Stottern mit 2 jahren und 7 Monaten - Wie gehts weiter?

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Will
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Stottern mit 2 jahren und 7 Monaten - Wie gehts weiter?

Beitrag von Will » 23. September 2014 12:18

Hallo,
unser Sohn ist 2 Jahre und 7 Monate. Seit einem halben Jahr stottert er ganz leicht bzw. er ist seit dem nicht ganz flüssig im Sprechen. Das ist so marginal, dass es mir nicht einmal wirklich aufgefallen ist, sondern nur meiner Frau. Seit exakt 8 Tagen ist unser Sohn jedoch extremst am Stottern (ohne Begleiterscheinungen, d.h. Kopf wird nicht rot, Hände bewegen sich nicht dabei o.ä.). Das heißt, wenn er Auto sagen möchte, sagt er au-au-au -au-au - auto, teilweise dauert es gefühlte Minuten bis das Wort dann da ist. So war das noch nie bei ihm. Und das geht dann so bei etlichen Worten wahllos ohne systematischen Zusammenhang. Bisherige Reaktion von uns: das Stottern wurde ignoriert. Wir hören einfach zu und warten, bis er ausredet. Fakt ist also: er stottert. Wir haben gelesen, dass dies bei 5% der Kinder auftreten kann und bei ca 80 % (überwiegend Mädchen) wieder bis zur Pubertät verschwindet.

Unser Problem: Meine Frau ist sehr beunruhigt und will irgendwas tun. Deshalb bin ich schon in Kontakt getreten mit Kinderarzt, und Logopädinnen: alles nur telefonisch. DAs FAzit: irgendwie gibt es keinen gemeinsamen Nenner, was die Ratschläge angeht. Es geht von "erstmal abwarten" über "sollte zur Logopädin" bis hin zu "Therapie ist so früh wie möglich wichtig". Uns wurde mitgeteilt, dass es letztlich zwei anerkannte Therapie Formen gäbe: Lidcomb und die Minikids Therapie.

In Fachbeiträgen die hier auf der Seite verlinkt sind in der Rubrik FAchartikel von bspw. Prof. Sommer heißt es, Zitat:
Die Überprüfung von Therapien auf ihre Wirksamkeit ist überraschend schwierig. Sind die Patienten noch im Kindesalter, haben es Forscher schwer, Therapieeffekte und Spontanheilung zu trennen.

Daraus folgt mein Problem und meine Frage:
wenn ich wüsste, dass mein Sohn die Sache einfach so wieder selbst in den Griff bekommt im Wege einer Spontanheilung, kann man sich die Therapie (mit ungewissem Ausgang und vor allem mit ungewissenen Nebeneffekten sparen). Ich will nämlich gerade nicht, dass mein Sohn durch eine Therapie in einen Teufelskreis kommt und erst Recht Angst vor dem Sprechen bekommt, weil das alles zu sehr thematisiert wird. Auf der anderen Seite sind meine Frau und die Großeltern beunruhigt. In der Kita sieht man das zumindest noch gelassen.
Ich weiß also nicht, was ich tun soll.
Die Optionen sind:
- nichts tun
- irgendeine Logopädin aussuchen und auf gut Glück hoffen, dass Sie das richtige Händchen hat

kann mir hier dazu vielleicht weiterhelfen? ich will nur klarstellen. Wir haben kein Problem damit, dass unser Sohn stottert. Wir lieben ihn, wie er ist. Wir sorgen uns aber vor allem, dass er, wenn er nächstes Jahr den Kindergaten kommt, evtl. "gemobbt" wird. Kinder im Alter ab 4, 5 Jahren können richtig gemein sein. Jetzt ist er noch in der Kita und die Sache fällt noch nciht so auf, weil die Kinder bis 3 noch gar kein Normenverständnis haben. Da hat er noch einen gewissen Schutz. Ich weiß auch nicht, wie lange ich das mit dem Stottern ignorieren kann. Wenn das jetzt so heftig weiter geht, dann denke ich, dass mein Sohn ja selbst merken wird, dass irgendwas nicht "normal" ist. Ich will ja uach nicht, dass er sich allein zurückzieht, und er denkt, wir helfen ihm nciht.

Vielleicht kann jemand unter Ihnen das Problem/ das Dilemma nachvollziehen und hat eine Idee, wie man an die Sache rangeht.

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Jaspis
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Re: Stottern mit 2 jahren und 7 Monaten - Wie gehts weiter?

Beitrag von Jaspis » 23. September 2014 14:04

Hallo Will,
gerade vor ein paar Tagen wurde auf der Fachberatungsseite eine Frage zu einem Kind gleichen Alters beantwortet. Für mich (als Selbstbetroffene und Mutter 2 Kinder) war dieser Abschnitt hier sehr wichtig:
Fachberatung hat geschrieben:Wichtig ist, dass Sie die Unflüssigkeiten nicht tabuisieren, dass Sie nicht so tun, als würden Sie die Not Ihrer Tochter nicht bemerken. Stottern ist ein Thema, worüber gesprochen werden darf, gesprochen werden sollte. Es wird Ihrer Tochter gut tun, wenn sie weiß, sie ist damit nicht allein. Nach einem Stottern, bei dem Sie ihre Not bemerken, können Sie beispielsweise etwas sagen wie "Das war aber ein schwieriges Wort." oder "Na so was, das wollte gar nicht weiter raus aus deinem Mund." oder "Das Wort ist aber doll gehüpft!" oder "Puh! Das war anstrengend, stimmt's?" Verharmlosen Sie es nicht, machen Sie es aber möglichst auch nicht größer, als es ist.
Meine beiden Kindern stottern nicht, hatten aber mit 2 und 4 Jahren "auffällige" Phasen, teilweise so wie Du es beschreibst, langes Hängenbleiben an scheinbar wahllosen Silben. Ich hatte mich wegen der Möglichkeit der Vererbbarkeit und wegen dieser Phasen immer mit Stottertherapien für Kinder etwas beschäftigt, um für den Fall des Falles vorbereitet zu sein.

