Stottern mit 2 jahren und 7 Monaten - Wie gehts weiter?

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paul.dest
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Re: Stottern mit 2 jahren und 7 Monaten - Wie gehts weiter?

Beitrag von paul.dest » 10. Februar 2015 22:36

Hallo Will,

Deine Erklärungen machen alles verständlicher.
Will hat geschrieben:Wir sind bei der Lidcombe bisher auf dem Stand (ich glaube 9. Sitzung) dass bisher nur auf flüssiges Sprechen hingewiesen wird, so wie:

- das hast du super gesprochen.
- das hast du flüssig gesagt usw.

Bei der anderen Seite im Sinne von " da bist du grad gestolpert oder das war grad holprig" sind wir noch gar nicht. Wir üben täglich eine Einheit mit unserem Sohn beim Spielen und "kommentieren" wie oben dargestellt das flüssige Sprechen.
Mit "9. Sitzung" meinst Du die 9. Sitzung mit der Logopädin? Wird die Sitzung mit der Logopädin nicht ein Mal pro Woche gemacht? Demnach wäre die Therapie seit 9/10 Wochen am Laufen. Du schriebst jedoch, dass die Lidcombe-Therapie seit Oktober am Laufen ist. Strukturiert Eure Logopädin das anders?

Jedenfalls macht es verständlich, dass bisher keine Auswirkungen aufs Sprechen/Stottern Deines Sohnes festzustellen sind. Wenn bisher ausschließlich auf das stotterfreie Sprechen hingewiesen wird, dann hat die Therapie in meinem Verständnis noch gar nicht richtig angefangen. Ich meine: wahrscheinlich ist dem Kind noch nicht mal richtig klar, was mit dem "super gesprochen" und "flüssig gesagt" gemeint ist - es fehlt bisher der Hinweis auf das "nicht super" und auf das "nicht flüssig"; da versteht das Kind bisher immer nur "alles super!" Das ist gut, um mit dem Kind eine positive Grundbeziehung bezüglich solcher Feedbacks aufzubauen, ist aber in meinen Augen lediglich Vorbereitungsarbeit.

Und das macht Ihr täglich seit Oktober? Bzw. seit 9/10 Wochen? - Ich weiß nicht, welchen genauen Ablauf das Lidcombe-Manual vorschreibt, aber mir erscheint das irgendwie arg in die Länge gezogen. Ich sollte mir endlich das Lidcombe-Manual besorgen. Schließlich finde ich mich in ein paar Jahren wahrscheinlich in der gleichen Situation wie Du wieder.
Will hat geschrieben:Uns hat sie gesagt, dass die Remissionswahrscheinlichkeit abnimmt, je länger ein Kind stottert.
So eine Aussage ist ein Falschverständnis des mathematischen Begriffs "Wahrscheinlichkeit". Ich mache es mal an einem Beispiel deutlich.

Stell Dir das Szenario aus dem Schulsport vor, wo zwei Mannschaften gebildet werden, indem zwei Kinder die Mannschaftskapitäne stellen und aus der Gruppe von 10 weiteren Kindern abwechselnd jeweils ein Kind für ihre Mannschaft auswählen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit für ein Kind aus dieser Gruppe als letztes gewählt zu werden?

Davon ausgehend, dass alle Kinder gleich beliebt sind bzw. in Unkenntnis der Beliebtheitsverhältnisse, ist die Wahrscheinlichkeit für jedes Kind gleich: 1/10 (10%), denn von den 10 Kindern ist am Ende irgendeines das letzte Kind. Was passiert nun, nachdem die ersten fünf Kinder gewählt worden sind? Es sind jetzt noch 5 Kinder zu wählen. Also ist die Wahrscheinlichkeit für jedes der zu wählenden Kinder IN DIESER PHASE auf 1/5 (20%) angewachsen, denn irgendeines von ihnen wird das zuletzt gewählte sein. Sind nur noch zwei Kinder übrig, ist die Wahrscheinlichkeit für jedes DIESER Kinder IN DIESER PHASE auf 1/2 (50%) gestiegen. Ist das vorletzte Kind gewählt, ist die Wahrscheinlichkeit für das verbliebene Kind, als letztes gewählt zu werden, 1/1 (100%).

