Behandlungsmethoden

Erst informieren - dann therapieren: Die telefonische Fachberatung der BVSS:
- donnerstags 17-20 Uhr und freitags 12-14 Uhr
- Durchwahl 0221 / 139 1106 (Festnetzgebühr)
Für Stotterer ist auch eine Beratung per E-Mail möglich (info@bvss.de), welche aber längere Bearbeitungszeiten haben kann.
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rike

Behandlungsmethoden

Beitrag von rike » 6. August 2012 15:24

Liebe BeraterInnen, liebe Forenmitglieder

auf der Suche nach einer Selbsthilfegruppe bin ich auf die Aktivitäten des Vereins aufmerksam geworden.
Seit einiger Zeit suche ich nach Beratung bzw. Tipps zu qualifizierten Therapeuten im Ruhrgebiet.
Mein Bruder stottert und hat bereits erfolrgreich eine Logopädin besucht, die Ergebnisse sind letztlich im Bereich Anamnese und kognitivem Verhalten geblieben. Die Logopädin hat ihm sehr geholfen und nun suche ich weiter nach einem geeigneten Therapeuten.
Meine Fragen:
1.Welche Behandlungsmethode ist sinnvoll für Erwachsene?
2.Wer kann mir eine Liste der Therapeuten schicken?
3.Wie ist die Arbeitsmethodik der Modernen Sprechverhaltenstherapie?
4.Welche Erfahrungen haben Sie/ habt ihr mit Blockseminaren am Wochenende gemacht? Sind diese eine Alternative für Berufstätige zur klassischen Therapie?
5. Welche Intensivseminare sind empfehlenswert?

Ich freue mich auf Rückmeldungen!

Claudia Tasch
Fachberatung der BVSS
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Re: Behandlungsmethoden

Beitrag von Claudia Tasch » 12. August 2012 22:11

Liebe Rike,
vielen Dank für die Anfrage. Wir, das Fachberaterteam, haben sie erhalten und werden einige Tage brauchen, um sie zu beantworten. Vielleicht können Sie die Zeit vorab schon einmal nutzen und in alten Beträgen hier im Forum der Fachberatung stöbern. Dort sind schon einige Informationen zu finden, die zu Ihren Fragen passen.
Beste Grüße, Claudia Tasch

PS: Auf Anfragen hier unter "Fachberatung" können auch nur Mitglieder des Fachberatungsteams antworten. Für Erfahrungsaustausch mit anderen Forenmitgliedern nutzen Sie bitte die anderen Foren! :wink:
Claudia Tasch, Logopädin
Fachberatung der BVSS

Bettina
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Re: Behandlungsmethoden

Beitrag von Bettina » 31. August 2012 00:13

Liebe Rike,
vielen Dank nochmals für Ihre konkreten Fragen, die wir Ihnen nun beantworten möchten.
Die Idee, als Stotternder eine Selbsthilfegruppe zu besuchen, können wir nur begrüßen. Dabei ist es unwichtig, ob man schon einmal eine Therapie gemacht hat oder nicht. Genauso unwichtig ist es, wie gut oder weniger gut jemand im Moment spricht. Viele Stottertherapeuten leisten in den Therapien gute Arbeit. Doch die Chancen und Möglichkeiten, die mit dem Besuch einer Stotterer-Selbsthilfegruppe (SHG) verbunden sind, können eine Therapie exzellent ergänzen . In der SHG kann immer wieder der Alltag geprobt werden, man kann erzählen, was einen bedrückt und wo es mit dem Sprechen nicht gut und wo es gut geklappt hat. Man kann gemeinsam Sprechtechniken anwenden und üben - und das in einem „geschützten Raum“ unter Gleichgesinnten. Man kann sich darüber austauschen, welche Therapeuten und welche Ärzte eine gute Betreuung anbieten. Mut und Selbstvertrauen können im Kontakt und bei gemeinsamen Unternehmungen wachsen.
Die Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe (BVSS) bringt neben vielen anderen Aktivitäten auch alle Selbsthilfegruppen sozusagen „unter ein Dach“. Die BVSS weiß auch, welche Selbsthilfegruppen es zur Zeit im Raum Ruhrgebiet gibt und hilft Ihnen gern mit entsprechenden Informationen.
Sie berichten, dass Ihr Bruder schon Therapie gemacht hat. Wenn wir Sie richtig verstanden haben, wird überlegt, ob er nicht noch eine Therapie machen soll. Wenn er dazu Lust hat und motiviert ist, ist dagegen nichts zu sagen. Stottern ist in jedem Lebensalter veränderbar und auch verbesserbar.
Die BVSS führt Therapeutenlisten, die die Suche nach einem geeigneten Stottertherapeuten vereinfachen können. Sie können diese bei der telefonischen Fachberatung der BVSS erbeten. Diese Fachberatung ist unter der Telefonnummer 02211391108 immer Donnerstags von 17 bis 20 Uhr und Freitags von 12 bis 14 Uhr erreichbar. Wenn Sie dort Ihren Wohnort angeben, werden Ihnen Namen von TherapeutInnen zugeschickt. Man sollte dennoch die Qualifikation und Erfahrung dieser TherapeutInnen erfragen, aber es ist schon eine sehr gute „Vorauswahl“.

