Forschungsthema für Masterarbeit (empirische Studie) gesucht

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Forschungsthema für Masterarbeit (empirische Studie) gesucht

Beitrag von JulianeGru24 » 21. Mai 2014 14:47

Mein Name ist Juliane Grunert und ich studiere Klinische Linguistik (2. Mastersemester) in Bielefeld. Ich bin gerade auf Themensuche für meine Masterarbeit und möchte diese gerne im Bereich "Stottern" schreiben. Für Anregungen wäre ich sehr dankbar oder vielleicht liest das jemand, der noch Unterstützung für die eigene Arbeit benötigt.

paul.dest
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Re: Forschungsthema für Masterarbeit (empirische Studie) ges

Beitrag von paul.dest » 21. Mai 2014 20:04

Hallo Juliane,

Dass Du eine Klinische-Linguistik-Masterarbeit im Bereich "Stottern" schreiben willst, finde ich toll. Und ich habe auch gleich eine Anregung für Dein Thema: ...

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Re: Forschungsthema für Masterarbeit

Beitrag von Torsten » 21. Mai 2014 20:40

Hallo Juliane,

schön, dass Du dich mit dem Thema Stottern beschäftigen willst. Aus meiner Sicht ist die Frage, welche Rolle die auditive Rückmeldung beim Stottern spielt, nach wie vor wichtig und im Prinzip ungelöst. Das hängt natürlich u.a. damit zusammen, dass auch nicht recht klar ist, welche Rolle die auditive Rückmeldung bei der Steuerung des normalen Sprechens spielt – von der Erkennung von Versprechern abgesehen.

Vermutlich kennst Du den Artikel von Nada Vasic und Frank Wijnen [1], in dem sie die Hypothese prüfen, ob Stotterer ihr eigenes Sprechen übertrieben auf normale Unflüssigkeiten kontrollieren. Die dabei gewonnen Daten zeigen m.E., dass das aufmerksame Hören auf die eigenen Worte (und nicht, wie die Autoren meinen, die Ablenkung von den normalen Unflüssigkeiten) das Stottern vermindert (ausführlicher hier). Man könnte das Experiment von Vasic und Wijnen, vielleicht in abgewandelter Form und mit einer anderen Hypothese, wiederholen. Man könnte sich z.B. weitere Bedingungen ausdenken, unter denen Stotterer gezwungen sind, beim Sprechen auf ihre eigenen Worte zu hören, und testen, wie sich das auf die Sprechflüssigkeit auswirkt.

In diesem Zusammenhang sind auch die Studien interessant, die in letzter Zeit mit elektronischen Sprechhilfen durchgeführt wurden. Auch hier stellt sich ja die Frage: Wieso wirken die Dinger eigentlich? Nach allgemeiner Ansicht beruht die Wirkung auf der Verzögerung und Frequenzveränderung der auditiven Rückmeldung (DAF bzw. FAF). Doch sowohl Unger, Glück und Cholewa [2] als auch Foundas et al. [3] fanden eine deutliche stottervermindernde Wirkung bereits ohne DAF und FAF (ausführlicher in diesem Thread, Beitrag vom 24. 8. 2013]). Auch zu diesem Thema könnte man sich weitere Untersuchungen vorstellen, um die Frage zu beantworten: Wirken die Geräte, indem sie Aufmerksamkeit vom Hören auf die eigene Sprache ablenken, oder wirken sie dadurch, dass sie den Sprecher dazu veranlassen, stärker auf seine eigene Sprache zu hören? Und falls letzteres zutrifft, wäre wieder interessant, auf was genau gehört werden muss – die Worte, die Stimme, die Prosodie...?

So weit ganz spontan einige Anregungen. Bei Fragen stehe ich gern zur Verfügung. Eventuell kann ich auch mit Literaturtipps helfen.
Herzlichen Gruß

Torsten Hesse


[1] Vasic, N. & Wijnen, F. (2005). Stuttering as a monitoring deficit. In R. J. Hartsuiker, R. Bastiaanse, A. Postma, & F. Wijnen (Eds.), Phonological encoding and monitoring in normal and pathological speech (pp. 226–247). Hove: Psychology Press, oder:

Vasic, N. & Wijnen, F. (2001). Stuttering and speech monitoring.