Euch würde ich daher raten, ganz laienhaft und deshalb bitte nur als Option sehen, wenn dann in Richtung Lidcombe zu gehen. Das ist eine sehr elternbezogene Therapie, die am Anfang, besonders bei kleinen Kindern sogar ohne direkte Behandlung der Kinder auskommt, also "nur" Eltern berät, wie sie das Sprechenlernen optimal bei ihrem Kind begleiten können. Lidcombe ist ein indirekter Ansatz, der das Kind nicht sofort mit Stottern konfroniert. Bei sehr kleinen Kindern, ohne eigenes Störungsbewußtsein, ist das sicher ein Ansatz, der sich lohnt und nichts "kaputt" macht.

Ich selbst habe in diesen Hängenbleibenphasen von meinen Kindern mich immer so verhalten: Wenn es auftrat, mich selbst einen Gang runterschalten, aber nicht so, dass das Kind sofort merkt, ich reagiere nur wegen dem Hänger. Ich habe dann das, was das Kind gesagt hat, selbst noch mal kurz danach in einem eigenen Satz wiederholt, langsam, aber nicht auffällig und nicht das Kind korrigierend. Wichtig war mir, dass das Kind das schwierige Wort nochmal flüssig hört, auch wenn es es selbst gerade nicht sagen konnte, es sollte nicht unflüssig in seiner Erinnerung bleiben.
Diese Phasen dauerten bei uns immer so 2-3 Wochen, und wie gesagt, bei beiden Kindern mit ca. 2 und 4 Jahren.

Wichtig ist, dass das Kind es nicht als negative Phase erlebt, sondern als "normale", die nichts schlimmes mit ihm macht. Das fordert uns Eltern natürlich heraus. Aber seinem Kind seine eigenen Ängste (und Erwartungen) nicht 1:1 zu zeigen, ist und bleibt sowieso eine der größten Herausforderungen. :wink:

Diese Antwort von Paul im vorherigen Thema dieses Threads ist auch sehr lesenwert!

Viel Glück - und auch Spaß! - beim Sprechenlernen mit Eurem Kind!
Jaspis

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Re: Stottern mit 2 jahren und 7 Monaten - Wie gehts weiter?

Beitrag von paul.dest » 24. September 2014 12:12

Hallo Will,
Will hat geschrieben:In Fachbeiträgen die hier auf der Seite verlinkt sind in der Rubrik FAchartikel von bspw. Prof. Sommer heißt es, Zitat:
Die Überprüfung von Therapien auf ihre Wirksamkeit ist überraschend schwierig. Sind die Patienten noch im Kindesalter, haben es Forscher schwer, Therapieeffekte und Spontanheilung zu trennen.
Die von Martin Sommer erwähnten "überraschenden Schwierigkeiten" sehe ich nicht. Ob Stottern, Rücken- oder Kopfschmerzen... die Problematik der Überprüfung einer Therapie auf ihre Wirksamkeit ist immer dieselbe: Sind die Rückenschmerzen einer konkreten Person vergangen, weil der Patient Krankengymnastik gemacht hat? Oder wären sie auch ohne die Physiotherapie vergangen? Sind die Kopfschmerzen weg, weil ich eine Aspirin genommen habe? Oder wären sie nach einer Stunde auch ohne die Aspirin verschwunden? - Eine verlässliche Aussage über die Wirksamkeit einer Therapie lässt sie aus einer Einzelfallbetrachtung nicht ableiten, weil ein Einzelfall keinen Vergleich bietet.

Deswegen werden bei der Überprüfung von Therapiewirksamkeiten klassischerweise zwei Gruppen von Testpersonen gebildet:
  • eine Gruppe, deren Mitglieder die Therapie erhalten, und
    • eine, deren Mitglieder diese Therapie nicht erhalten
      bzw. mit einer Placebo-Therapie (Scheintherapie) behandelt werden.
    Am besten ist, wenn die Testpersonen selbst nicht wissen, zu welcher Gruppe sie gehören. Aber das ist meist nur bei medikamentöser Therapie umsetzbar.

    Am Ende des Testzeitraumes vergleicht man die Erfolge zwischen den beiden Gruppen. Und so hat man eine Aussage über die Wirksamkeit einer Therapie.

    Bei Stottern ist das - wenig überraschend - nicht anders. Spontanheilung ist natürlich immer im Spiel, aber erwartungsgemäß in beiden Gruppen und im gleichen Ausmaß. Sie verfälscht den Vergleich also nicht.
    Will hat geschrieben:Uns wurde mitgeteilt, dass es letztlich zwei anerkannte Therapie Formen gäbe: Lidcomb und die Minikids Therapie.
    Für "Mini-KIDS" ist meines Wissens bisher keine Wirksamkeitsprüfung für Kinder unter 4 Jahren durchgeführt worden, oder zumindest keine mit einem Gruppenunterschied. (Studien, die keinen Gruppenunterschied feststellen, neigen dazu, unveröffentlicht zu bleiben.)

