Mein K

Erst informieren - dann therapieren: Die telefonische Fachberatung der BVSS:
- donnerstags 17-20 Uhr und freitags 12-14 Uhr
- Durchwahl 0221 / 139 1106 (Festnetzgebühr)
Für Stotterer ist auch eine Beratung per E-Mail möglich (info@bvss.de), welche aber längere Bearbeitungszeiten haben kann.
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dipaca
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Mein K

Beitrag von dipaca » 14. Januar 2013 17:07

Guten Tag, mein Sohn ist jetzt 4 1/2 Jahre alt. Er ist sehr spät gelaufen mit 18 Monaten und mit dem Laufen kam die Sprache. Er hat einen herausragenden Wortschatz, sagt Dinge wie "Mama, beeile Dich, der Regen setzt gleich ein" oder "das ist gerade etwas unsanft auf den Boden gefallen". Und von jetzt auf gleich stottert er "Ma, ma, ma, ma Mama, beeile Dich, der Re, re, re, re, Regen setzt gleich ein", wäre dann der Satz. Ich bin total überfordert und habe den Eindruck, die erklären was ist stottern passen hier nicht wirklich, weil er ja vorher so toll gesprochen hat und der Wortschaft ja eigentlich da ist. Er war vor einem Jahr schon mal 3 Stunden bei einer Logopädin (wegen Mundschluss), die aber fand, dass er soooo toll spricht, dass dies für das Alter ja sehr ungewöhnlich ist. Der Kindergarten meint abwarten und nicht darauf hinweisen, aber das ist ja nur eine Frage der Zeit, dass ihn ein anderes Kind aufmerksam macht. Hilfe ....

Bettina
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Re: Mein K

Beitrag von Bettina » 20. Januar 2013 06:16

Sehr geehrte Dipaca,

schön, dass Sie so schnell auf dieses Forum gestossen sind. Wir von der Fachberatung arbeiten an einer Antwort für Sie und bitten noch um ein paar Tage Geduld.
Gerne sendet Ihnen die Bundesvereinigung Stottern und Selbsthilfe (BVSS; www.bvss.de) schon einmal ein paar Infoflyer zu, wenn Sie eine Mail dort hin schicken oder anrufen.
Ausserdem können Sie gerne zusätzlich auch noch unsere telefonische Fachberatung in Anspruch nehemn. Diese ist unter der Telefonnumnmer 02211391108 an folgenden Zeiten zu erreichen:
Donnerstags von 17 bis 20 Uhr und Freitags von 12 bis 14 Uhr.
Im BVSS-eigenen Demosthenesverlag gibt es unter anderem auch einen vernünftigen Elternratgeber zu bestellen. Er heißt "Mein Kind stottert - was nun?". Ihn gleich zu bestellen ist aber überhaupt nicht zwingend. Über die Telefonberatung und Ihre "eigene" bald folgende Antwort gibt es auch so schon eine grosse Fülle an Informationen für Sie.

Vielleicht möchten Sie auch schon einmal in den alten Fragen und Antworten hier in diesem Forum stöbern. Sicher sind auch hier Informationen dabei, die Ihnen nützen können.

Bis bald und viele Grüße,
Bettina

Bettina
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Re: Mein K

Beitrag von Bettina » 23. Januar 2013 00:24

Liebe/r Dipaca,

das ist ja sicher ein großer Schreck für Sie, wenn Ihr Sohn auf einmal unflüssig spricht. Gut, dass Sie so schnell auf das Forum hier aufmerksam geworden sind. Es wird unterstützt und unterhalten von der Bundesvereinigung Stottern und Selbsthilfe (BVSS) –www.bvss.de .
Die einzige unabhängige Organisation, die sich um die Belange stotternder Menschen und deren Bezugspersonen und/oder Therapeuten kümmert.
Ziel unserer Antwort für Sie wird sein, Sie so mit Informationen zu versorgen, dass Sie nicht mehr „um Hilfe“ rufen müssen, dass Sie sich sicher im Umgang mit Ihrem Sohn fühlen und dass Sie kompetent entscheiden können, wie Sie Ihrem Sohn helfen möchten.