Nun zu Ihrer ersten Frage, welche Behandlungsmethode für Erwachsene sinnvoll ist. Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, denn jeder Mensch ist verschieden und der eine hat beispielsweise gute Erfahrungen mit der „non-avoidance-Methode“ nach Charles van Riper gemacht und ein anderer kann besser mit der Methode des „fluency-shaping“ sein Sprechen flüssig halten.
Neben diesen beiden großen Säulen der seriösen Stottertherapie gibt es noch beispielsweise die individualpsychologische Beratung oder Konzepte, die von Stotternden aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen entwickelt wurden und unzählige weitere Methoden, Therapiebausteine und Beratungen. Ihr Bruder muss für eine gute Therapie kein Geld ausgeben. Erprobte und erfolgreiche Methoden werden von den Krankenkassen übernommen. Es werden wöchentliche Termine angeboten oder auch Intensivtherapien mit Nachsorge, die man wochenendweise oder wochenweise besuchen kann.
Ihre zweite Frage nach der Therapeutenliste ist im ersten Teil der Antwort ja schon bearbeitet worden.
Ihre dritte Frage macht uns ehrlich gesagt Probleme, weil wir sie nicht ganz verstehen. Unter dem Schlagwort „Sprechverhaltenstherapie“ ist uns kein Therapiekonzept bekannt. Gute Stottertherapien haben aber schon einen großen Teil verhaltenstherapeutischer Elemente integriert. Das muss ja auch so sein, denn der Betroffene soll ja befähigt werden, sein Sprechverhalten zu verändern. Man muss „sein“ Stottern analysieren und sehr genau kennen lernen, was man eigentlich beim Sprechen und Stottern macht, man muss sich dem eigenen Stottern gegenüber abhärten, dass es einem weniger ausmacht, man muss den Mut aufbringen, eine Sprechtechnik zu lernen, die anfangs mindestens ebenso auffällig ist, wie das Stottern, man muss sich selbst gut kennen lernen und Konzepte gegen den Rückfall erarbeiten, usw. All das sind Inhalte wie sie ähnlich auch in der Verhaltenstherapie angewendet werden.
Ihre nächste Frage zielt auf die Intensivseminare ab. Eine Therapie an mehreren Wochenenden oder z.B. an mehreren Wochen auf mehrere Monate verteilt ist eine sinnvolle Sache. Man arbeitet intensiv in einer Gruppe und daraus ergeben sich Vorteile. Macht man in einer Praxis klassischerweise einmal pro Woche Therapie, so kommt die Dynamik des Lernens und Arbeitens in einer Gruppe eher weniger auf. Doch ob man ambulant oder intensiv arbeitet, ist zweitrangig: viel wichtiger ist es, dass das Behandlungskonzept stimmt und dass es einem liegt.
Ihre letzte Frage beschäftigt sich mit der Überlegung, welche Intensivseminare empfehlenswert sind. Auch das ist nicht so leicht zu beantworten, weil verschiedene Stotternde verschiedene Konzepte bevorzugen. Haben Sie sich schon mal überlegt, ob Ihr Bruder nicht vielleicht mal bei der BVSS ein Seminar belegen möchte oder er fragt in der SHG herum, wer mit welchen Intensivtherapien gute Erfahrungen gemacht hat? Auch hier gilt: er braucht zuerst einmal keine Therapie besuchen, die er aus eigener Tasche bezahlen muss. Es gibt sowohl beim „non-avoidance“-Ansatz als auch beim „fluency-shaping“-Ansatz sehr gute Konzepte, die von den Krankenkassen übernommen werden.

Liebe Rike, auch wenn es mit der Antwort sehr lange gedauert hat, so hoffen wir doch, Ihnen weitergeholfen zu haben.
Falls noch Fragen offen sind dann melden sie sich bitte bei uns. Wir helfen gerne weiter.

Viele Grüße von
Bettina

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