Welche Therapie ist für mich am geeignetsten?

Erst informieren - dann therapieren: Die telefonische Fachberatung der BVSS:
- donnerstags 17-20 Uhr und freitags 12-14 Uhr
- Durchwahl 0221 / 139 1106 (Festnetzgebühr)
Für Stotterer ist auch eine Beratung per E-Mail möglich (info@bvss.de), welche aber längere Bearbeitungszeiten haben kann.
Gesperrt
Mogel

Welche Therapie ist für mich am geeignetsten?

Beitrag von Mogel » 17. März 2012 10:17

Hallo zusammen,

ich bin seit meinem 5. Lebensjahr Stotterer und mittlerweile schon etwas älter.

Im Laufe der Zeit habe ich schon einiges probiert um mein Stottern zu bekämpfen (Logopäde, Sprachheilschule, Del Ferro etc.), geholfen hat mir bis jetzt leider noch nichts.

Wenn ich das richtig sehe, gibt es wohl zwei Ansätze (die helfen) das Stottern zu bekämpfen. Van Riper Methode (Andreas Starke und co.) und die Kasseler Stottertherapie.

Könnt ihr mir die größten Unterschiede zwischen dieses beiden Therapien erklären?
Gibt es noch andere Therapieformen die helfen?
Kann mir jemand einen guten Therapeuten in Karlsruhe empfehlen?

Vielen Dank für die Information.

Bettina
Fachberatung der BVSS
Fachberatung der BVSS
Beiträge: 103
Registriert: 5. Oktober 2007 01:27

Re: Welche Therapie ist für mich am geeignetsten?

Beitrag von Bettina » 19. März 2012 13:16

Liebe/r Ratsuchende/r,
wir von der Fachberatung haben ihre Anfrage erfasst und werden uns noch vor Freitag mit einer Antwort über das Forum bei Ihnen melden.
Mit besten Grüßen,
Bettina

Bettina
Fachberatung der BVSS
Fachberatung der BVSS
Beiträge: 103
Registriert: 5. Oktober 2007 01:27

Re: Welche Therapie ist für mich am geeignetsten?

Beitrag von Bettina » 25. März 2012 03:34

Liebe/r Ratsuchende/r,
erst einmal möchte ich mich entschuldigen, dass die Antwort länger auf sich hat warten lassen wie versprochen – aber nun liegt sie vor und ich hoffe, sie ist von Nutzen.
Viele stotternde Menschen müssen und/oder möchten mehr als einmal in ihrem Leben den Mut, die Zeit und die Kraft für eine Therapie aufbringen. Und dann benötigt man ja auch nach der Therapie noch viel Mut, Zeit und Kraft, um die in der Therapie gelernten Inhalte sicher in sein Alltagsleben einfließen zu lassen. Übrigens kann es dabei von großem Nutzen sein, wenn man Mitglied einer Stotterer-Selbsthilfegruppe ist. In Karlsruhe gibt es eine Selbsthilfegruppe, im Internet unter www.stottern-karlsruhe.de zu finden. Um sich auszutauschen, um die Sprechtechniken zu trainieren und um Sicherheit beim Sprechen aufzubauen ist die Selbsthilfegruppe neben einer sinnvollen Therapie eine wichtige Säule.
Außerdem gilt: egal wie alt man ist: Stottern ist in jeder Lebensphase und mit jedem Lebensalter veränderbar und auch verbesserbar.
In Ihrer Anfrage haben Sie schon 2 wichtige Säulen vernünftiger Stottertherapie erwähnt:
Zum einen ist das der „Non-Avoidance-Ansatz“ (Stottermodifikation), der von Charles van Riper entwickelt wurde und zum anderen ist das der „Fluency-Shaping-Ansatz“ (Sprechmodifikation). Die Ansätze unterscheiden sich vor allem hinsichtlich der zu lernenden Sprechtechnik.
Beim Fluency-Shaping verwendet man die Sprechtechnik immer bei jedem Wort, das man spricht. Es wird die Sprechflüssigkeit gefördert, es soll möglichst kein Stottern mehr durch kommen. Bei einer reinen Fluency-Shaping-Therapie wird nicht viel Zeit dafür verwendet, mit dem Klienten über Schwankungen in der Stärke des Stotterns oder über Rückfälle (die übrigens die Regel sind!) zu sprechen.
Beim Non-Avoidance erlernt man auch eine Sprechtechnik, diese kommt aber nicht generell zu Einsatz sondern nur dann, wenn Stottern auftritt. Was man flüssig spricht, spricht man wie sonst auch gewohnt. Bei diesem Ansatz wird über Schwankungen in der Stärke des Stotterns und über Rückfälle gesprochen.
Dies sind wirklich nur die groben Unterschiede. Sicher gibt es Anbieter, die für ihr eigenes Konzept Elemente aus beiden Ansätzen verwenden. Das ist möglich, nur eben bei der Sprechtechnik muss man sich für eine der beiden Möglichkeiten entscheiden.
Mit dem Buch „Therapie des Stotterns“ von Michael Decher , das über die BVSS oder den Buchhandel (ISBN 978-3-921897-62-1) erworben werden kann, kann man sich nicht nur über die beiden oben erwähnten Ansätze informieren, sondern auch einiges über weitere Methoden zur Stotterbehandlung erfahren.
Im Rahmen meines Engagements innerhalb einer Selbsthilfegruppe hatte ich einmal ein interessantes Gespräch mit einem Betroffenen, dem der Individualpsychologische Ansatz geholfen hat. Dieser Ansatz spiegelt eine ganz andere Methode wieder und geht davon aus, dass Stottern auch ein zielgerichtetes Verhalten sein kann, um z.B. Konflikten oder Aufgaben oder Verantwortung auszuweichen. In der Therapie geht es dann auch vor allem um das Erkennen dieser Verknüpfungen und um die Stabilisierung von Selbstwertgefühl und Selbstsicherheit. Dieser Ansatz wird häufig kritisch gesehen, weil er ja im Grunde genommen sagt, das der Stotternde einen Gewinn aus dem Stottern zieht und für die meisten Betroffenen ist das blanker Unsinn.
So hilft dem einen das und dem anderen das – jeder muss seinen Weg finden und egal welcher das ist: entscheidend ist nicht nur die Methode, sondern auch ein guter und erfahrener Stottertherapeut, der einem die Dinge beibringt und zu dem man Vertrauen aufbaut.
Vorsicht bei Therapieformen, die nur mit Entspannung oder nur mit Atmung arbeiten, Vorsicht bei Methoden, die Hypnose einbeziehen und Vorsicht ist auch geboten bei Anbietern, bei denen man ausschließlich selbst schuld ist, wenn es nicht den gewünschten Erfolg bringt.

Hoffentlich haben diese Impulse Ihren Nerv getroffen – falls sich für Sie weitere Fragen ergeben, können Sie uns gerne wieder kontakten.

Die BVSS hat eine Therapeutenliste, die Sie über die telefonische Fachberatung Donnerstags von 17 bis 20 Uhr und Freitags von 12 bis 14 Uhr unter der Nummer 02211391108 erbeten können. Falls Sie nicht telefonieren möchten, können Sie alternativ auch die BVSS anmailen.

Nun bleibt mir noch, Ihnen von Herzen viel Erfolg zu wünschen!
Ihre Bettina

Gesperrt

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast