Ganz leichtes Stottern bzw. Blockaden beim Sprechen

Erst informieren - dann therapieren: Die telefonische Fachberatung der BVSS:
- donnerstags 17-20 Uhr und freitags 12-14 Uhr
- Durchwahl 0221 / 139 1106 (Festnetzgebühr)
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Stottern001
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Ganz leichtes Stottern bzw. Blockaden beim Sprechen

Beitrag von Stottern001 » 21. Oktober 2008 21:01

Guten Abend liebe Community,

Ich bin 19 Jahre alt und bin nun im 13ten Jahrgang eines Gymnasiums.
Seit einigen Jahren fällt es mir immer wieder auf, dass ich oft Blockaden bei Gesprächen habe.

"Blockaden beim Sprechen" heißt konkret, dass ich einige Wörter einfach nicht "herausbekomme".
Es ist dann eigentlich kein Problem auf ein anderes Wort überzuwechseln.
Sagen wir beispielsweise mal ich kann plötzlich das Wort "Abiturzeitung" nicht aussprechen, so sag ich dann eben "Abiheft" oder ähnliches.

Des öfteren gibt es eben aber keine solche Wörter auf die man einfach ausweichen kann.
Und somit muss ich praktisch kurz warten oder mir einen anderen Satzbau überlegen um den Satz zu beenden, ansonsten würde ich das Wort stotternd herausbringen.

Normalerweise stottere ich eigentlich nicht.
Bzw. habe ich keine Blockaden beim sprechen.
Wenn ich mit meiner Freundin rede oder aber auch etwas laut vor der Gruppe vorlesen soll oder sogar wenn ich Referate vor der Gruppe mache habe ich eigentlich gar keine Fehler im Sprachfluss.

Meist tritt diese "Phänomen" nur auf wenn ich in Gruppen sprechen muss/will.
Etwas erzählen möchte oder in einer Diskussion schnell und gewählt antworten möchte sowie ab und an auch wenn ich mit anderen Personen spreche.

Wie kann ich dieses Problem vermeiden?
Es stört mich wirklich immens in meinem Sprachfluss.
Ich schäme mich natürlich dann auch dafür und das verstärkt es dann wohl auch wiederrum.
Wahrscheinlich ist es einfach die Angst vor dem Stottern...

Aber ich kann mir da selbst nicht helfen habe ich festgestellt.

Mfg,
Stottern001

EDIT:
Heute beispielsweise im Religionsunterricht war folgende Situation.
Wir bekamen eine neue Lehrerin.

Und ich hatte mich gemeldet, aber wusste schon im vorneherein, dass es mir schwer fallen würde meinen Namen heraus zu bekommen.
Weiterhin sagte ich was über Jesus >Propheten< musste aber Prohpheten ersetzten durch "Jesus' Anhänger" was natürlich nicht wirklich sinngemäß war....

Claudia Tasch
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Re: Ganz leichtes Stottern bzw. Blockaden beim Sprechen

Beitrag von Claudia Tasch » 30. Oktober 2008 20:06

Hallo,

ich kann die Situation, in der Sie sich gerade befinden, gut nachfühlen. Meine Name ist Claudia Tasch, ich stottere seit meinem 5. Lebensjahr, bin seit inzwischen 3,5 Jahren Logopädin und arbeite mit dem Behandlungsschwerpunkt Stottern.

Was Sie beschreiben, klingt nach der "klassischen" Wortvermeidung. D.h. Sie merken, ein Wort kommt nicht heraus und weichen auf ein anderes Wort aus oder aber verändern gar die ganze Satzstruktur. Solche kurzentschlossenen Veränderungen des Satzes bringen oft die Gefahr mit sich, dass der begonnene Satz nicht regelgerecht beendet wird, man sich verzettelt und einfach oft nicht so auf den Punkt kommt, wie man es gerne möchte und ja verbal eigentlich auch kann. Sie beschreiben das sehr treffend mit dem "Propheten" und "Jesus Anhänger". Da können schon mal Sinnentstellungen auftreten .
Es klingt tatsächlich, als ob Ihr größtes Problem die Angst vor dem Stottern zu sein scheint. Je weniger "cool" und gelassen man ist, umso häufiger kann und wird Stottern meist auch auftreten. Das ist ein Phänomen, mit dem Sie nicht allein stehen.