[2] Unger, J. P., Glück, C. W., & Cholewa, J. (2012). Immediate effects of AAF devices on the characteristics of stuttering: a clinical analysis. Journal of Fluency Disorders, 37, 122–134., oder:

die Dissertatinn von Julia Unger


[3] Foundas, A. L., Mock, J. R., Corey, D. M., Golob, E. J., & Conture, E. G. (2013) The SpeechEasy device in stuttering and nonstuttering adults: Fluency effects while speaking and reading. Brain & Language, 126, 141–150.
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Re: Forschungsthema für Masterarbeit (empirische Studie) ges

Beitrag von JulianeGru24 » 23. Mai 2014 15:23

Vielen vielen Dank für die ausführlichen Antworten, ich werde mich am Wochenende mal einlesen. Gerade das Thema mit der auditiven Rückmeldung finde ich sehr spannend.

Beste Grüße

paul.dest
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Re: Forschungsthema für Masterarbeit

Beitrag von paul.dest » 23. Mai 2014 19:37

Hallo Juliane und Torsten,

Wie Torsten halte auch ich die Frage, welche Rolle die auditive Rückmeldung im Sprechen der Stotternden spielt - die kleine Abwandlung von Torstens Formulierung ist mit Bedacht gewählt - , für eine der zentralen Fragen der Stotternforschung.

Zwei Tatsachen sind in diesem Kontext herausragend und für theoretische Konstrukte sehr produktiv:
  1. dass Gehörlose und postlingual Ertaubte sprechen können;
    demnach ist auditive Rückmeldung für ein funktionierendes Sprechen nicht wirklich erforderlich!
    • dass unter Gehörlosen so gut wie keine Stotternden vorkommen und das Stottern der postlingual Ertaubten einhergehend mit der Ertaubung verschwindet (siehe "Gehör aus => Stottern aus?");
      demnach ist die auditive Rückmeldung im Sprechen der Stotterer dafür (mit-)verantwortlich, Stotterereignisse hervorzurufen!
    Der Unterschied in der Rolle der auditiven Rückmeldung zwischen Stotternden und Nichtstotternden lässt sich empirisch zeigen, und zwar durch den Vergleich des ausschließlich flüssigen Sprechens beider Gruppen: ...

    Zugleich zeigen die stottern-eliminierenden Aktivitäten Schattensprechen (siehe "Re: simulgantechnik gegen stottern") und Simultanübersetzen (siehe "Simultanübersetzung: gleicher Effekt?"), dass die auditive Rückmeldung nicht an sich eliminiert zu werden braucht, um Stottern zu eliminieren. Offenbar kann der gleiche Effekt durch gezielte "Steuerung" des unwillkürlichen Selbsthörens erreicht werden. Oder auch durch bestimmte Verfremdungen des akustischen "Selbsthörmaterials", insbesondere durch Delayed Auditory Feedback (DAF).

    Und hier leite ich wieder zu Torsten über: ...

    ...

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    Re: Forschungsthema für Masterarbeit

    Beitrag von Torsten » 24. Mai 2014 13:46

    Nur zwei kurze Ergänzungen zu Pauls Beitrag:

    Zu der Studie von Vasic und Wijnen:
    Ich empfehle den Artikel von 2005 aus dem Buch (Quellenangabe in meinem obigen Beitrag). Er ist ausführlicher, und die Daten sind besser aufbereitet. Den Aufsatz von 2001 hatte ich nur verlinkt, weil er online verfügbar ist und einen ersten Eindruck vom Experiment vermittelt.

    Zu den Studien mit elektronischen Sprechhilfen:
    Über die Bedeutung der geringen Verzögerung von ca. 10ms, die die Geräte auch ohne DAF-Einstellung aufweisen, haben Paul und ich bereits ausführlich diskutiert (siehe diesen Thread ab dem Beitrag vom 28. 8. 2013). Ich denke, dass die geringe Verzögerung zumindest bei den von Unger, Glück und Cholewa getesteten Geräten dadurch kompensiert und vermutlich sogar überkompensiert wird, dass das Signal elektrisch übertragen und der Schall unmittelbar ins Ohr geleitet wird, während er beim natürlichen auditiven Feedback von den Wänden des Raumes reflektiert wird und erst danach ans Ohr gelangt* – will sagen: Auch beim natürlichen Feedback entstehen Verzögerungen, es entsteht sogar ein ganzes Bündel von Verzögerungen unterschiedlicher Länge. Ein Indiz dafür, dass diese geringe Verzögerung als solche und ihr exakter Wert nicht entscheidend sind, ist die stotterreduzierende Wirkung des Unisono-Sprechens: Sie ist nicht davon abhängig, ob der Mitsprecher exakt synchron, etwas hinterher oder etwas voraus ist - jedenfalls ist, soweit ich weiß, nichts anderes festgestellt worden. Interessant in diesem Zusammenhang ist das von Paul schon erwähnte Schattensprechen]: Hier kommt die Stimme, auf die der Stotterer hören muss, zeitlich vor seiner eigenen – und auch dies vermindert das Stottern i.d.R. deutlich.

