Habe ich eine Veranlagung zum Stottern?

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Habe ich eine Veranlagung zum Stottern?

Beitrag von LDS-TG90 » 7. März 2015 21:45

Hallo, ich bin neu hier im Forum. Ich heiße Thomas, bin 24 und bin Stotterer. In meiner Jugend bin ich ein paar Jahre zum Logopäden gegangen, das hat aber nur geringe Erfolge gebracht. In den letzten Tagen habe ich mich etwas im Internet mit Drogen und Psychologie beschäftigt. Dabei ist mir aufgefallen dass ich von Natur aus so bin wie jemand der ein wenig gekifft hat. Viele Symptome stimmen überein. Faulheit, Unmotiviertheit, Langsamkeit, schlechtes Kurzzeitgedächtnis, Müdigkeit, Unkonzentriertheit, abschweifende Gedanken, Schwierigkeiten beim Sprechen und bei der Wortfindung. Vielleicht bin ich als Kind in einen Topf mit Hanftee gefallen. ^^ Wahrscheinlich liegt es aber eher an meinem niedrigen Blutdruck. Scheinbar bewirken Cannabis und niedriger Blutdruck eine ähnliche Reaktion im Gehirn. In einer Doku über Cannabis habe ich gehört, dass bei Cannabis-Konsum der Teil vom Gehirn aktiver wird, mit dem man sich mit sich selbst beschäftigt, also mit dem man über etwas nachdenkt, strategisch denkt. Im Gegenzug ist doch dann der Teil vom Gehirn, mit dem man sich mit der aktuellen Tätigkeit beschäftigt, weniger aktiv und leistungsfähig. Das passt perfekt zu mir! Ich bin gut im strategischen Denken, aber schlecht bzw. langsam bei komplexen Tätigkeiten wie sprechen oder schreiben. Habe ich also eine Veranlagung, bei der Stottern häufiger Auftritt? Und die nächste Frage: Gibt es vielleicht eine psychoaktive Substanz die das Gegenteil von Cannabis bewirkt, also die sprachliche Leistungsfähigkeit erhöht? Ich meine ich will jetzt auf keinen Fall anfangen irgendwelche gesundheitsschädlichen Drogen zu nehmen, aber es wäre doch vorstellbar dass es irgendwann mal ein Medikament für einen besseren Sprachfluss geben könnte. Eine andere Möglichkeit wäre vielleicht das Gehirn zu trainieren. Oder einfach ein Medikament für höheren Blutdruck nehmen, solche gibt es ja bereits. Das waren jetzt mal ein paar Gedanken die ich loswerden wollte. Grüße

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Re: Habe ich eine Veranlagung zum Stottern?

Beitrag von Torsten » 8. März 2015 11:28

Hi Thomas,

willkommen hier im Forum! Wenn du, wie du schreibst, Stotterer bist, dann wirst du auch eine Veranlagung dafür haben. Ich glaube nicht, dass jemand ohne eine physische Veranlagung chronisch stottert – außer infolge von Hirntraumata, Schlaganfall usw. Allerdings scheint diese Veranlagung nicht bei allen Stotterern gleich zu sein. Aus meiner Sicht sind Defizite in der Steuerung der Aufmerksamkeit, in der auditiven Verarbeitung, vielleicht auch motorische Defizite denkbar.

Faulheit, Unmotiviertheit, Langsamkeit, schlechtes Kurzzeitgedächtnis, Müdigkeit, Unkonzentriertheit, abschweifende Gedanken, Schwierigkeiten bei der Wortfindung sind nicht unbedingt typisch für Stotterer. Die Probleme mit der Aufmerksamkeitssteuerung äußern sich vor allem in Schwierigkeiten bei Tätigkeiten, wo man die Aufmerksamkeit auf mehreres zugleich richten muss.
LDS-TG90 hat geschrieben: Gibt es vielleicht eine psychoaktive Substanz die das Gegenteil von Cannabis bewirkt...
Keine Ahnung – vielleicht Coffein? Auch wegen des Blutdrucks...
Es gibt eine Substanz, die bei vielen Stotterern die Symptome vorübergehend (solange die Wirkung anhält) beseitigt: Haloperidol, ein Dopamin-Blocker. Es treten aber meist erhebliche Nebenwirkungen auf:, u.a. Müdigkeit und Unkonzentriertheit, also Dinge, mit denen du ohnehin schon zu kämpfen hast. Im Ernst: Probier doch mal aus, wie sich Kaffee oder schwarzer Tee auf dein Gesamtbefinden und auf das Sprechen auswirken.

Und Gehirntraining – das ist natürlich immer gut. Probieree doch mal, ob sich etwas verändert, wenn du beim Sprechen deine Aufmerksamkeit auf die Wahrnehmung deiner Stimme richtest: Höre auf deine Stimme und spüre das Vibrieren der Stimmbänder in der Kehle! Nimm deine Stimme als Kraft wahr...

Ich habe auch einen etwas niedrigen Blutdruck, fühle mich auch oft etwas müde, bin aber nicht langsam, auch nicht besonders unkonzentriert oder leicht ablenkbar, und auffällige Wortfindungsstörungen hab ich auch noch nicht bemerkt – mal abgesehen davon, dass ich mir Namen schlecht merke...

Gruß, Torsten
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Re: Habe ich eine Veranlagung zum Stottern?

Beitrag von LDS-TG90 » 8. März 2015 14:12

"Keine Ahnung – vielleicht Coffein? Auch wegen des Blutdrucks..."