Verschlechtert sich die Aussicht eines Kindes, nicht als letztes gewählt zu werden, je länger es nicht gewählt wird? - Nein! Sie bleibt immer gleich. Wenn es deswegen als letztes gewählt wird, weil es bei den Mannschaftskapitänen am unbeliebtesten ist, dann könnte man es GLEICH AM ANFANG herausfinden, indem man die beiden Kapitäne fragt: welches Kind wirst Du ZULETZT wählen?

Jetzt stelle Dir das Wählen des Kindes in eine Mannschaft als den Eintritt der Stotterremission vor, nur dass
  • die Gruppe der Kinder am Anfang nicht 10, sondern 5 Kinder hat (5 für 5% der Kinder, die zu stottern anfangen),
  • das Wählen viele Jahre dauert - bis ins Erwachsenenalter -
  • und dass das letzte Kind bzw. der letzte Erwachsene gar nicht gewählt wird, also gar nicht remittiert;
    dieser Erwachsene macht das eine Prozent aus, den die Stotterer in der erwachsenen Bevölkerung bilden.
Verschlechtert sich das Schicksal dieser Kinder, während sie gewählt werden bzw. remittieren? - Nein! Da ändert sich gar nichts. MATHEMATISCH steigt zwar für sie die Wahrscheinlichkeit, dasjenige zu sein, welches als letztes übrig bleibt, also nicht remittiert. Aber diese Steigerung der MATHEMATISCHEN Wahrscheinlichkeit sagt nichts anderes aus, als dass wir NICHT WISSEN, nach welchen Kriterien diese Wahl stattfindet. Wir haben nicht die Möglichkeit, die Kapitäne zu befragen, und wissen auch nicht, wen wir überhaupt fragen könnten.

Das und kein bißchen mehr ist mit der Aussage, dass die Remissionswahrscheinlichkeit abnimmt, je länger ein Kind stottert, gemeint. Insbesondere sind bisher keinerlei Anzeichen für "aufrechterhaltende Faktoren" des Stotterns oder eine etwaige "Stotternchronifizierung" gefunden worden. Psychologen und viele Logopäden reden gerne über "aufrechterhaltende Faktoren" und meinen damit lediglich das, was sie gerne dafür halten. Keine empirische Untersuchung konnte jedoch bisher irgendwelche "aufrechterhaltenden Faktoren" bestätigen oder eine "Stotternchronifizierung" aufzeigen. Zumindest ist mir keine solche Studie bekannt. Wem so was bekannt ist, der solle mich bitte korrigieren!

Soll heißen: entweder ist das Stottern schon von Anfang an chronisch - nur erfahren wir das erst, wenn das Kind erwachsen ist, und wir dann sehen, dass das Stottern immer noch nicht vergangen ist - oder das Stottern ist von Anfang an selbst- oder zumindest therapie-remittierend.
Will hat geschrieben:Sie sagt die Kombination (Verwandte mit Stottern + 6-12 Monate andauerndes Stotern) sprächen für ein langfristiges Stottern bzw. für ein Stottern auch im Erwachsenenalter.
Da klingt mir nach der typischen "Entwicklungsstottern vs. (echtes) Stottern"-Auskunft. Ich bin ja schon Jahre damit beschäftigt, dieser Behauptung auf den Grund zu gehen, insbesondere dem "6-12 Monate"-Kriterium. Ich habe mir meine Meinung noch nicht abschließend gebildet, aber je mehr ich der Sache auf der Grund gehe, desto mehr zeichnet es sich für mich ab, dass das Unfug ist.
Will hat geschrieben:Wir müssen uns einfach wieder bisschen beruhigen. Es ist halt nur so, dass immer dann, wenn das Stottern sehr stark wird, uns das auch belastet.
Könntest Du das Stottern Deines Sohnes genauer beschreiben? Insbesondere, was den Unterschied ausmacht zwischen den leichten und starken Phasen? Sind das mehr Wiederholungen - Laute, Silben, Wörter? - , sind das mehr stumme Blockaden oder Lautdehnungen? Deine Antworten würden mir nicht dazu dienen, Deine Situation besser beraten zu können. Die sind aus meinem persönlichen Interesse am kindlichen Stottern. Wenn Du es für besser hältst, kannst Du mir auch per private Nachricht antworten.