    *) Zu einer 1m entfernten Wandfläche und zurück braucht der Schall ca. 6ms, zu einer 2m entfernten ca. 12ms usw.. Das auditive Feedback über die Knochenleitung ist zwar viel schneller als das über die Luft, es ist aber in beiden Fällen - mit und ohne Gerät - dasselbe.
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    Re: Forschungsthema für Masterarbeit

    Beitrag von paul.dest » 24. Mai 2014 17:03

    Hallo Torsten,

    Danke für den Hinweis auf das Buch. Hole ich mir gleich am Montag aus der Uni-Bibliothek.

    ...

    Zum einen geht es bei der von mir erwähnten Verzögerung nicht um die Laufzeit des akustischen Signals, sondern um den Versatz zwischen seiner Ankunft im Ohr mit und ohne Nutzung solcher Geräte. Es geht also um einen Wert, der alle möglichen (Über)Kompensationen bereits beinhaltet.

    Doch selbst wenn diese (Über)Kompensationen darin nicht bereits enthalten wären, ist die von Dir angeführte Rechnung, Torsten, physikalisch leider falsch: die Luftleitung funktioniert nicht deswegen, weil der Schall zunächst irgendwo reflektiert und zurück zum Ohr geleitet wird. ...

    ...

    Und vielleicht findest Du nun eine andere/weitere "Erklärung", warum es in der 0-Einstellung der Geräte keinen DAF geben dürfte. Letztendlich helfen all die Spekulationen aber nicht weiter, sondern nur eins: messen! Das ist gar nicht so schwer.

    ...

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    Re: Forschungsthema für Masterarbeit

    Beitrag von Torsten » 25. Mai 2014 12:11

    Hallo Paul,

    ich bestreite doch gar nicht, dass es in der Null-Einstellung ein DAF gibt. Es gibt ein DAF von ca. 10ms. Ich behaupte nur - und folge darin Foundas et al. - dass man es getrost vernachlässigen kann.

    Was Du über die Schallausbreitung schreibst, ist richtig. Trotzdem spielt beim Sprechen in Innenräumen die Reflexion des Schalls für die auditive Rückmeldung eine beträchtliche Rolle. Es stimmt, dass auch Schall mehr oder weniger direkt vom Mund zu den Ohren läuft - aber der Anteil des von den Wänden reflektierten Schalls ist beträchtlich - das merkt man, wenn man in einem Aufnahmestudio spricht, in dem dieser Anteil fehlt. Wenn wir in normalen Innenräumen sprechen, hören wir uns immer auch mit unterschiedlichen DAFs, darunter solchen, die größer als 10ms sind. Trotzdem stottern wir auch in Innenräumen und nicht nur auf dem freien Feld.

    An DAFs von 10 oder 20ms sind wir gewöhnt, denn sie kommen im Alltag sehr häufig vor. Deshalb bin ich der Ansicht, dass ein DAF von ca. 10ms hinsichtlich der Wirkung auf das Stottern vernachlässigt werden kann.
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    Re: Forschungsthema für Masterarbeit

