Als Stotterer im Beruf telefonieren

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Liamnoa
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Als Stotterer im Beruf telefonieren

Beitrag von Liamnoa » 22. Januar 2017 15:54

Hallo,

ich hoffe ihr könnt mir weiter helfen.

Als Stotterer drücke ich mich gerne vor Telefonaten. Im Privatleben ist das kein Problem, aber im Berufsalltag ist das nicht immer so einfach.

Habt ihr Tipps für das telefonieren als Stotterer?

Und soll ich das Problem bei meinem Arbeitgeber ansprächen?

Vielen Dank im voraus

DPrell
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Re: Als Stotterer im Beruf telefonieren

Beitrag von DPrell » 22. Januar 2017 17:31

Hi
ich hab mal ein Video auf Youtube angeschaut dazu. Hier der link: https://www.youtube.com/watch?v=X__R1G3RFJU. Vielleicht hilft es dir ja schon bissel.
Man kann es ansprechen, nur ob der Arbeitgeber ne andere Stelle in firma hat, wo du weniger telefonieren musst ist fraglich.

Gruß Doreen

Bärifatius
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Re: Als Stotterer im Beruf telefonieren

Beitrag von Bärifatius » 6. Februar 2017 18:13

Hy,
Also ich habe es bei meinem Arbeitgeber angesprochen... Und Nunja wenn sie es nicht Grade vergisst, dann komm ich drum herum. :lol:

PetraS
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Re: Als Stotterer im Beruf telefonieren

Beitrag von PetraS » 8. Februar 2017 09:25

Hallo,
als Stotterer, der viel telefonieren muss, sollte man unbedingt mit dem Arbeitgeber sprechen.
Nicht-Stotterer können sich nicht vorstellen, was Telefonangst bedeutet. Sie wissen es nicht, weil sie es nicht erleben. Und Nicht-Stotterer wissen auch nicht, was Stottern ist. Sie kennen das Wort und haben die vage Vorstellung, dass jemand K-K-K-K-Klaus sagt, dass es aber auch Stottern ist, wenn man "ich heiße äh äh ich heiße äh ich heiße äh äh äh Klaus" ist, das wissen sie nicht und witzeln darüber, dass du womöglich deinen Namen vergessen hast.

Dabei ist es wichtig, dass man selbstbewusst zu seinem Stottern stehen kann.
Es anzusprechen, als gestehe man einen Mord, macht kein gutes Bild. Am besten man sagt es sachlich und gerade heraus.
"Übrigens stottere ich, und zwar mal mehr und mal weniger - Sie werden es merken. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn ich nicht so viel telefonieren muss, ansonsten bin ich in keinster Weise eingeschränkt."

Manchmal reicht schon die Tatsache, dass andere es wissen, dass du stotterst, und du stotterst viel weniger. Es entlastet dich psychisch und nimmt dir den Druck, wie ein Normalsprecher aussehen zu wollen.
Bedenke, Stottern ist keine Straftat, sondern eine Störung, für die du nichts kannst.
Petra

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Re: Als Stotterer im Beruf telefonieren

Beitrag von Nina 1999 » 15. April 2017 13:10

Hallo,

die "Telefonangst" kenne ich sehr gut. In meiner Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten besteht viel Patientenkontakt, dadurch lässt sich das Telefonieren nur schwer bzw. gar nicht umgehen. Das Anfordern von Befunden in anderen Praxen oder auch die Terminvergabe führten (vor Beginn der Therapie Anfang letzten Jahres) fast regelmäßig zu peinlichen Situationen vor Kolleginnen und dem Chef.

Mittlerweile gelingt es mir immer öfter, die "schwierigen" Anfangslaute (besonders Vokale) mit Hilfe einer Sprechtechnik (dem Preparatory-Set) weicher, kontrollierter und flüssig auszusprechen.

Die (mit der Verordnungsmenge im Regelfall) erreichten Fortschritte können meine Therapeutin und ich nun mit einem weiteren Rezept und der Besonderheit "Außerhalb des Regelfalls" aufrechterhalten und ausbauen.

Klar, gibt es auch jetzt noch Wörter und Situationen, diese ich lieber vermeiden möchte. Ich denke, dass (im Laufe der weiteren Behandlung) auch diese "Angst" noch verschwinden wird und der fehlende Transfer in den Alltag gut gelingen kann.

Schöne Ostertage wünscht

Nina 1999

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Re: Als Stotterer im Beruf telefonieren

Beitrag von Jaspis » 17. April 2017 13:59

Meine Erfahrungen der letzten Jahre sind folgende: Telefonieren lernen und können (ohne Angst, gflls. mit Sprechtechnik), ist das eine. Das andere ist, diese Belastung dann wirklich über Jahre durchzuhalten.
Ich bin vor 2 Jahren freiwillig in den Kundendienst bei uns in der Firma gewechselt, ich wollte mehr Kundenkontakt und mehr Abwechslung. Inklusive telefonieren, das habe ich mir zugetraut. Doch inzwischen wird mir das alles zuviel, ich versuche wieder zurück zu wechseln. Konzentration und Sprechtechnik, das strengt auch an und braucht eigentlich ein ruhigeres Umfeld, im Kundendienst natürlich nicht gegeben. Ich bereue inzwischen meinen Ehrgeiz und meine Zuversicht, dass ich doch telefonieren kann. Können ja, aber dauerhaft konstant durchhalten, nein. Daher mein Rat für Stotterer: Ran ans Telefon, aber in Maßen!