Gestern war mir noch zu
Will hat geschrieben:Kennt jemand noch andere Ansätze, wie man da ran gehen könnte.
eingefallen, dass Du - wenn die Lidcombe-Therapie im Moment nicht hilft - mit dem Kind singen und etwas Musik machen könntest, seinem Entwicklungsniveau entsprechend. Das würde am Stottern/Sprechen nichts ändern, zumindest nicht unmittelbar. Das dient lediglich der Wahrnehmungsschulung: beim Singen muss man Töne treffen und sich an den Rhythmus halten. Es ist zwar kein Sprechen, aber ganz ungefähr geht es um Aspekte aus demselben Bereich, auf die das Kind zu achten lernen muss. Dazu wollte ich Dir raten in der Annahme, dass die Lidcombe-Therapie bei Deinem Kleinen (noch) nicht hilft. Sozusagen um fruchtbaren Boden für einen späteren Versuch zu schaffen.

Aber jetzt weiß ich ja, dass Eure Lidcombe-Therapie noch nicht richtig angefangen hat. Insofern ist der Vorschlag überflüssig. Höchstens als Reserve-Vorschlag.

Viele Grüße,
Paul
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Will
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Re: Stottern mit 2 jahren und 7 Monaten - Wie gehts weiter?

Beitrag von Will » 17. Februar 2015 10:53

Hallo,
danke für die ausführliche Antwort.
paul.dest hat geschrieben:Und das macht Ihr täglich seit Oktober? Bzw. seit 9/10 Wochen? - Ich weiß nicht, welchen genauen Ablauf das Lidcombe-Manual vorschreibt, aber mir erscheint das irgendwie arg in die Länge gezogen. Ich sollte mir endlich das Lidcombe-Manual besorgen. Schließlich finde ich mich in ein paar Jahren wahrscheinlich in der gleichen Situation wie Du wieder.
Wegen der Feiertage / Jahreswechsel /Ferien / Krankeheit gab es mehrere Ausfälle. Planmäßig einmal die Woche eine Stunde.
paul.dest hat geschrieben:Soll heißen: entweder ist das Stottern schon von Anfang an chronisch - nur erfahren wir das erst, wenn das Kind erwachsen ist, und wir dann sehen, dass das Stottern immer noch nicht vergangen ist - oder das Stottern ist von Anfang an selbst- oder zumindest therapie-remittierend.
Es ist letztlich mühselig über die Wahrscheinlichkeiten zu spekulieren. Ich war nie ein Fan von Stochastik. Ich denke dazu: Zu unterscheiden ist der Frage "ob" Remission eintritt und die Frage "bei wem" Remission" eintritt. Und ich denke, je länger "die Kugel noch im Topf" ist, desto klarer ist, dass die Warscheinlichkeit eines dauerhaften Stotterns "immer noch" besteht. Ob sie nun höher ist oder nicht, sei mal dahingestellt. Die Wahrscheinlichkeit besteht jedenfalls,wie hoch auch immer. Fakt ist, sie ist nicht ausgeräumt. Aber wie gesagt: was wir jetzt wissen ist ja nur: eine Remission ist "derzeit noch nicht" eingetreten und eine Remission kann in dem Alter 3 Jahre bis 5 Jahre ggf. bis 6 Jahre noch eintreten.
paul.dest hat geschrieben:Könntest Du das Stottern Deines Sohnes genauer beschreiben? Insbesondere, was den Unterschied ausmacht zwischen den leichten und starken Phasen? Sind das mehr Wiederholungen - Laute, Silben, Wörter? - , sind das mehr stumme Blockaden oder Lautdehnungen? Deine Antworten würden mir nicht dazu dienen, Deine Situation besser beraten zu können. Die sind aus meinem persönlichen Interesse am kindlichen Stottern. Wenn Du es für besser hältst, kannst Du mir auch per private Nachricht antworten.
Ich habe das schon mehrfach aufgenommen per Video, was ich hier weder reinstellen werde noch privat verschicke:). Ich kann versichern: wir reden über stottern. Was liegt vor: Wiederholungen: pa-pa-pa papa oder papa papa papa papa oder da, da, da, da , da ,da ,da da ist der Löwe oder Haaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa-aaaaa-se (Hase), dabei erhöht sich die LAutstärke sehr und die Sprechgeschwindigkeit manchmal auch. Nur die klassische Blockade, dass das Wort oder nichts aus dem Mund will, gab es noch nicht. Die Klassiker bei uns sind Wiederholung von Laute, Silben und Wörten und Dehnungen.