    Beitrag von paul.dest » 25. Mai 2014 13:15

    Hallo Torsten,
    Torsten hat geschrieben:ich bestreite doch gar nicht, dass es in der Null-Einstellung ein DAF gibt. Es gibt ein DAF von ca. 10ms.
    Das liest sich zwei Beiträge weiter oben aber noch ganz anders, und zwar:
    Torsten hat geschrieben: Doch sowohl Unger, Glück und Cholewa [2] als auch Foundas et al. [3] fanden eine deutliche stottervermindernde Wirkung bereits ohne DAF und FAF (ausführlicher in diesem Thread, Beitrag vom 24. 8. 2013]).
    Die "deutliche stottervermindernde Wirkung" haben sie jedoch nicht "ohne DAF", sondern in der 0-Einstellung der Geräte gefunden, was - wie wir nun festgestellt haben - nicht dasselbe ist. Davon abgesehen gibt es diese "deutliche stottervermindernde Wirkung", von der Du schreibst, in dieser Pauschalität gar nicht. Man beachte die Varianz der Stotterminderung (Standardabweichung) - bei einer nicht zu vernachlässigenden Anzahl der Probanden hatte die 0-Einstellung der Geräte eben null stottermindernde Wirkung.
    Torsten hat geschrieben:Ich behaupte nur - und folge darin Foundas et al. - dass man es getrost vernachlässigen kann.
    Das ist eine noch kuriosere Behauptung. Du meinst einen "deutlichen" Unterschied in der Wirkung zu sehen, gibst Dich ratlos, worauf er zurückzuführen ist, und behauptest dann, dass man den naheliegenden Unterschied in der Ursache "getrost vernachlässigen kann"?! Warum? Weil der Zusammenhang zwischen dieser Ursache und dieser Wirkung nicht in Deine Stottertheorie passt?
    Torsten hat geschrieben:Trotzdem spielt beim Sprechen in Innenräumen die Reflexion des Schalls für die auditive Rückmeldung eine beträchtliche Rolle.
    Woher weißt Du das? Hast Du es gemessen? Oder liegt Dir eine Studie vor, in der jemand anderer das gemessen hätte?
    Torsten hat geschrieben:... der Anteil des von den Wänden reflektierten Schalls ist beträchtlich - das merkt man, wenn man in einem Aufnahmestudio spricht, in dem dieser Anteil fehlt.
    Manchmal ist ein großer Unterschied zwischen "beträchtlich" und "merklich". Um es mal an einem Beispiel zu erklären: Schwefelwasserstoff ist eines der giftigsten Gase überhaupt. In beträchtlicher Konzentration wirkt es auf einen Menschen innerhalb von wenigen Sekunden tödlich. Merklich ist es jedoch schon in sehr geringer Konzentration und ist dabei noch so gut wie wirkungslos: faule Eier verdanken ihren Geruch dem Schwefelwasserstoff, und mir ist noch kein Fall bekannt, in dem ein Mensch vom sekundenlangen Riechen an faulen Eiern gestorben wäre; auch Island wäre in dem Fall übrigens nicht bewohnbar.

    Analog ist auch der Unterschied in der Intensität der DAFs, die aus der Wände-Reflexion entstehen, und dem DAF, das durch so ein Gerät herbeigeführt wird. DAF-Geräte und (schlechte) Hörgeräte speisen das "gedaffte" Signal verstärkt ins Ohr des Gerätnutzers, also in einer höheren Lautstärke als das ursprüngliche Signal! Bei natürlichen Schall-Reflexionen wirst Du so eine Konstellation nirgendwo vorfinden.
    Torsten hat geschrieben:An DAFs von 10 oder 20ms sind wir gewöhnt, denn sie kommen im Alltag sehr häufig vor. Deshalb bin ich der Ansicht, dass ein DAF von ca. 10ms hinsichtlich der Wirkung auf das Stottern vernachlässigt werden kann.
    Wir sind auch ständig der natürlichen kosmischen und radioaktiven Strahlung ausgesetzt, also sind wir an sie "gewöhnt". Doch das ändert nichts daran, dass wir bei einer längeren Röntgen-Bestrahlung in der Intensität wie sie durch ein medizinisches Diagnosegerät erreicht wird, Krebs entwickeln; und dass wir bei einer radioaktiven Bestrahlung in der Nähe eines leckgeschlagenen Atommeilers innerhalb von wenigen Tagen verenden. Deiner Überlegung nach dürfte beides nicht passieren, denn eigentlich sind wir das doch gewöhnt.

    Und da zeigt er sich wieder: der Unterschied zwischen Mutmaßungen und Realität.

    ...

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    Re: Forschungsthema für Masterarbeit

    Beitrag von Torsten » 25. Mai 2014 18:06

    Hallo Paul,

    noch mal kurz und kompakt: Ich gehe davon aus, dass ein DAF von ca. 10ms nicht stotterreduzierend wirkt, weil wir solchen geringen DAFs in Innenräumen ständig ausgesetzt sind und trotzdem stottern. Daraus ziehe ich den Schluss: Wenn ein Gerät mit einem DAF von ca. 10ms deutlich stotterreduzierend wirkt, dann wirkt es (zumindest in dieser Einstellung) nicht durch das DAF, sondern durch etwas anderes.

