Stottere... seit längerer Zeit.

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Ingo
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Stottere... seit längerer Zeit.

Beitrag von Ingo » 28. November 2009 22:06

Hallo,

ich bin 32 Jahre und stottere seit ich ca. 5 Jahre alt war.

Ich weiß nicht, ob ich hier Hilfe oder sonst was Suche, da ich mich eigentlich sehr gut mit der Situation abgefunden habe. Klar, sicher wäre ein Leben ohne das Stottern sehr viel schöner für mich, da ich direkter auf Leute eingehen könnte. Eine Therapie mache ich nicht. Ärzte sagten frühe, wo ich noch ein kleiner Junge war, dass der Sprachfehler wohl von selbst weg geht - es wäre ein Schock, wo meine Mutter in Rollstuhl gekommen ist. Der Sprachfehler ist schon ein wenig weg gegangen, das muss ich sagen, aber ich stottere immer noch ein wenig.

Was mir nur aufgefallen ist, und... was ich auch komisch finde, dass ich alleine überhaupt nicht stottere, das fängt erst an, sobald noch eine Person bei mir ist die das hört, was ich sage. Gibt es dafür eine Erklärung?

Viele Grüße
Ingo

Bettina
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Re: Stottere... seit längerer Zeit.

Beitrag von Bettina » 7. Dezember 2009 05:44

Hallo Ingo,

Ihre Mail ist recht informativ und zu manch einer Stelle möchte ich gerne etwas schreiben. Aber fangen wir doch mit Ihrer Frage zum Schluss an. Sie möchten sich gerne erklären, warum Sie nicht stottern, wenn Sie alleine sind. Nun, das Stottern kann man auch eine Kommunikationsstörung nennen. Es tritt in der Kommunikation mit anderen Menschen auf. Kommunikation im klassischen Sinne findet erst statt, wenn mindestens zwei Menschen zusammen kommen und sich unterhalten. Wenn Sie also alleine in einem Zimmer sind und zum Beispiel mit sich selbst reden (ein Selbstgespräch führen), dann findet noch keine echte Kommunikation statt. Solch ein Reden für sich alleine baut wenig Spannung in einem selbst auf, so dass wenig bis kein Stottern auftritt. Den meisten Stotternden geht es so, dass sie wenig bis gar nicht stottern, wenn sie mit sich selbst reden. Übrigens ist auch das Sprechen mit Tieren oft sehr viel einfacher. Zirka 50% aller Stotternden sprechen völlig flüssig, wenn sie mit Tieren reden. Bei meiner Arbeit mit stotternden Menschen habe ich manchmal meine Therapiebegleithündin dabei. Da kann es geschehen, dass die Menschen sich zu ihr beugen und mit ihr flüssig sprechen – und wenn sie dann wieder mit mir in Kommunikation treten, ist das Stottern wieder da. Auch das ist ein bekanntes Phänomen.
Sie schreiben, dass Ihr Leben schöner wäre, wenn Sie direkter auf Menschen zugehen könnten. Ich kann Ihnen dafür nur Mut zusprechen. Wenn das ein Wunsch von Ihnen ist, können Sie ja vielleicht ein bisschen daran arbeiten. Vielleicht gibt es ja in der Nähe Ihres Wohnortes eine Selbsthilfegruppe stotternder Menschen. Man trifft sich einmal die Woche oder ein bis zwei Mal im Monat, redet zusammen, tauscht sich aus, übt auch mal gemeinsam, wie man noch mutiger und direkter auf Menschen zugehen kann und ist in der Gruppe von Menschen umgeben, denen es ähnlich geht wie einem selbst, die einen also gut verstehen. Die BVSS nennt Ihnen gerne eine Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe.
Sie erzählen, dass Sie im Alter von 5 Jahren begonnen haben zu stottern und berichten von einem Schockerlebnis, als Ihre Mutter in den Rollstuhl kam. Immer wieder hört man, dass Kinder nach besonderen Ereignissen mit dem Stottern begonnen haben: Die Geburt eines Geschwisterkindes, der Sturz von der Schaukel oder auch ein besonders aufregendes und großes Geschenk. Dennoch ist es wichtig zu wissen, dass diese Ereignisse nicht die Ursache des Stotterns sind, sondern das Stottern nur auslösen können. Wäre Ihre Mutter damals zu dieser Zeit nicht in den Rollstuhl gekommen, hätten Sie auch mit dem Stottern begonnen. Dann vielleicht ein paar Wochen früher oder später nach einem anderen emotionalen Erlebnis, z.B. der Sturz vom Fahrrad oder ein übler Streit mit einem Kameraden, oder…oder…oder…
Menschen, die stottern, werden mit der Anlage zum Stottern schon geboren. Das heißt, Stottern ist eine angeborene Störung im Sprachzentrum des Gehirns. Sie muss nicht das ganze Leben beherrschen, dagegen kann man etwas machen und ich denke, Sie tun auf Ihre Weise auch etwas gegen Ihr Stottern, damit Sie es ein wenig in Schach halten können und Sie sagen ja auch, dass Sie eigentlich ganz gut damit klar kommen. Lieber Ingo, ich hoffe sehr, Ihnen mit meiner Antwort geholfen zu haben. Wenn Sie möchten, können Sie sich gerne noch mal melden und wir tauschen uns zu weiteren Themen rund ums Stottern aus.
Es grüßt Sie herzlich,

Bettina

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