Übergang auf die Realschule "gefährdet"

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gerrit
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Übergang auf die Realschule "gefährdet"

Beitrag von gerrit » 13. Januar 2007 23:06

Hallo erst mal, ich bin neu hier und versuche mich nicht so ungeschickt anzustellen.
Es geht um unseren Sohn. Er ist 10 Jahre alt.Mit etwa 5 Jahren begann er zu stottern. Damals habe ich sofort einen Logopäden aufgesucht. Als wir dann endlich den Termin hatten, war das Stottern weg. Als er dann in die zweite Klasse der Grundschule kam trat es wieder auf aber nur sporadisch. Mal war es stärker, dann wieder schwächer oder für ein halbes Jahr ganz weg. Damals dachte ich mir, es könnte vielleicht auch an seinem fehlendem Selbstwertgefühl liegen ( er ist zudem auch noch übergewichtig ) und wir durchliefen Psychomotorik und therapeutisch begleitete Abnehmkurse.Zudem sagte mir mein HNO-Arzt, ich solle erst einmal abwarten. Zuerst hatte ich auch den Eindruck, es würde besser. Aber es blieb. Mal mehr mal weniger. Nun gehen wir seit November letzten Jahres wieder zum Logopäden. Die Logopädin eröffnete mir dann, das er das Stottern nie bewältigen würde. Er müsse von nun an damit leben lernen.
Seine schulischen leistungen waren immer einwandfrei und er stotterte auch nie beim Lesen und beteiligt sich nach wie vor beim Unterricht. Wie Als seine Lehrerin mir dann letztes Jahr eröffnete das mein Sohn die Empfehlung zur Realschule bekommt, war ich sehr glücklich und stolz auf ihn. Nun hat er nach den Ferien das erste Mal seit seiner Einschulung auch beim Lesen angefangen zu stottern. Die Unterrichtsbeteiligung ist nach wie vor einwandfrei und er läßt sich auch gar nicht beirren. Nun hatte mein Mann ein kurzes zufälliges Gespräch mit der Lehrerin in dem sie ihm eröffnete, dass sie wohl wegen des stotterns beim Lesen die Empfehlung für die Realschule nicht aufrecht erhalten könne, da sie befürchtet, das er Probleme im Klassenverband bekommt. Ja gehts denn noch? Was hat denn das mit seiner schulischen Begabung zu tun? Die Probleme bekommt er in eineer anderen Schule auch oder etwa nicht? Ich bin so wütend, weil ich denke, dass mein Sohn hier einfach aufgrund seiner Sprache benachteiligt wird. Nächste Woche bitte ich um ein ausführliches Gespräch mit ihr und bin bei Recherchen zu diesem Thema durch Zufall hier gelandet. Ich hätte gerne gewußt, ob noch jemand anders hier mal solche Erfahrungen gemacht hat. Ich habe auch auf der Seite des bvss viel gelesen aber irgendwie ist das alles nun Neuland für mich. Vor allem bin ich schon geschockt. Sie kennt ihn doch nun schon so viele Jahre und hat seine Stotterproblematik ja auch immer miterlebt. Oder sehe ich das alles falsch und sie hat doch recht? Wäre einer andere Schulform doch besser? Aber welche? Ich bin total verunsichert. :?:

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Stottern und Schultyp

Beitrag von Roland Pauli » 14. Januar 2007 00:00

Hallo Gerrit,

trotz Stottern kann man auf die Realschule, das Gymnasium oder die Uni gehen.

Es gibt auch stotternde Professoren. Solange man sich passabel mitteilen kann, stört das die Kommunikation nicht wesentlich.
Das Stottern allein ist kein Grund, ein Kind von einem Schultyp auszuschließen.

Ich wurde auf dem Gymnasium wegen meines damaligen heftigen Stotterns von Referaten z.b. verschont. Aber auch aus mir ist etwas geworden.

Herzlichst

Roland

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Beitrag von Tarantandy » 14. Januar 2007 01:10

Hallo Gerrit,

das ist eine Einzelmeinung einer Lehrerin, die sich mit dem Thema Stottern nicht auskennt und sich offensichtlich auch nicht weiter damit vertraut gemacht hat.
Was ist das für ein blödes Argument, "er könnte Probleme im Klassenverband bekommen". Diese Probleme könnte er theoretisch in Klassenverbänden gleich welcher Schulform bekommen.
Ich verstehe deine Wut und in mir kocht sie auch immer mehr hoch...
Da soll einzig wegen des Stotterns dem Kind der weitere Weg erschwert werden. Genau gegen sowas gibt's das Anti-Diskriminierungsgesetz...

Lasst euch in jedem fall nicht verunsichern und bleibt bei eurem Kurs.
Und wenn er sich vom Stottern nicht beirren lässt und trotzdem spricht, ist das ganz wichtig. Versucht, das zu stabilisieren!

Alles Gute!

Andi.

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... die Meinung einer Lehrerin ...

Beitrag von Ernst-Martin » 14. Januar 2007 11:37

Liebe Gerrit (woher kommt eigentlich Dein aussergewöhnlicher Name; ich verbinde damit "zerbrechliches Glas", ... Du weißt schon, die Firma .)
:lol:
Warum gehst Du nun nicht den "Befehlsweg" rückwärts;
ein Gespräch mit dem Rektor wirkt Wunder - wenn Du einfließen läßt, daß Du z.B. bei dem (Oppositions-) Bürgermeister (z.B. der SPD) ein freundlichen Gespräch hattest und daß sich jener auch nochmal der Sache annehmen würde ...

Der Bürgermeister ist der Vorgesetzte vom Rektor.

Falls es eine Rektorin ist: laßt (zusätzlich) Blumen sprechen!
:wink:
Ernst-Martin,
der Lechgeist
--------------------------------
... die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere -
ja, wenn man sie läßt!
Peter Alexander

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Übergang auf die Realschule"gefährdet"

Beitrag von gerrit » 14. Januar 2007 12:12

Vielen lieben Dank für die netten und aufschlussreichen Antworten. :D
Das zeigt mir, dass wir mit unserer Meinung und unseren Empfindungen doch nicht so alleine dastehen.
Ich werde mir das was ihr mitgeteilt habt zu Herzen nehmen. Mal schauen, was das Gespräch nächste Woche bringt. Nun gehe ich auf jeden Fall nicht mehr so verunsichert da rein. Ich werde dann berichten.......
Dankeschön noch einmal!!!! :D

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Beitrag von transit » 14. Januar 2007 13:10

Liebe Gerrit,
Lieber Ernst-Martin,

"Befehlsweg - Rückwärts", also sich um Verständnis und Unterstützung an den Angehörigen der nächsthöheren Stufe in der Hierarchie zu wenden, halte ich auch für vernünftig und hier sogar notwendig. Das kann an erster Stelle der Rektor sein, aber auch Kinder-und-Jugend-Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, Schulpsychologischer Dienst, Jugendamt, usw können beratend unterstützen.

Lieber Ernst-Martin,
was meinst du, würdest du, wenn eine verzweifelte Frau zu dir kommt, mehr Glaubwürdigkeit schenken :
einem Blumenstrauss oder Tränen ?

Würdest du dich persönlich emotional mehr engagieren, wenn eine junge Mutti verzweifelt weint, oder wenn sie dir einen Blumenstrauss schenkt ?

Liebe Gerrit,
Stottern als Hauptgrund einer Schullaufbahn-Empfehlung anzuführen ist nicht gerechtfertigt.
Kennt sich eure Lehrerin denn mit der Problematik des Stotterns aus ?
Über die BVSS kannst du Info-Material (Wenn mein Schüler stottert) für Lehrer beziehen.

Du schreibst, dein Sohn hat gute schriftliche Leistungen und beteiligt sich mündlich am Unterricht. Das zeigt doch sehr positiv, dass er noch kein allzu grosses Störungsbewusstsein bzgl des Stotterns entwickelt hat.
Andererseits teilst du mit, dass aufgrund seines Körpergewichtes sein Selbstwertgefühl nicht so stabil sei.
Wenn nun noch die Negativ-Bewertung seiner Lehrerin dazu kommt, kann es schwer für ihn werden, sich weiterhin ok zu fühlen.

Ich möchte dir empfehlen, zu einem guten Facharzt für Ki-Jug-Psychiatrie u. Neurologie zu gehen : Intelligenz-Test, evtl. psychologische Tests mit deinem Sohn durchführen lassen.
Dann hast du etwas in der Hand.

Stottern mit 10 Jahren bedeutet nicht Lebenslanges Stottern !
Ich bin mein Stottern, zumindest im Alltag, sogar über 40 in zufriedenstellendem Maße "losgeworden".
Allerdings durch eine ADS-Diagnose mit entspr Behandlung.
Bei mir ist die neurologische ADS-Disposition mitverursachend für das Stottern.
(ADS soll häufig bei Gewichtsproblemen oder Essstörungen eine Rolle spielen.)
Natürlich kenne ich dein Kind nicht. Bitte verstehe diese Aussagen nur als allgemeine persönliche Assoziationen von mir zum Thema, mehr nicht.

Lieben Gruß
isabel

gerrit
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Beitrag von gerrit » 14. Januar 2007 13:37

Liebe Isabel,
vor etwa zwei Jahren waren wir mit unserem Sohn bezüglich der Essstörungen und des Stotterns auch in einer Kinder-und Jugendpsychiatrie. Damals dachten wir er hätte vielleicht auch noch eine Wahrnehmungsstörung. Dort wurde ein intelligenztest und auch ein Wahrnehmungstest durchgeführt. Dort ging er dann auch über ein JAhr zur Psychomotorik. Das Resultat des intelligenztests liegt der Lehrerin auch vor. Er besitzt eine ganz normale durchschnittliche Intelligenz. wahrnehmungsstörungen hat er auch nicht. Allerdings hatte er eine nicht allzu leicht Kindheit. Seit Anfang des Jahres lebe ich von meinem Mann getrennt ( Er ist Spielsüchtig ). Diese Tatsache begünstigt sein Stottern auch nicht wirklich aber wer sich mit Süchten auskennt, weiß das dies ein Fass ohne Boden ist. Einzelheiten führen hier vielleicht zu weit. Der Tipp mit dem Jugendamt oder des Ki.-und Jugendpsychologen ist aber gut. ich habe auch schon darüber nachgedacht, mir dann bei Bedarf ( wenn das Gespräch in andere Bahnen verläuft ) Hilfe beim Jugendamt oder anderweitigen Stellen zu holen.
Viele Grüße
Gerrit

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