    Denselben Schluss ziehen auch Foundas et al. in besagter Studie, wobei sie sich sehr vorsichtig ausdrücken:

    ''Thus, AAF per say may not be solely responsible for some of the observed treatment effects.'' (148)
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    Re: Forschungsthema für Masterarbeit

    Beitrag von paul.dest » 25. Mai 2014 20:31

    Hallo Torsten,
    Torsten hat geschrieben:Ich gehe davon aus, dass ein DAF von ca. 10ms nicht stotterreduzierend wirkt, ...
    Meinetwegen kannst Du ausgehen, wovon Du willst. Nur solltest Du das, wovon Du ausgehst, nicht als Tatsache wiedergeben, wenn es keine ist.
    Torsten hat geschrieben:...weil wir solchen geringen DAFs in Innenräumen ständig ausgesetzt sind und trotzdem stottern.
    Klingt, als wärst Du schon mehrfach am Geruch der faulen Eier gestorben. Und an der uns ständig umgebenden natürlichen kosmischen und radioaktiven Strahlung.

    Ohne Analogien lautet das Ganze wie folgt:
    Raumwände sind meist keine Spiegel! Weder optische noch akustische. Sie reflektieren sowohl das Licht als auch den Schall nur zu einem Teil. Oder wohnst Du etwa in einer rundum innen-verspiegelten Wohnung? Doch selbst wenn Du eine rundum "akustisch-verspiegelte" Wohnung Deine eigene nennst, sobald Dir eine Person gegenüber steht oder sitzt, sinkt die Stärke des reflektierten Schalls - allein durch die Person! - auf etwa 55%. Sind mehrere Personen im Raum kann die Stärke des reflektierten Schalls auf 5% runtergehen. ...

    Etwas gänzlich anderes ist ein 0-Einstellung-DAF der oben erwähnten Geräte: zum einen wird das DAF von den Geräten in einer Lautstärke erzeugt, die dem Originalschall gleichkommt oder ihn sogar übertrifft; zum anderen handelt es sich dabei um Verzögerungsdauern, die die Innenraum-Verzögerungszeiten um ein Mehrfaches übertreffen - selbst dann, wenn es die von keinem gemessenen "ca. 10ms" sein sollten. Die Wirkungen dieses DAFs (auf Nichtstotterer) sind längst bekannt (zum Beispiel aus dem Artikel, auf den Du selbst hingewiesen hattest): ...

    Wenn Du also den Wahrheitsgehalt Deiner folgenden Behauptung bestimmen willst,
    Torsten hat geschrieben:...weil wir solchen geringen DAFs in Innenräumen ständig ausgesetzt sind und trotzdem stottern.
    dann solltest Du zuerst einen Raum mit Schallreflexionsgrad von nahezu 100% finden/konstruieren und einer Reflexionszeit, die dem DAF der oben erwähnten Geräte entspricht; dann stellst Du einen Stotterer zum Sprechen einmal in diesen speziellen Raum und einmal in ein normales Wohnzimmer; und vergleichst anschließend seine Stotterrate. Solange Du oder jemand anderer das aber nicht gemacht ha(s)t, bleibt Deine obige Behauptung - trotz der Wiedergabe als Tatsache - auch diesmal reine Spekulation.

    Ich habe mein Experiment schon vor mehr als 10 Jahren im Darmstädter Bahnhof gemacht, ... Das ist der Grund, warum ich Deine obige Behauptung für rein theorie-motiviertes Wunschdenken halte.

    ...

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    Re: Forschungsthema für Masterarbeit

    Beitrag von Torsten » 25. Mai 2014 23:35

    Hallo Paul,

    wenn Du glaubst, dass ein 10ms-DAF das Stottern reduziert, dann glaub es einfach! Ich glaube es nicht. Dass dagegen ein DAF in einer großen Kirche, im Wald oder in einer Bahnhofskuppel stottervermindernd wirken kann, glaube ich durchaus – einfach deshalb, weil die Verzögerungen länger sind. Ich weiß nicht, wie groß die Kuppel im Darmstädter Bahnhof ist, von der Du schreibst. Ein DAF von 10ms hast Du schon bei einem Wandabstand von etwa 1,70m – das ergäbe einen Kuppeldurchmesser von ca. 3, 50m – nicht gerade viel. In einer größeren Kuppel hättest Du ein größeres DAF gehabt. Außerdem kann es bei gut reflektierenden Wänden auch zu Mehrfachreflexionen kommen, durch die sich die Verzögerung verdoppeln würde,

