Stottern bei 2 1/2 Jahre alten Jungen

Erst informieren - dann therapieren: Die telefonische Fachberatung der BVSS:
- donnerstags 17-20 Uhr und freitags 12-14 Uhr
- Durchwahl 0221 / 139 1106 (Festnetzgebühr)
Für Stotterer ist auch eine Beratung per E-Mail möglich (info@bvss.de), welche aber längere Bearbeitungszeiten haben kann.
Gesperrt
Friska

Stottern bei 2 1/2 Jahre alten Jungen

Beitrag von Friska » 6. März 2013 17:11

Guten Tag!
Mein Sohn hat bislang sehr gerne und viel gesprochen. Vor einer Woche hat er plötzlich stark zu stottern begonnen er tat sich am Wortanfang sehr schwer und wiederholte oft die Anstrengung war im anzusehen :( nicht das gesamt wort wie beim entwicklungsstottern sondern richtige Hänger Ma ma ma mammmmmmaaaama kkkkkomm her!
Jetzt nach einer Woche ist eine Besserung zu erkennen es fällt ihn wieder leichter diese extremen Blockaden sind weniger geworden und er hat wieder mehr Freude am Sprechen. Wenn er sich unsicher ist flüstert er am Satzbeginn. Die Logopädin meinte ich soll das noch eine Weile beobachten und gab mir viele wertvolle Tipps wie ich mit ihm umgehen soll und ihn unterstützen kann. Sie baute mich auch auf und meinte in der vielzahl aller ihrer Fälle in dem alter erledigt sich das stottern in erhalb einer Spanne von mehreren Wochen bis zu einem halben Jahr von selber ganz und gar. Was meinen Sie dazu ist es vorerst damit getan ihn zu bestärken und zu fördern oder sollte ich noch etwas in Angriff nehmen?

Bettina
Fachberatung der BVSS
Fachberatung der BVSS
Beiträge: 103
Registriert: 5. Oktober 2007 01:27

Re: Stottern bei 2 1/2 Jahre alten Jungen

Beitrag von Bettina » 16. März 2013 04:59

Sehr geehrte Friska,

da haben Sie ja schon eine gute Beratung von der Logopädin bekommen, was uns sehr freut und was sicher wichtig für Sie war. Wir arbeiten an einer Antwort für Sie und diese sollte bis spätestens kommenden Montag hier im Forum zu lesen sein.

Mit freundlichen Grüßen,

Bettina vom Fachberatungsteam

Bettina
Fachberatung der BVSS
Fachberatung der BVSS
Beiträge: 103
Registriert: 5. Oktober 2007 01:27

