Tochter 2;9 stottert von einem Tag auf den anderen

Erst informieren - dann therapieren: Die telefonische Fachberatung der BVSS:
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Für Stotterer ist auch eine Beratung per E-Mail möglich (info@bvss.de), welche aber längere Bearbeitungszeiten haben kann.
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Olivenbaum2013
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Tochter 2;9 stottert von einem Tag auf den anderen

Beitrag von Olivenbaum2013 » 16. Oktober 2013 19:36

Hallo,

meine Tochter (2;9) hat vor 5 Tagen wie aus dem Nichts angefangen zu stottern - ohne (für uns Eltern) nachvollziehbaren Anlass.
Unter anderem wiederholt sie Konsonanten (teilweise mehr als 10 mal) und dehnt Vokale.
Meine persönliche Sorge rührt natürlich daher, dass meine Mutter stottert (ohne Remission) und ich gestottert habe (merkt man heute kaum noch; ob man da von Remission reden kann?).
Zudem wurde ihr vor 1 Monat eine kleine Schwester geboren, die natürlich sehr viel Aufmerksamkeit schluckt - das haben wir schon vorher reflektiert und ich denke, wir fangen das relativ gut auf (aber wer weiß).
Dazu kommt, dass sie zweisprachig aufwächst.

Der sls-Test empfiehlt Arztbesuch, scheint mir aber sehr ungenau.
Was tun? Beobachten und Festigung in Kauf nehmen oder zum Arzt schicken und ein Thema draus machen.

Bis dato ignorieren wir es. Obwohl meine Frau da auch schon geweint hat (nicht im Beisein unserer Tochter) deswegen, als sie merkte, dass sie nicht sagen kann, was sie will und zum ersten Mal gestern sagte: "Mama, sag du es."

Danke im Voraus

Claudia Tasch
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Re: Tochter 2;9 stottert von einem Tag auf den anderen

Beitrag von Claudia Tasch » 16. Oktober 2013 22:06

Hallo Olivenbaum2013,

wir, das Team der Fachberatung, haben Ihre Anfrage gelesen. Wir wissen, dass Ihnen die Fragen förmlich unter den Nägeln brennen, da Ihre Tochter gerade akut begonnen hat, unflüssig zu sprechen. Dennoch möchten wir Sie bitten, sich etwas zu gedulden. Bis spätestens Anfang nächster Woche, möglichst aber schon eher, werden wir eine ausführliche Antwort für Sie einstellen.
Herzliche Grüße
Claudia Tasch
Claudia Tasch, Logopädin
Fachberatung der BVSS

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Re: Tochter 2;9 stottert von einem Tag auf den anderen

Beitrag von Claudia Tasch » 13. November 2013 08:12

Es tut uns sehr leid, dass noch keine Antwort eingestellt werden konnte. Krankheitsbedingt kann dies nun bis zu diesem Wochenende geschehen.
Wir bitten um Ihr Verständnis!
Herzliche Grüße, Claudia Tasch
Claudia Tasch, Logopädin
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Re: Tochter 2;9 stottert von einem Tag auf den anderen

Beitrag von Claudia Tasch » 17. November 2013 20:53

Sehr geehrter Olivenbaum2013,

zuerst einmal möchte ich mich bei Ihnen entschuldigen, dass die Beantwortung Ihrer Anfrage nicht zeitnaher möglich war.

Sie beschreiben erste unflüssige Symptome Ihrer Tochter in Form von Lautwiederholungen und Dehnungen. Ihre Sorge in Anbetracht der Familiengeschichte ist verständlich, dies bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Ihre Tochter auch weiterhin stottern wird. Ein großer Prozentsatz der Kinder (bis zu 80%) kommt in die Remission, das heißt, sie verlieren ihr Stottern komplett. Meine Kollegin ist dafür ein gutes Bespiel. Sie stottert selbst und ist mit einem stotternden Mann verheiratet. Beide Söhne (3 und 6 Jahre alt) haben über einen kurzen Zeitraum hinweg gestottert, sind aber beide in die Remission gekommen und sprechen nun flüssig.

Die Geburt der kleinen Schwester kann ein Auslöser für erste Stottersymptome sein, ist aber sicherlich keine Ursache. Nach aktuellem Forschungsstand gehen wir von einer genetischen Disposition aus, die Sie ja ebenfalls von Ihrer Familiengeschichte beschrieben haben.
Die Geburt eines zweiten Kindes ist für die ganze Familie eine aufregende Zeit. Es ist prima, dass Sie Ihre Tochter im Vorwege bereits so gut darauf vorbereitet haben. Das zeigt, wie umsichtig Sie als Eltern mit der neuen Situation umgehen.

Sie sprechen an, dass Ihre Tochter zweisprachig aufwächst. Das ist eine tolle Chance für Ihre Tochter! Eine Zweisprachigkeit wirkt sich in der Regel nur dann belastend auf Stottern aus, wenn das Kind im Erwerb einer oder beider Sprachen große Schwierigkeiten zeigt (Erwerb des Wortschatzes, der Grammatik etc.). Selbst in so einem Fall kann das Kind jedoch sein Stottern wieder verlieren.

Ihrem Brief entnehme ich die Frage, wie Sie am besten auf die momentane Situation reagieren sollten, darum werde ich darauf nun etwas ausführlicher eingehen.

