich es nie gehabt hätte. Deswegen hat Stottern für mich viel von einem Beziehungsproblem, was wohl auch für andere zutrifft, mit denen ich hier im Forum persönlichen Kontakt hatte.

NS. Man kann ja heute alles googeln. Das Buch heißt 'Max der Ameisenkaiser', ein italienisches Kinderbuch von 1920, das später auch in deutsch erschienen ist und heute nur noch antiquarisch erhältlich ist. Es handelt von einem Kind, dass in eine Ameise verwandelt wird und nach vielen Abenteuern als Ameise am Ende wieder zum Menschenkind wird. Wenn ich die Inhaltsbeschreibung heute lese, kann ich mir gut vorstellen, dass ich, die ältere Frau neben mir und das spannende Buch vor mir, das Stottern einfach vergessen habe.
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Joppet
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Re: suche Austausch als betroffene Eltern, Lidcombe

Beitrag von Joppet » 26. März 2012 19:05

Hallo,
ich lese das leider jetzt erst.Als wir mit unsere Tochter nach Lidcombe gearbeitet haben, hätte ich mir auch einen Austausch gewünscht, vor allem in den Phasen, in denen das Stottern zurückkam und ich manchmal wirklich verzweifelt war und das Gefühl hatte, ich stünde so allein damit. Ich kann das wirklich gut nachvollziehen, wie du dich fühlst. Es ist wirklich schlimm zu sehen, wenn das eigene Kind so mit seinen Worten kämpfen muss.
Ich habe jetzt die anderen Beiträge nicht gelesen und nehme deshalb nur Bezug auf deinen ersten Text.
Unsere Tochter (jetzt knapp 5) hat kurz vor ihrem dritten Geburtstag angefangen zu stottern. Wir haben uns dann recht schnell zu einer Therapie entschieden, weil sich das Stottern immer weiter verstärkte und sie zum Schluss Blockaden entwickelte.
Etwa vier Monate nach Beginn des Stotterns begannen wir die Therapie. Ich hatte dazu auch was unter Therapien geschrieben.
Lidcombe ist wirklich anstrengend, besonders für die Eltern. Deswegen ist es ganz wichtig, dass ihr einen guten Stottertherapeuten habt, der euch in der Arbeit entlastet, euch den Druck nehmt, mit dem ihr über eure Ängste sprechen könnt und euch und euer Kind begleitet.
Wir hatten viele Auf und Abs. Erst zeigte sich eine Verbesserung, dann kam das Stottern mit voller Wucht zurück. Es hat unglaublich viel Inprovisation gefordert, das Spiel für unsere Tochter so spielerisch und interessant zu gestalten, dass sie mitmachen wollte. Mal ging das gut und mal klappte es gar nicht.
Teilweise dachten wir, jetzt haben wir es geschafft, jetzt sind wir "überm Berg" und dann kam wieder eine völlig durchwachsene Woche, in der wir glaubten, dass das ganze Arbeiten nach Lidcombe keinen Sinn macht.
Bei meiner Tochter hat es insgesamt gute 1 1/2 Jahre gedauert bis ich sagen konnte, dass sie nicht mehr stottert. Das war so zwei, drei Monate nach ihrem 4. Geburtstag. Es wurde trotz der vielen schwierigen Phasen seine Anstrengung wert. Es kann natürlich auch eine Spontanremission bei ihr gewesen sein, aber trotzdem hat die Lidcombemethode in der Zeit des schweren Stotterns geholfen, dass sich ihr Stottern abmilderte. Unser Logopäde hat immer gesagt, dass Lidcombe kein Heilprogramm ist, aber dass das Stottern doch soweit reduziert werden könne, dass es sie nicht mehr so beeinträchtig. Letztendlich kann auch ein guter Stottertherapeut keine Prognose abgeben, ob sich das Stottern komplett legt.
Wenn du Fragen hat, oder dich austauschen möchtest, freue ich mich auf deine Antwort!

Viele Grüße

Veronika
entdeckend
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Re: suche Austausch als betroffene Eltern, Lidcombe

Beitrag von Veronika » 25. Mai 2012 15:16

Hallo, ich habe mich hier angemeldet weil mein kleiner Bruder sehr stottert.
Er ist 15 jahre jünger als ich und gerade mal 10. ich weiß nicht woher es rührt. Entweder durch die Scheidung meiner Eltern oder durch sein Wesen an sich. Auch ein körperlicher Defekt wäre nicht auszuschließen, da er schon als Kind schlecht sprechen konnte.
Damit es nicht schlechter wird würde ich mir wünschen ihn helfen zu können.

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