Stotternde Vögel

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Andreas
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Stotternde Vögel

Beitrag von Andreas » 6. Oktober 2008 15:40

Aus der ZEIT: Ein interessanter Artikel über die aktuelle Forschung bei stotternden Zebrafinken:
Manche Singvögel stottern. Das ist schlecht für ihre Partnersuche, aber spannend für das Grundstudium stimmlicher Kommunikation

Auf den ersten Blick ist Erich ein attraktiver Kerl. Er hat einen korallenroten Schnabel, rostbraune Bäckchen, eine schwarze Brust und weiß getupfte braune Flanken – ganz so, wie es sich für einen feschen Zebrafinken gehört. Doch sobald er den Schnabel aufmacht, wird klar, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Bei jedem Lied verheddert er sich bei der letzten Silbe. Statt eines klaren Finales wiederholt er den abschließenden Laut immer wieder: qui, qui, qui. Es hat keinen Sinn. Und klingt irgendwie unbeholfen. Man ahnt Verstörendes: Erich stottert.
http://www.zeit.de/2008/41/N-Stottervoegel

Grüße

Andreas

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Re: Stotternde Vögel

Beitrag von ---***--- » 8. Oktober 2008 18:57

... der arme Erich :laugh!
jetzt machen sie unseretwegen schon Tierversuche...
Danke für den Artikel!
... ich find ihn recht launig geschrieben, aber - unterschwellig - kommt das Vorurteil vom armen Stotterer durch, der keine Frau findet, oder? Na ja, mich betriffst ja nicht :biggrin, trotzdem bleibt bei mir ein schales Gefühl.
Interessant übrigens, dass Erich die letzte Silbe wiederholt.

Grüße!

Qwent
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Re: Stotternde Frösche

Beitrag von Qwent » 9. Oktober 2008 21:07

Hallo,

tja, Stottern scheint in der Tierwelt nicht unbekannt zu sein. Unter wissenschaft.de findet sich folgender Artikel:

Das seltsame Stottern der Ochsenfrösche zur Paarungszeit


Unterbrechungen des Quakgesangs gehorchen eigenen Regeln

Ochsenfrösche kommunizieren auch ohne Worte. Ein Stottern in ihrem Quakennzeigt nicht etwa, dass ihnen die Luft ausgeht, sondern dient gezielt der Verständigung. Das Stottergequake scheint vor allem der Partnersuche zu dienen, haben amerikanische Forscher herausgefunden. Ihre Untersuchungen schildern Andrea Simmons von der Brown-Universität in Providence und ihre Kollegen auf dem Jahrestreffen der Amerikanischen Akustischen Gesellschaft in New York.

Ochsenfrösche markieren mit ihrem Gequake ihr Revier, locken Weibchen für die Paarung an und demonstrieren, dass sie gesund und aggressiv sind. Für die Reviermarkierung wird eher stotterfreies Gequake verwendet, während gestotterte Lautäußerungen häufiger in der Paarungszeit vorkommen. Das Stottern scheint daher eine Rolle bei der Partnersuche zu spielen, schließen die Forscher.

Die Wissenschaftler nahmen mehr als 2.500 Rufe von insgesamt 32 Ochsenfroschmännchen auf. Sie analysierten die Zahl der Quaklaute und der Stotterpausen in jedem Ruf. Quaken und Stottern folgen einem zu regelmäßigem Muster, als dass den Tieren schlicht die Puste ausgehen könnte, fanden die Wissenschaftler. So beginnt ein Ruf grundsätzlich mit einem Quaken ohne Stottern. In ihren gestotterten Liedern beginnen sie zunächst immer nur mit einem einzigen Stotterer. Variieren sie die Anzahl der Stotterer, so machen sie das immer schrittweise: Es kommt immer nur eine Stotterpause hinzu oder eine fällt weg.

ddp/bdw

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Micha136
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Re: Stotternde Vögel

Beitrag von Micha136 » 24. April 2009 11:11

Danke für den Artikel, Andreas, den ich erst jetzt entdeckt habe ...

