Hilfe für 2-Jährigen

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Volkmar

Hilfe für 2-Jährigen

Beitrag von Volkmar » 11. Februar 2010 15:03

Mein Sohn ist im November zwei geworden. Seit ungefähr der Zeit stottert er, hat also die üblichen Anlaufschwierigkeiten beim Satzbeginn, wiederholt Silben, bis sie endlich ausgeprochen sind un vertauscht auch laute wie etwa k und t. Ist das eine oft vorkommende Entwicklungsphase, die vermutlich nach einigen Monaten wieder vorbei ist? Oder sollten wir uns schon um Hilfe bemühen?

Bettina
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Re: Hilfe für 2-Jährigen

Beitrag von Bettina » 14. Februar 2010 12:37

Sehr geehrter Volkmar,

da meine Tochter nur ein halbes Jahr älter ist und ich auch bei ihr phasenweise Unflüssigkeiten gehört habe und sicher auch mal wieder hören werde, kann ich gut verstehen, dass Sie beunruhigt sind.
Mit meinen nun folgenden Ausführungen möchte ich versuchen, Ihnen ein wenig Orientierung zu geben.
Das Vertauschen der Laute k/g und t/d ist in diesem Alter noch recht normal. Als grobe Orientierung kann man sagen, dass Kinder um den vierten Geburtstag herum alle Laute korrekt aussprechen sollten und dann auch keine Laute mehr vertauschen sollten. Sprechen Sie die fehlerhaft gesprochenen Wörter manchmal korrekt nach und bauen sie dieses sog. „Corrective Feedback“ in die normale Unterhaltung mit ein. Das Kind bemerkt davon nicht viel, verarbeitet aber den Vergleich zwischen dem fehlerhaft und korrekt gesprochenen Wort unbewusst in seinem Gehirn und lernt dabei. Vermeiden sie direkte Verbesserungen. Diese verwirren das Kind mehr als sie etwas nutzen.
Nun zu den Unflüssigkeiten: Alle Kinder zeigen im Laufe ihrer Sprachentwicklung irgendwann einmal Unflüssigkeiten. Meist sind es die so genannten entwicklungsbedingten Unflüssigkeiten. Ganze Worte werden ohne Anspannung mehrmals hintereinander wiederholt, bis es im Satz weiter geht. Z.B. „ Ich ich ich ich ich will Saft trinken.“ Oder: „Papa, komm komm komm komm spielen.“ Diese Entwicklungsunflüssigkeiten verschwinden im Laufe von Wochen bis sechs/acht Monaten wieder. Manchmal zeigen die Kinder aber auch Symptome von Stottern. Sie beschreiben in Ihrer Anfrage Wiederholungen von Silben. Das wäre dann z.B. so etwas: „ich wi-wi-wi-will Saft trinken.“ Oder: „Papa, ko-ko-komm spielen.“
Zu den Anlaufschwierigkeiten kann man sagen, dass sie sowohl bei den entwicklungsbedingten Unflüssigkeiten als auch beim Stottern vorkommen können. Vielleicht macht Ihr Sohn gerade einen Schub in seiner Sprechentwicklung durch. Es gibt ja immer wieder solche Schübe verschiedener Art. Einer davon hat sogar einen speziellen Namen: Wortschatzspurt. Jeden Tag kommen für eine gewisse Zeit 2 bis 4 neue Worte dazu, die das Kind plötzlich verwenden kann und kennt. In solchen Schüben muss das Kinds schon einiges an Neuentwicklungen und neuen Kompetenzen koordinieren und für sich organisieren. So etwas kann auch mal auf die allgemeine Sprechflüssigkeit schlagen und das Kind ist unflüssiger.
Nun beobachten Sie diese Unflüssigkeiten ja im dritten Monat. Da steigen wahrscheinlich die Sorgen schon etwas und man hört dem Kind recht sensibel zu. Zeigt denn Ihr Sohn mit irgendwelchen Signalen, dass ihn die Unflüssigkeiten stören? Bemerken tun Kinder diese im Alter von zwei Jahren auf jeden Fall schon. Aber nicht alle Kinder stört es. Manche plappern einfach weiter drauf los…andere schlagen sich mit der Hand auf den Mund und äußern vielleicht auch so etwas wie „mein Mund geht nicht…“.
Man kann die Frage nach professioneller Hilfe eigentlich nie pauschal beantworten.
Wenn Sie sich als Eltern große Sorgen machen, wenn Sie bei Ihrem Kind nur noch auf die Unflüssigkeit hören und Sie das vom echten Zuhören und dem Achten auf den Inhalt zu sehr ablenkt, wenn Sie am Kind bemerken, dass es resigniert, dass es sich zurückzieht, dass es Sprechversuche abbricht, dass es mehr schweigt, dass es sich beim Sprechen auf die Beine haut oder mit den Armen schlägt oder mit den Augen zwinkert oder mit dem Kopf nickt (also irgendwelche Mitbewegungen zeigt, um sich aus einer Unflüssigkeit herauszuarbeiten), wenn Sie irgendwie ein ungutes Gefühl haben – dann lassen Sie sich helfen. Wahrscheinlich kommen Sie mit einer guten Elternberatung schon recht weit. Eine direkte Behandlung des Kindes müsste noch etwas warten, weil Ihr Sohn noch sehr jung ist. Kurz vor dem dritten Geburtstag kann man auch mit kleinen Kindern schon kindgerecht recht gut arbeiten. Wichtig ist, dass Sie eine Stottertherapeutin, die sich sehr gut mit der Betreuung stotternder Kinder auskennt, finden. Informieren Sie sich im Vorfeld noch weiter über Stottern. Beziehen Sie Flyer von der Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe, nutzen Sie das Angebot von dort, sich Therapeutenlisten zukommen zu lassen oder rufen Sie zusätzlich noch bei der telefonischen Fachberatung der BVSS an. Die Fachberaterin dort kann sich auch noch mal ein Bild von Ihrer Situation machen und bestimmt gute Informationen geben.
Wenn dieser Beitrag Ihrer Orientierung dient, so freue ich mich. Wenn er weitere Fragen aufwirft, dann scheuen Sie sich bitte nicht, mir diese zukommen zu lassen. Am liebsten über eine ganz neue Anfrage im Beraterforum, damit alle Lesenden etwas davon haben.

Ihrer Familie wünsche ich alles Gute!

Mit freundlichen Grüßen,
Bettina

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