An das Gleiche habe ich auch gedacht. Es gibt verschiedenste Aufputschmittel http://de.wikipedia.org/w/index.php?tit ... edirect=no aber viele davon haben katastrophale Nebenwirkungen. Am ungefährlichsten sind wahrscheinlich Coffein und Traubenzucker.

"Im Ernst: Probier doch mal aus, wie sich Kaffee oder schwarzer Tee auf dein Gesamtbefinden und auf das Sprechen auswirken."

Das werde ich mal probieren.

"Und Gehirntraining – das ist natürlich immer gut. Probieree doch mal, ob sich etwas verändert, wenn du beim Sprechen deine Aufmerksamkeit auf die Wahrnehmung deiner Stimme richtest: Höre auf deine Stimme und spüre das Vibrieren der Stimmbänder in der Kehle! Nimm deine Stimme als Kraft wahr..."

Kann sein dass das hilft. In einem Gespräch hat man dann aber das Problem, dass man sich weniger darauf konzentrieren kann, was man als nächstes sagen will. Das ist wahrscheinlich auch der Grund warum viele Methoden bei mir nicht helfen oder sogar das Gegenteil bewirken. Man weiß nicht was man sagen soll, wird nervös und stottert noch mehr. Wenn dann müssen die Methoden automatisch funktionieren, man darf sich nicht mehr darauf konzentrieren müssen. Vielleicht hilft es auch dass wenn man alleine ist Selbstgespräche führt und somit das Sprechen und die Wortfindung trainiert. Wenn man dann mit jemanden spricht läuft das Sprechen automatischer ab und man kann sich mehr darauf konzentrieren was man sagt.

Ich werde also in der nächsten Zeit mal Coffein, Zucker und Selbstgespräche ausprobieren, vielleicht kann ich damit was verbessern. :D

Gruß, Thomas

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Re: Habe ich eine Veranlagung zum Stottern?

Beitrag von LDS-TG90 » 8. März 2015 16:19

Hier habe ich noch etwas gefunden:
http://www.gesundheitsberatung.de/leist ... ation.html
Vollkorn, Bananen, Nüsse, viel trinken und genug Schlaf helfen bei der geistigen Leistungsfähigkeit.

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Re: Habe ich eine Veranlagung zum Stottern?

Beitrag von Torsten » 8. März 2015 18:14

LDS-TG90 hat geschrieben:In einem Gespräch hat man dann aber das Problem, dass man sich weniger darauf konzentrieren kann, was man als nächstes sagen will.
Ja. Deshalb ist es gut, diese Methode erst mal in Situationen anzuwenden, wo man nicht viel überlegen muss. Du kannst z.B. laut lesen und dabei auf deine Stimme hören. Beim freien Sprechen bieten sich Situationen an. wo man nicht viel nachdenken muss und sich auch ruhig mal verhaspeln kann – Gespräche in der Familie, mit Freunden usw., und Einkaufen, beim Bäcker, wo man nur einen Satz sagt.

Das Ziel des Trainings ist, sich das Hören auf die Stimme während des Sprechens anzugewöhnen, damit es irgendwann auch in anspruchsvolleren Sprechsituationen funktioniert. Es kommt darauf an, zu üben, die Aufmerksamkeit zu splitten: Natürlich braucht man einen Teil Aufmerksamkeit für die Sprechplanung sonst redet man Unfug. Aber einen Teil Aufmerksamkeit sollte man auf das Hören der eigenen Sprache verwenden.

Den Planungsaufwand beim Sprechen kannst du dadurch vermindern, dass du in Abschnitten sprichst – also an allen geeigneten Stellen im Satz kurze Pausen machst, so wie es auch gute Redner tun.
LDS-TG90 hat geschrieben:Man weiß nicht was man sagen soll, wird nervös und stottert noch mehr.
Wenn dir ein Wort nicht gleich einfällt, mach ganz bewusst eine Pause – ohne nervös zu werden.
LDS-TG90 hat geschrieben:Wenn dann müssen die Methoden automatisch funktionieren, man darf sich nicht mehr darauf konzentrieren müssen.
Sie wirkt erst automatisch, wenn du sie automatisiert hast, also lange genügt bewusst geübt hast.
LDS-TG90 hat geschrieben:Vielleicht hilft es auch dass wenn man alleine ist Selbstgespräche führt und somit das Sprechen und die Wortfindung trainiert. Wenn man dann mit jemanden spricht läuft das Sprechen automatischer ab und man kann sich mehr darauf konzentrieren was man sagt.
Ja genau. Laute Selbstgespräche und laut Lesen üben. Dabei auf die Stimme hören und viele Pausen lassen – zwischen den Sätzen und innerhalb der Sätze.
LDS-TG90 hat geschrieben:Ich werde also in der nächsten Zeit mal Coffein, Zucker und Selbstgespräche ausprobieren, vielleicht kann ich damit was verbessern.
Das Problem mit Coffein ist, dass das Stottern davon auch stärker werden kann (ist bei mir so). Aber probier es aus! Und gegen Vollkorn, Bananen, Nüsse, viel trinken und genug Schlaf ist natürlich nichts einzuwenden. :D
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Re: Habe ich eine Veranlagung zum Stottern?

Beitrag von LDS-TG90 » 8. März 2015 19:38

Das werde ich das nächste Mal beim Bäcker ausprobieren. ^^

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