Stottern oder entwicklungsbbedingt

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steffiundelias

Stottern oder entwicklungsbbedingt

Beitrag von steffiundelias » 3. Dezember 2009 20:41

Hallo!
Mein Sohn ist 2 Jahre und 10 Monate alt.Er spricht sehr viel und das auch gut und auch schon sehr lange Sätze.Auch in anderen Dingen ist er schon sehr weit und denkt viel mit.Seit ca.3 Wochen hat er angefangen Wörter am Satzanfang immer wieder zu wiederholen mal nur 2 mal und wenn er es ganz oft gesagt hat,hat er gesagt.....sag du mal was Mama,als ob er vergsssen hätte,was er sagen will.Andere Tage wiederholt er mal öfters Silben oder Vokale.Er merkt eigentlich nix davon(nur wenn er mal richtig hängenbleibt) und redet auch trotzdem weiterhin viel.Er wiederholt Wörter immer nur am Anfang und wenn er dann"in Fahrt" gekommen ist,macht er es nicht mehr.Manchen Tag ist es besser,an anderen wieder schlechter.Vor allem wenn er aufgeregt ist und etwas toles erzählen will verhaspelt er sich 10000 mal und gegen Abend wird es immer schlimmer. Ich habe nun Angst,das er anfängt zu stottern.Ist es nun eher eine entwicklungsbedingte Sache oder doch der Anfang zum stottern.Ich habe einfach Angst was zu übersehen.Bitte antworten Sie habe irgendwie Angst,weil mein Sohn so toll sprechen konnten und nun diese Sache so plötzlich auftritt.
MfG Steffi und Elias

Bettina
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Re: Stottern oder entwicklungsbbedingt

