Expertensuche

Erst informieren - dann therapieren: Die telefonische Fachberatung der BVSS:
- donnerstags 17-20 Uhr und freitags 12-14 Uhr
- Durchwahl 0221 / 139 1106 (Festnetzgebühr)
Für Stotterer ist auch eine Beratung per E-Mail möglich (info@bvss.de), welche aber längere Bearbeitungszeiten haben kann.
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Lütti
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Expertensuche

Beitrag von Lütti » 5. November 2012 09:16

Guten Morgen!

Ich habe einen 8- jährigen Sohn der unflüssig spricht. In der Vergangenheit bin ich leider nur an Personen mit "gesundem Halbwissen" geraten und suche nun Adressen mit kompetenten Ansprechpartnern (in Bezug auf Diagnostik und Therapie) im Raum Hannover/ Celle.
Stottern liegt bei uns in der Familie. Mein Bruder und der Bruder meines Mannes haben in der Kindheit gestottert. Beide sind nach der Pubertät symptomfrei. Wie wahrscheinlich ist es, dass es sich auch bei meinem Sohn "verliert"? Dazu muss ich sagen, dass mein Sohn keine starken Blockaden hat in dem Sinne, dass er "pressen" muss. Vielmehr ist seine Sprache von Wiederholungen und "Zwischenwörtern" (mh, mh, mh) geprägt. Beim Lesen und auswendig vortragen, hat er keine Probleme. Seitdem er ca. 2,5 ist, redet er unflüssig. Ansonsten hatte er eine unauffällige Sprachentwicklung und hat immer gerne und viel gesprochen. Ein Störungsbewußtsein, war bis vor kurzem nicht vorhanden. Mittlerweile hat er aber gemerkt, dass er anders spricht, leidet aber -zum Glück- bisher nicht darunter. Manchmal habe ich das Gefühl, dass er sich nicht richtig konzentriert, wenn er spricht, sich im Kopf nicht richtig strukturieren kann. Aber um das alles beurteilen zu können, bin ich eben nicht ausgebildet und suche dafür einen Experten zum Thema Stottern.

Vielen Dank im Voraus

Bettina
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Re: Expertensuche

Beitrag von Bettina » 12. November 2012 01:35

Sehr geehrte Lütti,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Die Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe (BVSS) hat eine Therapeutenliste. Auf dieser Liste sind wohnortbezogen Stottertherapeuten gelistet. Sie können sie bei der telefonischen Fachberatung (Donnerstags 17 bis 20 Uhr, Freitags 12 bis 14 Uhr, Telefon 0221/1391108 ) der BVSS erbitten. Bitte betrachten Sie die dort aufgeführten TherapeutInnen als eine Art grobe Vorauswahl. Um sich feiner abzustimmen, sollten Sie prüfen, ob ein hohes Maß an Erfahrung in der Therapie stotternder Kinder vorhanden ist. Diese Erfahrung sollte auch mit Fortbildungsversuchen unterfüttert sein. Federführend in der Behandlung stotternder Kinder ist das Konzept KIDS (Kinder dürfen stottern) von Dr. Patricia Sandrieser und auch das Lidcombe-Programm von Tina Lattermann. Kann eine StottertherapeutIn neben vielen zu behandelnden Kindern auch mindestens eines dieser Konzepte behandeln und hat sie das in einer entsprechenden Fortbildung gelernt, dann kann Ihrem Sohn und Ihnen sicher mehr als „Halbwissen“ vermittelt werden.
60 bis 80% der stotternden Kinder hören irgendwann im Laufe ihrer kindlichen Entwicklung wieder damit auf. Sind bei den Kindern noch genauso viele Mädchen betroffen wie Jungen, so sieht das bei den erwachsenen Stotternden anders aus: auf 4 stotternde Männer kommt eine stotternde Frau. Das heißt, dass es mehr Mädchen schaffen, mit dem Stottern aufzuhören. Das liegt an der Hirnstruktur. Bei den Mädchen ist das Sprachzentrum „plastischer“ aufgebaut und die so genannte „Brücke“ zwischen den Hirnhälften größer. Das scheint beim Verwachsen der Stottersymptome hilfreich zu sein.
Es ist schön, dass Ihr Sohn gerne spricht. Unterstützen Sie ihn dabei wo es nur geht. Wenn er gern singt, tut ihm das gut, weil man beim Singen nie stottert. Möchte er eine Theater-AG besuchen, bestärken Sie ihn. Viele Stotternde stottern nicht, wenn sie in andere Rollen schlüpfen. Aus diesem Grund sind auch Rollenspiele für die Kinder entspannend, weil sie dabei flüssiger sprechen können.
Auch ich bin mir sicher, dass Ihr Sohn weiß, dass er manchmal beim Sprechen hängen bleibt. Darüber kann man ruhig auch mal reden, damit das Kind erkennt: auch anderen fällt mein Sprechen auf und ich werde mit meinen Unflüssigkeiten akzeptiert.
Sie beschreiben auch noch das Gefühl, Ihr Sohn wirk auf Sie so, als würde er sich vielleicht beim Sprechen gedanklich ungünstig strukturieren.
Dazu etwas Konkretes zu schreiben, ohne ihn sprechen gehört zu haben, ist nicht machbar.
Allgemein lässt sich sagen, dass Stotternde oft zusätzlich beim Sprechen Buchstaben oder Silben verschmelzen, schnell sprechen und dadurch unverständlicher werden. In Fachkreisen nennt man das „Poltern“.
Außerdem kann sich hinter einem unstrukturierten Sprechen auch eine so genannte „Reaktion auf das Stottern“ verbergen. Um nicht zu stottern suchen die Betroffenen beispielsweise nach Ersatzwörtern, bauen Füllwörter oder Füllphrasen ein oder verwaschen ihre Aussprache, um leichter über die schwierigen Wörter zu kommen.
Ob eines dieser Phänomene der Grund für das unstrukturiert wirkende Sprechen Ihres Sohnes ist, kann tatsächlich nur ein Stotterfachmann beurteilen.
Möchten Sie sich vielleicht noch umfassender zum Thema kindliches Stottern informieren? Die BVSS hat Infoflyer und vertreibt über den BVSS-eigenen Demosthenes-Verlag Bücher und DVD`s zum Thema Stottern. Diese Materialien kann ich uneingeschränkt empfehlen. Auch deshalb, weil die BVSS die einzige unabhängige Selbsthilfeorganisation ist. Der Elternratgeber „Mein Kind stottert – was nun?“ eignet sich gut, um Wissen zum kindlichen Stottern und dem Umgang damit aufzubauen.
Darüber hinaus bietet die BVSS Eltern-Kind-Seminare an, bei denen man sich austauschen kann und viel zum Stottern lernen kann. Auch eine Elternmitgliedschaft in der BVSS ist möglich. Man wird auf dem Laufenden gehalten und bekommt in regelmäßigen Abständen eine Zeitschrift mit Beiträgen, Informationen und Kontakten zugeschickt. Über den Mitgliedsbeitrag wird die Arbeit der BVSS finanziert. Auch auf Spenden ist sie angewiesen.

Jedoch kann das alles nicht einen guten Therapeuten und dessen Beratung ersetzen. Deshalb wünschen wir von der Fachberatung Ihnen vorrangig viel Erfolg bei der Therapeutensuche. Wenn Sie weitere Fragen haben, scheuen Sie sich nicht, uns wieder anzusprechen oder anzuschreiben.
Mit besten Grüßen,
Bettina

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