Aber jetzt kommst: Wir haben eine Beobachtung machen können.

Wir haben ja eine Tabelle angefertigt, in der wir jeden Tag in einer Skala von 0 (= 0%Stottern, kam seit Oktober noch nie vor) bis 10 (100% Stottern, kam auch noch nie vor) die Stotterphasen notieren.

Dabei gibt es immer gleichmäßig eine Art Grundstottern, d.h. wir sind immer auf der Ebene 1-2, manchmal auch 3. D.h. es merkt man teilweise gar nicht. und dann gibt es immer Schübe, die sich darin auszeichnen, dass unser Kind ca. eine Woche auf Stufe 5-8 ist. Nach dieser Woche fällt er wieder runter auf 1-2. Wenn er die Schübe hat, und man das hört, braucht man nicht mehr disktutieren, ob er stottert. Es ist so stark, dass er dann teilweise gar nicht mehr reden kann.

Aber das interessante daran ist, jedes Mal wenn er aus diesem starken Schub raus kommt, hat einen großen sprachlichen Entwicklungsschritt gemacht, d.h. danach spricht er grammatikalisch weiter entwickelte Sätze. Das erste Mal hatte er ja den SChub letzten Sommer. DAvor ist das Stottern ja keinem außer meiner Frau aufgefallen. Und da war es auch so. Er hatte einen Schub, ca. 1 Woche und danach hat er ganz anders geredet, hat mit 2,5 Jahren dann schon weil - Sätze gesprochen, wenn- dann Sätze usw. Danach hat er immer leicht latent gestottert, dann kamen wieder solche Schübe, alle 1 bis 2 Monate und anschließend das gleiche. Jetzt ist er letzte Woche wieder aus einem Schub rausgekommen und spricht seitdem flüssig und vor allem wie ein 4 oder 5 jähriger, wo wir uns als Eltern manchmal denken: wow.

Es muss offensichtlich in seinem Gehirn eine Reaktion geben, wenn es auf die nächste sprachliche Entwicklungsstufe schalten will. Das finde ich höchst interessant. Jedenfalls hat sich die "Theorie" bei ihm zu 100% bestätigt.

Wie gesagt, wenn er keinen Schub hat, stottert er offiziell auch. Aber da muss man schon vorher drauf hingewiesen werden, dass man das bemerkt.

paul.dest
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Re: Stottern mit 2 jahren und 7 Monaten - Wie gehts weiter?

