Redeflussstörung

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T_homas
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Redeflussstörung

Beitrag von T_homas » 18. Januar 2010 21:16

Hallo..Ich bin 32J und hab seit ungefähr 13J Probleme mit dem Redefluss..Hat angefangen mit zu schnellem Sprechen bei dem ich mich dann ab und zu überschlagen habe,auch brachte ich einige Wörter leicht undeutlich raus..Mit der Zeit,vielleicht 1Jahr,fing das dann an mit den Blockaden und mit der verkrampften Atmung,dieses wurde meines Erachtens in den letzten Jahren schlimmer,selbst beim alleinigen Lautlesen hatte ich auf einmal diese Probleme,speziell das Z brachte ich so gut wie überhaupt nicht mehr raus,nur mit enormer Kraftanstrengung,was sich aber mit der Zeit durch das Lesen gebessert hat..Hatte auch vor ca. 6Monaten eine CT gemacht,um eventuelle Schäden auszuschließen,bei dieser wurde aber alles für ok befunden,heißt also,keine Veränderungen,Schädigungen oder Herdbefunde..Wollt noch anmerken,dass ich als Kind mit ca.5J eine leichte Redeflussstörung hatte,vorher laut Eltern,aber normal gesprochen habe,der Auslöser könnten nicht intakte Familienverhältnisse sein..Soweit ich noch weiß,war es damals leichtes Poltern und Dehnen von Wörtern..Deswegen war ich damals auch für ein Jahr in einer Sprachheilschule,die das auch als minimal eingestuft hatte und mich dann an eine normale Schule verwies..Mit der Pubertät war das dann ganz weg,bis es dann mit ca 19J,wie oben beschrieben,wieder anfing..Hab auch in Erfahrung bringen können,dass meine Mutter mit ca. 7J für vielleicht 1J leicht gestottert hatte,was aber dann von selbst wieder wegging..Somit kann das ja bei mir nicht vererbt sein,zumal niemand,weder Großeltern noch Eltern oder Geschwister dieses hatten/haben und angeboren würde dann ja auch nicht ganz zutreffen..Hab wegen dem Ganzen vor ca. 12Monaten eine Sprachtherapie begonnen,bei der aber bis heute keine Fortschritte zu erkennen sind,das Einzige ist die Umstellung von Brust auf Bauchatmung..Hab das auch meiner Logopädin so gesagt,worauf sie meinte,dass das seine Zeit braucht und leichte Fortschritte für sie erkennbar sind..Vor 2Monaten hab ich ihr das nach noch mal ausführlich gesagt,worauf sie meinte,dass sie das jetzt auch so sieht..Hab jetzt vor eventuell nebenbei eine Psychotherapie zu beginnen,außerdem soll ich laut meiner Sprachtherapeutin,parallel zu ihrer,eine systemische Therapie machen,hab da auch einen Therapeuten gefunden,bei dem ich nun auf der Warteliste stehe..Wollt nun fragen,wie ich weiter vorgehen könnte und ob sie mir eventuell Tipps geben könnten,was ich sonst noch tun könnte..Danke..


Wollt bloß noch schnell anmerken,da ich hier ja nicht antworten kann,dass das beschriebene Konzept schon bekannt ist,auch das mit den Konfrontationsübungen,das liegt aber an mir,da ich dem leider aus dem Weg gehe..
Das mit den besagten logopädischen Übungen sagt mir auch was..
Vielleicht erhoff ich mir auch zu viel an Verbesserungen und seh somit die kleinen Fortschritte nicht..
Ansonsten bin ich mit meiner Therapeutin schon sehr zufrieden,zumal auch die Chemie stimmt,was ja Grundvoraussetzung sein sollte,da ich auch schon andere Erfahrungen machen durfte auf anderen Therapiegebieten..
Bedank mich hiermit noch mal für die ausführliche Beratung..mfg
Zuletzt geändert von T_homas am 4. Januar 2011 17:11, insgesamt 4-mal geändert.
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Bettina
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Re: Redeflussstörung

Beitrag von Bettina » 20. Januar 2010 02:54

Lieber Thomas,

gerade lese ich Deine Anfrage. Die Beantwortung wird noch in dieser Woche erfolgen. Jetzt schaffe ich es nicht mehr, da ich richtig krank war.
Bis dann, viele Grüße von Bettina

Bettina
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Re: Redeflussstörung

