Gehirnscan-Studien zum Stottern

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Gehirnscan-Studien zum Stottern

Beitrag von paul.dest » 9. Mai 2011 20:16

Ein paar Quellen zum Thema:

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Der vollständige Inhalt dieses Beitrages ist ab jetzt nur noch unter http://www.stottern-verstehen.de verfügbar.
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Re: Gehirnscan-Studien zum Stottern

Beitrag von Jaspis » 9. Mai 2011 21:35

Hallo Paul,
an der Uni Frankfurt gab es vor 2-3 Jahren eine spezielle Frauenstudie, also nur mit stotternden Frauen, vor und nach einer KST-Therapie mittels MRT untersucht. Leider habe ich noch nie Ergebnisse gelesen. Kennt jemand einen Link? Oder, vielleicht geht die SHG Frankfurt einfach mal bei Frau Prof. Neumann vorbei? ;-)
Gruß, Karen

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Re: Gehirnscan-Studien zum Stottern

Beitrag von paul.dest » 9. Mai 2011 21:57

Jaspis hat geschrieben:Oder, vielleicht geht die SHG Frankfurt einfach mal bei Frau Prof. Neumann vorbei? ;-)
:lol: Hallo Karen,

Schau mal bei Frau Neumann unter Publikationen.
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Re: Gehirnscan-Studien zum Stottern

Beitrag von Jaspis » 9. Mai 2011 23:04

Ne, das ist nichts dabei. Die Studie begann im Frühjahr 2009, eine der Teilnehmerinnen kenne ich, die hat auch noch nichts wieder gehört. Die Ergebnisse wären sehr interessant, sprecht doch mal vor! :-)
Gruß, Karen

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Re: Gehirnscan-Studien zum Stottern

Beitrag von Torsten » 11. Mai 2011 21:30

Hallo Paul,

ich finde, Katja Biermanns Doktorarbeit enthält viel Interessantes (danke für den Link). Ich picke mir mal die Rosinen :D raus:
Katja Biermann hat geschrieben:Möglicherweise zeigen stotternde Probanden eine fehlerhafte Integration auditiver Rückmeldung beim Sprechen […], sodass sie nicht adäquat darüber 'informiert' werden, welche Artikulation sie bereits durchgeführt oder begonnen haben. (3)
Die Vermutung, dass Stotternde „nicht adäquat darüber informiert werden, welche Artikulation sie durchgeführt oder begonnen haben“ ist natürlich naiv und viel zu einfach. Aber das mit der "fehlerhaften Integration auditiver Rückmeldung" finde ich schon mal gut.
Katja Biermann hat geschrieben:]In einer Korrelationsanalyse konnte Fox nachweisen, dass die Stotterrate mit frontalen Arealen der Sprachproduktion und dem Zerebellum [Kleinhirn] positiv korrelierte, während in temporalen Arealen negative Korrelationen auftraten. (18)
Also je geringer die Aktivierung in den Hörregionen, um so stärker das Stottern – oder: je stärker das Stottern, um so geringer die Aktivierung in den Hörregionen. Aber mir erscheint letzteres weniger plausibel, denn:

Abbildung 25 auf Seite 88 zeigt u. a. (in der zweiten Reihe von oben) die mittlere Aktivierung im Wernicke-Areal und im homologen Areal der rechten Hemisphäre beim Hören der Sätze, die anschließend nachgesprochen bzw. umgeformt werden sollten. Die Aktivierung in beiden Hemisphären ist bei den Stotterern niedriger als bei den nichtstotternden Kontrollprobanden. Allerdings ist der Unterschied nur beim Satz-Hören, nicht beim Hören einzelner Wörter (obere Reihe) aufgetreten.

