Tochter,2,5 Jahre stottert plötzlich

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anjujoda

Tochter,2,5 Jahre stottert plötzlich

Beitrag von anjujoda » 8. August 2014 21:26

Hallo
Unsere kleinste Tochter stottert ganz plötzlich.einfach so.sie hat vorher sehr gut und flüssig gesprochen.jeder der sie gehört hat,hat das so bestätigt. Sie hat zwei ältere Geschwister die keinerlei Probleme haben.heute waren wir beim Kinderarzt,der das ganze gleich mal runtergespielt hat.trotzdem haben wir eine Überweisung zu einem spezialisierten hno Arzt bekommen.dort werde ich am Montag anrufen.ich mache mir große Sorgen. Meine Tochter ist gerade eh in einer schwierigen Phase und schnell bockig.Teilweise sagt sie 10 mal “ich“ und dann erst “auch“.oder sie kommt nach “ich“ gar nicht weiter und ist dann sehr frustriert.wie soll ich darauf reagieren?das ist nur ein Beispiel von vielen.aber oft fehlt ihr kein schweres Wort,sie kommt einfach nicht über ein Wort drüber........vielen dank im voraus für ihre Hilfe

Ruth Ezeh
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Re: Tochter,2,5 Jahre stottert plötzlich

Beitrag von Ruth Ezeh » 11. August 2014 20:50

Hallo anjujoda,

vielen Dank für Ihre Anfrage! Im Laufe der nächsten Tage werden wir, das Team der Fachberatung, eine Antwort für Sie einstellen.
Mit herzlichen Grüßen,

Ruth Ezeh

Fachberatung BVSS

Claudia Tasch
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Re: Tochter,2,5 Jahre stottert plötzlich

Beitrag von Claudia Tasch » 18. September 2014 22:32

Hallo anjujoda,

nun ist leider schon etwas Zeit vergangen, seit Sie Ihre Anfrage eingestellt haben. Aber nun - endlich - auch unsere Antwort.

Ihre Jüngste stottert plötzlich und Sie als Eltern sind in großer Sorge. Das allein ist schon ausreichend dafür, dass ein Arzt Ihnen eine Verordnung für eine logopädische Diagnostik und Elternberatung ausstellen sollte. Hinzu kommt, dass Ihre Tochter bemerkt, dass etwas nicht stimmt, dass die Wörter manchmal einfach nicht aus dem Mund kommen wollen oder so lange hüpfen, sie auf einem hängen bleibt. Sie ist frustriert und versteht nicht, was da los ist. Dieses Störungsbewusstsein ist ein weiterer Grund, weshalb es notwendig ist, einen fachkundigen Therapeuten hinzu zu ziehen. Da muss dringend geschaut werden, ob neben Elternberatung nicht auch mit Ihrer Tochter therapeutisch gearbeitet werden sollte.
Wichtig ist, dass Sie in Ihrer Nähe eine Therapeutin/ einen Therapeuten finden, die/ der sich auf Stottern spezialisiert hat. Da hilft Ihnen die bvss gern weiter. Auf der Homepage oder aber telefonisch erhalten Sie Adressen nahegelegener Stottertherapeutinnen/en.

Sie fragen, wie Sie in solch schwierigen Situationen reagieren sollen. Nun, wichtig ist, dass Sie Ihrer Tochter zeigen, dass Sie ihr zuhören, dass Sie bei ihr sind. Geben Sie ihr die Zeit, die sie braucht. Nehmen Sie ihr das Wort möglichst nicht aus dem Mund. Ausnahmen sind "erlaubt", wenn ihre Tochter vielleicht einmal nicht allein aus einer solchen Wiederholungsschleife herauskommt. Manche Eltern legen ihrem Kind, wenn es besonders heftig stottert, wortlos die Hand auf den Arm oder die Schulter, um noch mehr bei ihm zu sein und es aber nicht zu unterbrechen. Das kann in bestimmten Situationen beruhigend, erdend sein. Aber da muss jeder für sich und sei Kind das Richtige herausfinden. Wichtig ist, dass Sie die Unflüssigkeiten nicht tabuisieren, dass Sie nicht so tun, als würden Sie die Not Ihrer Tochter nicht bemerken. Stottern ist ein Thema, worüber gesprochen werden darf, gesprochen werden sollte. Es wird Ihrer Tochter gut tun, wenn sie weiß, sie ist damit nicht allein. Nach einem Stottern, bei dem Sie ihre Not bemerken, können Sie beispielsweise etwas sagen wie "Das war aber ein schwieriges Wort." oder "Na so was, das wollte gar nicht weiter raus aus deinem Mund." oder "Das Wort ist aber doll gehüpft!" oder "Puh! Das war anstrengend, stimmt's?" Verharmlosen Sie es nicht, machen Sie es aber möglichst auch nicht größer, als es ist.
Sie sollten auch das Umfeld Ihrer Tochter - Großeltern, Erzieherinnen ... - dafür sensibilisieren. Auch größere Geschwister können, ihrem Alter entsprechend, sensibilisiert werden. Uter Geschwistern besteht ja durchaus auch eine Konkurrenz. Wenn es lebhaft zugeht, lässt schonmal einer den anderen nicht aussprechen. Da kann es hilfreich sein, mit kleinen Hilfen den Druck zu reduzieren. Vielleicht nehmen Sie ein Kuscheltier oder einen Stein oder etwas beliebig anderes, was immer der bekommt, der gerade spricht. Und solange derjenige spricht und den Gegenstand hat, hören die anderen zu und lassen ihn aussprechen. Das kann Situationen entschärfen, in denen Ihre Tochter sonst zu sehr unter Zeitdruck gerät, weil sie auch auch etwas erzählen will und vielleicht sonst nicht so zum Zuge kommt.

Im Demosthenes Verlag gibt es das Buch "Fritzi und Wolle", welches das Thema Stottern sehr kindgerecht aufgreift. Mit einer kleinen Geschichte über den stotternden Hasen Fritzi ist liebevoll illustriert und bringt für Kinder die Gefühlswelt beim Stottern und den Umgang damit - auch als Zuhörer - auf den Punkt. Es ist ein sehr gutes Vorlesebuch, auch mit Geschwistern oder im Kindergarten!
Für Sie als Eltern gibt es im Demosthenes Verlag u.a. den Ratgeber "Oft wussten wir nicht weiter", in dem Eltern von ihen Erfahrungen berichten, ergänzt mit Fachinformationen über Stottern.


Ich hoffe, ich konnte Ihre Fragen beantworten, wenn auch mit Verzögerung, die mir sehr leid tut.
Ich wünsche Ihnen und Ihrer Tochter alles Gute.

Herzlichst,
Claudia Tasch
Claudia Tasch, Logopädin
Fachberatung der BVSS

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