    Für "Lidcombe" dagegen schon. Mehrere sogar. Durchweg positiv: der Anteil der Kinder, bei denen das Stottern vergeht oder gelindert wird, ist in der Gruppe der Lidcombe-therapierten Kinder signifikant höher. Es hat sich aber auch gezeigt, dass bei den ganz Kleinen (= unter 3 Jahren) kein statistischer Unterschied festzustellen ist. Soll heißen: die meisten Kinder müssen drei Jahre oder älter sein, um von der Lidcombe-Therapie zu profitieren.

    Es handelt sich jedoch immer nur um statistische Ergebnisse. In einem konkreten Einzelfall - und letztendlich haben wir es immer mit konkreten Einzelfällen zu tun - kann kein Erfolg garantiert werden. Eine "sichere" Stottertherapie gibt es leider nach wie vor nicht. Das gilt auch umgekehrt: in einem konkreten Einzelfall kann auch ein Kind unter 3 Jahren von der Lidcombe-Therapie profitieren.

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    Re: Stottern mit 2 jahren und 7 Monaten - Wie gehts weiter?

    Beitrag von Will » 25. September 2014 11:34

    Hallo,
    vielen Dank für die schnellen Rückmeldungen.

    Ich will mal zwei Dinge noch dazu sagen:
    1)
    Unser Sohn "schreit derzeit nicht nach Hilfe". Heißt, er ist "aus unserer Betrachtungsweise" "aus seiner subjektiven Sicht" nicht belastet. Wir können natürlich nicht in sein Gefühlsinnenleben reingucken. Es gibt aber Indizien. Hier is es so, dass er sehr gerne redet, auch wenn er stottert. Es ist ihm einfach egal. Meine Frau hat das Stottern einmal sogar recht schön kommentiert und ihn darauf liebevoll hingewiesen. Auch das hat ihn wenig interessiert. Er quasselt und quasselt, komme was wolle.
    Er wirkt also noch unbekümmert, unbeschwert. Sind das nicht die schönsten Eigentschaften von Kindern:).
    Jetzt habe ich mir das Lidcombe Programm bei Prof. Neumann durchgelesen und sehe wie die Therapie laufen soll. Es geht im Kern um 1.1 Äußerungen des Kinders (enweder stotterfrei oder stotternd) und um 1.2 verbale Rückäußerungen der Eltern (bei stotterfreien Äußerungen > "Lob"-"Aufforderung zur Selbstbewertung"-"Bestätigung"; bei stotternden Äußerungen > "Bestätigung"-"Aufforderung zur Selbstkorrektur")

    Was ich mit meinem ersten Beitrag sagen wollte ist, dass wir als Eltern bisher die Erziehung so gestaltet haben, das Leben unseres Sohnes nicht ständig zu kommentieren, verbessern etc. Heißt: Kind spielt Puzzle und findet die richtige Lücke nicht: wir lassen es einfach versuchen, statt gleich einzugreifen und die Lösung zu präsentieren. Oder Kind versucht Schuhe anzuziehen, braucht aber etwas lange. Wir lassen es, und es klappt dann irgendwann. Beim Sprechen war das auch immer so, wir haben unseren Sohn immer einfach reden lassen, deswegen redet er laut Kita in der Kita mit am Meisten. Wir glauben, dieses ständige Verbessern führt dazu, das man die Lust an einer Sache verliert. Ich für mich kann das bestätigen, denn wenn mir jemand 10-20 mal am Tag sagt (wenn auch freundlich und liebevoll), das etwas anders gemacht werden muss, wäre ich genervt, vielleicht sogar frustriert und denke mir, dann sag ich halt nichts mehr.

    Wenn ich jetzt die Schlagworte der Lidcombe Therapie lese, haben meine Frau und ich erstmal gestutzt. Z.B. "Aufforderung zur Selbstkorrektur"!
    Prof. Neumann macht hierzu für Phase I z.B das nachfolgende Beispiel:
    Lob für stotterfreies Sprechen (z.B.: „Pri-
    ma, das hast du ganz flüssig gesagt.“)
    b) Bestätigung von stotterfreiem Sprechen
    (z.B.: „Da waren gar keine Hüpfer.“)
    c) Aufforderung zur Selbstbewertung (z.B.:
    „Hast du das glatt gesagt?“)


    Meine Frage war daher, helfe ich meinem Kind damit oder nerve ich es damit? Der Vergleich mit Kopfschmerzen hinkt daher aus meiner Sicht ein wenig. Kopfschmerz bedeutet: Schmerz- Schmerzmittel - kein Schmerz. Hier ist es ja so: Kind geht es psychisch gut, Kind redet gern - Jetzt greifen wir ein, weil wir ihn "normal" machen wollen und ihn vor den gesellschaftlichen Folgen schützen wollen. Das braucht man auch nicht kleinreden und so tun als ob, denn ich sehe ja jetzt schon, dass auf dem Spielplatz andere Eltern komisch gucken, wenn unser Kind 10mal au-au-au-au to oder was auch immer sagt.
    Was ich mir jetzt vorgestellt habe, dass wir einfach wirklich warten, bis unser Sohn drei ist und dann mit dem lidcombe Programm anfangen. Vielleicht hat er dann auch schon mehr bewusstsein.

    2)
    meine zweite völlig andere Frage:
    unser Sohn stottern jetzt schon viel weniger. das letzte Wochenede war ja extrem. Die Kita meinte auch heute früh, dass es von Montag an täglich besser wurde und er gestern in der Kita fast gar nicht gestottert hat. Und ich sagte ja schon, dass dieses extrem Stottern vor 9 Tagen ca. anfing. Und jetzt fragt man natürlich nach den Ursachen, warum ist das aufgetreten. da habe ich gegbrübelt und überlegt, was in der Zeit so passiert ist. Jetzt ist mir eingefallen, der unser Sohn etwa 1 oder 2 Tage vor dem Beginn des Stotterns beim Spielen mal voll auf den Kopf geknallt ist. Kann das eine Ursache gewesen sein?

