Ich Stottere, 15 Jahre alt brauche dringend Hilfe..

Erst informieren - dann therapieren: Die telefonische Fachberatung der BVSS:
- donnerstags 17-20 Uhr und freitags 12-14 Uhr
- Durchwahl 0221 / 139 1106 (Festnetzgebühr)
Für Stotterer ist auch eine Beratung per E-Mail möglich (info@bvss.de), welche aber längere Bearbeitungszeiten haben kann.
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Lukas
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Ich Stottere, 15 Jahre alt brauche dringend Hilfe..

Beitrag von Lukas » 27. Oktober 2010 03:34

Hallo, ich bin neu hier.

Kommen wir zu meinem problem.
Also ich bin 15 jahre, männlich und stottere seit meinem 9 lebensjahr.
Nun das problem das ich habe, ich weiss grundsätzlich fast immer wenn ich rede das das darauf folgende wort ich nicht aussprechen kann
Kann das überhaupt sein das man das beim reden schon merkt ach das und das wort krieg ich nicht raus, so ist das bei mir. ich kann da dann nix machen führt immer zu einer blockade des wortes dann, egal ob ich nochmal lufthole vor dem wort oder nicht es kommt einfach nicht aus dem mund raus. kennt ihr das auch??

Außerdem ich weiß nicht wie das bei euch ist, aber wenn ich alleine bin und mit mir rede oder mir etwas vorlese laut stottere ich nie, nur wenn eine andere person im raum ist oder noch schlimmer wenns mehrere personen sind. Ist das bei euch auch so??

Dann mein hauptproblem ist eigentlich die permanente angst vo dem stottern, ich stottere nicht viel muss ich mal anmerken, aber immer habe ich angst zu stottern das es die menschen in meiner umgebung nicht mitbekommen das ich ein stotterer bin (großes problem in der schule) ich hab in der schule wirklich panik wenn ich lesen mussoder etwas vortrage muss kann dann den tag davor nicht mehr schlafe und mach mir ständig darüber gedanken. obwohl ich weiß das ich mich damit nur mehr verrückt mach , ich weiss ich sollt ruhig bleiben aber es geht nicht. was soll ich tun?? ich versuch auch immer wehement nicht zu stotter z.b. zu haus, meine eltern wissen das ich stottere ihnen macht es nichts aus aber wenn ich selbst dann mal in einem satz stottere (das regelmäßig vorkommt) bin ich immwer innerlich über mich unzufrieden und fühle mich zum teil als LOOSER und auch verloren. teilweise schwäze ich auch die schule (bin auf real, da ist der druck nochmal größer) um nicht referate oder nicht in der schule etwas vorzulesen und mach mich damit richtig kaputt. Obwohl ich weiss das ich mir meinen ängsten stellen muss. Was soll ich tun ?? bin verzweifelt.

Danke fürs durchlesen . Habt ihr einen rat für mich???

danke an alle

Claudia Tasch
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Re: Ich Stottere, 15 Jahre alt brauche dringend Hilfe..

Beitrag von Claudia Tasch » 28. Oktober 2010 00:17

Hallo Lukas,
es ist gut, den ersten Schritt gewagt zu haben und dich hier bei uns im Forum zu melden. Eine hoffentlich hilfreiche Antwort mit möglichst vielen guten Impulsen wird bis zum Wochenende hier eingestellt werden.
Beste Grüße
Claudia Tasch
Claudia Tasch, Logopädin
Fachberatung der BVSS

Claudia Tasch
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Re: Ich Stottere, 15 Jahre alt brauche dringend Hilfe..

Beitrag von Claudia Tasch » 4. November 2010 00:29

Lieber Lukas,

was mir vor allem anderen unter den Nägeln brennt, ist, Dir zu sagen, dass Du KEIN LOOSER bist!!!
In den folgenden Ausführungen möchte ich Dir erklären, WARUM DU KEIN LOOSER BIST, dass Angst vor dem Stottern nicht ungewöhnlich und erst recht nicht unnormal ist.

Aber vorher möchte ich mich kurz vorstellen: Mein Name ist Claudia Tasch, ich bin Logopädin (im Augenblick in Elternzeit) und stottere seit meinem 5. Lebensjahr selbst. D.h. ich stottere noch immer. Mal mehr, mal weniger, aber es ist immer da.
Auch ich hatte Angst vorm Stottern, und damit stehen wir beiden nicht allein.