Abb. 26, S. 89, obere Reihe: Beim Sprechen war die Aktivierung im Wernicke-Areal (= linke Hemisphäre) bei den Stotterern höher als bei den Nicht-Stotterern. Dieser Befund steht im Gegensatz zu allen Befunden, die Katrin Neumann aufführt – und natürlich auch im Gegensatz zu dem, was ich erwartet hätte. Die Erklärung für dieses abweichende Ergebnis könnte sein, dass die Probanden etwas Gehörtes nachzusprechen bzw. umzuformen hatten – dazu musste diese „auditorische Vorlage“ natürlich aktiviert sein. Und vielleicht ist das für Stotterer eine schwierigere Aufgabe als für Nichtstotterer.
Katja Biermann hat geschrieben:Generell erweisen sich alle Aufgaben, die die Produktion lediglich eines einzigen Wortes seitens der Probanden erfordern, als nicht geeignet, Stottern zu provozieren. Dass die Sprechunflüssigkeiten eher bei der Produktion von ganzen Sätzen zu beorachten sind, wird in der Literatur häufig beschrieben, weshal Stottern auch als Satz-Ebenen-Störung bezeichnet wird. (54)
Das bestätigt meine These: Stottern ist primär keine Störung der Artikulation (der Erzeugung von Lauten), sondern der Bildung von Sätzen – und zwar der Bildung eigener Sätze. Katja Biermanns Resultate bestätigen das: Beim Wortsprechen stotterten 3, beim Satzsprechen 7 (von insgesamt 10) Probanden. Beim bloßen Wiederholen von Sätzen wurde 165 mal, beim Umformen von Sätzen (Aktiv- in Passivform) dagegen 485 mal, also fast dreimal so häufig gestottert. (95)

Interessant ist noch folgendes, das Katja Biermann anscheinend gar nicht bemerkt hat: Im Diagramm auf Seite 74 ist dargestellt, welche Probanden mehr an den Satzanfängen (S1 und S7) und welche mehr in der Mitte der Sätze gestottert haben (S4 und S5). S1 und S7 sind aber zugleich Probanden mit kurzen Latenzzeiten, d. h. sie haben sehr schnell nach dem Aufforderungssignal zu sprechen begonnen – S4 und S5 dagegen haben sich etwas mehr Zeit gelassen (Latenzen siehe S. 74/75).

Grüße, Torsten
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Re: Gehirnscan-Studien zum Stottern

Beitrag von Torsten » 11. Mai 2011 22:05

Um auch noch ein bisschen Lesestoff beizutragen:

Hier ist ein Bericht über die Veränderungen im Fasciculus arcuatus, der Faserverbindung zwischen Broca- und Wernicke-Areal, bei Stotterern.

Und hier ist noch eine Doktorarbeit über Stottern, von Christine Michaela Busler. Dabin geht es hauptsächlich um die Symtomuntersuchung.

Viel Spaß bei der Lektüre! :D
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Re: Gehirnscan-Studien zum Stottern

Beitrag von paul.dest » 15. Mai 2011 15:21

Der Kerngedanke der Kompensations-/Läsionstheorie des Stotterns in 45 Sekunden erklärt: ...

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Re: Gehirnscan-Studien zum Stottern

Beitrag von Torsten » 15. Mai 2011 21:35

Schönes Video. Ich denke, dass K. Neumann mit dem, was sie hier sagt, völlig Recht hat - sie spricht nur von Dysfunktion, nicht von Läsion. Interessant ist, dass sie sich, obwohl sie den langen Satz sorgfältig formuliert, verspricht und es anscheinend nicht merkt: "Offensichtlich sucht also das Gehirn nach Regionen, mit denen sie dieses Defizit kompensieren kann."
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Re: Gehirnscan-Studien zum Stottern

Beitrag von paul.dest » 15. Mai 2011 21:56

Torsten hat geschrieben:sie spricht nur von Dysfunktion, nicht von Läsion.
Ich denke, dass sie mit "Läsion" und "Dysfunktion" dasselbe meint. (Kann man ja nachfragen.)
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Re: Gehirnscan-Studien zum Stottern

