Thema vom 08.01.10 "Ich bin kein Stotterer aber ich stottere

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Jules

Thema vom 08.01.10 "Ich bin kein Stotterer aber ich stottere

Beitrag von Jules » 26. Februar 2011 22:25

Hallo,

ich habe mit Interesse den Thread gelesen, besonders die Antwort fand ich sehr differenziert, besonders weil die Frage relativ kurz war. Ich wusste garnicht, dass so dermaßen viel hinter so wenigen Worten stecken kann, ich mein soviel Bedeutung.
Naja wissen tue ich das schon, man sagt ja dass 95% der Kommunikation nonverbal sei.

Jedenfalls erkenne ich mich sehr darin wieder. Nun habe ich auch den Film "The Kings speech" gesehen und beschäftige mich seither gedanklich (wieder) mit meinem Stottern.
Ich bin neugierig geworden und habe mal im Internet nach Foren gesucht. Vielleicht sollte ich ja mal einen Logopäden o.Ä. aufsuchen, wobei ich da auch nicht wüsste, wo ich mit der Suche anfangen soll.

Bei mir ist es so, dass ich als Kind mit ca. 3-4 Jahren gestottert habe. Ich weiß es noch aus Erzählungen, ich selbst erinnere mich daran, dass ich meine Worte und Gedanken durcheinandergebracht habe. Ich habe damals eine Spieltherapie gemacht und ich glaube ich war auch beim Logopäden.
Ich stottere heute grundsätzlich sehr wenig, d.h., wenn es um ein Thema geht, was mich berührt, dann stottere ich und wenn ich vor vielen Menschen sprechen soll, dann bekomme ich Angst und "könnte" stottern, was ich aber wie gesagt selten tue, weil ich es relativ gut kaschieren kann. Ich ziehe das Thema einfach anders auf, indem ich es für mich nicht so brisant mache. Dann ist es zwar langweiliger, aber ich muss mich nicht zeigen. In der Schule früher, habe ich auch einfach aus Angst nichts gesagt, was sich dann natürlich nicht so gut auf meine Noten ausgewirkt hat.

Mein Stottern ist auch seltsam, weil es sich nicht wie Stottern anhört, finde ich zumindest. Ich merke das schon so früh, dass ich drumrumreden kann, bevor es jemand merkt. Ich stocke manchmal bei Wörtern, das merkt aber keiner weil ich einfach ein anderes Wort sage oder nichts sage. Manchmal fühlt es sich wie eine Lähmung im Kehlkopf an, als wenn ich zuviel geredet habe und sich die Muskeln verkrampfen.

Ich weiß auch nicht..... ich finde den Gedanken interessant, dass durch das Stottern bestimmte Persönlichkeitsanteile nicht zeigen, oder anders und verändert zeigen und ich will eigentlich authentisch rüberkommen. Das belastet mich schon sehr.

Könnt ihr mir vielleicht Jemanden in München empfehlen oder eine Beratungsstelle zu der ich gehen könnte?

LG Julia

Bettina
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Re: Thema vom 08.01.10 "Ich bin kein Stotterer aber ich stot

Beitrag von Bettina » 28. Februar 2011 02:22

Hallo Julia,

wir (Claudia und Bettina) haben Deine Anfrage bekommen und werden im Laufe dieser Woche antworten.

Mit vielen Grüßen,

Bettina

Claudia Tasch
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Re: Thema vom 08.01.10 "Ich bin kein Stotterer aber ich stot

Beitrag von Claudia Tasch » 13. März 2011 22:43

Liebe Julia,
leider hat es nun doch etwas länger gedauert, bis Sie endlich Ihre Antwort erhalten. Das tut mir wirklich leid. Ich hatte technische Probleme; manchmal steckt der Teufel im Detail. Aber nun zu Ihrer Antwort.

So wie Sie es beschreiben, lassen Sie es meist gar nicht dazu kommen, dass jemand Ihr Stottern zu hören bekommt. Ihre Strategie scheint vielmehr darin zu bestehen, das Stottern durch Wort- oder Satzumstellungen zu vermeiden. Dies scheint aufgrund der Vorahnung, dass Sie gleich stottern werden, ganz gut zu klappen. Sie schreiben auch, dass Sie den Themen die Brisanz nehmen, das Thema „langweiliger“ gestalten, um das Risiko, stottern zu müssen, zu vermindern. Das alles hört sich ganz schön anstrengend an!

