knapp 5-jähriger stottert - worauf achten?

Erst informieren - dann therapieren: Die telefonische Fachberatung der BVSS:
- donnerstags 17-20 Uhr und freitags 12-14 Uhr
- Durchwahl 0221 / 139 1106 (Festnetzgebühr)
Für Stotterer ist auch eine Beratung per E-Mail möglich (info@bvss.de), welche aber längere Bearbeitungszeiten haben kann.
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Vitamin

knapp 5-jähriger stottert - worauf achten?

Beitrag von Vitamin » 15. Juli 2010 16:57

Hallo!

Google sei Dank - ich habe ein Forum gefunden wo ich meine vielen Fragen loswerden kann ;-)
Folgendes Problem: mein knapp 5jähriger Sohn hat vor fast 2 Monaten angefangen zu stottern.
Erst hat man es kaum bemerkt, er hat nur gelegentlich Anfangssilben verdoppelt. Inzwischen ist es (tagesformabhängig unterschiedlich) recht extrem, es fällt sehr auf und behindert ihn. Wir haben das nie thematisiert, dennoch saß er vor kurzem sehr unglücklich da und meinte er sei ein Stotterkind (woher auch immer er das WOrt überhaupt kennt, Kiga vielleicht) und könnte nicht mehr reden.

Gestern waren wir bei der Kinderärztin, die sagte man könnte auch abwarten ob es von allein besser wird, aber da er selber so darunter leidet empfiehlt sie jetzt schon die Hilfe eines Logopäden in Anspruch zu nehmen.
Das Thema ist so neu für mich, ich brauche Tipps! Worauf muss ich achten bei der Auswahl des Therapeuten? Gibt es irgendwas was ich sonst tun könnte? Außer ihn nicht zu korrigieren?

Für Denkanstöße und Tipps bin ich sehr dankbar!

Viele Grüße und schonmal vielen Dank.

Claudia Tasch
Fachberatung der BVSS
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Re: knapp 5-jähriger stottert - worauf achten?

Beitrag von Claudia Tasch » 16. Juli 2010 23:54

Guten Abend!
Wir, das Team der Fachberatung im Forum der BVSS, haben Ihre Anfrage zur Kenntnis genommen und arbeiten derzeit an der Antwort. Innerhalb der nächsten Tage wird diese dann hier im Forum eingestellt werden.
Mit hochsommerlichen Grüßen
Claudia Tasch
Claudia Tasch, Logopädin
Fachberatung der BVSS

Bettina
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Re: knapp 5-jähriger stottert - worauf achten?

Beitrag von Bettina » 21. Juli 2010 05:32

Guten Tag an Vitamin,

wir von der Fachberatung sind Google auch dankbar, dass Sie recht flott auf uns aufmerksam wurden. Sicherlich haben Sie beim Surfen im Forum oder auch auf den Internetseiten der Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe (www.bvss.de) schon einiges Wissenswertes finden können.
Trotzdem ist es gut, dass Sie sich auch persönlich an uns gewandt haben, weil uns das die Möglichkeit gibt, Ihnen auch ganz persönlich einige Hilfestellungen zu geben.

Die letzten beiden Monate waren für Ihren Sohn hinsichtlich des Sprechens ja unerwartet aufregend und sowohl für ihn als sicherlich auch für die gesamte Familie phasenweise besorgniserregend.
Ihre Reaktionen waren genau richtig. Sie haben Ihr Kind ernst genommen, als es sich Ihnen anvertraut hat und natürlich geht der erste Weg zum Kinderarzt. Auch dort sind Sie bei der Kinderärztin auf offene Ohren gestoßen. Weil Kinderärzte mit so vielen verschiedenen kindlichen Gesundheits- und Entwicklungsproblemen zu tun haben und auch immer Ihr Budget im Auge behalten müssen, gibt es leider immer wieder Fälle, wo unflüssig sprechende Kinder und ihre sich sorgenden Eltern vertröstet werden – und dann kann wertvolle Zeit verloren gehen. Bei Ihnen jedoch sind die richtigen Worte seitens der Kinderärztin gefallen: der Junge leidet unter seinen Unflüssigkeiten und daher wäre es gut, sich professionelle Hilfe zu holen.
So sehen wir von der Fachberatung das auch. Man sagt: sind die Unflüssigkeiten mit Anstrengung verbunden und leidet das Kind spürbar und machen die Eltern sich Sorgen, ist Hilfe von außen sinnvoll. Das muss ja nicht gleich eine intensive Therapie sein, manchmal ist schon mit einer fachlich guten und ausführlichen Beratung der Eltern und des kindlichen Umfelds (z.B. Kindergarten, weitere Bezugspersonen, Großeltern,…) erst einmal viel erreicht. Kennen sich Stottertherapeut und Familie dann besser, werde alle weiteren Schritte individuell geplant und auf Ihre Bedürfnisse und die Ihres Sohnes ausgerichtet.