»Etwa sieben Prozent der Zebrafinken stottern«, sagt Helekar [Santosh A. Helekar, Professor für Neurowissenschaften am Baylor College of Medicine in Texas].
...
"Und was geschieht mit Erich, besteht für ihn Hoffnung auf Besserung? Helekar nickt. Werden Stotterer zu gesunden Vögeln gesteckt, können sie ihr Handicap durchaus verringern, auch wenn es nicht gänzlich verschwindet. Immerhin. So hätte Erich bei den Zebrafinkenweibchen nach tüchtigem Üben vielleicht doch noch eine Chance.
"


Also, für mich ist der Fall klar ... stotternde Zebrafinken haben's erst schwerer bei der Paarung und dann leichter :) ... sonst hätten sie es nicht schon auf 7% der Population geschafft :) ...
Und das Zebra im Vogelnamen ist ein schönes Beispiel für das Schwarz-Weiß-Sehen der Menschen - genau wie bei der Beurteilung des Stotterns :) ...

Sehen so vielleicht Zebras aus??? :)

Bild

In diesem Sinne ... alles Gute Micha.
Neues Leben - neues Glück :)

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Re: Stotternde Vögel

Beitrag von ---***--- » 5. Mai 2009 20:15

Micha136 hat geschrieben:Und das Zebra im Vogelnamen ist ein schönes Beispiel für das Schwarz-Weiß-Sehen der Menschen - genau wie bei der Beurteilung des Stotterns :) ...

Sehen so vielleicht Zebras aus??? :)
Nein, das sind ja auch Zebrafinken. Ihre Brust hat eine sog. Zebrazeichnung, schwarz-weiß gestreift, wie bei den Zebras. Die ich tatsächlich schwarz-weiß sehe :shock:

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Micha136
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Re: Stotternde Vögel

Beitrag von Micha136 » 6. Mai 2009 12:50

Mechthild hat geschrieben:
Micha136 hat geschrieben:Und das Zebra im Vogelnamen ist ein schönes Beispiel für das Schwarz-Weiß-Sehen der Menschen - genau wie bei der Beurteilung des Stotterns :) ...

Sehen so vielleicht Zebras aus??? :)
Nein, das sind ja auch Zebrafinken. Ihre Brust hat eine sog. Zebrazeichnung, schwarz-weiß gestreift, wie bei den Zebras. Die ich tatsächlich schwarz-weiß sehe :shock:
Würdest du eine zu 10-20 % schwarz-weiß gestreifte Katze als "Zebrakatze" bezeichnen, Mechthild?

Was ich damit sagen wollte ist, dass der Schreiber des Artikels genauso durch die Grenzenbrille schaut, wie der Namensgeber des Zebrafinken.
Um einer Sache einen Namen zu geben, nimmt man sich einen Teil heraus und wer der erste war, gibt dem Vogel eben einen Namen, in diesem Fall Zebrafink.

Warum nicht Rotschnäbler? oder Rehvogel (siehe braungepunktetes Gefieder bzw. Flügel)? Oder Buntvogel? etc.

Und genauso ist das mit dem Stottern ... man begrenzt sich auf einen Teil der großen Sache und versucht damit alles zu erklären.
Kann man machen ... wem's reicht :) ... mir reicht es jedenfalls nicht, dazu bin ich wohl einfach zu neugierig und glaube nicht an die kopflichen Grenzen anderer Menschen. Es sind ihre Grenzen (der Wahrnehmung), nicht meine ...

In diesem Sinne ... "Love's like a bird - she needs to fly" (aus Madonna's "Frozen") :) ... Micha.
Neues Leben - neues Glück :)

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Re: Stotternde Vögel

Beitrag von ---***--- » 18. Mai 2009 23:31

Lieber Micha,

ist schon ne Weile her, aber heute ist mein Namens-Tag...
Der Skandal wird übrigens noch größer, wenn Du wüsstest, dass weibliche Zebrafinken gar keine Zebrazeichnung haben. Und dann gibt es noch Zebrafinken, die ganz einfarbig weiß oder hellgelb (zB) sind...

Der Buntvogel ist ein Fink. :heul
Und Du regst Dich über ungenaue Bezeichnungen auf.
Um einer Sache einen Namen zu geben, nimmt man sich einen Teil heraus und wer der erste war, gibt dem Vogel eben einen Namen, in diesem Fall Zebrafink
Stimmt. :smile Genauso läuft das.

