Eine Intensivtraining-Vorstellung bei JAKO-O-Wirbelwind

Erst informieren - dann therapieren: Die telefonische Fachberatung der BVSS:
- donnerstags 17-20 Uhr und freitags 12-14 Uhr
- Durchwahl 0221 / 139 1106 (Festnetzgebühr)
Für Stotterer ist auch eine Beratung per E-Mail möglich (info@bvss.de), welche aber längere Bearbeitungszeiten haben kann.
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Eine Intensivtraining-Vorstellung bei JAKO-O-Wirbelwind

Beitrag von transit » 29. Dezember 2011 20:41

Hallo,

soeben las ich im Familienmagazin "Wirbelwind" des sehr bekannten Versandhandels JAKO-O eine ausführliche Vorstellung eines Trainings gegen Stottern im Kindes- und Jugendalter.

Hier der Link zum online-Artikel.

Ist dieses Training aus eurer Sicht zu empfehlen ?

Bettina
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Re: Eine Intensivtraining-Vorstellung bei JAKO-O-Wirbelwind

Beitrag von Bettina » 10. Januar 2012 01:22

Guten Tag,
wir freuen uns über Ihre Anfrage und wir kennen den von Ihnen beschriebenen Beitrag, mit dem wir uns innerhalb der BVSS und dem Fachberaterteam auch schon beschäftigt haben. Bis spätestens Donnerstag dieser Woche habe ich alles zusammengetragen und dann wird auch ein Beitrag dazu an dieser Stelle zu lesen sein. Wir bitten die etwas längere Bearbeitungszeit zu entschuldigen, das sind noch die "Nachwehen" der Weihnachtszeit, des Jahreswechsels und der Ferien.
Bis Donnerstag und beste Grüße von Bettina

Bettina
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Re: Eine Intensivtraining-Vorstellung bei JAKO-O-Wirbelwind

Beitrag von Bettina » 13. Januar 2012 02:29

Liebe/r transit,

wir von der Fachberatung der BVSS erachten das Stottertraining von Sabine Kloiber als nicht empfehlenswert. Wir stützen uns mit dieser Einschätzung auf den von Ihnen erwähnten Artikel bei JAKO-O und auf Frau Kloibers Internetauftritt. Wir kennen Frau Kloiber nicht persönlich und haben auch nicht persönlich mit ihr gesprochen.
Im Folgenden möchten wir begründen, warum wir die von Frau Kloiber angebotene Therapie (so wie sie im JAKO-O-Artikel und auf ihrer Homepage vorgestellt wird) eher kritisch sehen.
- Wir haben nichts über ihre Qualifikation gefunden. Ist sie Logopädin oder Sprachheilpädagogin oder etwas Ähnliches? Auch wer „nur“ das eine „Störungsbild“ Stottern behandelt, benötigt unserer Meinung nach fundiertes Allgemeinwissen aus den Bereichen Sprachheilpädagogig und/oder Logopädie.
- Mit 8 bis 10 Tagen ist die Behandlungsdauer sehr kurz. Um Begleitreaktionen wie Mitbewegungen (Augenzwinkern, Kopfnicken, Gesichtsverkrampfungen, ...), Ersatzwörtersuche, Floskelverwendung, etc. erfolgreich abzubauen, ist diese Zeitspanne zu kurz.
- Im JAKO-O-Artikel werden einige Fallbeispiele genannt und dabei wird berichtet, dass es eine logopädische Therapie gab, die nichts gebracht hat. Das kommt rüber, als müssten die Eltern von stotternden Kindern die Konsultation einer Logopädin / eines Logopäden meiden wie der Teufel das Weihwasser. Und das ist so nicht korrekt. Eine Vielzahl von SprachheilpädagogInnen und LogopädInenn ist für eine Stottertherapie gut qualifiziert. Gut qualifiziert ist, wer sich nach seiner Ausbildung zum Thema der Behandlung stotternder Kinder und Jugendlicher intensiv fortgebildet hat.

Zusätzlich fügen wir noch die

„Erklärung der BVSS zu unqualifizierter Stottertherapie und irreführenden Heilsversprechen“

ein:

1. Nach wie vor ist unser Wissen über die Ursachen des Stotterns unvollständig.
2. Hilfe suchende Betroffene treffen auf eine kaum noch überschaubare Fülle verschiedenster Behandlungsansätze.
3. Manche Behandlungsansätze werben durchaus aggressiv mit dem Versprechen einer raschen vollständigen Heilung vom Stottern. Es kommt leider immer wieder vor, dass Medien diese Heilsversprechen aufnehmen und unkritisch verbreiten.
4. Bislang gibt es für wenige Behandlungsansätze klare wissenschaftlich fundierte Wirksamkeitsnachweise. Die Unterscheidung seriöser und unseriöser Therapien fällt dem Laien oftmals schwer.
5. Deshalb hat die Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe als einzige bundesweite unabhängige Vertretung stotternder Menschen zusammen mit den Fachverbänden „Merkmale einer guten Stottertherapie“ zusammengestellt. Diese beraten Hilfe suchende Betroffene und erlauben es, angesichts der Fülle der angebotenen Therapien die Spreu vom Weizen zu trennen.
6. Wir nehmen dies zum Anlass, auf Folgendes nochmals hinzuweisen:
o Nicht alle Anbieter von Stottertherapien sind ausgebildete Logopäden, Sprachtherapeuten
oder Ärzte.
Unser Rat: Bitte hinterfragen Sie kritisch, über welche fachliche Qualifikation ein
Anbieter von Stottertherapie verfügt.
o Stottern lässt sich zwar mit einfachen Änderungen der Sprechweise rasch vermindern, diese können deshalb kurzfristig eine Heilung vorgaukeln. Sie sind jedoch bei den allermeisten Betroffenen in der Regel langfristig für den Alltag ungeeignet.
Unser Rat: Seien Sie bitte skeptisch bei einstufigen Therapieangeboten, die sich auf
das kurzfristige Einüben bestimmter Techniken beschränken.
o Nach aller Erfahrung braucht eine qualifizierte Stottertherapie für langfristigen Erfolg eine
Dauer von vielen Wochen bis Monaten.
Unser Rat: Bitte seien Sie bei dem Versprechen von Wunderheilungen innerhalb
weniger Tage sehr vorsichtig.
o Das Problem aller Stottertherapien ist die langfristige Umsetzung des Erlernten im Alltag.
Rückfälle in alte Sprech- und Verhaltensmuster sind eher die Regel als die Ausnahme.
Entscheidend ist daher in einer guten Stottertherapie die Qualität und Dauer der Nachsorge
nach Beendigung der eigentlichen Therapie.
Unser Rat: Bitte hinterfragen Sie kritisch, ob und wie die Nachsorge bei einem Anbieter
von Stottertherapie ausgestaltet.

Wir hoffen, mit diesen Einschätzungen etwas Klarheit geschaffen zu haben und senden beste Grüße,
Bettina

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