Suche Hilfe!

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Damian
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Suche Hilfe!

Beitrag von Damian » 1. September 2010 18:42

habe schon im Schule Bereich gepostet aber ich denke hier past das auch sehr gut rein!
hoffe das ist ok.

Mein Name ist Damian, ich bin 16 jahre alt nd in der 10. Klasse eines berliner Gymnasiums.
Ich stottere schon mein ganzen Leben und habe auch schon Behandlungen gemacht die leider nicht wirklich geholfen haben :(

Ich habe in letzer Zeit wieder ziemlich dolle Problem beim sprechen, sehr stark in dr Schule aber auch Privat.
Ich melde mich auch wenig da ich angst vor dem stottern habe.
ich stottere nicht abgehackt, sondern verkrampfe und spreche langgezogen (Beispiel: Hhhhhhhhhhhhhaus), das Wort will nicht kommen und das ist natürlich blöd wen man da 10 sek lang für 1 Wort braucht. :(

Ich wollte wissen ob ihr mir Tipops o.Ä. geben könnte wie ich entspannter reden kan oder mir atemtechniken erklären könntet!

Würde mich SEHR über Tipps freuen!

mfG Damian

Bettina
Fachberatung der BVSS
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Re: Suche Hilfe!

Beitrag von Bettina » 5. September 2010 10:33

Hallo Damian,

gerne werde ich Dir antworten. Weil ich ein dickes PC-Internetproblem erst am Dienstag behoben bekomme, bitte ich noch um etwas Geduld. Am Mittwoch oder Donnerstag wird meine Antwort in Forum zu lesen sein.

Bis dahin beste Grüße von Bettina

Bettina
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Re: Suche Hilfe!

Beitrag von Bettina » 8. September 2010 17:42

Hallo Damian,

es ist gut, dass du Dich bei der Fachberatung gemeldet hast, ich habe mir einige Dinge und Themen überlegt, die ich Dir gerne schreiben möchte und nun kann es mit repariertem PC losgehen.

Klar, dass Du Deinen Unmut über unerfolgreiche Behandlungen mit einem „ :( “ unterstreichst. Es ist auch frustrierend, wenn man die Zeit und die Mühe auf sich nimmt und an seinem Stottern arbeitet – und dann aus welchen Gründen auch immer klappt es nicht so, wie man sich das vorgestellt hat. Mit diesen Erlebnissen bist Du nicht alleine. Viele stotternde Menschen müssen diverse therapeutische Umwege in Kauf nehmen, bis sie eine Behandlungsmöglichkeit finden, die persönlich für sie gut passt. Jeder Mensch ist verschieden und nicht jede Therapie oder jeder Therapeut passt für jeden stotternden Menschen gleich gut. Was der eine toll findet hilft dem anderen nicht weiter und anders herum. Weil die Therapiemöglichkeiten so vielfältig sind und weil eben jeder (stotternde) Mensch anders ist – kommt es immer mal wieder zu frustrierenden Erfahrungen.
Nun hast Du aber einen neuen Schritt gewagt. Es kommt mir so vor, als hättest Du keine Lust, dem Stottern weiterhin so viel Raum und so viel Macht zu geben, wie es sich im Moment nimmt. Schule und Freizeit kannst du nicht mehr so gestalten, wie DU das möchtest – die Angst vor dem Sprechen dominiert Dein Verhalten. Klar, dass das nervt und ich finde es gut, dass Du etwas dagegen machen möchtest. Obwohl Du weißt, dass es Angebote gibt, die Dir persönlich nichts bringen, nimmst Du die Sache in die Hand und erkundigst Dich nach Möglichkeiten, wie Du Dir selbst helfen kannst oder wie Dir geholfen werden kann. Das ist wichtig. Man darf sich von schlechten Erfahrungen nicht zu sehr verunsichern lassen. Immer wieder neu Dinge versuchen erfordert sicher auch Energie, aber irgendwann findet sich ein für Dich passendes Konzept und dann ist es gut möglich, dass Du lernst, das Stottern besser in den Griff zu bekommen. Egal wie alt man ist: Stottern ist in jeder Lebensphase veränderbar und verbesserbar.

