Erste Anlaufstellen

Erst informieren - dann therapieren: Die telefonische Fachberatung der BVSS:
- donnerstags 17-20 Uhr und freitags 12-14 Uhr
- Durchwahl 0221 / 139 1106 (Festnetzgebühr)
Für Stotterer ist auch eine Beratung per E-Mail möglich (info@bvss.de), welche aber längere Bearbeitungszeiten haben kann.
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Gerd
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Erste Anlaufstellen

Beitrag von Gerd » 17. April 2013 19:03

Hallo,
bei unserem Sohn zeichnet sich langsam ein Stottern ab.
Ich würde gern frühzeitig etwas dagegen tun. Leider habe ich sehr wenig Auskunft von meinem KA bekommen, was ich sehr schade fand.
Nun zu meiner Frage, was sind so die ersten Schritte die man unternehmen kann? Wohin kann ich mich wenden?
Danke und viele Grüße

Bettina
Fachberatung der BVSS
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Re: Erste Anlaufstellen

Beitrag von Bettina » 27. April 2013 12:50

Lieber Gerd,
vielen Dank fü Ihre Anfrage. Wir von der Fachberatung sind im Moment mit der Beantwortung leider etwas in Verzug. Aber ab sofort werden wir uns um Ihre Anfrage und um die vom 18.4. kümmern.
Im Laufe der kommenden Woche werden die Antworten ins Forum gestellt.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Fachberatungsteam

Bettina
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Re: Erste Anlaufstellen

Beitrag von Bettina » 2. Mai 2013 03:16

Lieber Gerd,
es ist immer wieder eine große Herausforderung, wenn man als Eltern hört: auf einmal spricht das Kind anders, es bleibt beim Sprechen vielleicht hängen, kann die Wörter nicht aussprechen, sie bleiben im Hals stecken. Vielleicht ärgert sich das Kind auch sehr schnell darüber und äußert seinen Unmut. Vielleicht spricht das Kind auch immer noch recht entspannt und wiederholt eher ganze Wörter.
Sie sprechen davon, dass sich bei Ihrem Sohn langsam ein Stottern abzeichnet. Haben Sie das Gefühl, dass er von Tag zu Tag immer größere Probleme damit hat, dass die Wörter schwer aus dem Hals heraus kommen?

Es ist gut, dass Sie sich gleich sinnvoll informieren möchten und die Bundesvereinigung Stottern und Selbsthilfe (BVSS, www.bvss.de ) ist sicher eine gute Quelle dafür, weil sie eine unabhängige Organisation ist.
Neben vielen informativen Flyern hat die BVSS über ihren eigenen Verlag auch viele gute Bücher im Programm. Eines davon ist der Elternratgeber „Wenn mein Kind stottert – was nun?“.
Außerdem gibt es noch die Möglichkeit, sich an eine persönliche telefonische Fachberatung zu wenden. Immer donnerstags von 17 bis 20 Uhr und freitags von 12 bis 14 Uhr können Sie unter der Telefonnummer 0221 / 1391108 persönlich mit einer Kollegin aus dem Fachberatungsteam sprechen und sich beraten lassen.