Stell Dir vor, jemand ist im Keller im Dunkeln schon einmal gestolpert und dabei gefallen. Es ist ihm immer mal wieder passiert und jedes Mal hat es ganz schön weh getan. Der Lichtschalter ist aber so ungünstig angebracht, dass unser Freund erst ein kleines Stück im Dunkeln laufen muss, ehe er das Licht einschalten kann. Ist es da nicht verständlich, dass er ungern in den Keller geht? Dass er mit der Zeit Angst hat, in den Keller zu gehen – sich immer wieder weh zu tun? Und dass er seine Konserven oder was immer er eigentlich im Keller aufbewahrt, lieber im Erdgeschoss hinstellt, um den Weg in den Keller zu vermeiden?
Das ist durchaus nachzuvollziehen, oder??!!??

So entsteht Angst.

Und so ist im Prinzip auch Deine Angst vor dem Stottern, das bei Dir “immer mal auftrat”, entstanden.

Nur, dass Du nicht gestürzt bist und Dir körperlich weh getan hast, sondern dass Du Dich vielleicht anderen gegenüber geschämt hast. Vielleicht hat Dich in der Schule auch mal jemand gehänselt. Oder Du hast mündlich aufgrund des Stotterns nicht so gute Noten bekommen, wie Du eigentlich haben könntest. (…) Diese schlechten Erfahrungen in Bezug auf das Stottern prägen sich ein.
Da ist doch die Angst total nachvollziehbar!

Und das macht Dich genauso wenig zum Looser wie unseren imaginären Freund, der Angst vorm dunklen Keller hat! (...auch wenn der Vergleich vielleicht ein wenig hinkt ;-) )

Dass Du die Schule schwänzt, ist da wohl vergleichbar mit dem Nicht-in-den-Keller-Gehen, nur dass das Schwänzen schwerwiegendere Folgen nach sich zieht und Dich in Deinem Alltag wesentlich mehr einschränkt.

Deshalb ist es gut, dass Du den Mut aufbringst und hier bei der BVSS um Rat bittest.
Sicher ist die Online- Fachberatung hier im Forum nur der erste Schritt, dem weitere folgen sollten. Aber Du hast den ersten Schritt gewagt. Das ist toll! §dup


Du schreibst, dass Du eine Vorahnung Deiner Symptome hast, Du also meist schon vor dem Versuch, ein Wort zu sprechen, weißt, dass es gleich nicht gehen wird.
Nicht jeder, der stottert, hat solche Vorahnungen, und nicht jeder, der welche hat, hat sie auch vor jedem Stotterereignis. Das variiert und ist damit genauso individuell, wie es auch das Stottern eines jeden Stotterers ist. Denn: Jeder stottert anders. So verschieden die Menschen sind, so unterschiedlich ist auch ihr Stottern.
Deshalb ist es sehr schwierig, die richtigen Tipps auch an der richtigen Stelle anzubringen. Ich weiß letztendlich auch nicht, wie Dein Stottern wirklich ist; wie es sich anhört, wie stark es ist usw. Deshalb kann ich Dir nicht sagen, was Du konkret versuchen kannst zu tun, um mit Deinem Stottern besser klarzukommen, um ihm ein wenig den Schrecken zu nehmen. Denn es scheint ja Dein Leben schon ein ganzes Stück weit zu bestimmen.
Aber ich kann Dir Tipps geben, wohin Du Dich wenden kannst, um Hilfe zu bekommen, die Du, wie Du selbst sagst, dringend brauchst.

Zunächst gibt es die Möglichkeit, eine Stottererelbsthilfegruppe aufzusuchen. In großen / größeren Städten gibt es entsprechende Angebote. In manchen gibt es sogar eine Jugendgruppe. Ob es dies auch in der Deiner Nähe gibt, kannst Du auf der Homepage bvss.de nachlesen.
In diesen Selbsthilfegruppen kann man gut Erfahrungen austauschen. Ich habe damals mit 18 zum ersten Mal Kontakt zu der SHG in Berlin aufgenommen und war ganz erstaunt, wie viele Stotternde es gibt und wie offen man über das Thema sprechen kann. So bietet sich auch die Möglichkeit von Übungsgruppen in der SHG, u.a., vielleicht auch zum Angstabbau.
Viele Betroffene haben bereits Therapien hinter sich, die ihnen mehr oder weniger geholfen haben. Vielleicht kannst Du auf diesem Weg nähere Infos über Therapeuten in Eurer Region erhalten, vielleicht kann Dir ein Therapeut aus der Erfahrung heraus empfohlen werden.
Wichtig zu sagen ist, dass nicht jede Therapie, jeder Therapieansatz, auch jedem Stotterer hilft! Denn wie bereits oben erwähnt, ist jedes Stottern einzigartig und so muss jeder Stotternde für sich die richtige Therapie / den richtigen Therapeuten finden.
Auch zum Thema Schule können Dir die anderen Betroffenen sicher ihre Erfahrungen berichten und Dir hilfreiche Tipps geben.