Beitrag von Bettina » 7. Dezember 2009 18:42

Liebe Steffi,

verständlicherweise machen Sie sich Gedanken, wenn Ihr Sohn zurzeit recht oft hängen bleibt. Sie möchten in dieser Situation für ihn da sein und das Richtige tun. Dass Sie sich über dieses Forum der Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe (BVSS) informieren, ist ein sehr guter Schritt, wie ich finde. Für Sie stelle ich mir eine umfassende Antwort vor, von der Sie hoffentlich profitieren und in diesem Zusammenhang dann natürlich auch Ihr Sohn.
Vorab möchte ich Ihnen sagen, dass alle Kinder irgendwann mal im Laufe ihrer Entwicklung sogenannte entwicklungsbedingte Unflüssigkeiten zeigen, die völlig normal sind. Die Kinder machen dann so etwas wie: sie wiederholen ganze Wörter, auch sehr oft hintereinander, sie brechen einen Satz ab und beginnen neu, sie setzen Füllwörter ein, wie z.B. „äh“ oder „ehm“, sie wiederholen Satzteile. Dies alles geschieht ohne Spannung und Anstrengung beim Kind und kann bis zu 6 Monaten andauern. Manchmal bemerken die Kinder selbst diese Unflüssigkeiten bei sich, manchmal aber auch nicht.
Wenn ein Kind mit Anstrengung Silben oder Buchstaben wiederholt, dann sagen die Fachleute, dass solche Unflüssigkeiten schon stottertypisch sind. Das heißt aber nicht, dass jedes Kind, das mal eine Phase mit stottertypischen Wiederholungen hat, gleich die Diagnose „Stottern“ bekommen muss. Wir haben Kinder im gleichen Alter, auch mein Kind spricht lange schon sehr gut. Es zeigt öfter stottertypische Unflüssigkeiten. Ganz kurz bleibt dem Kind der Mund offen stehen, weil ein Wort blockiert ist, es hat Silbenwiederholungen, einmal verdrehten sich sogar die Augen – und natürlich die ganzen vielen normalen entwicklungsbedingten Wortwiederholungen. Im Verhältnis zu den vielen vielen Wörtern, die mein Kind spricht, zeigt es zwar stottertypische Unflüssigkeiten, diese fallen aber nicht sonderlich ins Gewicht. So wie Sie das bei Ihrem Sohn auch tun, beobachte ich die Sache und dann werden wir sehen.
Nun hatte ich schon gesagt: die Silben- und Buchstabenwiederholungen würden Fachleute eher zu den stottertypischen Unflüssigkeiten zählen. Auch bekannt ist, dass die Unflüssigkeiten schwankend auftreten: mal gar nicht und am nächsten Tag auf einmal wieder mehr. Sicherlich weiß Ihr Sohn, dass manchmal mit seinem Sprechen etwas anders ist als sonst. Also brauchen Sie kein Tabu daraus zu machen. Äußert er sich dazu und es ist gerade eher eine ruhige Situation, dann reden Sie ganz normal mit ihm darüber, dass Ihnen das auch schon aufgefallen ist, dass seine Worte manchmal wie ein Ball in seinem Hals hüpfen und dass viele Kinder das manchmal haben. Wahrscheinlich ist es dann schon wieder ok für ihn – aber er hat die Gewissheit: mir steht auch in dieser Sache meine Mutter zur Seite. Es ist schön, dass er viel redet – bestärken Sie ihn darin wie Sie es bisher ja wahrscheinlich auch getan haben. Lassen Sie ihn aussprechen – auch dann wenn er hängen bleibt oder Wörter ganz oft wiederholt. Das Beste für die Kinder ist, sie arbeiten sich eigenständig durch diese „Hindernisse“ durch. Weder Sie noch Erwachsene aus seinem Umfeld sollten ihn mit Tipps wie „Sprich langsamer“, „sag`s noch mal“ „atme erst mal tief durch“ durcheinander bringen. Geben Sie ihm Zeit, sich auszusprechen, strahlen Sie selbst beim Sprechen Ruhe und Gelassenheit aus (wenn Ihnen das gelingt ist es ok, manche Menschen tun sich damit aber auch recht schwer, dann ist das kein Beinbruch), singen Sie viel mit ihm – beim Singen ist man nicht unflüssig und braucht sich somit über sein Sprechen keine Gedanken machen. Auch Verse und Fingerspiele machen Freude und gehen meist leicht über die Lippen.
Auch wenn ich mir anhand Ihrer Beschreibungen nicht sicher bin, wie auffällig und angestrengt seine Unflüssigkeiten wirken, haben Sie mit den obigen Empfehlungen hoffentlich etwas Sicherheit für den Umgang mit ihm im Alltag gewonnen. Diese Empfehlungen lassen sich natürlich noch intensivieren und erweitern, aber für`s erste sollte es genügen. Sie können sich jederzeit wieder an die Onlinefachberatung wenden oder die BVSS anrufen und um weitere Information (es gibt Flyer, die man sich zuschicken lassen kann und auch einen guten Elternratgeber) bitten. Schlecht vorstellen kann ich mir, dass Sie bei Ihrem Sohn etwas übersehen, was für sein Sprechen wichtig ist. Eltern haben ein sehr gutes Gespür für Ihr Kind, ob es beim Erzählen noch gelassen ist, oder ob es sich über Gebühr anstrengen muss.
Vielleicht ist seine Unflüssigkeitsphase bald vorbei und die Tipps von heute genügen Ihnen. Vielleicht steigt aber auch sein Anstrengungsverhalten beim Sprechen und die stottertypischen Unflüssigkeiten werden mehr. Falls Sie dann an einen Punkt kommen, wo Sie sehr unsicher sind und sich große Sorgen machen, dann holen sie sich verstärkt Hilfe, indem Sie sich z.B. an eine StottertherapeutIn vor Ort wenden, wo Sie sich einfach mal intensiv beraten lassen können. Wichtig ist: die TherapeutIn sollte sich auf kindliche Unflüssigkeiten spezialisiert haben. Bei der Suche nach qualifizierten TherapeutInnen in Ihrer Nähe steht Ihnen die BVSS mit einem Therapeutenverzeichnis zur Seite.
Ich wünsche Ihnen und Ihrem Sohn alles Gute!
Mit herzlichen Grüßen,
Bettina

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