Der Weg, den ich für Sie sehe, lautet: VERMEIDUNGEN VERMEIDEN, STOTTERN ZULASSEN! Das können Sie auf unterschiedliche Arten erreichen:

Haben Sie schon eine logopädische Therapie in Erwägung gezogen? Es gibt, wie in diesem Forum bereits mehrfach aufgeführt, verschiedene große Therapierichtungen. Bei Ihnen könnte meines Erachtens der Nichtvermeidungs- oder Modifikationsansatz sehr hilfreich sein. Einer der großen Bausteine dieser Therapie ist die Desensibilisierung, d.h. die Abhärtung vor dem Stottern. Gelassen Stottern, so absurd es in Ihren Ohren jetzt klingen mag, ist möglich!
Wenn Sie sich mit dem Gedanken tragen, eine logopädische Therapie zu beginnen, empfehle ich Ihnen, die telefonische Fachberatung der BVSS zu nutzen. Dort werden Sie im direkten Gespräch individuell beraten. So kann die telefonische Beratung gerade im Hinblick auf die Wahl einer geeigneten Therapie durch ein gezieltes Hinterfragen mehr leisten als die Beratung via Forum. Außerdem können Sie so Anschriften von Stottertherapeuten in Ihrer Region erhalten, die den entsprechenden Therapieansatz anbieten. Dazu leitet die Fachberaterin Ihre Anfrage mit Ihrer Kontaktadresse an die BVSS weiter und innerhalb von etwa 14 Tagen erhalten Sie die entsprechenden Informationen.
Die telefonische Fachberatung erreichen Sie donnerstags von 17 bis 20 Uhr und freitags von 12 bis 14 Uhr unter der Rufnummer 0221 - 139 11 08.

Weiß Ihr Umfeld, dass Sie stottern? Oder haben Sie es bisher tatsächlich geschafft, dass es keinem direkt auffällt? Haben Sie sich schon einmal mit jemandem aus Ihrem näheren Umfeld über die Problematik unterhalten? Einen Vertrauten zu haben, kann oft sehr hilfreich sein. Außerdem ist dies ein großer Schritt in Richtung der Abhärtung, da Sie ein für Sie unangenehmes Thema ansprechen. Vielleicht ahnen oder wissen auch viel mehr Leute aus Ihrem Umfeld, dass Sie stottern, als Sie glauben? Dies ist eben leider oft noch ein Tabu-Thema. Wenn Sie Menschen, mit denen Sie täglich zu tun haben, z.B. einige Schulkollegen, einweihen, nehmen Sie sich selbst ein Stück weit den Zwang, unbedingt flüssig sprechen zu müssen. Sie könnten vielleicht etwas gelassener sein. Und das kann sich positiv auf Ihre Sprechflüssigkeit auswirken!

Wie wäre es mit der Teilnahme an einem von der BVSS veranstalteten (Wochenend-) Seminar? Kennen Sie andere Betroffene? Können Sie mit jemandem Betroffenen Erfahrungen austauschen? Sie könnten auch mal den Versuch starten und eine Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe besuchen. Infos dazu finden Sie auf der Homepage der BVSS.

Sie sehen, Sie haben verschiedene Möglichkeiten, sich zu helfen und helfen zu lassen. Auf jeden Fall sollten Sie nicht den Mut verlieren und sich nicht verstecken, "bloß weil Sie stottern"! Das letzte Schuljahr wird sowieso stressig genug!

Ich wünsche Ihnen alles Gute und hoffe, Sie finden einen guten Weg raus aus der Angst!

Claudia Tasch


PS: Für die mündlichen Abiturprüfungen und auch für die mündliche Benotung generell steht Ihnen rein rechtlich ein Nachteilsausgleich zu. Wenn Sie dazu Näheres erfahren wollen, besuchen Sie die Homepage der BVSS unter Informationen für Jugendliche, Stottern und Schule, Nachteilsausgleich!
Claudia Tasch, Logopädin
Fachberatung der BVSS

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