Sie beschreiben eine erste Reaktion Ihrer Tochter auf ihre Symptome. Sie bemerkt deutlich, dass sich an ihrem Sprechen etwas verändert hat, dass sie im Sprechfluss abgebremst wird, das Sprechen manchmal länger dauert und mühsam sein kann. Sie macht ihre Hilflosigkeit deutlich, indem sie ihre Mutter darum gebeten hat, für sie zu sprechen.
Viele Eltern beschreiben mir ähnliche Situationen und auch die Unsicherheit, wie sie in solchen Momenten reagieren sollten.

Folgendes hat sich im Umgang mit ersten Stottersymptomen gut bewährt:

 kommentieren sie das Sprechen Ihrer Tochter mitfühlend, wenn es besonders schwer ist („oh, heute wollen die Worte gar nicht aus deinem Mund kommen, das ist aber anstrengend“; „ich verstehe, dass dich das traurig macht“, „es macht nichts, wenn es manchmal länger dauert mit dem Sprechen, ich höre Dir zu“ etc.)

Es ist wichtig, dass Ihre Tochter von Ihnen die Rückmeldung bekommt, dass Sie bemerken, wie es ihr in dieser schwierigen Situation geht. Versuchen Sie ihr das Gefühl zu geben, dass dies zwar eine schwierige Situation ist, dass Sie sie aber sicher gemeinsam meistern werden.
reagieren Sie möglichst gelassen auf Stottersymptome Ihrer Tochter, vermitteln Sie ihr Zeit und Ruhe und bleiben Sie auch während eines Stottersymptoms im Blickkontakt mit ihr.

Vielleicht fällt Ihnen auch auf, dass es Situationen gibt, in denen Ihre Tochter wenig bis gar nicht stottert (z.B. wenn sie kleine Rollenspiele spielt, wenn sie singt, wenn sie in einer entspannten Situation mit Ihnen alleine spricht).
 wenn es solche Situationen gibt, dann könnten Sie versuchen, diese bewusst herbei zu führen, so dass Ihre Tochter immer wieder ein Gefühl und damit die Sicherheit für flüssiges Sprechen bekommt.

Sie fragen in Ihrem Brief, ob es sinnvoller sei, das Sprechen Ihrer Tochter weiter zu beobachten oder „ein Thema draus machen“ und zum Arzt gehen.
Ihre Tochter hat selbst schon bemerkt, dass an ihrem Sprechen etwas nicht mehr so läuft wie bisher. Sie ist verunsichert und hilflos. Es wird ihr helfen, wenn Sie als Eltern mit ihr darüber sprechen, ihr zeigen, dass Sie diese Hilflosigkeit bemerken und gemeinsam nach einer Lösung suchen. Sprechen Sie mit ihr darüber, dass es auch andere Kinder gibt, bei denen „die Worte manchmal im Mund stecken bleiben oder hüpfen“. Sprechen Sie mit ihr darüber, dass Ihnen das früher selbst auch passiert ist und dass man etwas dagegen unternehmen kann. Das wird ihr Sicherheit geben.

Da sowohl Ihre Tochter als auch Sie als Eltern in Sorge sind, würde ich Ihnen zu einer ausführlichen Beratung bei einer kompetenten Stottertherapeutin raten. Über die telefonische Hotline der bvss (Telefon: 0221-139 11 06) bekommen Sie Kontaktadressen der möglichen Therapeuten in Wohnortnähe. Anhand dieser Liste erhalten Sie eine Vorauswahl der bei der bvss registrierten Therapeuten.

Achten Sie darauf, dass die Sie betreuende Person Fortbildungen zum Thema Stottern besucht hat und über eine gewisse Berufserfahrung in diesem Bereich verfügt. Im Bereich der Kindertherapie sind besonders die Therapieverfahren nach Carl Dell/van Riper, Sandrieser /Schneider (miniKIDS) und Lidcombe zu nennen.

Eine logopädische /sprachtherapeutische Beratung oder Behandlung muss von Ihrem Kinderarzt oder HNO- Arzt verordnet werden. Sprechen Sie mit ihm über Ihre Sorgen und bitten Sie ihn, Ihnen eine entsprechende Verordnung auszustellen.
Es ist möglich, dass Ihr Arzt Ihnen rät, erst einmal abzuwarten, da er informiert ist, dass bis zu 80 % der Kinder ihr beginnendes Stottern wieder verlieren. Wenn das so sein sollte, können Sie ihm klar machen, dass Sie sich für sich und Ihr Kind eine Entlastung wünschen. Beratung heißt nicht gleich, dass eine logopädische Therapie durchgeführt werden muss. Oft kann durch gute Anleitung der Eltern bei beginnendem Stottern eine aufwändige Therapie vermieden werden.

Viele weitere hilfreiche Tipps bietet auch der Elternratgeber der bvss: „Mein Kind stottert- was nun?“ http://www.bvss.de/shop/csc_article_det ... ch[special]=


Sehr geehrter Olivenbaum2013,
ich hoffe, dass ich Ihnen mit meinen Ausführungen weiter helfen konnte. Zögern Sie nicht, sich bei weiteren Fragen mit uns in Verbindung zu setzen.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles Gute!

Herzliche Grüße,

Ruth Ezeh
Fachberaterin der bvss

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