Re: Stottern bei 2 1/2 Jahre alten Jungen

Beitrag von Bettina » 20. März 2013 06:21

Sehr geehrte Friska,
meine Tochter ist fast so alt wie Ihr Sohn, auch sie spricht gerne und viel, auch sie spricht schon seit einiger Zeit nicht mehr flüssig, auch bei ihr kann ich im Moment nicht von reinen Entwicklungsunflüssigkeiten sprechen, weil eindeutig Elemente des Stotterns vertreten sind. So weiß ich ganz gut, was Sie als Mutter im Moment beschäftigt. Eine der führenden Therapeutinnen in der Stottertherapie für Kinder, Dr. Patricia Sandrieser, vertritt die Meinung (und viele schließen sich ihr an), dass jedes Kind irgendwann einmal im Rahmen seiner Sprachentwicklung eine Zeit hat, in der es stottert. In dieser Zeit zeigt es eben nicht nur die so genannten Entwicklungsunflüssigkeiten, sondern eindeutig Elemente aus dem Stottern.
Meine erste Tochter hatte diese Stotterphase im Alter von 3, die andere jetzt mit 2.
Zur Erklärung:
Entwicklungsunflüssigkeiten sind lockere Wortwiederholungen. Es sind immer ganze Wörter, die wiederholt werden, wie oft ist egal und es geschieht nahezu anstrengungsfrei. Z.B. „Ich ich ich ich ich ich bin jetzt dran.“ Oder „Da da da da da da da hab ich ein Aua.“ Oder „Und dann und dann und dann und dann und dann hat er mir auf den Kopf gehauen.“
Stottern zeichnet sich durch Wortteilwiederholungen = Silbenwiederholungen (z.B. „Ma-ma-ma-ma-machst du mir den Schuh zu?“) oder Lautwiederholungen = Buchstabenwiederholungen (z.B. „D-d-d-d-d-dreirad“) oder Lautdehnungen (z.B. „Mmmmmmmmmmachst du mir den schuh zu?“) oder Blockierungen (wenn gar nichts mehr raus kommt, z.B. „----------------------Dreirad“) aus. Meist sind diese mit hörbarer oder sichtbarer Anstrengung verbunden. In ca. 45% bis 80% der Fälle hört dieses Stottern von alleine wieder auf. Diese Aussage hilft den Eltern aber nicht unbedingt weiter, wenn das Kind gerade in so einer Phase des Stotterns steckt und vielleicht ja auch mit Anstrengung oder Frust reagiert und man sich als Eltern einfach Sorgen macht.
Da tut es gut, wenn man sich beraten lassen kann.
Sie scheinen eine Logopädin an der Hand zu haben, die Sie sehr gut durch diese erste Phase der Unsicherheit begleitet hat und zu der Sie sicher jederzeit wieder Kontakt aufnehmen können, wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Sohn oder Sie bräuchten mehr Hilfe.
Vielleicht hat die Logopädin Ihnen auch schon erzählt, was die Bundesvereinigung Stottern und Selbsthilfe (www.bvss.de) für Eltern in solchen Situationen tun kann.
Es gibt Flyer für Eltern, in denen die wichtigsten Informationen und Verhaltensweisen zusammengefasst sind. Es gibt Begegnungswochenenden für Eltern stotternder Kinder. Die Eltern lernen, während die Kinder betreut werden, viel zum Thema kindliches Stottern und können sich untereinander austauschen.
Außerdem stellt die BVSS über den eigenen Demothenes-Verlag eine Fülle von Büchern und DVD`s zum Thema zur Verfügung. Mit dabei ist der Elternratgeber „Mein Kind stottert-was nun?“. Wenn Sie das Gefühl haben, Sie bräuchten im Moment noch mehr genauere Information oder Hilfestellung, dann ist dieser Ratgeber das Buch der ersten Wahl. Dort werden Sie zum kindlichen Stottern und dem Umgang damit umfassend informiert. Mehr ist für den Moment sicher nicht nötig.
Wäre jemand von unserer Fachberatung Ihre Logopädin vor Ort gewesen: wir hätten Sie exakt so beraten, wie es Ihre Logopädin getan hat.
Sie fragen uns, ob Sie für den Moment noch Weiteres in Angriff nehmen können bzw. sollen.
Neben der Idee, sich die Infoflyer bei der BVSS zu besorgen und eventuell den Elternratgeber zu lesen, gibt es momentan keinen Handlungsbedarf.
Sie haben den Umgang mit Ihrem Sohn an sein Stottern angepasst, das heißt:
- Sie singen viel mit ihm, weil man beim Singen nie stottert
- Viele Reime, Verse, Fingerspiele
- Nicht unterbrechen
- Nicht erinnern, er soll langsam sprechen
- Nicht das Wort für ihn aussprechen
- Das so genannte „correctiv feedback“ anwenden. Wenn er in einem Satz gestotterte Elemente hat, wiederholen Sie den Satz nochmals flüssig und bauen ihn geschickt in den Unterhaltungsfluss ein. Ein Beispiel:
Kind: „Mama, bitte was t-t-t-t-t-t-t-trinken.“
Mutter: „Du möchtest etwas trinken? Hier hast Du Saft, jetzt kannst Du trinken.“
Oder
Kind: „Ich möchte die Schuhe selber an-an-an-an-anziehen.“
Vater: „Ja, du kannst die Schuhe alleine anziehen.“

Mit dem corrective feedback dämpfen Sie den „Stottereindruck“, den das Gehirn Ihres Kindes durch das stotternde Sprechen verarbeitet, ab. Das Gehirn des Kindes hört das gestotterte Wort nochmals flüssig und dadurch wird ein Teil der negativen Verarbeitung im Gehirn wie „ausradiert“. Im besten Fall wiederholt das Kind von sich aus das Wort dann auch nochmals flüssig, dazu darf es aber unter keinen Unständen aufgefordert werden. Auch wenn das Kind vermeintlich auf diese Technik des correctiv feedbacks gar nicht reagiert, profitiert es dennoch sehr davon und lernt sozusagen im Stillen.

Wahrscheinlich kennen Sie schon alle Punkte aus dieser Aufstellung. Aber es gibt ja auch viele MitleserInnen und daher ist für den einen oder anderen vielleicht doch noch eine neue und wertvolle Information dabei.

Es ist schön, dass Sie durch Ihr Engagement Ihrem Sohn so schnell, so früh und so professionell zur Seite stehen können.
Falls im Laufe der nächsten Zeit neue Schwierigkeiten oder Fragen auftreten, dann kontakten Sie uns gerne wieder.
Wir von der Fachberatung helfen so oft, wie Sie es möchten.


Alles alles Gute für Ihren Sohn und Ihre ganze Familie!

Bettina

Gesperrt

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast