erfahrungen mit dem greifenhofer institut

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fragender

erfahrungen mit dem greifenhofer institut

Beitrag von fragender » 18. September 2008 23:06

Hallo liebe Forengemeinde,
ich bin auf der Suche nach Hilfeangeboten für das Stottern auf die Internetseite des Greifenhofer Institut gestoßen. Dort wird recht vollmundig Werbung gemacht. Kann das hier jemand bestätigen, bzw welche Erfahrungen gibt es mit dem Institut? Welche Alternativen gibt es eventuell hinsichtlich mehrtägiger Therapieangebote?

Bettina
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Re: erfahrungen mit dem greifenhofer institut

Beitrag von Bettina » 19. September 2008 02:19

Lieber Fragender,
mein Name ist Bettina Helten, ich gehöre zum Team der unabhängigen Fachberater der bvss, habe als Logopädin 10 jahre Erfahrung mit der Behandlung von Stotternden und möchte Ihre Frage gerne beantworten.

Zu Beginn gebe ich eine schnelle Antwort, dann möchte ich die Gründe dafür nennen und zum Schluss alternative Therapiemöglichkeiten aufzeigen.

Zur schnellen Antwort: würde ich selbst stottern, ich würde nicht zu Greifenhofer gehen. Oder zumindest müsste ich vorher andere seriöse Therapien mit viel Motivation besucht haben und hätten die alle mir nichts gebracht, dann würde ich es vielleicht auch noch mit Herrn Greifenhofer versuchen.

Die Begründung: Herr Greifenhofer ist Heilpraktiker - er ist kein Logopäde und hat auch keine ähnlich gelagerte sprechtherapeutische Ausbildung. Er arbeitet mit Hypnose - das mag für den Zeitraum der Therapie dort vor Ort mit Sicherheit eine gute Entspannung und damit auch ein bessrees Sprechen ergebn, aber dann müsste man ja im Alltag weiter Hypnosesitzungen besuchen, um diesen Grad an Entspannung aufrecht zu erhalten. Und immer zur Hypnose zu gehen, scheint mir im Alltag und auch für den Geldbeutel nicht sehr praktikabel. Auch zeigt die Forschung und Erfahrung in der Stottertherapie: nur mit Entspannung ist es nicht getan. Um sein Stootern in den Griff zu bekommen, bedarf es auch einer feinmotorischen, bewußten Kontrolle der Sprechwerkzeuge Lippen, Mund, Hals, Zunge und Atmung. Und dafür sollte man auf jeden Fall voll bei Bewußtsein sein.
Diese feinmotorische Sprechkontrolle kann seriös auf zwie Wegen erfolgen:
"fluency shaping": da wird eine Sprechtechnik erlernt und anfangs immer bei jedem gesprochenen Wort angewendet, was später bei viel Trainingserfahrung auch reduziert werden kann. Also immer, wenn man spricht, spricht man mit Technik und dadurch stottert man nicht mehr, weil das Stottern durch das andauernde Anwenden der Technik vermieden wird.
Beim "Non avoidance - Ansatz" (Nicht-Vermeidungs-Ansatz) nach Charles van Riper erlernt man auch eine Sprechtechnik, wendet die aber nur bein Stottern direkt an. Droht ein Stottern oder steckt man schon mitten drin, dann kommt die Sprechtechnik zum Einsatz. Alle Wörter, die man sowieso flüssig spricht, werden ohne Technik halt wie immer gesprochen.

Dann kommen wir jetzt zum Schluss, die Vorstellung seriöser alternativer Therapien.

Dr. alexander Wolff von Gudenberg arbeitet computergestützt mit seiner Kasseler Stottertherapie in Bad Emstal nach dem "fluency shaping-Prinzip". Ein Aufenthalt dort dauert 3 Wochen, die Übernahme durch die Krankenkasse muss im Einzelfall geklärt werden. Es gibt Auffrischungswochenenden.
Der Logopäde Andreas Starke bietet in Hamburg zusammen mit der Logopädin Bettina Dölle Intensivtherapien nach dem "Non-avoidance-Ansatz" an. 4x4 Wochen verteilt auf ca. ein halbes Jahr oder 8-9 Wochenenden verteilt auf ca. ein halbes Jahr. Die Übernahme der Kosten durch die Krankenkasse ist gewährleistet. Auffrischungswochenenden werden auch dort angeboten.

Ich hoffe, dass Sie mit diesen Auskünften Ihre Suche nach der geeigneten Therapie verbessern und erleichtern können und verbleibe mit freundlichen Grüßen, Bettina Helten

Bettina
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Re: erfahrungen mit dem greifenhofer institut

Beitrag von Bettina » 23. September 2008 23:22

Lieber Fragender,

bei meiner großen Antwort sind mir 2 Fehler unterlaufen, die ich gerne richtig stellen möchte:
Bei der "Kasseler Stottertherapie" dauert der Aufenthalt nicht 3 sondern 2 Wochen und er wird in den meisten Fällen von der Krankenkasse übernommen.
Ich bitte, dieses Versehen zu entschuldigen und verbleibe mit freundlichen Grüßen,

Bettina Helten

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