Beitrag von Bettina » 21. Januar 2010 15:30

Lieber Thomas,

gut, dass Sie sich an das Forum gewendet haben und ich hoffe, meine Antwort bringt Sie weiter, vergrößert Ihr Wissen und macht Sie sicherer.
Sie berichten sehr anschaulich von Ihren Redeflussstörungen in der Kindheit, dass sich diese für eine Zeit nicht gezeigt haben und dass sie dann im Erwachsenenalter wieder gekommen sind. So wie Sie diese beschreiben, höre ich heraus, dass es Situationen gibt, in denen Sie stottern (z.B. Blockade vor einem Wort und es gar nicht herausbringen können) und dass es aber auch Situationen gab oder vielleicht auch heute noch gibt, in denen Sie schnell und undeutlich und verhaspelt gesprochen haben / sprechen. Dies könnte ein so genanntes Poltern darstellen. Natürlich kann ich mich über die Onlineberatung nicht festlegen – das wäre unprofessionell. Sowohl für die Diagnostik eines Stotterns als auch die eines Polterns bedarf es des persönlichen Kontakts und ausreichend Zeit. Fakt ist aber, dass doch viele Menschen, die eine Redeflussstörung haben, von Poltern und Stottern betroffen sind. Ich möchte das für Sie angesprochen haben, dann es kann ja sein, dass man Sie auf beide Problematiken anspricht – und dann haben Sie schon mal davon gehört, dass dies doch recht häufig der Fall ist.
Dann berichten Sie von einem Stottern der Mutter, dass sich aber von selbst noch in deren Kindheit wieder gegeben hat.
Leider kann ich die Rückschlüsse, die Sie zum Thema Vererbung daraus ziehen, nicht nachvollziehen. Damit Sie sicher erkennen, was ich meine, möchte ich Ihnen zum Stottern einige Fakten aufschreiben.
Ca. 5% aller Kinder zeigen im Laufe Ihrer Entwicklung ein echtes Stottern. Die meisten dieser Kinder hören im Laufe von einigen Monaten praktisch von alleine wieder auf mit dem Stottern. Mädchen gelingt das leichter. Es hören mehr Mädchen mit dem Stottern wieder auf als Jungen. Im Erwachsenenalter stottert 1% der Bevölkerung – das sind immerhin ca. 800.000 Menschen allein in Deutschland. Auf drei stotternde Männer kommt eine stotternde Frau – eben weil die Mädchen leichter schon als Kind wieder damit aufhören können. Ich vermute, so ist der Fall bei Ihrer Mutter gewesen.
Bei der Hälfte aller stotternden Menschen finden sich in der Verwandtschaft weitere Betroffene, was für die Möglichkeit einer Vererbung spricht. Momentaner Stand der Wissenschaft ist, das Stottern durch einen winzig kleinen Funktionsdefekt im Gehirn verursacht wird, mit dem man geboren wird. Dieser Defekt kann vererbt sein, jedoch auch neu entstehen.
Aber im Grunde genommen ist es für Ihre momentane Situation unerheblich, wie Ihre Redeunflüssigkeiten entstanden sind. Sie sind wieder gekommen und das belastet Sie und sie möchten eine Lösung dafür finden.
Liege ich richtig in der Annahme, dass Sie sich auch fragen, warum das Stottern so lange weg war und dann wieder gekommen ist? Auch solch eine Entwicklung kann es geben. In Ihrer Kinder- und Jugendzeit sind Sie ganz gut damit zurecht gekommen und konnten sich lange Zeit stabil halten – nahezu ohne Symptome. Dennoch war es wahrscheinlich so, dass Sie die Problematik nie ganz und vollständig überwunden haben, dass die kleine Fehlfunktion im Gehirn immer noch versteckt irgendwo „gelauert“ hat - und dann haben Sie im Erwachsenenalter so etwas wie einen Rückfall erlitten. Rückfälle nach Therapien kommen sehr häufig vor – es ist wichtig, schon in der Therapie darauf vorbereitet zu werden, damit man dann weiß, was zu tun ist. Aber auch diese Fakten sind für Ihre momentane Situation nicht sonderlich wichtig. Es ist nun wie es ist bei Ihnen und damit möchte ich auf Ihre jetzige Lage zu sprechen kommen.
Sie berichten, dass Sie seit einem Jahr zu einer Logopädin gehen und Ihre Atmung auf die Bauchatmung umgestellt wurde. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, möchten Sie doch auch Ihr Sprechen verbessern, also Ihr Stottern wieder in den Griff bekommen, oder?