Beitrag von paul.dest » 20. Februar 2015 01:49

Hallo Will,
Will hat geschrieben:Zu unterscheiden ist der Frage "ob" Remission eintritt und die Frage "bei wem" Remission" eintritt. Und ich denke, je länger "die Kugel noch im Topf" ist, desto klarer ist, dass die Warscheinlichkeit eines dauerhaften Stotterns "immer noch" besteht. Ob sie nun höher ist oder nicht, sei mal dahingestellt. Die Wahrscheinlichkeit besteht jedenfalls,wie hoch auch immer. Fakt ist, sie ist nicht ausgeräumt.
Exakt!
Will hat geschrieben:Aber wie gesagt: was wir jetzt wissen ist ja nur: eine Remission ist "derzeit noch nicht" eingetreten und eine Remission kann in dem Alter 3 Jahre bis 5 Jahre ggf. bis 6 Jahre noch eintreten.
Ich gebe Dir mal ein paar Extrembeispiele:
  • Ich kenne eine Person, die heute (über 30) nicht mehr stottert, die aber im Kindesalter zu stottern angefangen hat - das Übliche halt - und deren Stottern erst mit etwa 16(!) vergangen ist. Logopädische Therapien im Jugendalter waren übrigens erfolglos. Das Stottern ist von allein vergangen.
    • Ich kenne aber auch eine Person, die erst mit 13 erstmalig zu stottern angefangen hat. Und zwar ohne eine erkennbare Ursache - also "entwicklungsbedingt" oder "idiopatisch". Als ich sie zuletzt gesehen habe, war die Person über 18 und noch weiterhin Stotterer.
    Was ich damit sagen will:
    Es macht wenig Sinn, allein auf die Remission zu spekulieren. Denn was ändert es für Deine Vaterrolle für die nächsten 10 Jahre, wenn das Stottern Deines Sohnes erst mit 15 vergehen sollte? Zwar kannst Du Dich dann freuen, dass Dein Sohn nicht mehr stottert, aber bis es so weit ist - die nächsten 10 Jahre - wird Dir nichts anderes übrig bleiben, als Deinen Sohn nach bestem väterlichen Können in seinem durch das Stottern erschwerten Leben zu unterstützen.

    Deswegen würde ich an Deiner Stelle zwar vieles auf eine Therapie setzen, von der ich erhoffe, dass sie das Stottern des Kindes zum Verschwinden bringt, zugleich aber auch nicht weniger darauf, das stotternde Kind als stotternd zu akzeptieren. Denn es ist ungewiss, wie lange es mit diesem Zustand leben müssen wird. Das heißt, dass auch Fragen, wie man mit dem (an)dauernden Stottern umgeht, sollten nicht vernachlässigt werden; die Hoffnung auf eine baldige Remission sollte solche Fragen und Nöte nicht unter den Tisch fallen lassen.
    Will hat geschrieben:Ich habe das schon mehrfach aufgenommen per Video, was ich hier weder reinstellen werde noch privat verschicke:). Ich kann versichern: wir reden über stottern.
    :-) Die Versicherung kaufe ich Dir ohne weiteres ab. Ich habe zu keinem Zeitpunkt gezweifelt.

    Vielleicht wohnt Ihr aber auch zufälligerweise in der Nähe und ich kann zu einer Lidcombe-Spielstunde vorbei kommen. Dann kannst Du mich für meine stotterfreien Passagen loben. ;-)

    Das Hase-Beispiel klingt sehr interessant.
    Will hat geschrieben:Aber jetzt kommst: ...

    ...und dann gibt es immer Schübe, die sich darin auszeichnen, dass unser Kind ca. eine Woche auf Stufe 5-8 ist. Nach dieser Woche fällt er wieder runter auf 1-2. Wenn er die Schübe hat, und man das hört, braucht man nicht mehr disktutieren, ob er stottert. Es ist so stark, dass er dann teilweise gar nicht mehr reden kann.

    Aber das interessante daran ist, jedes Mal wenn er aus diesem starken Schub raus kommt, hat einen großen sprachlichen Entwicklungsschritt gemacht, d.h. danach spricht er grammatikalisch weiter entwickelte Sätze. ...

    Es muss offensichtlich in seinem Gehirn eine Reaktion geben, wenn es auf die nächste sprachliche Entwicklungsstufe schalten will. Das finde ich höchst interessant. Jedenfalls hat sich die "Theorie" bei ihm zu 100% bestätigt.
    Ja, das steht ganz im Einklang mit dem, was ich schon erwähnt hatte: Stotterer sind anders. Nicht nur beim Sprechen.
    Die ganze Sprachverarbeitung scheint bei (zumindest meisten kindlichen) Stotterern im Gehirn etwas anders "verdrahtet" zu sein. Und das Stottern ist eines der Oberflächenphänomene dieser anderen "Verdrahtung" bzw. ihrer "Umverdrahtung".

    Danke für diesen Bericht! Ich wäre Dir dankbar, wenn Du weiterhin über den Fortgang und interessante Beobachtungen berichten würdest!

