Isolierung durchs Stottern

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Marco.WS
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Re: Isolierung durchs Stottern

Beitrag von Marco.WS » 22. September 2010 00:08

Chris_ hat geschrieben:@transit
Dies kann ich persönlich bestätigen.
In meiner Grundschule, welche eine weiterführende Hauptschule beinhaltete wurde ich stark von Mitschülern und älteren Stufen veräppelt. Ich darf mir heute noch Spott von ehemaligen Mitschülern anhören, wenn ich ihnen im Dorf auf der Straße begegne. Natürlich kann und darf man das nicht auf alle Haupt-oder Realschulen pauschalisieren.
Hallo Chris,

tut mir leid, dass du das so erleben musstet, ich habe da zum Glück wenig schlechte Erfahrungen machen müssen. Ich meine, dass es die Pflicht von Lehrern und auch Eltern ist, im Fall von Hänseleien oder Mobbing gegenüber stotternden Schülern einzuschreiten und - wenn gar nichts anderes hilft - notfalls auch ganz rigoros Grenzen zu setzen.

Die Lehrer und die Eltern der hänselnden Schüler waren es, die hier in ihrer Erziehungsverantwortung versagt haben - nicht nur in deinem Fall, sondern auch in vielen, vielen anderen. Tut mir leid, wenn ich das so deutlich sagen muss.

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Re: Isolierung durchs Stottern

Beitrag von Jaspis » 22. September 2010 18:50

Marco.WS hat geschrieben:Ich meine, dass es die Pflicht von Lehrern und auch Eltern ist, im Fall von Hänseleien oder Mobbing gegenüber stotternden Schülern einzuschreiten und - wenn gar nichts anderes hilft - notfalls auch ganz rigoros Grenzen zu setzen.
So leicht ist das nicht, wenn man nicht persönlich dabei ist und die Situation nicht selbst miterlebt. Man kennt nur die Sichtweise seine Kindes, wenn es denn darüber spricht. Ich bin oft in einem Zwiespalt, wenn unser Sohn (8 J.) über Händeleien oder Prügeleien berichtet. Rede ich nur ihm intensiv darüber und berate mit ihm über Strategien, wie er selbst diese Situationen in Zukunft besser bewältigt oder rufe ich gleich bei den entsprechenden Eltern an und beschwere mich über ihr Kind? Beides habe ich schon probiert, z.Zt. favorisiere ich die erste Variante, solange bis unser Sohn um mehr Hilfe bittet. Ein Anruf bei den anderen Eltern kann auch ergeben, dass ihr Kind die Situation ganz anders beschreibt und unser Sohn auch seine Anteil hatte. Oder es entwickelte sich ein handfester Streit unter Müttern, wer die besseren Erziehungsmethoden hat. :? (Herrlich, sage ich Euch, das schulte die stotternde Mama, also mich, ungemein! :) )
Mit Müttern, die ich gut kenne und denen ich vertraue, spreche ich über das Verhalten unser beider Kinder und wir beratschlagen gemeinsam, wie wir jeweils mit unseren Kindern über die Vorfälle sprechen können, ohne gleich zu sagen "Die Mutter von dem und dem hat angerufen und sich beschwert. Was hast Du gemacht?" Das kann auch dazu führen, dass Kinder sich noch mehr ums Vertuschen bemühen und eben noch "feinere" Strategien suchen.

Ganz was anderes ist es natürlich, wenn man direkt dabei ist, da sollte es selbstverständlich sein, dass man sofort was dazu sagt. Trifft nach meiner Erfahrung nach aber fast nur aufs Kindergartenalter zu, danach achten Kinder schon drauf, ob und welche Erwachsene in der Nähe sind, sie sind ja nicht dumm. §dup

Marco.WS
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Re: Isolierung durchs Stottern

Beitrag von Marco.WS » 22. September 2010 21:44

Hallos Jaspis,

dei Elternpersektive ist mir zwar fremd, aber ich meine schon, dass es eine Frage der Erziehung ist, Kindern so früh wie möglich beizubringen, dass sie sich niemals über Schwächen oder gar Behinderungen anderer Menschen lustig machen dürfen. Die meisten Kinder wissen das ja auch, aber es gibt leider immer noch unschöne Ausnahmen.

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Re: Isolierung durchs Stottern

Beitrag von Jaspis » 22. September 2010 22:32

Klar ist das eine Frage der Erziehung, das seinen Kindern beizubringen. Meintest Du mit
Ich meine, dass es die Pflicht von Lehrern und auch Eltern ist, im Fall von Hänseleien oder Mobbing gegenüber stotternden Schülern einzuschreiten und - wenn gar nichts anderes hilft - notfalls auch ganz rigoros Grenzen zu setzen.
die Eltern, deren Kinder andere Kinder ärgern und hänseln?
Ich hatte Dich eher so verstanden, dass man als Eltern eingreifen muß, wenn sein eigenes Kind betroffen ist. Aber da hatte ich vielleicht schon weiter gedcht, weil das immer der Punkt ist, an dem ich nicht so recht weiter weiß.

Oh ja, Du schreibst es ja klar:
Die Lehrer und die Eltern der hänselnden Schüler waren es, die hier in ihrer Erziehungsverantwortung versagt haben - nicht nur in deinem Fall, sondern auch in vielen, vielen anderen.
Aber was nützt mir zu wissen, wer daran "Schuld" hatte, wer dort versagt hatte? Kann mir das helfen, ggfls. trösten?
Gruß!

