Gehirnscan-Studien zum Stottern

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Re: Gehirnscan-Studien zum Stottern

Beitrag von paul.dest » 16. Mai 2011 22:13

Torsten hat geschrieben:Die eigentliche Theorie kommt am Schluss, ab Seite 10:
Katrin Neumann hat geschrieben:Wir nehmen an, dass die Mehraktivierungen bei Stotterern generell Kompensationsmechanismen für ein permanentes strukturelles Defizit (Läsion) widerspiegeln. Die strukturellen Defizite könnten mit den beschriebenen Anomalien der weißen Fasern im linken sensomotorischen Kortex zusammenhängen, aber auch mit Anomalien im linken Planum temporale und frontalen Kortex...
Eben. Dort steht an keiner Stelle, dass das strukturelle Defizit (Läsion) - anders gesagt: "Dysfunktion" oder "Andersfunktion" - genetisch bedingt sein muss. Natürlich kann sie das sein: mittelbar über viele weitere Kausalglieder und als eine(!) der vielen Möglichkeiten. Aber das ist nicht die Aussage einer "Läsions-Kompensations-Theorie".

Die Kernaussage einer "Läsions-Kompensations-Theorie" kann auch formuliert werden, ohne in neuronal-anatomische Details zu gehen,
zum Beispiel so ...

...

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Re: Gehirnscan-Studien zum Stottern

Beitrag von Torsten » 17. Mai 2011 11:59

Hallo Paul,

eine Läsion ist eine Läsion und keine Dysfunktion. Die Läsions-Kompensations-Theorie besagt, dass das Gehirn des Stotterers sich ähnlich wie das eines Schlaganfallpatienten verhält:
K. Neumann hat geschrieben:Von den grundlegenden Mechanismen einer spontanen Wiederherstellung nach Hirnschädigung werden beim Stottern offensichtlich folgende benutzt: 1) Adaptation homologer Regionen, 2) map-Ausdehnungen... (11)
Dass sie eine genetische Ursache für die Läsion vermutet, schreibt K. Neumann nicht explizit, führt am Anfang ihres Artikels aber eine Reihe genetischer Befunde an, die in diese Richtung weisen. Und aus dem Text ingesamt geht m. E. hervor, dass es das Ziel der Untersuchung war, etwas über die Ursachen des Stotterns herauszufinden. Ein strukturelles Defizit kann aber nur dann (primäre) Ursache des Stotterns sein, wenn es keine Folge des Stotterns ist.
paul.dest hat geschrieben:Denn eine und dieselbe Ursache hat das Stottern nur in dem Kausalglied, welches der akustischen Symptomatik unmittelbar vorausgeht.
Das kann man so nicht sagen, weil Lebewesen keine Maschinen sind: Es gibt hier meist keine linearen Ursache-Folge-Ketten, sondern Netzwerke, Wechsel-wirkungen und parallele Verarbeitungen. D. h. die Nerven, die die Bewegungen des Sprechapparates unmittelbar steuern, muss man sich als Teil eines neuronalen Netzwerkes denken, zu dem noch viele weitere Teile gehören. Stottern könnte das Resultat einer unzureichenden Synchronisation dieser Teile sein. Die (eine) Ursache für die unzureichende Synchronisation kann dann von der "akustischen Symptomatik" ein ganzes Stück entfernt sein.

Gruß Torsten
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Re: Gehirnscan-Studien zum Stottern

Beitrag von paul.dest » 17. Mai 2011 21:31

Hallo Torsten,

Eine Läsion ist in der Tat eine Läsion. Wenn aber Frau Neumann "Läsion" sagt, dann schlage ich nicht in der Wikipedia nach, was Frau Neumann damit meint, sondern direkt bei ihr. Und da wir hier von Stottern reden, schlage ich nicht im Kontext von Schlaganfällen nach, sondern im Kontext vom Stottern:
Katrin Neumann hat geschrieben:Wir nehmen an, dass die Mehraktivierungen bei Stotterern generell Kompensationsmechanismen für ein permanentes strukturelles Defizit (Läsion) widerspiegeln.
Von "Schädigung" im Sinne von "Gewalteinwirkung" oder im Sinne von "Hoppla! Ist auf einmal kaputt gegangen!" (wie bei Schlaganfällen) ist hier nicht die Rede, sondern lediglich von "Anomalien", also Andersartigkeiten:
Katrin Neumann hat geschrieben:Die strukturellen Defizite könnten mit den beschriebenen Anomalien der weißen Fasern... zusammenhängen, aber auch mit Anomalien im linken... Funktionell könnten sie zumindest partiell durch die beobachteten Deaktivierungen repräsentiert sein. Ein Hinweis darauf ist deren zeitliche Stabilität und ihre fehlende Beeinflussbarkeit durch die Therapie.
Am Anfang des Artikels führt Frau Neumann in der Tat eine Reihe genetischer Befunde an. Die stehen aber in keinem Zusammenhang mit der Läsions-Kompensations-Theorie, sondern sollen einfach nur die (zu damaligem Zeitpunkt) jüngsten Forschungsaktivitäten zu Stottern und ihre Ergebnisse beschreiben. Dementsprechend heißt der Artikel "Stottern im Gehirn: neue Erkenntnisse aus Humangenetik und Neurowissenschaften". Nach dem Abschnitt "Humangenetische Befunde" greift sie das Genetik-Thema während des gesamten Artikels nicht mehr auf. Die Interpretation, Neumann führe die "Stotterer-Läsion" (in jedem Fall) auf genetische Ursachen zurück, teile ich daher nicht. Und ich meine, dass es u.a. zu den Ergebnissen der Studien von Riaz gehört, dass nicht jede untersuchte stotternde Person über die genetischen Merkmale verfügt, die von Riaz als "Dispositionsort für Stottern" lokalisiert worden sind. Sollte ich mich irren, freue ich mich über eine Korrektur.

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Re: Gehirnscan-Studien zum Stottern

Beitrag von Torsten » 17. Mai 2011 22:44

paul.dest hat geschrieben:Wenn aber Frau Neumann "Läsion" sagt, dann schlage ich nicht in der Wikipedia nach, was Frau Neumann damit meint, sondern direkt bei ihr.
Das ist sehr höflich von Dir. Aber Wörter haben nun einmal ihre Bedeutungen. "Läsion" kommt von lat. laedere (laesum) = "verletzen". Eine Läsion hat nicht zwangsläufig eine Dysfunktion zur Folge, und eine Dysfunktion muss keine Läsion als Ursache haben: Wenn dein Auto lädiert ist, weil es eine Beule hat, muss es deswegen noch keine Dysfunktion haben - es kann trotzdem einwandfrei funktionieren. Und wenn es nicht funktioniert, muss es deswegen nicht lädiert sein - vielleicht ist bloß die Batterie leer :wink:

Gruß, Torsten
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