Hier erst einmal die wichtigsten Informationen für Sie:
- jedes Kind stottert irgendwann einmal im Laufe seiner kindlichen Sprachentwicklung. Oftmals ist es gar kein echtes Stottern sondern es handelt sich um so genannte „physiologische Unflüssigkeiten“. Die meisten Kinder hören von alleine innerhalb eines Zeitraumes von mehreren Monaten wieder auf.
- Sie als Eltern oder auch andere Bezugspersonen trifft keine Schuld. Sie haben nichts falsch gemacht.
- Bei allen Menschen, die ein echtes Stottern entwickelt haben und auch ein Leben lang behalten, gibt es eine körperliche Anlage, ein Stottern zu entwickeln. Stottern ist also praktisch „angeboren“, eine winzig kleine Bewegungsablaufstörung im Gehirn, so dass die Muskeln im Hals und besonders an den Stimmlippen manchmal einfach plötzlich verkrampfen und dann stottert man.
- Stottern ist nichts Psychisches.
- Auch wenn Sie noch nicht mit Ihrem Sohn darüber gesprochen haben: er weiß ganz genau, dass er im Moment anders spricht und die Wörter manchmal nicht aus dem Hals heraus kommen wollen. Das wissen schon 2-jährige Kinder sehr gut, wenn es bei ihnen mit dem Sprechen klemmt.
- Immer wieder erleben es Stottertherapeuten in ihrer Arbeitspraxis, dass gerade die Jungs, die schon so früh so gut gesprochen haben, mit Unflüssigkeiten oder stotterndem Sprechen zu tun haben. Sie sind als Eltern also überhaupt nicht mit dieser Problematik alleine. Zehntausenden Eltern und deren Kindern geht oder ging es so wie Ihnen.
- Anhand Ihrer Beschreibung wird nicht klar, ob Ihr Sohn eher mit den physiologischen Unflüssigkeiten zu tun hat oder ob es sich im Moment um ein echtes Stottern handelt. Maßgebend sind erst einmal nicht die Häufigkeit des Hängenbleibens und auch nicht die Anzahl der wiederholten Silben. Ein wichtiges Kriterium ist der Grad der Spannung bei den Unflüssigkeiten. Gehen die ihm locker von den Lippen oder muss er sich richtig anstrengen? Hört man eine Anspannung beim Sprechen wenn er die Silben am Wortanfang wiederholt? Ist er frustriert nach einem oder mehreren solchen Sätzen?
- Es ist ein hartnäckiges Gerücht und einfach falsch, mit den betroffenen Kindern nicht über das holprige Sprechen zu reden. Dann würde man die Unflüssigkeiten, die das Kind ja an sich selbst sowieso bemerkt, tabuisieren. Und Tabuisieren ist nie gut, weil sich das Kind dann mit seinen Problemen beim Sprechen alleine gelassen fühlt. Es denkt, nur es hat dieses Problem und dieses Problem ist scheinbar so schlimm, dass niemand mit ihm darüber reden möchte. Deshalb: Sie können mit Ihrem Kind über das unflüssige Sprechen reden. Nun fragen Sie sich bestimmt, wie man das am besten macht.
- Hier sind ein paar Ideen:
> wenn es die Situation und die Zeit erlauben und Ihr Kind spricht einen Satz unflüssig und es muss sich dabei richtig anstrengen, dass die Silben herauskommen, können Sie so etwas sagen wie: „Ui, jetzt kamen die Wörter aber gerade nur ganz schwer aus dem Hals heraus. Die Wörter sind in Deinem Hals stecken geblieben und dann herausgehüpft wie ein Frosch.“ Dann machen Sie eine Pause und warten ab, ob Ihr Sohn etwas dazu zu sagen hat. Egal ob sich ein Gespräch entwickelt oder nicht, sollten Sie im weiteren Verlauf Ihrem Sohn noch folgende Infos geben: a) „Du bist mit diesem Problem nicht alleine. Ganz vielen Kindern geht es genauso wie Dir.“ b)“Ich/Wir haben dich genauso lieb wir immer – egal ob die Wörter hängen bleiben oder nicht.“ c)„Ich überlege / Wir überlegen schon, wie ich dir helfen kann / wie wir Dir helfen können, dass die Wörter wieder leichter aus dem Hals kommen.“ So fühlt sich Ihr Sohn angenommen und verstanden und das wiederum löst schon etwas von einem eventuellen Sprechdruck.
