suche rat!

Erst informieren - dann therapieren: Die telefonische Fachberatung der BVSS:
- donnerstags 17-20 Uhr und freitags 12-14 Uhr
- Durchwahl 0221 / 139 1106 (Festnetzgebühr)
Für Stotterer ist auch eine Beratung per E-Mail möglich (info@bvss.de), welche aber längere Bearbeitungszeiten haben kann.
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majamaric
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suche rat!

Beitrag von majamaric » 21. August 2012 21:48

wertes forum!

mein sohn jonas stottert seit sechs wochen, bis dahin hat er gesprochen wie ein wasserfall, teilweise sogar schon mit nebensätzen! dann hat er anfangs immer wieder mal am satz beginn buchstaben wiederholt ('iiiiiiich will jetzt radfahren' zb). hat ihn aber nicht weiter gestört und der kinderarzt meinte, keine sorgen machen, das nennt man entwicklungsstottern und es vergeht auch bald wieder! wir haben es dann nicht weiter beachtet! mal wars da, mal nicht, in letzter zeit war es tageweise sogar ganz verschwunden! seit drei tagen ist es nun aber ganz schlimm! er muss sich am satzanfang ganz stark anstrengen und wiederholt das erste wort bis zu 20 mal und mehr! seit gestern abend kommt noch dazu, dass er das gesicht beim stottern verzieht, ja richtig verkrampft und schwer atmet! äusserer grund ist für uns keiner erkennbar, die lebensumstände haben sich nicht geändert, es gab keinerlei krisenhafte ereignisse! er war die ganze zeit guter dinge und so wie sonst!

ist das immer noch entwicklungsstottern? wo ist die grenze? hat jemand erfahrung damit?

wir sind natürlich sehr besorgt und werden jedenfalls zum arzt gehen mit ihm!

danke

maja
wäre für jeden rat dankbar!

beste grüsse

maja

danke

Bettina
Fachberatung der BVSS
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Re: suche rat!