    Denn offensichtlich, so die Genetiker, wie ich Sie laienhaft verstehe, ist stottern ja ein Problem im Gehirn?!?

    danke nochmals für die Rückmeldungen

    paul.dest
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    Re: Stottern mit 2 jahren und 7 Monaten - Wie gehts weiter?

    Beitrag von paul.dest » 25. September 2014 19:28

    Hallo Will,
    Will hat geschrieben:Meine Frau hat das Stottern einmal sogar recht schön kommentiert und ihn darauf liebevoll hingewiesen. Auch das hat ihn wenig interessiert. Er quasselt und quasselt, komme was wolle.
    Er wirkt also noch unbekümmert, unbeschwert. Sind das nicht die schönsten Eigentschaften von Kindern:).
    Das klingt, als würde dem Kleinen wegen des Stotterns an keiner Stelle der Schuh drücken. Das ist sehr schön.
    Gegenwartsbezogen gibt es demnach keinen Handlungsbedarf.

    Sehr gut finde ich auch, dass es im Umgang mit Eurem Sohn offenbar Momente gibt, wo das Stottern liebevoll kommentiert wird und sich für ihn somit Gelegenheiten ergeben, sich über das Stottern zu beschweren, sollte es für ihn belastend werden. So könnt Ihr in regelmäßigen Abständen prüfen, ob das Sprechen des Kleinen weiterhin unbekümmert bleibt.
    Will hat geschrieben:Beim Sprechen war das auch immer so, wir haben unseren Sohn immer einfach reden lassen, deswegen redet er laut Kita in der Kita mit am Meisten.
    Das steht ganz im Einklag mit dem, was man bei den meisten Stotternden unter 4 Jahren festgestellt hat: die kleinen Stotterer sind ihren Gleichaltrigen in der Regel sprachlich überlegen, haben ein etwas entwickelteres Sozialverhalten und eine höhere Lebensqualität. Siehe "Stottern bis zum Alter von 4 Jahren".

    ...

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    Re: Stottern mit 2 jahren und 7 Monaten - Wie gehts weiter?

    Beitrag von Will » 26. September 2014 09:53

    Hallo,
    danke nochmals für die ausführliche Antwort.

    Nur mal ein Zwischenbericht: Unser Sohn hat sich nach einer Woche täglichen extremsten Stottern plötzlich sehr gefangen. Nur noch bei ganz wenigen Worten hat er Probleme, wobei das teilweise weniger Stottern, sondern eher Ausspracheproblem von bistimmten Wörtern ist. Z.B.
    "Wem ehhhhört das", statt "wem gehört das".

    Auch auffällig ist, dass er, seit das Stottern jetzt seit wenigen Tagen fast bis auf 0-1% reduziert ist, ganz anders spricht. Er bildet jetzt sehr lange Sätze, die er so vorher noch nicht sagen konnte (aber vielleicht wollte?).
    ZB.: " Gestern bin ich hingefallen, als die Mama nicht zu Hause war", oder "Papa Du brauchst einen Regenschirm, weil es heute vielleicht regnet". Es sind jetzt viele "weil-Sätze" dabei und große Sätze verbunden aus Haupt- und Nebensatz.

    Vielleicht hatte er ja Probleme mit der Umstellung von den einfachen kurzen Sätzen auf diese nächste Stufe. Was ich auch merke, dass ich seitdem ich mich auch hier informiert habe, gelassener bin und mir wirklich sage und das auch fühle, dass ich mein Kind liebe wie es ist und das Stottern innerlich nicht so dramatisiere. Ich denke, dass es einem Kind auch gut tut, das zu spüren. Denn selbst wenn ich ihm gegenüber meine Ängste nicht äußere , gibt es noch non-verbale Kommunikation, die ein Kind unterschwellig empfängt.

    Wir werden das jedenfalls weiter beobachten und keine (Therapie-) Maßnahmen ergreifen, in der Hoffnung, dass sich das von selbst legt. Wir haben jetzt alle Bezugspersonen Kita und Großeltern eingeweiht und wir werden alle mehr oder minder gleich damit umgehen, d.h., wir lassen ihn einfach weiter fröhlich munter reden und versuchen viel mit ihm zu reden und ihm noch mehr vorzulesen (was ja zu seinem Lieblingshobby gehört).

    auch noch interessant ist: wir lesen ihm ja ohnehin sehr viel vor, auch bei den Großeltern wird sehr viel vorgelesen. Und unser Sohn sagte mir mal tatsächlich (schon vor Monaten) "Papa bitte langsamer vorlesen". Vielleicht ist das auch ein Indiz dafür, dass er versucht hat, den Eltern/ mir nachzuahmen und schnell zu reden. Ich muss zugeben, ich neige selbst dazu, etwas schnell zu reden und zu lesen.

    Wenn er drei ist und keinen weiteren Stotterschub hat, lassen wir es erstmal auf sich beruhen, andernfalls würden wir ab 3 zu einem Logopäden mit Spezialisierung Lidcombe Programm gehen.
    viele Grüße
    will

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    Re: Stottern mit 2 jahren und 7 Monaten - Wie gehts weiter?