Beitrag von Torsten » 16. Mai 2011 10:11

paul.dest hat geschrieben:Ich denke, dass sie mit "Läsion" und "Dysfunktion" dasselbe meint.
"Läsion" bedeutet "Schädigung" - oft im Sinn von "Verletzung". Aber eine Schädigung des Gehirns kann auch genetisch bedingt sein. Und das ist es, was die Läsions-Kompensationstheorie behauptet: dass Stottern durch eine genetisch bedingte Läsion verursacht wird. Die Folge dieser Läsion - die Dysfunktion, die sich im Stottern manifestiert - wird dann z. T. dadurch kompensiert, dass die Steuerung des Sprechens auf die rechte Hirnhälfte, ins RFO verlagert wird.
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Re: Gehirnscan-Studien zum Stottern

Beitrag von paul.dest » 16. Mai 2011 11:01

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Re: Gehirnscan-Studien zum Stottern

Beitrag von Jaspis » 16. Mai 2011 13:23

Meines Wissens ist noch nicht endgültig geklärt, ob die Läsion angeboren oder erworben ist. Derzeit laufen z.B. noch Untersuchungen an Kindern, die genau das klären sollen: von Anfang an da oder erst bei erwachsenen Stotterern nachweisbar?
Gruß!

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Re: Gehirnscan-Studien zum Stottern

Beitrag von Joachim Haas » 16. Mai 2011 15:23

Ich sehe die Gehirnforschung aus zweilei Perspektiven. Aus der Sicht der Forschung wäre es ein unbeschreiblicher Fortschritt zu wissen woher Stottern kommt. Aber was passiert wenn wir es wissen? Werden wir operativ in unseren Körper eingreifen und die störenden Elemente beseitigen? Werden wir Medikamente einsetzten die uns verändern? Oder werden wir sogar eines Tages in die Genetik eingreifen um Stottern in der embryonalen Entwicklung im Ansatz zu verhindern?

nette grüße euer Joachim
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Re: Gehirnscan-Studien zum Stottern

Beitrag von Torsten » 16. Mai 2011 17:59

paul.dest hat geschrieben:Wer behauptet denn so was? Und wo kann man das nachlesen/nachhören/nachfragen?
Hier noch mal der Link zu K. Neumanns Text. Die eigentliche Theorie kommt am Schluss, ab Seite 10:
Katrin Neumann hat geschrieben:Wir nehmen an, dass die Mehraktivierungen bei Stotterern generell Kompensationsmechanismen für ein permanentes strukturelles Defizit (Läsion) widerspiegeln. Die strukturellen Defizite könnten mit den beschriebenen Anomalien der weißen Fasern im linken sensomotorischen Kortex zusammenhängen, aber auch mit Anomalien im linken Planum temporale und frontalen Kortex...
Jaspis hat geschrieben:Meines Wissens ist noch nicht endgültig geklärt, ob die Läsion angeboren oder erworben ist.
Ich fände es ein wenig seltsam, in diesem Fall von einer "erworbenen Läsion" zu sprechen - wenn es sich einfach um eine Folge jahrelangen Stotterns handelt. Zumal dann die Ursachenfrage wieder offen wäre. :wink:
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Re: Gehirnscan-Studien zum Stottern

Beitrag von Jaspis » 16. Mai 2011 19:03

Die Ursachenfrage ist offen! ;-)

Wisssenschaftler veröffentliche jeweils ihre Ergebnisse.
Frau Neumanns zitierte Studie ist von 2007. Die Studie mit Kindern an der Uni Göttingen läuft meines Wissens noch. (Rechts auf der Seite in der "Elterninfo" findet man mehr Details.)
Ich selbst sehe solche Studien, besonders mit Kindern, zwiespältig - sowohl von der Durchführung als auch von den Ergebnissen her.
Gruß!

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