Meine 3 Jährige Tochter stottert seit zwei wochen

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Ivana

Meine 3 Jährige Tochter stottert seit zwei wochen

Beitrag von Ivana » 20. September 2009 21:14

Seit etwa zwei Wochen ist mir aufgefallen, daß meine 3Jährige Tochter angefangen hat zu stottern das hat unser ganzes leben verändert. Sie wird zweisprachig erzogen sprach diese auch flüssig. Nach sechs Wochen Kindergarten frei mußte sie einen Gruppenwechsel erfahren, wobei die Kinder gleich blieben nur die Erzieher haben sich verändert und es sind noch größere Kinder hinzugekommen. Seit dem geht sie nicht gerne in die Kita weint jedesmal bitterliche Tränen ( sie ist nie gerne gegangen hat aber nie geweint).Einen Termin beim Kinderarzt hab ich schon, aber ich bin ratlos was der auslöser dafür ist ich vermute, daß Sie kein Bezug zu den Erziehern aufbauen kann, weil diese sehr streng und leistungsorientiert sind. Nun weiß ich nicht ob ich sie in einen anderen Kindergarten schicken soll, ob das richtig und sinnvoll ist , wo sie so verunsichert und scheu geworden ist. Vieleicht hat jemand ja auch so etwas schon erlebt und kann mir rat geben. Ich bin zweifache Mutter meine Erstgeborene hat sich ganz normal entwickelt und Familiär ist das stottern weder bei meinem Mann noch bei mir bekannt.

Bettina
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Re: Meine 3 Jährige Tochter stottert seit zwei wochen

Beitrag von Bettina » 21. Oktober 2009 03:20

Liebe Ivana,

erst einmal muss ich mich in aller Form entschuldigen, dass die Antwort so lange auf sich hat warten lassen – es gab einen Wechsel in der Forumsbetreuung. Claudia, die bisher die Hauptarbeit hier gemacht hat, tritt etwas kürzer und ich, die bisher vertretungsweise im Forum tätig war, mache nun die Hauptarbeit.
Seit Ihrer Anfrage sind 4 Wochen vergangen und bestimmt hat sich in Ihrer Familie in dieser Zeit schon wieder viel verändert. Sie waren vielleicht schon beim Kinderarzt und haben sich dort eine Meinung eingeholt. Der Kinderarzt kann helfen, manchmal fühlt sich ein Besuch dort aber auch enttäuschend an…wie ist es bei Ihnen gelaufen? Wenn Ihre Tochter immer noch unflüssig ist, dann sind ca. 6 Wochen vergangen seit dem ersten Auftreten. Sie beschreiben nicht, wie Ihre Tochter stottert. Über dieses Forum kann ich natürlich keine Diagnose stellen. Wenn ein Kind stottert, müssen mehrere Faktoren zusammen kommen. In mehr als 3 % der gesprochenen Silben zeigen die Kinder Deeeeeeeehnungen, Wi-wi-wi-wi-wiederholungen oder Bl------ockierungen mit hör- und sichbaren Anstrengungsverhalten. Auch wenn Kinder noch klein sind, merken sie, dass mit Ihrem Sprechen etwas nicht stimmt und sprechen es vielleicht von sich aus auch an. Ist das der Fall, können Sie ehrlich bleiben und dem Kind rückmelden, dass Ihnen auch aufgefallen ist, dass die Wörter manchmal hüpfen wie ein Ball. So fühlt sich das Kind nicht allein mit seinem Problem und Sie als Eltern können es emotional auffangen. Vielleicht wiederholt Ihr Kind auch ganze ganze ganze Wörter, z.B. wenn es sagen möchte: „Ich ich ich ich ich bin jetzt aber dran.“ Das sind Unflüssigkeiten, die in der kindlichen Entwicklung sehr oft vorkommen und nichts mit dem Stottern zu tun haben. Gerne können Sie mir in diesem Forum das Stottern Ihres Kindes näher beschreiben, dann würde ich noch ein wenig tiefer darauf eingehen können. Sie haben die zweisprachige Erziehung angesprochen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten, wie diese in einer Familie praktiziert werden kann: Beide Eltern sprechen die gleiche Muttersprache, die nicht deutsch ist. Dann wird das Kind bis zum Eintritt in die Krippe hauptsächlich die Muttersprache der Eltern lernen und in der Krippe, im Kindergarten dann Deutsch. Oder ein Elternteil spricht Deutsch als Muttersprache, der andere Elternteil eine andere Sprache als Muttersprache. Dann sprechen die Eltern ihre jeweilige Muttersprache mit dem Kind und das Kind lernt beide Sprachen ungefähr gleichzeitig. Dagegen spricht auch nichts, wenn das Kind unflüssig ist. So wie Sie es gewohnt sind, behalten Sie es bei.
Die Situation mit dem Kindergarten scheint Ihre Tochter auf irgendeine Art zu belasten und das ist für Sie alle sicherlich schwer. Welche Mutter gibt sein Kind gerne an einem Ort ab, wo es sich unwohl fühlt! Vielleicht können Gespräche mit den Erzieherinnen – über allgemeine Dinge und auch über die Unflüssigkeiten – die Situation verbessern? Denn wenn ich Sie richtig verstanden habe, sind die Erzieherinnen nicht nur für Ihre Tochter, sondern auch für Sie neu...und wenn man sich noch nicht gut kennt, braucht es eine Zeit lang, bis man Vertrauen gefasst hat. Oft wird ein Stottern durch Veränderungen im kindlichen Alltag ausglöst (wichtig: nicht verursacht! Die Ursache des Stotterns liegt nach neuem Stand der Forschung in einer angeborenen Veranlagung dazu – das heißt: kein Mensch aus der Umgebung Ihrer Tochter ist schuld an den Unflüssigkeiten!). Solche Alltagsveränderungen können die Geburt eines Geschwisterkindes, ein Umzug, ein besonders „umwerfendes“ Geschenk oder natürlich auch ein Wechsel der Kitabetreuung sein. Sie kennen Ihre Tochter gut. Wenn die Kindergartensituation nach genauem Überlegen und Gesprächen mit den Erziehern wirklich für Sie alle ausweglos ist, können sie an eine Pause oder einen Wechsel denken. Das kann, muss aber nicht, das Stottern beeinflussen. Die meisten Kinder hören im Laufe Ihrer Entwicklung wieder auf mit dem Stottern. Gute Beratung und vielleicht auch eine Therapie können helfen. Wichtig ist für Sie im Moment: informieren Sie sich über Stottern, sprechen Sie in der Familie offen drüber (Tabuisieren und ein Geheimnis draus machen hilft nicht), besuchen Sie die Seiten der bvss, lassen sie sich Flyer zuschicken, rufen Sie bei der Telefonberatung an und lassen Sie sich dann von einem guten Stottertherapeuten vor Ort beraten, wenn Sie immer noch sehr unsicher und nervös sind.
Ich hoffe, Ihnen damit weiter geholfen zu haben – und vielleicht hören wir ja nochmals voneinander.
Es grüßt Sie herzlich
Bettina

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