    Beitrag von paul.dest » 26. September 2014 18:08

    Hallo Will,

    Danke für den Zwischenbericht. Das klingt alles sehr gut!
    Will hat geschrieben:Unser Sohn hat sich nach einer Woche täglichen extremsten Stottern plötzlich sehr gefangen. ... Auch auffällig ist, dass er, seit das Stottern jetzt seit wenigen Tagen fast bis auf 0-1% reduziert ist, ganz anders spricht. Er bildet jetzt sehr lange Sätze, die er so vorher noch nicht sagen konnte (aber vielleicht wollte?).
    ZB.: " Gestern bin ich hingefallen, als die Mama nicht zu Hause war", oder "Papa Du brauchst einen Regenschirm, weil es heute vielleicht regnet". Es sind jetzt viele "weil-Sätze" dabei und große Sätze verbunden aus Haupt- und Nebensatz.
    Wie Du siehst, eröffnet sich hier ein weiteres bzw. anderes Mutmaßungsszenario, warum sich sein Stottern vorübergehend so verstärkt hatte. Das verstärkte Stottern könnte lediglich ein Symptom der "Umbauprozesse" in seinem Gehirn gewesen sein, die - nachdem sie nun vollzogen sind - ihm ermöglicht haben, diese nächste Stufe der Sprachentwicklung zu erreichen.

    Ich denke jedoch nicht, dass der Kleine mit dieser Umstellung "Probleme" im engeren Sinne hatte. 2:7 ist das richtige Alter für diesen Übergang, tendenziell ist er sogar zu früh dran. Er ist also einfach nur "typisch kleiner Stotterer" ;-) - seinen Kollegen sprachlich etwas voraus. Oder reden sie in der Kita schon alle so?

    ...

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    Re: Stottern mit 2 jahren und 7 Monaten - Wie gehts weiter?

    Beitrag von paul.dest » 27. September 2014 12:52

    Ein kleiner Nachtrag zu diesem hier noch, Will:
    Will hat geschrieben:...wir lassen ihn einfach weiter fröhlich munter reden und versuchen viel mit ihm zu reden und ihm noch mehr vorzulesen (was ja zu seinem Lieblingshobby gehört).
    Wenn es sein Wunsch ist, dass Ihr ihm noch mehr vorlest, ist das gut. Ansonsten gibt es keinen Grund, die sprachliche "Einwirkung" zu steigern. Stottern ist keine Sprachentwicklungsverzögerung oder ähnliches: es bedarf keiner Sprachförderung im allgemeinen Sinne des Wortes. Denn die ganz kleinen Stotterer sind in ihrer sprachlichen Entwicklung ihren Gleichaltrigen oft voraus. Dem nach zu beurteilen, was Du über Deinen Sohn geschrieben hast, gehört er dazu.

    ...

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    Re: Stottern mit 2 jahren und 7 Monaten - Wie gehts weiter?

    Beitrag von Jaspis » 29. September 2014 09:55

    paul.dest hat geschrieben:Wenn ich an Deiner Stelle wäre und an der sprachlichen "Einwirkung" wegen des Stotterns etwas ändern würde, dann würde ich sie eher runterfahren, nicht rauffahren.
    Hallo Will,
    dem letzten Rat würde ich mich anschließen. Euer Sohn scheint sprachlich schon sehr weit zu sein, er verpasst also nichts. Aber evtl. kann er sprachlich-motorisch (im Moment) dem nicht ganz folgen, was in seinem Kopf schon möglich wäre sprachlich umzusetzen.

    Beim Vorlesen würde ich auch gern den Tipp geben, nicht immer alles 1:1 vorzulesen, sondern die Buchsprache ein wenig dem Sprachlevel (und evtl. Dialekt) des Kindes und der Familie anzupassen. Wir haben selbst immer viel vorgelesen und ich war manchmal überrascht, in welch "blumiger" und umschreibender Sprache manche Kindergeschichten geschrieben sind. Ich habe das dann oft umgeändert in eine direkte Sprache, besonders in Phasen, in denen meine Kinder vom Sprechen nicht so stabil waren. Ich meine vor allem Redewendungen, die Kinder erst in einem höheren Alter verstehen. Oder z.B. Grimmsche Märchen im Original. Für Eltern ist das manchmal langweilig, aber aus eigener Erfahrung in meiner Kindheit und den Erfahrungen mit meinen Kindern finde ich es günstiger, das Sprachlevel erst nach und nach zu heben.

    Aber so wie Du es schreibst, klingt das ganz zuversichtlich! Das Kind beobachten und seine aktuellen Bedürfnisse ernst nehmen, mal das Level etwas runterschrauben, dann wieder höher. Die Entwicklung ist kein konstanter Weg, jedes Kind, jede Familie ist individuell. Da eine gewisse Gelassenheit zu lernen, ist die Herausforderung für uns Eltern. :wink:
    Gruß, Jaspis!

    Will
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    Re: Stottern mit 2 jahren und 7 Monaten - Wie gehts weiter?

    Beitrag von Will » 29. September 2014 11:17

    Hallo,
    danke für die weiteren Hinweise.
    Also als Zwischenbericht. Die paar Tage Auszeit vom Stottern waren nur eine kleine Phase. Jetzt ging es am Wochenende wieder recht intensiv zu . Nichtsdestotrotz halten wir an unserem Weg fest und beobachten weiter. Wir haben durch Zufall eine Expertin für die lidcombe Therapie im weiteren Bekanntenkreis, die an der Uniklinik tätig ist, gefunden/kennengelernt. Sie hat angeboten, sich unseren Sohn mal anzuschauen. Telefonsich meinte Sie aber schon, dass sie den Grundsatz vertritt, so früh wie möglich die lidcombe Methode anzuwenden. Sie sagt zwar auch, dass es keine Heilungsversprechen gäbe, aber verschlechtern würde es sich nicht. Ich denke mir: Anhören kostet zwar:), aber schadet sicher nicht.