Beitrag von Bettina » 24. August 2012 02:42

Sehr geehrte Maja,

es freut uns, dass Sie so schnell den Weg zu uns auf die Seiten der BVSS (Bundesvereinigung Stottererselbsthilfe) gefunden haben. Hier in diesem Forum kümmern wir uns nun um die Beantwortung Ihrer Fragen.
Sicher geht es Ihnen im Moment mit dem Sprechen Ihres Sohnes nicht sehr gut. Sie hören ihm zu, erinnern sich noch so gut an sein unbeschwertes flüssiges Sprechen und dann wie aus heiterem Himmel zeigt er deutlich Elemente des Stotterns und die verschlimmern sich sogar noch im Eiltempo. Da ist es verständlich, dass Sie Hilfe suchen. Das ist auch wichtig. Denn je besser Sie als Eltern informiert sind, desto mehr Sicherheit können Sie Ihrem Sohn im Alltag vermitteln. Und Sie können auch aktiv etwas tun. Die nun folgenden Informationen sollen Ihnen dafür eine Hilfe sein.
Vor nicht allzu langer Zeit sagte man, jedes Kind durchläuft in seiner Entwicklung eine Phase der so genannten Entwicklungsunflüssigkeiten. Entwicklungsunflüssigkeiten sind definiert als nahezu anstrengungsfreie Wortwiederholungen, meist am Satzanfang. Z.B. „Ich ich ich ich bin jetzt aber dran.“ Oder „Und dann und dann und dann hat er mir die Schaufel auf den Kopf gehauen.“ Sie können über Monate bestehen bleiben, mal schwächer und mal stärker ausgeprägt sein und werden nicht als Stottern definiert.
Heutzutage tendiert man unter Fachleuten mehr und mehr dazu, sogar zu sagen, dass jedes Kind irgendwann einmal im Laufe seiner Entwicklung nicht nur Entwicklungsunflüssigkeiten sondern auch ein wirkliches Stottern zeigt. Ein „wirkliches“ Stottern liegt dann vor, wenn mehr als 3% aller gesprochenen Silben als Dehnung („Iiiiiiiiiiiich bin jetzt aber dran.“), als Wiederholung („I-i-i-i-i-i-i-ich bin...“) oder als Blockierung („I------------------ch bin jetzt...“ oder „------------------Ich bin jetzt...“) gestottert werden und wenn dieses Stottern mit Anstrengung oder einer Art Ankämpfverhalten (wie z.B. Gesicht verkrampfen, schwer atmen) verbunden ist. 60 bis 80 % der Kinder können das praktisch von allein ohne Hilfe von außen wieder ablegen und finden zum flüssigen Sprechen zurück. Von dieser Prozentzahl rührt auch das beruhigende Verhalten der Kinderärzte.
Bei Ihrem Sohn ist das Stottern sehr schnell sehr viel schlechter geworden. Er stottert Ihrer Beschreibung nach nicht locker sondern mit deutlicher Anstrengung, er kämpft gegen die Blockierungen in seinem Hals an, indem er das Gesicht verzeiht und seine Atmung verändert. Das bereitete Ihnen große Sorgen, Sie sind extrem verunsichert, möchten helfen und wissen aber gar nicht so recht, was Ihrem Sohn jetzt helfen kann. Diese Kombination (also echtes Stottern, Anstrengung, Ankämpfverhalten und Ihre Sorge) ruft nach professioneller Hilfe. Das müssen nicht gleich regelmäßige Therapien über einen langen Zeitraum sein. Schon eine ausführliche Beratung für die Eltern und Begleitung über eine kurze Zeit kann viel bewirken. Dann kann neu entschieden werden, ob das Kind doch noch mehr Hilfe braucht oder ob man noch abwarten kann. Ein mit Kindern erfahrener Stottertherapeut kann Ihnen viele Tipps an die Hand geben, wie Sie mit Ihrem Verhalten Ihrem Sohn dabei helfen können, sich aus dem Stotterstrudel wieder heraus zu ziehen. Der oder die Therapeutin sollte nach der Methode „KIDS“ oder „Mini-KIDS“ von Dr. Patricia Sandrieser arbeiten. Das bitte im Vorfeld abklären. Therapeutenlisten für Ihren Wohnbereich können Sie telefonisch bei der BVSS erbeten. Am besten während der Fachberatungszeiten donnerstags von 17 bis 20 Uhr oder freitags von 12 bis 14 Uhr. Die Telefonnummer lautet: 0221/1391108. Bitte auch bei Therapeuten von dieser Liste vorher die Eignung und Erfahrung abklären.
Falls sich Ihr Kinderarzt schwer tut, eine Verordnung für eine logopädische oder sprachheilpädagogische Therapie auszustellen: Phoniater oder HNO-Ärzte dürfen solche Verordnungen auch ausstellen.
Sie möchten jetzt gleich schon als Eltern mehr für Ihren Sohn tun, vielleicht gar nicht warten, bis sich die Sache mit einer Therapie oder einer Beratung ergibt. Das ist möglich. Die BVSS hat sehr informative Infoflyer, die Sie bei der BVSS direkt erbitten können.
Außerdem vertreibt die BVSS über ihren Demosthenes-Verlag informative Literatur und auch Filmmaterial. Für Eltern betroffener Kinder ist der Ratgeber „Mein Kind stottert – was nun?“ das Buch der ersten Wahl. Darin wird nicht nur viel über das Stottern erklärt, es werden auch Tipps gegeben, wie man am besten mit seinem Kind umgeht, was man vermeiden soll und wie man es aktiv und erfolgreich unterstützen kann.
Sie als Eltern sind nicht am Stottern Ihres Sohnes schuld. Bei ihm scheint es ja wirklich wie aus heiterem Himmel aufgetreten zu sein, aber auch wenn es Ereignisse gibt wie z.B. die Geburt eines Geschwisterkindes, eine riesen Geburtstagsüberraschung oder der Fahrradsturz, dann sind dies die Auslöser aber nicht die Ursache. Mit der Veranlagung, als Kind ein echtes Stottern zu entwickeln, wird man geboren.
Sie fragen auch nach, ob jemand Erfahrung mit ähnlichen Problemen hat wie Sie sie im Moment mit Ihrem Sohn haben. Sie sind mit Ihren Sorgen und Problemen nicht allein. Vielen Kindern geht es so, wie es Ihrem Sohn im Moment geht und alle Eltern machen sich dann natürlich Sorgen. Stöbern Sie doch auch einmal in den anderen Anfragen und Antworten in diesem Fachberaterforum. Es findet sich sicher der eine oder andere Absatz, der Ihnen zusätzlich zu unseren heutigen Ausführungen auch noch weiter helfen kann.
Ihr Sohn weiß übrigens ganz genau, dass etwas mit seinem Sprechen nicht stimmt und plötzlich anders läuft. Scheuen Sie sich nicht, das offen mit ihm zu thematisieren. Er muss sich auch mit den Unflüssigkeiten angenommen und geliebt wissen. Sprechen Sie es an, wenn er mal doll hängen geblieben ist, sagen Sie ihm, dass das vielen anderen Kindern auch so geht und dass Sie als Eltern schon begonnen haben, sich Hilfe zu holen. Oft ist das eine große Erleichterung für die Kinder wenn sie wissen: ok, ich bin nicht allein mit diesem Problem, ok, meine Eltern haben es auch schon bemerkt, dass ich anders spreche, ok, sie suchen nach Hilfe.
Die BVSS bietet auch in regelmäßigen Abständen Elternseminare an. Die Kinder werden gut betreut und die Eltern können sich mit professioneller Hilfe und Beratung mal ein Wochenende austauschen und Erfahrungen teilen.
Liebe Maja, wir hoffen, Ihnen nun für den Anfang weitergeholfen zu haben. Bitte melden Sie sich auf diesem Wege nochmals, wenn Fragen offen geblieben sind oder neue dazu gekommen sind. Wir beraten sie gerne wieder.

Alles Gute für Ihre Familie und besonders für Ihren Sohn!

Bettina

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