Stotterforschung Uni Innsbruck - stotternde Frauen

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Klein_S
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Stotterforschung Uni Innsbruck - stotternde Frauen

Beitrag von Klein_S » 22. Februar 2011 10:24

Liebe Forumsmitglieder,

ich bin Mitglied der Österreichischen Selbsthilfegruppe Innsbruck und habe bereits vor einiger Zeit im Zuge meiner Diplomarbeit einen Untersuchungsaufruf bzw einen Link zur Untersuchung der emotionalen Fähigkeiten stotternder Adoleszenter und Erwachsener ins Forum gestellt. Die Diplomarbeit ist (zum Glück) endlich erfolgreich abgeschlossen. Da die Ergebnisse sehr aussagekräftig sind, wird die Studie nun von mir und meiner betreuenden Professorin im Rahmen der Universität Innsbruck weitergeführt. Die Untersuchung bleibt diesselbe - das heisst, ein Link führt auf den Server der Uni Innsbruck, auf dem die Untersuchung - bestehend aus einem Fragebogen und einem Emotionserkennungstest aufgebaut ist. Meine Untersuchung ist anonym und dauert max. 20 Minuten.

Da sich die Geschlechterverteilung der Störung Stottern leider auch in meiner Untersuchung bemerkbar macht, suche ich noch dringend weibliche Stotternde ab dem 16. Lebensjahr, die bereit sind an meiner Untersuchung teilzunehmen.

Kurz zu meiner Untersuchung:

Sie basiert auf dem Störungsmodell nach Rainer Krause (Buch "Sprache und Affekt"), der davon ausgeht, dass Stottern nicht nur als Sprachstörung, sondern vor allem auch als Emotionsregulierungs- und Interaktionsstörung betrachtet werden sollte. Diesem Ansatz folge ich und untersuche mittels Selbstbeurteilungsfragebogen das emotionale Erleben sowie die Regulierung belastender Emotionen (Wut und Angst) und mittels einem Emtionserkennungstest der Uni Innsbruck die Fähigkeit emotionale Gesichtsausdrücke korrekt zu erkennen.

Die Ergebnisse meiner Diplomarbeit zeichnen bereits ein äußerst ambivalentes Bild von Stotternden und der Störung Stottern. So erleben stotternde im Vgl zu nicht-stotternden Untersuchungsteilnehmern negative Emotionen auffallend intensiver und können oftmals nur ineffektiv darauf reagieren. Gleichzeitig erleben Stotternde im Vergleich zu Nicht-Stotternden positive Emotionen gleich intensiv beziehungsweise ebenfalls auffallend intensiver. Im Bereich der Emotionserkennungsfähigkeiten ergeben sich zwei interessante gegensätzliche Leistungsbefunde. Erstens weisen stotternde Personen auffallend geringere Fähigkeiten in der Erkennung von Wut auf. Demgegenüber können sie aber den Freudeausdruck deutlich besser erkennen, als nicht-stotternde Probanden.
Unabhängig davon, ob jene Resultate ihren Beitrag zum Entstehen von Stottern leisten oder jene Abweichungen erst durch das jahrelange Stottern enstehen, stellen sie eine erhebliche zusätzliche Belastung zur täglichen Schwierigkeit flüssig zu sprechen, dar und könnten gerade auch bei nicht-manifesten Stotternden (bei denen das Stottern visuell und auditiv nicht wahrnehmbar ist) eine Erklärung für jene häufig auftretenden "nicht-gelingenden" im Sinne von "emotional nicht gelingenden" Interaktionen bieten. (siehe Krause, Rainer: video-basierte Interaktionsstudien mit nicht-manifesten Stotternden).

Die Fortführung der Studie und die Erhöhung meiner Probandenanzahl erlaubt mir nicht nur die Repräsentanz meiner Untersuchung zu steigern, sondern auch zusätzliche Vergleiche zwischen männlichen und weiblichen Stotternden hinsichtlich ihrem Emotionserleben, ihrer Emotionsregulierung und -erkennung vorzunehmen.
Wie bereits in einem anderen Thread ausführlich diskutiert wurde, besteht ein Unterschied zwischen stotternden Männern und Frauen. Ich frage mich, ob dieser Unterschied und auch der gesellschaftlich "unterschiedliche" Umgang mit stotternden Männern und Frauen sich auch auf jene emotionalen Kompetenzen auswirkt.

Ich denke, dass Emotionsstudien im Bereich Stottern in den letzten Jahren stark vernachlässigt wurden, jedoch ihre Ergebnisse einen wichtigen Beitrag nicht nur zur Erklärung der Störung Stottern, sondern vor allem auch zur Erklärung der häufig covariierenden sozialen Problemstellungen leisten können.


Daher wäre ich Ihnen außerordentlich dankbar, wenn Sie mich mit Ihrer Teilnahme bei meiner Untersuchung unterstützen.

Link zur Untersuchung: http://homepage.uibk.ac.at/~csaf4868/fb

Vielen Dank bereits im Voraus und liebe Grüße aus Innsbruck,
Susanne

transit
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Re: Stotterforschung Uni Innsbruck - stotternde Frauen

Beitrag von transit » 6. März 2011 21:47

Hallo Susanne,

den Fragebogen und Test deiner Untersuchung habe ich bereits vor einigen Tagen ausgefüllt.
Ich las vor längerer zeit von einer Studie über den Umgang mit Wut in den Ursprungs-Familien Stotternder, bzw die Unterdrückung von Reaktionen der Wut, bzw sogar der Emotion Wut selbst. Parallelen soll es auch in den Familien von Menschen mit schizophrenen Psychosen geben.
Leider ist mir die Quelle dieser Studie aktuell nicht in Erinnerung.

Bzgl des Emotionserkennungs-Tests möchte ich anmerken : Es handelt sich hier um statische Bilder, dies entspricht nicht der Realität "bewegter" Bilder, d.h. einem meist nur kurz sichtbaren mimischen Ausdruck. Bei statischen Bildern hat der/die BetrachterIn individuell Zeit, diese zu analysieren. Dies verfälscht bei Erwachsenen mit normaler bis guter Intelligenz mE ganz sicher aufgrund der kognitiven Kompensation das Ergebnis. Dieser Faktor führt bspw auch bei Emotionserkennungstests bzgl der Diagnostik des Autistischen Spektrums zu Beeinträchtigung der Aussagekraft der Ergebnisse der Emotionserkennungstests.

Sehr interessant finde ich eventuelle Parallelen deiner Untersuchungen des Stotterns zu denen des Autistischen Spektrums. Hast du diesbzgl Vergleichsgrundlagen ? Könntest du diese Fragestellung eventuell an deine betreuende Professorin herantragen ? Dafür wäre ich dir sehr dankbar.

Ist deine Diplomarbeit online zu lesen ?


Ich wünsche dir weiterhin Viel Erfolg !

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