    Ich hab mir bei dieser Gelegenheit nochmals die lidcombe Methode unter die Lupe genommen. Was ich ganz gut und treffend bei Neumann gefunden habe:
    Der kulturelle Kontext scheint die Behand-
    lungsdurchführung und damit auch die The-
    rapiedauer zu beeinfl ussen. In der austra-
    lischen und nordamerikanischen sozialen
    Umgangskultur scheint der Umgang mit Lob
    selbstverständlicher zu sein als in der deut-
    schen. Eltern, Erzieher, Lehrer, Ausbilder und
    Dozenten loben in erstgenannten Ländern
    wesentlich häufi ger und selbstverständ-
    licher, während in Deutschland vergleichs-
    weise mehr auf Tadel gesetzt wird. Damit
    scheint es Eltern aus diesen englischspra-
    chigen Kulturen auch leichter zu fallen, die
    erforderlichen verbalen Rückmeldungen für
    Äußerungen ihrer Kinder zu geben.
    Im Gegensatz dazu berichten viele deutsche
    Eltern zu Beginn über Schwierigkeiten, ihr
    Kind ausreichend für fl üssiges Sprechen zu
    loben.
    Bringt es ganz gut auf den Punkt. Denn ich sagte ja schon, dass ich jetzt nicht zu den Eltern auf dem Spielplatz gehöre, die wegen jeder Sache "Super" schreien. Lob und Bestätigung macht ja bekanntlich auch süchtig. Und wenn es nicht mehr da ist, kennen wir ja sicher genug Erwachsene die der Bestätigung ein Leben lang hinterher rennen. Aber gut. Man muss hier dann mal über seinen Schatten springen und bereit sein ggf. auch neue Wege einzuschlagen, die "anders" sind für einen. Es ist ja auch in der Tat interessant, dass in der anglo-amerikanischen Kultur immer viel mehr in Superlativen gesprochen wird, das ist zumindest meine Erfahrung, auch nach zwei Jahren in USA. Mir hatte mal eine Australierin erzählt, dass ihre deutsche Schwiegermutter sie fragte,wie ihr erster Tag in Deutschland (Schwabenland) war. Und sie antwortete: .."the best day in my life", woraufhin die Schw. Mutter nur meinte: echt? der beste Tag Deines Lebens?
    Was aber in englisch nur so viel bedeutet wie: es war echt gut, schön oder wie auch immer. Aber jedenfalls nicht literally. Nur so viel dazu.


    Das andere:
    Wenn ich an Deiner Stelle wäre und an der sprachlichen "Einwirkung" wegen des Stotterns etwas ändern würde, dann würde ich sie eher runterfahren, nicht rauffahren.
    Das ist ein guter Tipp. Interessanterweise merke ich, dass ich zwar gelassen bin, aber auch in so eine Art "'Über-Aktionismus" verfalle. Ich will dann natürlich "besonders viel richtig machen". Ich sehe es genauso wie ihr. Wahrscheinlich ist es sinnvoller, sprachlich etwas runter zu fahren oder einfache Texte zu lesen. Ich habe ja nicht Thomas Mann vorgelesen; nicht das hier ein falscher Eindruck entsteht. Wir lesen meist Janosch - Geschichten.

    Ich bin jetzt jedenfalls wirklich gespannt, was die Dame in Sachen lidcombe zu erzählen hat.

    Viele GRüße
    Will

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    Re: Stottern mit 2 jahren und 7 Monaten - Wie gehts weiter?

    Beitrag von Will » 29. September 2014 11:20

    nochmal ein Nachtrag:
    hier habe ich mir das Bild über das Lidcombe-Programm gemacht. Ich weiß nicht, ob das aussagekräftig ist:

    http://www.parlo-online.com/litDB/uploa ... 694817.pdf

    vg
    will

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    Re: Stottern mit 2 jahren und 7 Monaten - Wie gehts weiter?

    Beitrag von paul.dest » 29. September 2014 12:40

    Hallo Will,
    Will hat geschrieben:Die paar Tage Auszeit vom Stottern waren nur eine kleine Phase. Jetzt ging es am Wochenende wieder recht intensiv zu .
    Lass Dich davon nicht verunsichern. Das Auf und Ab ist beim Stottern eher die Regel als die Ausnahme.

    ...

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    Re: Stottern mit 2 jahren und 7 Monaten - Wie gehts weiter?

    Beitrag von Will » 9. Februar 2015 16:32

    Hallo,

    ich wollte mal nach mehreren Monaten einen Zwischenbericht abgeben und hoffe auf paar Anregungen.

    Der Stand bis heute:
    Unser Sohn stottert weiterhin, jetzt fast seit September. Es gab immer mal wieder stotter-arme-phasen. Aber es gab in der Zeit auch viele Phase mit auffälligem Stottern. So extrem wie seinerzeit, als alles losging, war es aber nie wieder. Damals hatte er ja sogar gesagt, ich kann nicht reden usw..
    Dennoch hat er manchmal so extremes stottern, dass es einfach kaum zu ertragen ist - ich rede nur aus der Elternsicht. Unser Sohn leidet zumindest nicht wirklich daran. Er redet immer noch sehr gerne und versucht das alles mit Lautstärke und Kraft zu überwinden.