Sie können im Beisein Ihres Sohnes offen über das Stottern sprechen, denn er weiß sowieso genau, dass mit seinem Sprechen etwas nicht stimmt. Indem Sie offen darüber sprechen und auch sagen, dass es vielen Kindern manchmal so geht, dass die Wörter nicht herauskommen wollen, nehmen Sie Druck von Ihrem Kind. Sagen sie ihm auch ruhig, dass es Menschen gibt, die helfen können und Sie diese Hilfe gerade organisieren. Er fühlt sich trotz seines unflüssigen Sprechens angenommen, was wichtig für seine Selbstsicherheit ist.

Sie haben auch die Auswahl des Therapeuten angesprochen. In der Tat eine wichtige Sache, denn nur ausgesuchte Logopäden oder Sprachheilpädagogen sind für eine gute Beratung und Therapie bei Unflüssigkeiten bzw. Stottern erfahren und ausgebildet genug. Ihr Sohn braucht einen Stottertherapeuten, der viele unflüssig sprechende Kinder behandelt und eines der beiden folgenden Therapiekonzepte für Kinder beherrschen sollte: KIDS bzw. Mini-KIDS von Patricia Sandrieser und Lidcombe (Tina Lattermann).
Über die BVSS und die von uns angebotene Telefonberatung können Sie sich eine Therapeutenliste organisieren, die Ihnen die Wahl erleichtern kann.
Haben Sie auch schon herausgefunden, dass die BVSS Flyer zu verschiedenen Themen des kindlichen Stotterns verschickt? Da gibt es welche mit den wichtigsten Infos, einen mit den meist gestellten Fragen zu Stottern und u.a. auch einen Flyer mit Tipps zur Therapeutensuche. Vielleicht interessiert sich auch der Kindergarten Ihres Sohnes für den einen oder anderen Flyer.
Falls Sie einen Ratgeber für Eltern in Buchform suchen, möchte ich Ihnen gerne „Mein Kind stottert – was nun?“ (ISBN-13: 978-3-921897-56-0) ans Herz legen.

Natürlich möchten Sie gerne wissen, was Sie sonst noch tun können. Sie sind auf jeden Fall schon auf einem guten Weg bezüglich der Organisation von vernünftiger und seriöser Hilfe. Zudem gibt es viele Möglichkeiten, Ihren Sohn im Alltag dabei zu unterstützen, sich aus den Unflüssigkeiten wieder herauszuarbeiten.
Ihn nicht korrigieren, wie Sie das schon in Ihrer Anfrage erwähnen.
Ihn in seinem Tempo aussprechen lassen, natürlichen Blickkontakt halten (so wie sonst auch immer), nicht das unflüssige Wort für ihn aussprechen.
Hat er einen Satz gestottert und es passt in die Gesprächssituation: wiederholen Sie den gestotterten Satz nochmals flüssig.
Ein Beispiel:
Ihr Sohn „Heute hat mir der A-a-a-adrian iiiiiim Sandkasten mit der Schaufel auf den K--------opf gehauen.“
Mutter/Vater: „Was? Im Sandkasten hat der Adrian dir die Schaufel auf den Kopf gehauen? Das ist aber nicht schön. Wo hat er dich denn am Kopf getroffen? (…)“
So verarbeitet das Gehirn Ihres Sohnes den Satz nicht nur gestottert, sondern kann sich auch noch mal die flüssige Variante anhören, womit der gestotterte Eindruck abgemildert wird und er unbewusst lernt, wie der Satz flüssig geklungen hätte.
Ihre persönlichen Gesprächsregeln innerhalb der Familie bleiben erhalten und gelten weiterhin für jeden.
Hat Ihr Sohn Spaß am Singen? Dann viel singen. Oder auch Reime, kleine Verse sprechen und damit spielen. Auch mal Quatsch mit dem Sprechen machen. Manche Kinder lieben in dem Alter z.B. Quatschreimwörter (Frosch - Posch, Qualle - Ralle, trinken – pinken,…).
Die Flyer und das Ratgeberbuch geben noch mehr Tipps dieser Art.
Bei der BVSS gibt es Malbücher für Kinder, die sensibel auf das Thema eingehen und eine gute Gesprächsbasis bieten.
Oder warum nicht eines der von der BVSS angebotenen Seminare für Eltern besuchen?

Sie sehen schon: auch wenn das Thema neu für Sie ist: alleine sind Sie nicht und die Möglichkeiten von Hilfe und Information sind breit gefächert.
Sollten Sie weitere Fragen haben, dann scheuen Sie sich nicht, wieder mit uns Kontakt aufzunehmen.

Für den weiteren Weg wünschen wir Ihrem Sohn und der gesamten Familie alles Gute.

Bettina

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