Marco.WS
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Re: Isolierung durchs Stottern

Beitrag von Marco.WS » 22. September 2010 22:48

Meine Anmerkungen waren eher grundsätzlicher Natur, das gebe ich zu. Es ging mir nicht darum, Tipps für Eltern zu erteilen, das kann ich mangels eigener Erfahrung gar nicht.

Trotzdem finde ich, dass es auch etwas über die Gesellschaft als Ganzes aussagt, wenn es heutzutage immer noch vorkommt, dass Menschen (egal ob Kinder oder Erwachsene) wegen einer Behinderung oder einer persönlichen Schwäche ausgegrenzt oder gemobbt werden. In einer wirklich sozialen und solidarischen Gemeinschaft gibt es soweit nicht. Aber lassen wir das, bevor ich mich jetzt in irgendwelche utopischen Träumereien ergebe....

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Re: Isolierung durchs Stottern

Beitrag von Camilla68 » 29. September 2010 10:35

@Hallo Jonny Hell,

in meiner Familie stottern nur meine beiden Söhne, sonst ist niemand davon betroffen, auch nicht weiter entfernte Verwandte.

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Re: Isolierung durchs Stottern

Beitrag von Avatar » 14. November 2010 09:53

Hallo Camilla68,

was haben die beiden Söhne denn sonst noch für Stärken? Stottern können sie wohl schon ganz gut.

LG

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Re: Isolierung durchs Stottern

Beitrag von Sprechblase » 30. November 2013 16:03

Ich glaube, in dem Alter bringt es nichts, wenn man großartig mit Argumenten oder dergleichen kommt. Ein Kind muss einfach irgendwo zu sich stehen. Wenn es dann nicht verbal schafft, dann halt mit Gesten. Ich würde ihm vorschlagen, Kindern, die ihn zu hänseln versuchen, einfach den Finger an der Stirn zu zeigen: Du hast ne Macke. Das zeigt Selbstbewusstsein, ist cool.

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Re: Isolierung durchs Stottern

Beitrag von Ninchen » 11. Dezember 2013 12:49

Ich kann jetzt betreffend Selbstbewusstsein keine Erfahrung im Zusammenhang mit stottern liefern. Jedoch denke ich dass generell das selbe für alle Kinder die ausgegrenzt werden gilt - egal aus welchem Motiv. Sich nicht einschüchtern zu lassen ist extrem wichtig. Sobald sich ein Kind dann zurück zieht, was ja verständlich ist wenn man verletzt wird, gibt es noch mehr Angriffsfläche und Bestätigung zum weiter hänseln. Meine Nichte wurde auch sehr ungerechtfertigt gehänselt und gemobbt. War schwer für uns zu zu sehen. Jedoch haben wir sie darin bestärkt nicht an sich und ihrer Beliebtheit zu zweifeln sondern die Mitschüler würden ein Opfer brauchen das schwächer ist und prüfen ob sie sich eignet. Klar war es für sie schwer das zu glauben. Aber wir haben sie ermutigt, genau weil sie so schlecht behandelt wird nicht dasselbe zu tun. Sondern andere sozial schwache Kinder einzubinden, sich FReundinnen zu suchen die nicht mitmachen bei den Hänseleien und gleich nett zu allen zu sein. Hilfsbereit und umsichtig andere Kinder zu verblüffen, weil man von ihr erwartet sich zurück zu ziehen und zu schweigen. Immer wieder allen Mut zusammen zu nehmen und sich den gemeinen Kindern gegenüber zu stellen oder in deren Gruppe zu mischen. Sie hat es geschafft einem der "Hänselkinder" zu zeigen, dass sie ja eigentlich zu den nettesten Kinder gehört und nie etwas gemeines sagt, mit allen spielt. Sie hat sich Respekt verschafft. Die Gang hat sich ein anderes Opfer gesucht. Durch ihre schmerzhafte Erfahrung hat sie nun die Gabe hinzustehen für Kinder die gehänselt werden. Weil sie genau weiss, dass diese Kinder auf den Rückhalt eines jeden Angewiesen sind. Meistens reicht das schon um die gemeinen Kinder zum Schweigen zu bringen oder dem gehänselten Kind das Gefühl zu geben nicht allein gelassen zu werden, nicht an sich zu zweifeln. Auf sozialer Eben eine wichtige Lektion, die viele Kinder nie machen dürfen. Kinder in der Primarstufe sind gemein, aber wenn man Glück hat ergibt sich durch diese Härteprüfung die Chance etwas fürs Leben zu lernen und gestärkt aus der Situation heraus zu gehen.
Unser Glück war, dass die Lehrerin das Thema "Ausgrenzung und mobbing" mit der ganzen Klasse thematisiert hat und erklärte, dass es jeden treffen kann. Das hat viele der Mobber verunsichert und zum Umdenken bewegt. Schulen sind heutzutage sensibilisiert und erhalten jede Menge Präventionsmaterial wenn sie wollen. Vielleicht fragt ihr die Lehrperson ob sie nicht auf das Thema eingehen könnte, da es für die soziale Entwicklung der Kinder wichtig wäre auch für später und in ihrem besonderne Fall wahrscheinlich auch zum positiven Klassenzusammenhalt und -klima beitragen würde. Da ja offensichtlich ein solcher FAll besteht und die Klasse entzweit.
Wünsche all den betreoffenen Kinder viel Kraft den Glauben an das Gute in einem nicht zu verlieren und den Eltern die Geduld diese gemeine Situation aus zu halten.

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