    Wir machen uns jetzt bisschen Sorgen wie es weitergehen soll. Seit Oktober läuft die Lidcombe Therapie. Da habe ich das GEfühl, es bringt leider gar nichts.
    Denn dem Kind nur zu sagen, dass hast du gut gesprochen etc. - ja, das baut Selbstbewussstein auf, aber ob das eine "genetisch" veranlagte Sache heilen kann. Ich habe große Zweifel.

    Alternativen für gerade erst 3 Jahre alt gewordene habe ich aber auch nicht gefunden.
    Jetzt haben wir auch herausgefunden, dass wir Verwandte haben, die auch als Erwachsene unter Stottern litten.

    Wenn man das alles jetzt so liest, die Faktoren
    - seit 6 Monaten immer mindestens leichtes bis teilweise starkes Stottern
    - seit fast ein Jahr unflüssig
    - Verwandte mit Sottern im Erwachsenen Alter

    Das klingt so, als gäbe es da keine Remissionschancen.

    Wenn unser Sohn dauerhaft stottern sollte, haben wir die Sorge, dass er in der Schule vielleicht gemobbt wird. Ich weiß auch nicht. Aber andere Eltern sprechen einen manchmal sogar schon schräg und bescheuert von der Seite an , nach dem Motto, was ist denn mit dem (unserem Kind) los.

    Ich würde gerne meinen Sohn direkt darauf ansprechen. Aber irgendwie habe ich das GEfühl, dass er das gar nicht will oder er hat kein Bewusstsein dafür entwickelt.

    Kennt jemand noch andere Ansätze, wie man da ran gehen könnte.

    danke schonmal
    will

    paul.dest
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    Re: Stottern mit 2 jahren und 7 Monaten - Wie gehts weiter?

    Beitrag von paul.dest » 9. Februar 2015 17:44

    Hallo Will,

    Freut mich, einen Zwischenbericht von Dir zu lesen.
    Will hat geschrieben:Wir machen uns jetzt bisschen Sorgen wie es weitergehen soll. ...

    Jetzt haben wir auch herausgefunden, dass wir Verwandte haben, die auch als Erwachsene unter Stottern litten.

    Wenn man das alles jetzt so liest, die Faktoren
    - seit 6 Monaten immer mindestens leichtes bis teilweise starkes Stottern
    - seit fast ein Jahr unflüssig
    - Verwandte mit Sottern im Erwachsenen Alter

    Das klingt so, als gäbe es da keine Remissionschancen.
    Will, ich weiß nicht, was die Logopäden Dir erzählt haben, aber:
    1. Die Stärke des anfänglichen Stotterns ist nichts, woran man die Remissionschance bei Kindern in diesem Alter abschätzen könnte.
      Nimm mich als Beispiel: als Kind habe ich immer nur leicht gestottert, aber das Stottern ist bei mir nicht vergangen.

      Es gibt Studien, aus denen hervorgeht, dass die Remissionsrate von anfangs schwerer stotternden Kindern gleich groß, wenn nicht sogar besser ist. Es gibt aber auch Studien, die zu gegenteiligem Ergebnis kommen. Alles in allem: die Schwere des anfänglichen Stotterns macht auf die Eltern zwar einen großen Eindruck, ist aber nicht prognoserelevant.
      • Es ist auch nicht aussagekräftig, sich an der Dauer des Stotterns zu orientieren. Ich kenne persönlich einen Menschen, den ich im Erwachsenenalter als Nichtstotterer kennengelernt habe und der sich nicht daran erinnern konnte, jemals gestottert zu haben. Auf Nachfrage bei seiner Mutter hat sich herausgestellt, dass er als Kind 5(!) Jahre lang gestottert hat, bis das Stottern von allein vergangen ist.

        In der "Early Language in Victoria Study", einer sehr breit angelegten Sprech- und Sprachbeobachtungsstudie in Australien, hat man zum Alter von 3 Jahren 181 stotternde Kinder registriert. Nach einem Jahr ist das Stottern bei nur 9 Kindern vergangen. Über das eine Jahr zwischen 3 und 4 ergibt das eine Remissionsquote von lediglich 9 / 181 = 5%! Wenn man bedenkt, dass die Remissionsquote bis zum Erwachsenenalter über 80% erreichen wird, erkennt man sofort, dass die Erwartung, das Stottern - wenn es denn vergeht - müsse innerhalb von einem Jahr vergehen, völlig unrealistisch ist und nur durch pures Glück erfüllt werden kann. Siehe: Stottern bis zum Alter von 4 Jahren
        • Ob der Erblichkeitsfaktor entscheidend ist, bin ich mir nicht sicher: ich zum Beispiel habe keinerlei stotternde Verwandte - jedenfalls sind mir keine bekannt. Das hat mich leider nicht davor bewahrt, Stottern zu behalten. Generell wird diese "Genetisch veranlagt"-Geschichte häufig sehr falsch verstanden.
          Siehe: "Alles eine Frage der Gene?"
        Aus diesen Gründen klingt Deine Aufstellung für mich nicht danach, als gäbe es keine Remissionschancen.
        Für mich klingt das alles einfach nur nach: nichts genaueres weiß man nicht und kann es leider auch nicht prognostizieren.

        Das ist zwar unbefriedigend, aber Stand der Forschung.

        ...

        -----------------

        Der vollständige Inhalt dieses Beitrages ist ab jetzt nur noch unter http://www.stottern-verstehen.de verfügbar.
        Zuletzt geändert von paul.dest am 4. Dezember 2016 19:41, insgesamt 1-mal geändert.
        http://stottern-verstehen.de

        Will
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        Re: Stottern mit 2 jahren und 7 Monaten - Wie gehts weiter?

        Beitrag von Will » 10. Februar 2015 10:20

        Hallo, danke für die ausführliche Antwort.

        Zu
        paul.dest hat geschrieben:Dass Dein Wunsch, Deinen Sohn auf das Stottern direkt anzusprechen, sich bisher nicht tagtäglich erfüllt, verstehe ich nicht. Mit einem Hinweis im Rahmen einer Lidcombe-Spielstunde, dass das Kind gerade holprig gesprochen habe, sprichst Du das Stottern doch direkt an. Was meinst Du also damit, wenn Du schreibst, dass Du das gerne tun würdest?

        Der Sinn einer Lidcombe-Therapie liegt ja gerade darin, dass das Kind ein Bewusstsein für sein Sprechen entwickelt - ob flüssig oder unflüssig - und somit es selbständig "heilt". Es soll kein Schuldbewusstsein, sondern einfach nur eine Wahrnehmung für das Sprechen geschaffen werden. Die ganz Kleinen sind oft noch nicht so weit, dass sie diese reflektive Wahrnehmung entwickeln können. Das kommt einen Tick später.
        kann ich folgendes sagen. Wir sind bei der Lidcombe bisher auf dem Stand (ich glaube 9. Sitzung) dass bisher nur auf flüssiges Sprechen hingewiesen wird, so wie:

        - das hast du super gesprochen.
        - das hast du flüssig gesagt usw.

        Bei der anderen Seite im Sinne von " da bist du grad gestolpert oder das war grad holprig" sind wir noch gar nicht. Wir üben täglich eine Einheit mit unserem Sohn beim Spielen und "kommentieren" wie oben dargestellt das flüssige Sprechen.

        Unsere Therapeutin fängt erst demnächst mit den Hinweisen auf das unflüssige Sprechen an.

        Zu
        paul.dest hat geschrieben:Will, ich weiß nicht, was die Logopäden Dir erzählt haben, aber:

        Die Stärke des anfänglichen Stotterns ist nichts, woran man die Remissionschance bei Kindern in diesem Alter abschätzen könnte.
        Nimm mich als Beispiel: als Kind habe ich immer nur leicht gestottert, aber das Stottern ist bei mir nicht vergangen.

        Es gibt Studien, aus denen hervorgeht, dass die Remissionsrate von anfangs schwerer stotternden Kindern gleich groß, wenn nicht sogar besser ist. Es gibt aber auch Studien, die zu gegenteiligem Ergebnis kommen. Alles in allem: die Schwere des anfänglichen Stotterns macht auf die Eltern zwar einen großen Eindruck, ist aber nicht prognoserelevant.
        Es ist auch nicht aussagekräftig, sich an der Dauer des Stotterns zu orientieren. Ich kenne persönlich einen Menschen, den ich im Erwachsenenalter als Nichtstotterer kennengelernt habe und der sich nicht daran erinnern konnte, jemals gestottert zu haben. Auf Nachfrage bei seiner Mutter hat sich herausgestellt, dass er als Kind 5(!) Jahre lang gestottert hat, bis das Stottern von allein vergangen ist.

        In der "Early Language in Victoria Study", einer sehr breit angelegten Sprech- und Sprachbeobachtungsstudie in Australien, hat man zum Alter von 3 Jahren 181 stotternde Kinder registriert. Nach einem Jahr ist das Stottern bei nur 9 Kindern vergangen. Über das eine Jahr zwischen 3 und 4 ergibt das eine Remissionsquote von lediglich 9 / 181 = 5%! Wenn man bedenkt, dass die Remissionsquote bis zum Erwachsenenalter über 80% erreichen wird, erkennt man sofort, dass die Erwartung, das Stottern - wenn es denn vergeht - müsse innerhalb von einem Jahr vergehen, völlig unrealistisch ist und nur durch pures Glück erfüllt werden kann. Siehe: Stottern bis zum Alter von 4 Jahren
        Ob der Erblichkeitsfaktor entscheidend ist, bin ich mir nicht sicher: ich zum Beispiel habe keinerlei stotternde Verwandte - jedenfalls sind mir keine bekannt. Das hat mich leider nicht davor bewahrt, Stottern zu behalten. Generell wird diese "Genetisch veranlagt"-Geschichte häufig sehr falsch verstanden.
        Siehe: "Alles eine Frage der Gene?"

        Aus diesen Gründen klingt Deine Aufstellung für mich nicht danach, als gäbe es keine Remissionschancen.
        Für mich klingt das alles einfach nur nach: nichts genaueres weiß man nicht und kann es leider auch nicht prognostizieren.
        Uns hat sie gesagt, dass die Remissionswahrscheinlichkeit abnimmt, je länger ein Kind stottert. Die Intensität /Stärke des Stottern sei nicht ausschlaggebend. Sie sagt die Kombination (Verwandte mit Stottern + 6-12 Monate andauerndes Stotern) sprächen für ein langfristiges Stottern bzw. für ein Stottern auch im Erwachsenenalter.

        Naja. Ehrlich gesagt. Ich merke, letztlich wird keiner eine seriöse Prognose abgeben können. Wir müssen uns einfach wieder bisschen beruhigen. Es ist halt nur so, dass immer dann, wenn das Stottern sehr stark wird, uns das auch belastet.

        Wir wollen jedenfalls die Therapie nicht abbrechen. Wir lassen sie mal laufen.

        vg
        will

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