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Re: Als Stotterer im Beruf telefonieren

Beitrag von PetraS » 17. April 2017 14:59

Hallo,
ich glaub, dass das Telefonieren im Beruf damit steht und fällt, wie man zu seinem Stottern eingestellt ist.
Ich kenne jemanden aus unserer Gruppe, den ich mal mehr und mal gar nicht stotternd erlebe. Er muss aus beruflichen Gründen sehr viel telefonieren, und soweit ich mich erinnere sogar in einer Abteilung, wo es um Reklamation von Produkten geht. Zig mal am Tag sagt er. Daneben weist er auch noch Azubis ein.

Wenn er nun sagen würde "heute stottere ich mehr, da möchte ich nicht telefonieren" oder "heute geht mein Sprechen ziemlich flüssig, da kann ich mehr telefonieren", wäre es einfach unrealistisch. Ich muss also, egal ob ich mehr oder weniger stottere, mich selber fragen, wie ich damit umgehe, wenn ich am Telefon hängen bleibe.

Oder wie ein bekannter Therapeut mal ausgedrückt hatte: "es muss mir völlig gleichgültig sein".
Für mich ist das das Ziel. Gleichgültigkeit gegenüber dem eigenen Stottern, Gleichgültigkeit gegenüber der Reaktion des Zuhörers. Und den Mut, diesem auch mal deutlich zu machen, dass man hier gerade nicht konfus ist, sondern einfach nur stottert.

Damit wäre den meisten Stotternden geholfen.
Petra

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Re: Als Stotterer im Beruf telefonieren

Beitrag von Jaspis » 17. April 2017 16:03

PetraS hat geschrieben:
17. April 2017 14:59
ich glaub, dass das Telefonieren im Beruf damit steht und fällt, wie man zu seinem Stottern eingestellt ist.
Hallo Petra, und genau das würde ich so nicht (mehr) unterschreiben! Es ist körperliche und emotionale Arbeit mit Stottern zu sprechen, egal ob stark oder wenig flüssig, egal ob mir mein Stottern egal ist. (Ich bezweifle auch, dass einem das Stottern in einem Großraumbüro inmitten Kollegen, mit wichtigen Kunden am Telefon, wirklich jemals egal sein wird, kann - und sollte.)
Diese Arbeit am/mit Stottern kann auf jeden Fall auch überfordern, da sollte man auf sich aufpassen.

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Re: Als Stotterer im Beruf telefonieren

Beitrag von Roland Pauli » 20. April 2017 12:00

Hallo Petra und Jaspis,

wenn ich mich mit einer kleinen Anfangspause ruhig melde und im weiteren Gesprächsverlauf auf mein ruhiges Sprechtempo achte, geht das inzwischen sehr zuverlässig. Wenn die muskuläre Anspannung doch plötzlich höher geht, versuche ich nicht mit mehr Anstrengung wie früher zu sprechen, sondern eine auftretende Symptomatik gelassen hinzunehmen und ruhig weiter zu sprechen. Ich setze also keine besondere Sprechtechnik ein, die evtl. viel Konzentration verlangt, sondern ich baue auf Gelassenheit. Das hat allerdings viele Nachbereitungen erfordert, aber es hat sich gelohnt. Und Ärger oder Scham sind längst kein Thema mehr.

LG
Roland

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Re: Als Stotterer im Beruf telefonieren

Beitrag von Jaspis » vor 47 Minuten

Hallo Roland,
prinzipiell stimme ich Dir voll und ganz zu. Und ich war ja auch schon "so weit", dass ich mich vor 2 Jahren an meinen jetzigen Job gewagt hatte.
Doch nun stelle ich fest, dass ich an meine Grenzen komme, von der Konzentrationsfähigkeit, von den Nerven her. Die Telefonate, die ich führe, finden in einem Großraumbüro statt, direkt neben mir telefonert auch ein Kollege, nebenbei muss man die Kundendaten klären und blitzschnell die richtigen fachlichen Unterlagen raussuchen, die Themen sind sehr wechselhaft und auch der Schwierigkeitsgrad. Das ist alles sehr spannend und herausfordernd. Aber für mich als Stotterin dann doch auf Dauer zuviel. Ich denke, das muss man auch mal zugeben können, sich selbst und auch anderen gegenüber, auch wenn es schwer fällt. Der Fähigkeit, sich immer neuen Herausforderungen zu stellen, sind Grenzen gesetzt.
Ich habe in meiner Firma schon Gespräche zum Wechsel gesucht und gehabt. Vorerst will man mich aber noch nicht gehen lassen und ich "muss" noch eine Weile weiter telefonieren, uff ... :roll:
Viele Grüße, Jaspis!

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