    Dass Du für Schallreflexion keine glatte (und erst recht keine verspiegelte) Wand brauchst, merkst Du am Echo, das an Bergen und sogar an Waldrändern auftritt - und daran, dass es aus dem Wald herausschallt, wie man hineinruft. :wink:

    Nun aber mal was anderes:
    paul.dest hat geschrieben:Diese Thompson-Studie aus den 1980ern ist mir bekannt, hat ein hohes Qualitätsniveau und kommt eben nicht zu den Ergebnissen von Vasic und Wijnen.
    Interessanter als die Thompson-Studie finde ich folgende:

    Arends, Povel und Kolk (1988). Stuttering as an attentional phonomenon. Journal of Fluency Disorders, 13, 141–151.

    Darin wird auch erklärt, warum Thompson nichts gefunden hat.
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    Re: Forschungsthema für Masterarbeit

    Beitrag von paul.dest » 26. Mai 2014 09:13

    Hallo Torsten,
    Torsten hat geschrieben:Ein DAF von 10ms hast Du schon bei einem Wandabstand von etwa 1,70m – das ergäbe einen Kuppeldurchmesser von ca. 3, 50m – nicht gerade viel.
    Ja, wahrscheinlich hast Du richtig gerechnet. Denn die Kuppel ist/war in der Tat ungefähr so groß. Also eher klein.
    Tut mir leid, Deinen Glauben wieder enttäuschen zu müssen.
    Torsten hat geschrieben:Dass Du für Schallreflexion keine glatte (und erst recht keine verspiegelte) Wand brauchst, merkst Du am Echo, das an Bergen und sogar an Waldrändern auftritt
    ... Die konkreten Absorptions- bzw. Reflexionsgrade der jeweiligen Oberflächen kannst Du den Akustik-Werken entnehmen. Da das gesamtakustische Ergebnis aber immer noch stark von der Geometrie des Raumes beeinflusst wird, führt für einen konkreten Raum am Königsweg so gut wie nichts vorbei: in dem Raum messen!
    Torsten hat geschrieben: - und daran, dass es aus dem Wald herausschallt, wie man hineinruft. :wink:
    In Ermangelung von Messergebnissen kann man "wissenschaftliche" Erkenntnisse alternativ auch aus Sprichwörtern herleiten. Schließlich hört man aus der Muschel das Meer rauschen. Also sind die DAF-Dauern einer Meeresmuschel so hoch, dass man das, was man vorgestern in sie reingesprochen hat, aus ihr heute wieder heraushören kann, nicht wahr? Inklusive des Stotterns von vorgestern. Und fertig ist der "Beweis" für Deine Theorie: es ist gar nicht DAF, was da wirkt! ;-)

    [ "Wissenswert: Wie kommt das Rauschen in die Muscheln?" ]

    ...

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    Beitrag von paul.dest » 31. Mai 2014 22:43

    ...

    Sehr interessant ist aber der gefundene Effekt, dass eine verbale Zweitaufgabe offenbar eine merkliche Stotterreduktion (um etwa 30%) bewirkt, wogegen eine visuelle Zweitaufgabe - auch eine sehr anspruchsvolle - nur einen sehr geringen Unterschied. Das widerspricht wiederum den theoretischen Annahmen der Autoren, bei der Aufmerksamkeit handele es sich um eine und dieselbe begrenzte Ressource. Denn wenn sie wirklich zwischen den Aufgaben geteilt wird, dann zeigt die experimentell gefundene, verschiedene Teilungswirkung, dass es sich bei der visuellen und bei der verbalen Aufgabe nicht um dieselbe Ressource handeln kann.

    ...

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    "Stottern" bei BurgerKing

    Beitrag von paul.dest » 1. Juni 2014 09:54

    ...

    Hier übrigens ein schönes Beispiel einer Äußerung, die auf facebook von jemandem wie folgt beschrieben wurde:
    Wie Herr Bork da ins stottern kommt XD
    Schaut man sich die Äußerung an - Andreas Bork antwortet: Michel Nic Habelmann - , stellt man fest, dass sie zwar tatsächlich mit auffällig vielen "Unflüssigkeiten" durchsetzt ist, jedoch nur eineinhalb von ihnen sind stotterähnlich und könnten Stotterereignisse darstellen. Tun sie aber höchstwahrscheinlich nicht. Aber das ließe sich eben nur mit der Auskunft von Andreas Bork beurteilen.

    ...

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