    Viele Grüße,
    Paul
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    Re: Stottern mit 2 jahren und 7 Monaten - Wie gehts weiter?

    Beitrag von Meinkindstottert » 7. September 2017 08:52

    Hallo Will,
    Im Forum BVSS habe mir deine Beiträge zum Stottern deines Sohnes durchgelesen. Ich erlebe ungefähr das gleiche mit meinem Kleinen - 2 Jahre und 6 Monate. Vor cca. 3 Wochen hat es bei uns plötzlich von heute auf morgen angefangen. Auch ein paar Tage davor ein kleiner Unfall mit dem Bobbycar wo der Kopf gegen dem Boden geprallt ist. Mein Sohn ist sprachlich auch sehr weit - bildet schon Sätze aus 6 Wörtern. Mehrsprachig aufgewachsen.

    Wie sieht es bei euch im Moment aus? Was hat die Lidcombe Therapie gebracht? Empfiehlt ihr diese Therapie auch weiter? Ich mache mir extrem große Sorgen um meinen Kleinen...

    Bei uns ist es so, dass der Papa stottert... er ist (vielleicht deswegen) auch viel gelassener und versteht nicht wirklich wie schwierig das für mich ist. Er hat den Stottern nicht (mehr) bekämpft und hat es halt nur hingenommen.

    Über eine Rückmeldung würde ich mich riesig freuen!

    Vielen Dank und Grüße
    Cristina

    mosso
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    Re: Stottern mit 2 jahren und 7 Monaten - Wie gehts weiter?

    Beitrag von mosso » 11. Januar 2018 15:29

    Hallo Will,

    ich habe ausführlich den gesamten Kommunikations-Verlauf in diesem Chat, welcher ich sehr interessant fand, durchgelesen.
    Zu meiner Person:
    Ich bin ebenfalls Vater von einem 2 Jahre und 5 Monaten alten Junge, der seit etwa 1,5 Monaten angefangen hat zu stottern. Am Anfang lediglich unflüssiges Sprechen (kleine Wiederholungen von Silben), mittlerweile jedoch verstärkt sich seine Situation (angehendes Stottern). Wir haben bereits vor 3 Wochen eine Logopädin aufgesucht, die wir für sehr Kompetent halten und hatten auch bereits 3 Termine bei ihr. Wie in Deinem Fall ist meine Frau ebenfalls sehr besorgt um die Entwicklung unseres Sohnes. Glücklicherweise haben die Besuche bei unserer Logopädin sehr geholfen uns besser aufzustellen. Einerseits hat sie uns gezeigt, wie wir uns zu verhalten haben, anderseits hat sie bereits angefangen meine Frau diesbezüglich zu desensibilisieren. Aktuell werden wir als Eltern lediglich beraten. Im Nach hinein haben wir bereits im Vorfeld darauf gut reagiert gehabt, in dem wir ihn immer ausreden lassen hatten und immer den Blickkontakt bewahrt hatten. Es war jedoch gut zu wissen, dass es die richtige Verhaltensweise war.
    Wir haben auch bereits unsere Bekannten darauf aufmerksam gemacht und Ihnen erläutert, wie sie mit dieser Situation umgehen sollen.

    Wenn ich nun meinen Sohn beobachte, sehe ich viele Parallele zu Deiner Darstellung. Er ist ebenfalls viel weiter in der sprachlichen Entwicklung als seine Gleichaltrigen. Er ist ebenfalls sehr unbekümmert und spricht einfach weiter ohne jegliche Begleiterscheinungen.

    Ich würde sehr gerne von Dir wissen, wie es sich bei Deinem Sohn weitergegangen ist?
    Ich wollte Dich auch fragen, ob Du im Anschluss weitere Eltern kennengelernt hast, welche die gleiche Situation erlebt haben und Dir eventuell ihre Erfahrungsberichte weitergegeben konnten?

    VG, Mosso

    Hassan
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    Re: Stottern mit 2 jahren und 7 Monaten - Wie gehts weiter?