Nicht alle Logopädinnen und Sprachtherapeutinnen haben Erfahrung in der Behandlung stotternder Menschen. Wenn es wirklich stimmt, dass Sie in einem Jahr nichts außer der Bauchatmung gelernt haben, so befürchte ich fast, dass Ihre Logopädin vielleicht nicht genug Erfahrung in der Behandlung von Redeunflüssigkeiten hat. Bei einer guten ambulanten Stottertherapie mit einer gut ausgebildeten Stottertherapeutin kann man z.B. innerhalb eines Jahres folgendes lernen: Sein Sprechen und Stottern genau kennen lernen, sich ein Stück damit idendifizieren – denn nur was man gut kennt kann man später beherrschen und verändern (Idendifikationsphase). Sich gegen das eigene Stottern abhärten, absichtlich stottern, um gelassener auf das eigene Stottern reagieren zu können, die Herabsetzung der Angst vor dem Stottern (Desensibilisierungsphase). Dann folgt das Einüben einer Sprechtechnik oder Techniken, wie man sich aus dem Stotterereignis herausarbeiten kann (solche Sprechtechniken heißen z.B. Prolongation oder Pull-out). Danach erfolgt eine Stabilisierungsphase, in der man das Gelernte in allen möglichen echten Situationen im Alltag trainiert. Man geht mit dem Therapeuten raus, kauft ein, spricht Leute an, telefoniert,…immer mit der neu erlernten Technik. Man wird fit gemacht gegen einen Rückfall,….
Kommt Ihnen davon irgendetwas bekannt Vor? Diese Inhalte sind natürlich an jeden Patienten anzupassen und können auch variieren. Bei Ihnen könnten noch Inhalte dazu kommen, die Ihnen beim polternden Sprechen helfen. Atmung ist natürlich auch wichtig – aber nur als Teil eines ganzen Konzeptes.
Wenn es Ihnen psychisch nicht irgendwie akut schlecht geht, wenn Sie sich also bis auf das Sprechen und den Ärger damit einigermaßen munter fühlen, schlage ich Ihnen folgendes vor: Warten Sie mit einer systemischen Therapie oder Psychotherapie ab und klären Sie zuerst ab, ob Ihre momentane Logopädin wirklich auf die Behandlung stotternder Menschen spezialisiert ist. Wenn Sie es nicht ist, ist sie deswegen kein schlechter Mensch und hat sicher auf anderen logopädischen Behandlungsgebieten ihre Stärken. Sie müssen wissen, die Logopädie bzw. Sprachtherapie ist ein so großes Gebiet, dass man sich auf bestimmte Patienten mit bestimmten Krankheitsbildern spezialisieren muss – man kann gar nicht alles gleich gut behandeln. Ich behandle viele stotternde Menschen – aber wenn ich eine logopädische Behandlung bei einem Patienten machen soll, der z.B. aufgrund eines Schlaganfalls nicht mehr schlucken kann, dann lasse ich die Finger davon, weil ich das nicht kann, da ich mich dazu nie fortgebildet habe.
Wenn die Logopädin das von mir oben kurz angerissene Konzept (oder ein ähnliches Konzept) nicht kennt und nicht behandelt - oder wenn Sie vielleicht auch aus irgendwelchen aderen Gründen das Gefühl haben, dass "die Chemie" zwischen Ihnen nicht mehr stimmt (so etwas kann vorkommen, daran ist niemand schuld...), dann müssten Sie sich überlegen, ob Sie den Stottertherapeuten wechseln…Dann versuchen Sie es weiter mit Logopädie bzw. Sprachtherapie, aber stellen Sie zu 100% sicher, dass Sie einen ausgebildeten und erfahrenen Stottertherapeuten finden. Die BVSS kann man anmailen oder anrufen. Sie hat Therapeutenlisten und kann Ihnen einen Therapeuten in der Nähe Ihres Wohnortes empfehlen. Auch den empfohlenen Therapeuten sollten Sie vor Beginn einer Therapie auf seine Erfahrung in der Behandlung stotternder Menschen festlegen. Die BVSS hat auch gute Infoflyer für Stotternde, die man Ihnen zuschicken kann. Ein Flyer gibt Tipps zur Therapeutensuche. Sie können sich auch über Intensivtherapien informieren. Sie finden an verschiedenen Orten in Deutschland statt, die Kosten werden in der Regel von der Kasse übernommen und man befindet sich z.B. mehrere Wochen am Stück in einer Gruppe in Behandlung.
Sie sehen, lieber Thomas, Sie können eine Menge tun. Ich hoffe, Sie haben etwas dazu gelernt und fühlen sich nun tatsächlich sicherer, einen für Sie passenden Behandlungsweg zu finden.
Vielleicht haben Sie aber auch noch dringende Fragen? Scheuen Sie sich nicht, mir nochmals zu schreiben oder sich direkt an die BVSS zu wenden.

Mit den besten Grüßen und alles Gute!
Bettina

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