Aber kommen wir nun zu Ihrem Sohn. Um seine Situation besser verstehen zu können, möchte ich Ihnen sagen, dass nahezu jedes Kind irgendwann einmal im Rahmen seiner Sprachentwicklung eine Phase hat, in der es ein Stottern zeigt.
Und mit „Stottern“ sind Dehnungen (Langziehen von Buchstaben in einem Wort), Wiederholungen (Wiederholen von Buchstaben oder Silben am Wortanfang) oder Blockierungen (das Wort als Ganzes möchte nicht aus dem Hals kommen, es dauert einen Moment ehe es im Ganzen herauskommt) gemeint. Vielleicht hat das Kind auch schon gesagt, dass mit seinem Sprechen etwas nicht stimmt, vielleicht ist es auch schon mal frustriert gewesen, wenn die Wörter im Hals stecken geblieben sind.
Neben dem „echten Stottern“ durchlaufen die Kinder auch noch oft die Phase der so genannten Entwicklungsunflüssigkeiten bzw. entwicklungsbedingten Unflüssigkeiten. Dabei werden im Satz ganze Wörter ohne Anstrengung gerne auch mehrmals hintereinander wiederholt. Z.B. „Ich ich ich ich bin jetzt dran.“ Das ist auch deutlich hörbar, kann in nahezu jedem gesprochenen Satz vorkommen, ist aber nie mit Anstrengung verbunden. Wohingegen beim „echten Stottern“ dem Kind eine Anstrengung manchmal schon angesehen wird, es vielleicht auch die Sätze abbricht und erneut anfängt.
Ihrer Beschreibung ist nicht zu entnehmen, um welche Art von Stottern es sich bei Ihrem Sohn handeln könnte.
Aber Sie sind besorgt – und daher sollte Ihnen auch geholfen werden.
Je nachdem um welches „Stottern“ es sich handelt, sind auch die zu unternehmenden Schritte sehr verschieden.
Um Ihrer Anfrage gerecht zu werden, werden wir Ihnen beide Möglichkeiten aufzeigen: zum einen das Vorgehen bei entwicklungsbedingten Unflüssigkeiten und zum anderen das Vorgehen bei echtem kindlichem Stottern.
Die entwicklungsbedingten Unflüssigkeiten sind dadurch gekennzeichnet, dass sie immer frei von Anstrengung sind, dass hauptsächlich ganze Wörter wiederholt werden und selten die erste Silbe eines Wortes. Sie dauern bis zu 8 Monaten an. Oft wird das unflüssige Wort sehr oft wiederholt (z.B. „Und und und und und und und dann war das Auto weg.“). Diese Arten von Unflüssigkeiten verschwinden von selbst wieder. Es bedarf dafür keiner therapeutischen Intervention.

Wenn ein Kind ein echtes Stottern zeigt, dann sind diese Wiederholungen, Dehnungen oder Blockierungen oft mit sichtbarer Anstrengung des Kindes verbunden. Vielleicht bewegt es auch Hände, Arme, Kopf oder Augen mit. Das sind dann so genannte Reaktionen auf das Stottern. Vielleicht ärgert sich das Kind auch manchmal, dass ihm die Wörter im Hals stecken bleiben. Sie als Eltern hören Ihr Kind auf einmal so unflüssig sprechen und machen sich natürlich Sorgen.
Einer der ersten Ansprechpartner ist der Kinderarzt. Nun ist es so, dass bei ca. 45 bis 80% der stotternden Kinder das Stottern sich von alleine wieder gibt – ganz ohne Therapie und Beratung. Das wissen auch die Kinderärzte und beraten meist erst einmal auf „Abwarten“, weil sich die Unflüssigkeiten tatsächlich in vielen Fällen wieder geben. Kinderärzte müssen sehr viel wissen und sie wissen meist auch das wichtigste über Stottern. Aber Eltern erleben die kinderärztliche Beratung immer mal wieder als zu dürftig. Da ist es wichtig, sich über andere Quellen zu informieren und das haben Sie ja auch getan.

Für Sie ist es wichtig, Auskunft über erste Schritte zu bekommen, die Sie unternehmen können.
Sich zu informieren hat erste Priorität. Über dieses Forum, über die schon erwähnte Telefonberatung und über die auch schon erwähnten Flyer der BVSS. Das alles zusammen ergibt schon einen wirklich guten Informationsstand.
Die BVSS bietet auch Elternseminare (über ein WE) an. Die betroffenen Kinder und die Geschwister werden betreut und die Eltern lernen sich untereinander kennen und können eine Menge zum kindlichen Stottern erfahren.
Es kann sein, dass Sie sich dann immer noch nicht sicher im Umgang mit Ihrem unflüssigen Kind fühlen. Dann können Sie sich eine erfahrene Stottertherapeutin suchen und sich von Ihr beraten lassen. Dafür kann der Kinderarzt oder HNO-Arzt eine Verordnung ausstellen. Es muss ja nicht gleich eine direkte Stottertherapie einmal wöchentlich mit dem Kind sein. Wir Stottertherapeuten arbeiten auch indirekt, das heißt, „nur“ über Elternberatung und Elterntraining. Man bringt den Eltern eine Art Handwerkszeug bei, das die Kinder dabei unterstützen soll, sich selbst wieder aus den Unflüssigkeiten heraus zu helfen. Wichtig ist, dass die entsprechenden Sprachheilpädagogen oder Logopäden sich im Bereich der kindlichen Stottertherapie weitergebildet haben.

Lieber Gerd, wir hoffen, Ihnen damit für die ersten weiteren Schritte geholfen zu haben. Bitte wenden Sie sich wieder an uns, wenn Sie weitere Fragen haben.

Mit besten Grüßen,
Bettina

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