    Beitrag von Hassan » Gestern 01:56

    Hallo mosso,
    ich bin zwar nicht Will aber als stotternder Vater von 2 Kinder und mit ehemals dem selben Problem möchte ich dir einige Ratschläge geben.
    Auch mein dreijähriger Sohn hat vor einer Weile abrupt begonnen zu stottern. Die Kita, Familie, Freunde einfach alle wollten das ich mit dem kleinen in die Logopädie gehe, was ich aber bewusst nicht tat. Ich habe meinem Sohn versucht auf meiner Art zu helfen, so wie ich es für richtig halte und siehe da, er redet seit 4 Monaten flüssig. Da ich seit klein auf stottere weiss ich wie es sich anfühlt wenn Freunde und Verwandte aus der Umfeld einen plötzlich anders wahrnehmen. Es ist meistens gut gemeint aber eher kontraproduktiv. Wenn sich das Kind seines stottern bewusst wird, dann kann es durchaus sein das sein stottern zunimmt! Daher sollst du keineswegs den kleinen das Gefühl geben es sei was mit ihm nicht in Ordnung. Mein Tipp ignorier es einfach, und wenn er sich irgendwo im Satz aufhängt dann gelassen darauf reagieren und im ruhigen Ton antworten.

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    Re: Stottern mit 2 jahren und 7 Monaten - Wie gehts weiter?

    Beitrag von PetraS » Heute 08:49

    Hallo Mosso,
    leider ist es hier im Forum so, dass die Leute, wenn sie das Problem nicht mehr oder nicht mehr akut betrifft, sich auch nicht mehr melden.
    Will ist vielleicht nicht mal mehr angemeldet, sodass wir von ihm auch keine Antwort erhalten, aber der Verlauf allein war doch sehr aufschlussreich.

    Hassan als selbst Stotternder macht sicherlich intuitiv das Richtige, weil in ihm alte Erinnerungen aufkeimen. Ich habe mit meinen Kindern - die nicht angefangen haben zu stottern - auch ganz anders kommuniziert als z.B. meine Nachbarinnen. Beispielsweise wenn wir zusammen saßen und Kaffee tranken und über die belanglosesten Dinge der Welt sprachen, dann sagten oft die anderen Mütter, wenn ein Kind aufgeregt und nach Luft schnappend angelaufen kam, um was für ihn Wichtiges zu erzählen: "Siehst du denn nicht, dass die Erwachsenen sich unterhalten? Warte ab, bis wir fertig sind und du dran bist."

    Sowas habe ich meinen Kindern nie angetan, weil ich mich genau daran erinnere, wie es mir in solchen Situationen ging. Ich wurde gezwungen abzuwarten, obwohl ich in dem Moment noch alles hätte sagen können, und wenn mir dann das Wort erteilt wurde, konnte ich schlicht gar nichts mehr rauskriegen.
    Als meine Kinder klein waren, habe immer ich die Erwachsenen unterbrochen und gesagt, "mein Kind hat was Wichtiges zu sagen" und wenn es dann sagte: "Mama, Mama, ich habe eine Schnecke gefunden!" Dann war genau das gerade viel wichtiger als unser Gespräch über die günstigen Kinderschuhe beim Aldi.

    Nichtsdestotrotz gibt es einige Eckpunkte, wann man sich logopädisch beraten lassen sollte, und man sagt, wenn keine weiteren Risikofaktoren (wie stotternde Verwandte, männlich) vorhanden sind, dann sollte man 6 Monate abwarten, aber sich natürlich in der Zeit schon schlau machen.
    Auch wenn das Kind sichtliche Anstrengungsreaktionen oder Frust zeigt "Mama, wieso kann ich nicht sprechen!" oder zu weinen anfängt, weil es mit dem Sprechen nicht weitergeht, dann sollte man auf jeden Fall etwas tun.

    Wenn du also unsicher bist, ob ihr derzeit auf dem richtigen Weg seid (wobei es ja eigentlich so klingt, dass ihr ganz gut aufgestellt seid), dann gibt es immer noch die Fachberatung der BV, die euch sowohl inhaltlich, als auch in Sachen Therapie / Therapiemethode weiterhelfen kann:
    Telefon 0221 - 139 11 06

    Gruß
    Petra

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