Stottern woanders

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Torsten
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Stottern woanders

Beitrag von Torsten » 9. Februar 2011 18:12

Hallo zusammen,
ich habe eine Frage: Kennt jemand Untersuchungen über Zusammenhänge zwischen der Verbreitung des Stottern und verschiedenen Sprachen, oder Statistiken über den Anteil der Stotterer an der Bevölkerung z.B.in Frankreich, Italien oder Spanien?

Gruß Torsten
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Roland Pauli
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Re: Stottern woanders

Beitrag von Roland Pauli » 9. Februar 2011 18:41

Hallo Torsten,

Stottern tritt sehr gleichmäßig in allen Ländern der Erde und in allen bekannten Sprachen auf. Aber in den einzelnen Ländern gehen die Mitmenschen verschieden mit stotternden Menschen um.

Herzlichst
Roland
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Re: Stottern woanders

Beitrag von Torsten » 10. Februar 2011 17:50

Hallo Roland,
Roland Pauli hat geschrieben:... in den einzelnen Ländern gehen die Mitmenschen verschieden mit stotternden Menschen um.
ja, das kann ich mir vorstellen. Ich habe die Frage deshalb gestellt, weil mich interessiert, ob es Erkenntnisse über Zusammenhänge zwischen dem Rhytmus/der "Melodie" von Sprachen und der Stotterhäufigkeit der Sprecher gibt.
Im französischen Wikipedia gibt es z.B. keine Seite zu dem Stichwort "Stottern" -- so, als wäre es dort kein Thema.
Gruß

Torsten
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Roland Pauli
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Re: Stottern woanders

Beitrag von Roland Pauli » 10. Februar 2011 18:18

Torsten hat geschrieben: Im französischen Wikipedia gibt es z.B. keine Seite zu dem Stichwort "Stottern" -- so, als wäre es dort kein Thema.
Gruß

Torsten
Hubert Zeiger aus Strasbourg, der damalige Präsident der franz. Selbsthilfebewegung, berichtete mir vor vielen Jahren, dass den Franzosen Stottern äußert peinlich ist, und sie sich sehr oft für ihre stotternden Angehörigen schämen. Ein Stotterer wird dort leider oft als Schandfleck für die ganze Familie gesehen und über dieses Thema wird praktisch nie gesprochen.

In Italien ist es leider auch nicht besser.

Am lockersten gehen die Amerikaner mit dem Phänomen um. Vielleicht weil sie ein Einwanderungsland sind, und viele Menschen ohne Englischkenntnisse den Sprung in die neue Welt gewagt haben und sie sich anfangs mit Händen und Füßen, so gut sie konnten, verständigt haben.

Amerikaner sind da weniger anspruchsvoll, und sie haben eine Fülle von stotternden Stottertherapeuten, die dort sehr angesehen sind. Van Riper war ein typischer Vertreter und Wegbereiter, das Stottern einfach lockerer zu nehmen und damit auch weniger angespannt zu stottern.

Herzlichst

Roland
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Re: Stottern woanders

Beitrag von Torsten » 11. Februar 2011 17:51

Ja, das sind interessante Unterschiede...
Danke für die ausführliche Antwort

Torsten
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Re: Stottern woanders

Beitrag von ---***--- » 13. Februar 2011 20:37

Hi Torsten,
das ist eine nette Anfrage! Es gibt ja immer wieder Berichte, Behauptungen, zB Chinesen würden nicht stottern.
Ich kenne auch nur solche Aussagen, dass Stottern in allen Ländern und allen Kulturen gleich verbreitet ist.
Es gibt allerdings einen französischen Wikipedia-Eintrag, hier http://fr.wikipedia.org/wiki/Bégaiement.

Wenn es einen Zusammenhang zwischen Melodie der Sprache, Phonation usw. und Stottern geben würde, gäbe es im deutschsprachigen Raum bereits große Unterschiede, keine stotternden Rheinländer, viele schweizerdeutsche Stotternde.
Roland Pauli hat geschrieben:Am lockersten gehen die Amerikaner mit dem Phänomen um. Vielleicht weil sie ein Einwanderungsland sind, und viele Menschen ohne Englischkenntnisse den Sprung in die neue Welt gewagt haben und sie sich anfangs mit Händen und Füßen, so gut sie konnten, verständigt haben.

Amerikaner sind da weniger anspruchsvoll, und sie haben eine Fülle von stotternden Stottertherapeuten, die dort sehr angesehen sind. Van Riper war ein typischer Vertreter und Wegbereiter, das Stottern einfach lockerer zu nehmen und damit auch weniger angespannt zu stottern.
Ich halte es für eine gewagte Aussage, Amerikaner wären weniger anspruchsvoll, was den sprecherischen Ausdruck angeht. Was man in den amerikanischen Podcasts hören kann, ist tw. sehr "angespanntes" Stottern. Allerdings ist viel offenes Stottern zu hören, sehr erfrischend. In älteren Filmen (bis in die 80er, mindestens) findet man stereotype und abwertende Darstellungen von Stotternden. Für Charles Van Riper war es nicht selbstverständlich gewesen, Stottern "locker zu nehmen". Er tat es eher nicht, denn er hat sich ein ganzes langes Arbeitsleben dem Thema unermüdlich und umfassend gewidmet und selber jede erdenkliche Therapie an sich getestet.

Mit Wendell Johnson, Charles Van Riper, Joseph Sheehan und anderen mehr, fanden sich stotternde Experten zusammen, die den Umgang mit Stottern, in Therapie und in der Gesellschaft, revolutionierten. Hier im deutschsprachigen Raum sind deren Ideen erst 50 Jahre später durchgesickert und in der Breite sehr langsam angekommen. Die Tradition, offen und selbstbewusst zu sein, und zu stottern, ist in den USA mehrere Generationen alt, hier nicht. Grüße!

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Re: Stottern woanders

Beitrag von Torsten » 15. Februar 2011 09:30

---***--- hat geschrieben: Es gibt allerdings einen französischen Wikipedia-Eintrag, hier http://fr.wikipedia.org/wiki/Bégaiement
Danke für den Link. Ich hatte unter "bègayer" gesucht (ich kann nicht wirklich französisch) :D
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Re: Stottern woanders

Beitrag von Quax » 19. Februar 2011 10:30

... zwei bzw. drei Themen, mit denen ich mich in Bezug auf das Stottern unbedingt noch befassen will sind die Themen:

(1) Stottern in früheren Zeiten, insb. im Dritten Reich

(2) Stottern in anderen Kulturkreisen

Leider habe ich dazu bis jetzt noch sehr wenig Material gefunden. Wäre vielleicht mal eine umfangreiche wissenschaftliche Abhandlung wert.

In diesem Sinne

Viele Grüße

BERND

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Re: Stottern woanders

Beitrag von Quax » 19. Februar 2011 10:34

... achso, kleiner Nachtrag: bei der kulturellen Geschichte würde mich v.a. der arabische und (süd-) asiatische Raum reizen.

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