Logopädin passend? (für unseren Sohn 4 Jahre)

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Manuela Dill

Logopädin passend? (für unseren Sohn 4 Jahre)

Beitrag von Manuela Dill » 16. Juni 2008 21:45

Hallo zusammen,

unser Sohn stottert seit Ende September letzten Jahres. Die ersten Monate haben wir leider damit verplempert, im Kindergarten bei Sprachtherapeuten auf Hilfe zu hoffen und auch eine Kinderärztin hat uns nicht gleich den offiziell zu gehenden Weg genannt, um möglichst bald zu einem Logopäden zu kommen. In diesem Jahr lief dann alles endlich an und wir haben nun bereits 13 Therapieeinheiten hinter uns. Die Logopädin hat uns ein unserer Meinung nach sehr gutes Buch (Ann Irwin: "Unser Kind fängt an zu stottern") empfohlen, an dem wir Eltern uns orientieren. Die Therapiestunden finden aber nicht mit uns, sondern mit unserem Sohn statt. Vordergründig arbeitet sie mit unserem Sohn an der Aussprache des Buchstaben "R", da er hier auch Defizite hat. An dem eigentlichenThema "Stottern" versucht sie unauffällig mit ihm zu arbeiten, da er noch kein Stotterbewusstsein hat; z.B. durch rhythmisches Sprechen von Reimen und Versen und in dem sie 45 min. ihn sprechen lässt was er möchte und viel mit ihm "spielt". Natürlich alles im Rhamen der Logopädie. Elterngespräch hat bisher noch keines stattgefunden.

Ich bin etwas verunsichert, wie Therapie-Stunden bei stotternden Kinder ablaufen könnten bzw. sollten. Bei unserem Sohn zeigte sich bis auf einen kurzen Zeitraum keine Verbesserung beim Sprechen. Heute erzählte er mir das erste Mal, dass ihn ein Junge im Kindergarten auslachen würde, weil er so komisch spricht. Wir versuchen uns zu Hause an alle wichtigen Regeln zu halten, vor anderen kleinen Kindern kann ich ihn aber nicht schützen. Müsste man den kleinen Kerl nicht als ganzes sehen und noch viel mehr seine Persönlichkeit mit einbeziehen. Wir glauben ja zu wissen, welche Auslöser zum Stottern führten. Kann man darauf nicht aufbauen? Sollten wir uns einen Therapeuten suchen, der auf Stottern spezialisiert ist? An wen kann man sich in Potsdam wenden?

Wäre sehr dankbar für Hilfe!
Liebe Grüße, Manuela

Claudia Tasch
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Re: Logopädin passend? (für unseren Sohn 4 Jahre)

Beitrag von Claudia Tasch » 24. Juni 2008 23:19

Hallo Manuela,

schade, dass so viel Zeit vergehen musste, bis Ihnen endlich jemand den Weg zum Logopäden geebnet hat.
Umso wichtiger finde ich es, Ihnen gleich zu sagen, dass die Hinzuziehung eines Stottertherapeuten in jedem Falle vorzuziehen ist. Umso mehr, wenn ich lese, wie die Therapie bei Ihrer Logopädin abzulaufen scheint.
Zunächst einmal ist die Miteinbeziehung der Eltern ein ganz, ganz wichtiger Bestandteil der Therapie kindlichen Stotterns. Denn Sie als Eltern sind im Alltag mit Ihrem Kind zusammen. SIE sind die Spezialisten für Ihr Kind. Und Aufgabe eines Stottertherapeuten ist es in meinen Augen, Sie auch zu Spezialisten in Bezug auf das Stottern Ihres Kindes zu machen. Und das geht nur in ausführlichen Elterngesprächen (ausführliche Beleuchtung der sog. Krankengeschichte, Besprechung der Therapiemöglichkeiten, Therapieinhalte, Übergabe von Informationsmaterial und Broschüren usw.) und unter der Miteinbeziehung der Eltern in die laufenden Therapiestunden.
Der Therapeut sollte mit Ihnen absprechen, welche Wege er in der Therapie beschreiten kann und welche er für angemessen hält.
Zunächst einmal steht die Entscheidung über direkte oder indirekte Therapie an. Ich selbst muss dabei ehrlich zugeben, dass ich eher Verfechter des direkten Ansatzes bin, d.h. der direkten Arbeit am Stottern z.B. nach Mini-KIDS und KIDS von Patricia Sandrieser und Peter Schneider. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass sich nicht jeder Therapeut „an die direkte Therapie herantraut“, meist aufgrund fehlender Erfahrung. Da scheint es oft der „einfachere Weg“ zu sein, indirekt zu arbeiten.
Doch dies soll nicht heißen, dass die indirekte Therapie Stotterns in jedem Falle falsch sein muss!
Auch ich gehe, wenn ich es bei einem Kind als notwendig erachte, zunächst indirekte Wege, bevor ich evtl. doch beginne, direkt am Stottern zu arbeiten.