- Im Kindergarten bewegen sich die Kinder bezogen auf die Art und Weise Ihres Sprechens in einem sehr geschützten Raum. Es kommt selten vor, dass unflüssig sprechende Kinder von anderen Kindern angesprochen oder gehänselt werden. Das beginnt erst mit dem Beginn der Schulzeit, also in der ersten Klasse. Sie können Ihren Sohn beruhigt weiter in den Kindergarten geben, er wird wahrscheinlich nicht angesprochen. Und wenn doch, dann wird er damit zurechtkommen, dessen bin ich mir sicher.
- Wahrscheinlich wird es Ihnen gut tun, wenn Sie noch mehr Informationen zum kindlichen Stottern bekommen würden als wir Ihnen hier im Rahmen dieser Antwort geben können. Falls sie weitere Infos brauchen, dann erbitten Sie doch bei der BVSS Infoflyer. Die sind informativ und helfen Ihnen auch, wenn Sie weitere Bezugspersonen Ihres Sohnes infomieren möchten, z.B. den Kindergarten oder die Babysitterin oder die Großeltern,...Es gibt einen Infoflyer für Eltern stotternder Kinder und es gibt einen mit den Antworten zu den am häufigsten gestellten Fragen.
- Die BVSS unterhält auch einen eigenen Verlag. Die Bücher, DVD`s und Materialien für Kinder sind alle zu empfehlen. Vielleicht möchten Sie mal den Elternratgeber „Mein Kind stottert – was nun?“ durchlesen...?
- Außerdem gibt es neben der Fachberatung hier in diesem Forum auch eine telefonische Fachberatung. Immer Donnerstags von 17 bis 20 Uhr und Freitags von 12 bis 14 Uhr können Sie sich unter der Telefonnummer 0221/1391108 persönlich zu allen Themen rund uns Stottern beraten lassen.
- Falls Sie trotz aller Flyer und Beratungen „aus der Ferne“ immer noch sehr unruhig sind und sich die Unflüssigkeiten Ihres Sohnes verstärken und/oder von großer Anspannung geprägt sind, dann täte Ihnen vielleicht auch einmal eine intensivere Beratung und Begleitung von einer erfahrenen Stottertherapeutin oder einem erfahrenen Stottertherapeuten gut. Therapeutenlisten bekommen Sie über die o.g. Telefonfachberatung. Es ist sehr sehr wichtig, sich von der Erfahrung in der Behandlung des kindlichen Stotterns selbst zu vergewissern. Wie die Konzepte „MINI-KIDS“ oder auch „Lidcombe“ durchgeführt werden, sollte mittels Fortbildungen gelernt sein. Es muss auch nicht sein, dass Ihr Sohn gleich eine volle Therapie bekommt. Es kann auch genügen, mit den Eltern zu arbeiten und Ihnen Handlungskonzepte für den Alltag mit auf den Weg zu geben. Also Ideen, wie Sie Ihrem Sohn am besten und sinnvollsten helfen können, das Stottern zu reduzieren und leichter zu machen.

Egal wo Sie stehen und egal was Sie brauchen, wir begleiten Sie gerne und helfen wo wir können. Diese für Sie erstellten Informationen haben hoffentlich schon einmal einen ersten großen Druck von Ihnen genommen und Sie müssen erst einmal nicht mehr um Hilfe rufen. Dann wäre schon viel erreicht.
Bitte melden Sie sich jederzeit wieder, wenn Sie weitere Fragen haben.
Für Sie und Ihren Sohn alles Gute wünscht
Bettina

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