Und – Sie haben durchaus Recht – es klingt, als ob Sie in diesen Situationen gar nicht richtig sich selbst zeigen können. Ein Teil Ihrer selbst – der aufregende, spontane Teil??? - bleibt verborgen. Das ist schade, denn so kann es tatsächlich zu Fehleinschätzungen Ihrer Person kommen. (Wer will schon gerne langweilig sein?)

Deshalb ist es gut, dass Sie sich von dem Beitrag aus dem Januar 2010 angesprochen fühlen und sich nun so Ihre Gedanken machen. Manche Dinge laufen nämlich oft einfach so unbeachtet nebenher, und weil sie ja offensichtlich funktionieren, stellt man sie nie in Frage. Doch genau das tun Sie jetzt. Und das ist gut!

Wie schon im Beitrag vom letzten Jahr dargestellt, ist es wichtig, dass Sie sich an Therapeuten wenden, die sich wirklich mit dem Stottern auskennen, die sich darauf spezialisiert haben. Seit wenigen Monaten haben Sie die Möglichkeit, sich auf der Homepage der BVSS direkt Therapieadressen aus Ihrer Region herauszusuchen. Alle Therapeuten, die Sie dort finden, haben sich in die Liste eintragen lassen, weil Stottern zumindest einer ihrer Behandlungsschwerpunkte ist. Da das Angebot an Therapiekonzepten sehr groß ist, können natürlich nicht alle Therapeuten alle Konzepte anbieten. Deshalb ist es für Sie sinnvoll, sich vorher schon einmal zu informieren, welche Ansätze und Konzepte es gibt. Treffen Sie für sich selbst eine Vorentscheidung, welche Ansätze und Konzepte Sie sich für sich selbst vorstellen könnten und welche Ihnen nicht zusagen.
Dafür haben Sie u.a. folgende Möglichkeiten:
- Hier im Forum der Fachberatung können Sie beim Stöbern durch die “alten Anfragen” erste Infos finden.
- In der telefonischen Fachberatung der BVSS (siehe unten) können Sie im direkten Gespräch mit einer Fachberaterin einzelne Ansätze in Bezug auf Ihre Situation näher beleuchten und sich informieren.
- Außerdem erscheint in den nächsten Tagen die Neuauflage des Therapieratgebers der BVSS im Demosthenes-Verlag, in dem übrigens nicht nur rein sprachtherapeutische und logopädische Ansätze vertreten sind.

Mit der so vielleicht schon getroffenen Vorauswahl können Sie dann Therapeuten aus der Therapeutenliste der BVSS anrufen und schon gleich erfragen, ob und in welcher Form sie die Ansätze, die Ihnen zusagen, anbieten oder nicht. Auch unter http://www.ivs-online.de, auf der Homepage der Interdisziplinären Vereinigung der Stottertherapeuten e.V., finden Sie eine Therapeutenliste. Bei der ivs können sich Therapeuten unter bestimmten Kriterien zum Stottertherapeuten (ivs) zertifizieren lassen.
Generell sollte Ihnen jeder gute Stottertherapeut nach erfolgter Diagnostik in einem Beratungsgespräch mögliche therapeutische Ansätze erläutern und mit Ihnen gemeinsam überlegen, welcher sich für Sie gut eignen könnte. Ihre Entscheidung sollte dann auf jeden Fall nicht therapeutenabhängig sein.
Nun möchte ich noch kurz auf eine Ihrer Beschreibungen eingehen. Sie schrieben: “Manchmal fühlt es sich wie eine Lähmung im Kehlkopf an, als wenn ich zuviel geredet habe und sich die Muskeln verkrampfen.” Blockierungen auf Kehlkopfebene sind tatsächlich kleine Muskelkrämpfe, die unterschiedlich lang dauern und unterschiedlich stark ausgeprägt sein können.

Ich hoffe, das Warten auf die Antwort hat sich für Sie gelohnt. Sollten Sie weitere Fragen haben, können Sie gern eine neue Anfrage hier im Forum einstellen. Dann geht es bestimmt auch schneller mit der Antwort!

Alles Gute auf Ihrem Weg, sich selbst zu zeigen, wünscht Ihnen
Claudia Tasch
Claudia Tasch, Logopädin
Fachberatung der BVSS

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