Du bittest in Deiner Anfrage um sehr konkrete Hilfe für entspannteres Sprechen und Atemtechniken. Das ist logisch: so wie im Moment kann es nicht weiter gehen, Du möchtest konkret etwas ändern.
Dennoch muss ich Dir sagen, dass es über diesen Weg und ohne dass ich Dich wirklich kenne schwierig ist, ganz konkrete Hilfen und Tipps zu geben. Das wäre Inhalt einer Stottertherapie bei einer Stottertherapeutin/einem Stottertherapeuten Deines Vertrauens, die/der Dich über die Zeit der Therapie persönlich kennen lernt und die/der dann auch die Entwicklung und den Erfolg solcher Tipps kontrollieren kann und sich gemeinsam mit Dir in einer richtigen Therapie ständig weiter entwickelt. Das kann eine Fachberatung hier im Forum leider nicht leisten. Klar fallen mir viele Dinge zu Deiner Situation ein, aber wenn ich Dir jetzt spezielle Tipps gebe, kann ich den Erfolg nicht kontrollieren und kann sie nicht an besondere Situationen anpassen und Du hast niemanden, mit dem Du Erfolg oder Misserfolg sinnvoll und persönlich besprechen kannst. Somit könnten meine Ideen für Dich wieder mit einem „ :( “ enden – und das ist nicht, was Du brauchst.

Aber, lieber Damian, so ganz mit leeren Händen musst Du nicht aus dieser Beratung gehen. Mir sind ein paar Dinge eingefallen, die Dich vielleicht auf Deiner Suche nach einer sinnvollen Betreuung weiter bringen.
Du schreibst, dass Du in Berlin lebst – eine große Stadt von der ich weiß, dass es eine gute Stottererselbsthilfe gibt – vielleicht sogar eine eigene Gruppe für Jugendliche Deines Alters. Aber selbst wenn das nicht der Fall ist: informiere Dich über die Berliner Stotterer-Selbsthilfegruppe, fass Dir ein Herz und nehme mit den Mitgliedern Kontakt auf und besuche sie in der Selbsthilfegruppe. Oft haben die dort gute Ideen zu Hilfstechniken, üben solche auch mal gemeinsam, können vielleicht sogar Therapeuten empfehlen und waren selbst alle mal in der Schule und haben sicher den einen oder anderen guten Tipp für den Unterricht.
Über die BVSS kommst Du auch an einen Menge guter Bücher und Filme zum Thema Stottern. Du kannst dort eine Liste zu allen Büchern und Filmen einsehen oder anfordern. Da gibt es auch Material für Leute, die sich selbst helfen wollen. Vielleicht bringt Dich ein Buch oder ein Film auf einen guten Weg und zurück zur Kontrolle des Stotterns und vor allem der Angst davor.
Und: weißt Du dass die BVSS auch Workshops für Jugendliche anbietet? Morgen z.B. beginnt ein 4-tägiger Workshop (Schulen stellen einen in der Regel für so etwas frei) für stotternde Jugendliche in Würzburg. Ich selbst habe bei Jugendlichen erlebt, wie viel das bringen kann. Besuche mal solch einen Workshop und profitiere von den Ideen der Leiter und den Erfahrungen gleichaltriger Jugendlicher, die in der gleichen oder ähnlichen Situation sind wie Du.
Und last but not least gibt es natürlich auch die Möglichkeit, dass Du einen neuen Versuch mit einer Therapie startest. Bitte bei jemandem, der sich nachweislich mit der Therapie stotternder Jugendlicher auskennt! Eine Therapeutenliste für Berlin kann eine erste Hilfe sein – die bekommst Du bei der BVSS. Interessant ist, dass Du für Dich ja in der Formulierung Deiner Frage an mich schon definierst, was eine für Dich gute und passende Therapie leisten sollte: Entlastung für den Schulalltag, Umgang mit der Angst vor dem Sprechen, Umgang mit Lehrern, Organisation der mündlichen Mitarbeit, vielleicht Nachteilsausgleich, Abbau der langen Dehnungen, sich mehr melden wollen, entspannter reden und stottern, besseres Management der Atmung dabei,….. Diese klaren Vorstellungen sind wichtig und wenn eine erneute Therapie ansteht, müssen letztendlich Deine Vorstellungen in der Therapie mit abgedeckt sein. Kläre vorher mit dem Therapeuten ab, ob er so arbeitet und ob er das kann. Dabei kann eine Selbsthilfegruppe vielleicht auch behilflich sein. Dort kennt man manchmal gute Therapeuten und empfiehlt sie gerne weiter.

Ich hoffe, du erkennst nun, dass es eine weite Palette an Möglichkeiten für Dich gibt, wie Du jetzt weiter kommen kannst. Bleib dran an der Sache – es werden sicher Zeiten kommen, in denen Du Dein Stottern besser als im Moment managen kannst. Es sollte wirklich nicht so viel Raum einnehmen. Nicht das Stottern sollte Dich beherrschen, sondern Du das Stottern. Dafür gibt es auch für Dich einen Weg und ich hoffe, ich konnte Dir auf der Suche danach trotz mangelnder konkreter Tipps etwas weiter helfen.

Alles Gute und viele Grüße von Bettina

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