"What's in a name? That which we call a rose
By any other name would smell as sweet."
(Shakespeare)

Ich bin zufällig die Finderin vieler Katzennamen. Deine Frage hat mich an Zico, Eder und Socrates erinnert. Zico setzte sich nicht durch. Sie sah aus wie ein Hamster (rot-weiß-scharz gefleckt) und wurde dann entsprechend genannt. Hauskatzen gehören übrigens alle derselben Spezies an. Dagegen gibt es ziemlich viele Finken-Arten. Einige Hundert. Genau weiß ich das leider nicht mehr. Die "Einführung in die Systematik und Ökologie einheimischer Tierarten" liegt schon eine Weile zurück.
Und genauso ist das mit dem Stottern ... man begrenzt sich auf einen Teil der großen Sache und versucht damit alles zu erklären.
Kann man machen ... wem's reicht ... mir reicht es jedenfalls nicht, dazu bin ich wohl einfach zu neugierig und glaube nicht an die kopflichen Grenzen anderer Menschen. Es sind ihre Grenzen (der Wahrnehmung), nicht meine ...
Wer ist "man" und worauf begrenzt der sich und was wird alles erklärt?
Glaubst Du nicht, dass andere Menschen kopfliche Grenzen haben? :eh

Grüße, Mechthild

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Re: Stotternde Vögel

Beitrag von Micha136 » 19. Mai 2009 13:08

Mechthild hat geschrieben:
Micha136 hat geschrieben:Kann man machen ... wem's reicht ... mir reicht es jedenfalls nicht, dazu bin ich wohl einfach zu neugierig und glaube nicht an die kopflichen Grenzen anderer Menschen. Es sind ihre Grenzen (der Wahrnehmung), nicht meine ...
Wer ist "man" und worauf begrenzt der sich und was wird alles erklärt?
"Man" sind manchmal "alle", meistens jedoch "viele" oder auch nur "einige" wenige, liebe Mechthild ... kann man schwer herausfinden, Meinungsforschungsinsitute versuchen dies manchmal, doch durch ungenaue oder beabsichtigte Fragestellungen agieren sie dann meist eher als "Meinungsbildungsinstitute" :) ...
Fiktive Beispielfrage: Wussten Sie, dass 7% der Zebrafinken stottern?
Antworten zum Ankreuzen. a.) Ja, b.) Nein, c.) Jetzt schon ... :)

Wer hinterfragt da schon, was Zebrafinken sind, wie sie zu ihrem Namen gekommen sind, was Stottern ist und wie und warum Vögel stottern??? Alles klar?
Mechthild hat geschrieben:Glaubst Du nicht, dass andere Menschen kopfliche Grenzen haben? :eh
Hoppla, da bin ich jetzt wirklich einigermaßen überrascht, Mechthild ... diese Frage stellst du ausgerechnet mir??? :)

Natürlich glaube ich an die kopflichen Grenzen anderer Menschen bzw. nehme sie vielmehr wahr, genauso wie ich meine kopflichen Grenzen tagtäglich wahrnehmen und verschieben möchte. Darum geht's doch hier im Forum, oder??? Bin ich da hier etwa nicht am richtigen Ort? :)

Alles Gute, Micha.
Neues Leben - neues Glück :)

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Re: Stotternde Vögel

Beitrag von paul.dest » 4. November 2012 10:45

Andreas hat geschrieben:Aus der ZEIT: Ein interessanter Artikel über die aktuelle Forschung bei stotternden Zebrafinken: ...
http://www.zeit.de/2008/41/N-Stottervoegel
Sind keine stotternden, sondern eher Tourette-Syndrom-Vögel, weil das Symptom, den letzten Laut oder die letzte Silbe einer Phrase zu wiederholen, kein Stottern-, sondern ein Tourette-Symptom ist. Siehe auch den Thread "Vergleichbarkeit von Stottern und Tourette"

...

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Der vollständige Inhalt dieses Beitrages ist ab jetzt nur noch unter http://www.stottern-verstehen.de verfügbar.
Zuletzt geändert von paul.dest am 3. Dezember 2016 12:34, insgesamt 1-mal geändert.
http://stottern-verstehen.de

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Re: Stotternde Vögel

Beitrag von Frankie » 6. November 2012 10:55

Das mit Marilyn ist keine Legende, Paul. Ich und du kennen jemanden, der jemanden kennt, der Marilyn kannte. Kein Witz!

Grüße
Frank

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