Wann Hilfe anfordern?

Erst informieren - dann therapieren: Die telefonische Fachberatung der BVSS:
- donnerstags 17-20 Uhr und freitags 12-14 Uhr
- Durchwahl 0221 / 139 1106 (Festnetzgebühr)
Für Stotterer ist auch eine Beratung per E-Mail möglich (info@bvss.de), welche aber längere Bearbeitungszeiten haben kann.
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Gela4711

Wann Hilfe anfordern?

Beitrag von Gela4711 » 9. September 2008 11:38

Hallo!
Mein Sohn ist 3 1/2 Jahre und seit seit einem halben Jahr stottert er.
Zwischenzeitlich war es schon besser, aber je länger er im Kindergarten ist, um so häufiger und schlimmer wird es.
Der Kinderarzt sieht bisher noch keinen Handlungsbedarf und im Kindergarten wird die Situation ähnlich eingeschätzt,
da sie dort der Meinung sind, nur wenn er nicht volle Aufmerksamkeit bekommen kann, fängt er an zu stottern.
Ich bin jetzt verunsichert, ab wann muss ich ernsthaft reagieren?? Denn ich denke, je eher ich etwas tue um so besser für meinen Sohn.
Angelika

Bettina
Fachberatung der BVSS
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Re: Wann Hilfe anfordern?

Beitrag von Bettina » 11. September 2008 23:58

Liebe Angelika,

mein Name ist Bettina, ich bin Logopädin und behandle seit 10 Jahren stotternde Kinder, Jugendliche und Erwachsene. In Urlaubsvertretung für Claudia Tasch möchte ich antworten. Zu allererst: es ist in Ordnung, dass Sie sich Sorgen machen und gut, dass Sie Fragen stellen und nach professionellen Antwortungen suchen.
Sie beschreiben in Ihrer Mail nicht, wie Ihr Sohn stottert. Wiederholt er außschließlich Wörter (z.B. "Ich ich ich ich ich bin aber dran!" oder: "Und dann und dann und dann hat er mir die Schaufel auf den Kopf gehauen.") und das einigermaßen entspannt? Dann handelt es sich um entwicklungsbedingte Unflüssigkeiten und man kann tatsächlich abwarten. Oder wiederholt er Silben ("Wa-wa-wa-warum gehst Du nicht mit?") oder Buchstaben ("K-k-k-k-k-kannst du mir mal die Butter geben?")? Oder dehnt er die Buchstaben in den Wörtern? Oder blockiert er ganz? Hat er beim Stottern Mitbewegungen, d.h. schlägt er sich mit dem Arm auf die Beine, nickt er mit dem Kopf oder ähnliches? In all diesen Fällen handelt es sich um ein echtes Stottern und dann wäre Zeit, etwas zu unternehmen. Zumal Sie ja nicht nur von zeitweiligen Besserungen sprechen, sondern auch sagen, dass die Unflüssigkeiten beim Sprechen eher mehr werden. Kinderärzte wiegeln tendentiell leider zu oft zu lange ab und setzen die Eltern in Warteschleifen, die nur schwer auszuhalten sind - die Sorgen werden eher mehr als weniger. Die Ärzte müssen halt immer ihr Verschreibungebudget im Auge behalten...und nicht alle sind gleich gut über die mittlerweile guten Stottertherapien für Kinder informiert und befürchten sinnlose Therapiesitzungen. Leider ist auch der Grad aktueller Informationen zum Thema Stottern in den Kindergärten oft nicht so hoch. Für Sie heißt das: mehr gute Informationen zum Stottern beschaffen, z.B. über die Flyer, die die bvss gerne versendet und die Sie dann im Kindergarten abgeben können. Oder über diesen Weg im Forum oder über die telefonische Fachberatung der bvss, wo Sie ebenso wie hier mit unabhängigen Fachberatern sprechen können.
Sie schreiben, dass vermutet wird, Ihr Sohn stottere dann, wenn er nicht die volle Aufmerksamkeit bekommt. Ohne genauere Umstände ist es schwer, dieses Verhalten zu interpretieren. Folgendes kann ich dazu allgemein bemerken:primär stottert ein Kind nicht, um Aufmerksamkeit zu bekommen, sondern es stottert, weil das Gehirn falsche/irritierende Befehle an die Stimmmuskulatur sendet. Dafür kann das Kind nichts - es kommt unerwartet und plötzlich und bedeutet für den sprechenden Knirps einen totalen und unangenehmen Kontrollverlust über das eigene Sprechen. Mit der Zeit kann sich in manchen Fällen aber doch so eine Art "Stottergewinn" einnisten: das Kind spricht eine Bezugsperson an, die reagiert nicht oder abwiesend ("Du siehst doch, ich habe keine Zeit im Moment."), das Kind spricht die Person nochmal an - wieder keine Reaktion. Dann stottert das Kind die Person an und plötzlich ist diese ganz hellhörig und doch bereit, dem Kind jetzt Aufmerksamkeit zu schenken. Vielleicht kommt das ab und an vor?
Dann sprechen Sie Ihre Unsicherheit an, weil Sie nicht wissen, ab wann sie ernsthaft reagieren sollen. Wenn es sich um ein echtes Stottern handelt und Sie sich Sorgen machen, sollten Sie sich bei einem Fachmann Beratung und/oder Therapie für den Sohn holen. Ihrem Sohn können Sie nämlich am besten helfen, wenn Sie möglichst gut zum Stottern informiert sind und sich im Umgang damit sicher fühlen. Und das bekommt man in einer logopädischen Therapie in der Elternberatung gezeigt und vermittelt. Das heißt: ernsthaft regieren können Sie ab sofort. Folgender Ablauf könnte sich ergeben: dem Kinderarzt eine Verordnung für Logopädie aus den Rippen leiern oder sich an einen HNO-Arzt wenden oder an einen Phoniater, immer mit dem Ziel: Verordnung. Dann brauchen Sie eine Logopädin, die sich wirklich gut in der Behandlung stotternder Kinder auskennt. Therapeutenlisten bekommen Sie über die telefonische Fachberatung der bvss, Donnerstags von 17 bis 20 Uhr und Freitags von 12 bis 14 Uhr unter der Nummer: 02211391106. Die Logopädin kann erst mal nur Elternberatung machen oder auch schon mit dem Kind arbeiten, wenn Sie es als nötig erachtet. Sie sehen, Angelika: das was Sie am Ende Ihrer Mail geschrieben haben stimmt: je eher, desto besser. Hinzufügen möchte ich noch: aber die Qualität der Hilfe muss optimal sein. Alles Gute und herzliche Grüße von Bettina Helten, in Vertretung für Claudia Tasch.

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