Diese Ausführungen sollen nicht bedeuten, dass Ihr Sohn unbedingt direkt behandelt werden muss. Das kann man ja per Ferndiagnose gar nicht sagen. Ich möchte damit nur verdeutlichen, weshalb es wichtig ist, einen Stottertherapeuten aufzusuchen.

In jedem Falle muss die Therapie transparent sein. Sie müssen wissen, was läuft und auch angeleitet werden, was Sie zu Hause tun können und sollten. Nur so kann eine logopädische Therapie, unabhängig vom Störungsbild, bei Kindern erfolgreich sein.
Auch wenn Ihre Therapeutin zunächst hauptsächlich den Laut „R“ bearbeitet, müssten Sie Übungen für zu Hause mitbekommen und am Ende einer jeden Therapieeinheit noch einmal einen kurzen Einblick in das Geschehene erhalten. Denn ein oder zwei Mal in der Woche 45 Minuten bei der Therapeutin zu üben ist ganz sicher nicht ausreichend.

Ein wichtiger Baustein der Stottertherapie ist die Miteinbeziehung des näheren Umfeldes des Betroffenen, d.h. nicht nur der Eltern, sondern auch näherer Verwandter, der Erzieher, ggf. Lehrer und Freunde. Denn Stottern ist eine Kommunikationsstörung, bei der nicht nur der Betroffene selbst, sondern auch sein Gesprächspartner verunsichert sein kann.
Sehr gut wäre auch, wenn Ihr Therapeut Ihnen Austauschmöglichkeiten mit anderern Eltern stotternder Kinder anbieten kann.
Auf jeden Fall sollte Ihr Logopäde Ihrem Sohn und Ihnen zur Seite stehen, wenn die ersten negativen Erfahrungen im Umgang mit anderen Kindern auftreten, wie Sie sie beschreiben.

Das Hauptziel der Therapie von Stottern ist eine Verhaltens- und Einstellungsänderung zum Stottern. Innerhalb von etwa 20 – 30 Therapieeinheiten müsste sich bei Ihrem Kind etwas ändern: Dass es nicht mehr so angespannt und angestrengt spricht, dass Mitbewegungen reduziert werden oder verschwinden oder dass es dem Stottern gegenüber eine andere Haltung einnimmt, z.B. gelassener, cooler ist. Das Stottern muss nicht verschwunden sein! Denn niemand kann vorhersagen, dass das Stottern, auch wenn es im Kindesalter eine gut behandelbare Störung ist, geheilt werden wird. Wer eine Heilung verspricht, ist unseriös!
Auch, wenn die Häufigkeit der Symptome nicht abnimmt, sondern sogar zunimmt, kann eine Therapie erfolgreich sein, da dies oft „nur“ bedeutet, dass der Stotternde keine Strategien mehr anwendet, das Stottern zu verbergen, sondern dass er sich traut, sein Stottern zu zeigen. Insofern kann die Zunahnme der Stotterhäufigkeit tatsächlich ein Teilerfolg in der Therapie sein!



Nähere Informationen zu Adressen von Stottertherapeuten in Ihrer Nähe erhalten Sie bei der Geschäftsstelle der BVSS, Telefon 0221 - 139 11 06 oder 139 11 07.


Ich wünsche Ihnen und Ihrem Sohn einen guten weiteren Weg!
Claudia Tasch, Logopädin
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