Du beschreibst, dass Du Blockierungen hast, die Du vorhersagen kannst und wo keine Intervention, z.B. vorher nochmal Luftholen, hilft. Du bleibst trotzdem stecken. Die Frage ist, ob sich tatsächlich jede Vorahnung auch bewahrheiten würde. Was ich meine, ist, dass Du aus der Erfahrung heraus weißt, dass Du gleich stottern wirst, woraufhin sich Angst aufbaut, gleich zu stottern und diese Angst führt dann tatsächlich auch zum Stottern.
Wer weiß, was wäre, wenn Du zwar eine Vorahnung hättest, Du aber trotzdem angstfrei bleiben könntest? Vielleicht würde sich dann herausstellen, dass gar nicht alle Deine Vorahnungen auch wirklich zutreffen?!!?
Damit möchte ich Dir zeigen, dass es sinnvoll sein kann, sich mit dieser Angst, die entsteht, auseinanderzusetzen. Das ist ein langer Prozess, der mit therapeutischer Hilfe sicher etwas leichter ist, als allein im „Selbstversuch“. Deshalb möchte ich Dir ans Herz legen, einen Stottertherapeuten aufzusuchen, also jemanden, der sich wirklich mit Stottern auskennt. Die BVSS kann Dir Therapeuten in Deiner Region nennen, die den Schwerpunkt Stottern haben. Du kannst sie telefonisch erfragen.
Und Du entscheidest dann, ob Dir eine Beratung durch den Therapeuten ausreicht, ob Du eine Therapie beginnen möchtest und v.a. welche Therapie. Das kannst Du im Gespräch mit dem Therapeuten herausfinden. Eine gute, umfassende Beratung vor Ort ist sehr wichtig für das weitere Vorgehen!!!

Die BVSS kann Dir auch Infomaterial zuschicken, u.a. einen Flyer zur Therapeutenwahl, um wirklich an einen Stotterfachmann zu geraten. Es gibt auch Infomaterial für Jugendliche und Schüler und auch für Lehrer. Der Demosthenes Verlag bietet eine Menge Bücher an, vielleicht ist auch dort etwas für Dich dabei. Unter dem entsprechenden Link kannst Du auf der Homepage der BVSS stöbern und Dir auch eine Liste aller angebotenen Bücher, Videos und Flyer zuschicken lassen.

Die BVSS bietet auch eine telefonische Fachberatung an, wo du zunächst schon einmal individueller auf Dich zugeschnittene Infos erhältst. Das kann ein Dialog viel besser leisten als die Beratung hier im Forum. Die Telefonnummer findest Du am Ende dieser Antwort.

Eine weitere Möglichkeit ist die Teilnahme an einem Jugendseminar, das die BVSS anbietet. Infos dazu erhältst Du über die Geschäftsstelle.


Abschließend möchte ich noch Deine Frage aufgreifen, ob es “normal” sei, für sich allein nicht zu stottern, in Anwesenheit anderer Personen aber schon.
Ja, das ist ganz häufig so. Wenn man allein ist, ist man meist entspannter. Es hört ja niemand zu, es urteilt keiner. Das macht eine Menge aus und geht fast allen Betroffenen so. Auch wenn jemand, der stottert, mit Tieren oder kleinen Kindern spricht, ist es ganz häufig so, dass das Stottern sich wesentlich weniger zeigt.
Und so entsteht nämlich oft der Trugschluss bei Zuhörern, die denken, der Stotternde müsste sich doch eigentlich nur anstrengen, nicht zu stottern, den sprechen kann er doch eigentlich.
Ja, natürlich können wir sprechen!!! Es gibt eben nur Situationen für uns, in denen das Sprechen nicht einfach so läuft! Denn Stottern ist oft situationsabhängig, wie Du ja selbst beschreibst...


Wusstest Du, dass Dir in der Schule ein Nachteilsausgleich zusteht??? Auf der Homepage der BVSS unter dem Link 'Interessenvertretung/Recht' im Hauptmenü kannst Du Dich darüber ausführlich informieren. So kannst Du - auch mit Unterstützung Deiner Eltern oder Deines Therapeuten - mit Deinen Lehrern eine Regelung finden, die es Dir erleichtert, in die Schule zu gehen (und nicht Referate o.ä. schwänzen zu müssen) und es den Lehrern erleichtert, Dich fair zu benoten.

Lieber Lukas, ich hoffe, ich konnte Dir ein wenig weiterhelfen. Wenn Du weitere Fragen hast, kannst Du Dich gern wieder an uns wenden!

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Geschäftsstelle der BVSS:
Telefonnummer 0221 - 139 11 06 oder 139 11 07

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immer donnerstags von 17 – 20 Uhr und freitags von 12 – 14 Uhr (außer an Feiertagen)
Claudia Tasch, Logopädin
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