Stottern ansprechen bei Präsentationen

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Nina 1999
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Re: Stottern ansprechen bei Präsentationen

Beitrag von Nina 1999 » 17. Mai 2017 20:07

Hallo Susanne,

ich finde es sehr gut, dass Du eine so offene Einstellung zum Stottern hast. Wie Du schon schreibst ist es am besten, wenn man z. B. bei Präsentationen sein Problem direkt anspricht. So wissen die Zuhörer Bescheid und reagieren nicht negativ. Das ist aber leider gar nicht so einfach - dazu gehört eine große Portion Mut und Selbstvertrauen.

Auch, wenn ich schon über 50 Stunden in die Logopädie gehe, fällt es mir noch immer schwer, mein Stottern zu zeigen. Über die Jahre habe ich eine ausgeklügelte Strategie entwickelt, damit es nicht auffällt. In der Therapie nach Van Riper machte die Logopädin mit mir Übungen zum Pseudostottern (= willentliches und kontrolliertes Stottern), um die Angst- und Schamgefühle abzubauen. Dazu führten wir auch In-Vivo-Situationen, z. B. beim Bäcker, durch. In den Wochen danach gelang es mir ab und zu, locker und bewusst (!) in der Öffentlichkeit (wie meine Logopädin immer so schön sagt) "die Wörter hüpfen zu lassen".

Ein merkwürdiges Gefühl, wenn man jahrelang nur damit beschäftigt war, Symptome zu verschleiern. Ich spürte schnell, dass die Methode bei fremden Personen ganz gut funktionierte - und zog das Training nicht mehr konsequent durch. Heute weiß ich: das war ein Fehler. In der Therapie, sprich im Beisein der Logopädin, klappt das absichtliche Stottern (auch bei der Erzählung von Kurzgeschichten) einwandfrei. Scheinbar fehlt mir in Realsituationen die Übung. Ich traue mich nicht (mehr), die auffällige Sprechweise anzuwenden. Sollten wir vielleicht z. B. im Supermarkt mit Pseudostottern nach einem Produkt fragen, um mir das gelegentliche Anwenden wieder zu erleichtern?
Susanne hat geschrieben:
16. Mai 2017 22:18
Nina, dir würde ich gern Mut machen, dein Stottern in der Klasse und zunächst mit den Lehrkräften zu besprechen. Irgendwie merken ja alle, dass da etwas ist. Darüber sprechen kann sehr befreiend wirken und ist eine STÄRKE.
Zudem kannst du dir beim Referat Hilfen nehmen - eine PPT-Präsentation mit zentralen Stichworten oder Fotos/Bildern, kleine Aufgaben an die Zuhörenden verteilen etc.
Ich freue mich, dass Du mir Mut machst - danke dafür! Tatsächlich habe ich - mit Unterstützung einer guten Freundin - dem Klassenlehrer von meinem Stottern, der logopädischen Behandlung und meiner Angst, das Referat zu halten, erzählt. Das war der schwerste Schritt seit langem. Mir schlug das Herz bis zum Hals, da ich nicht genau wusste, wie der Lehrer die Information aufnehmen würde.

Die Nervosität konnte ich im Gespräch nicht verbergen. In dem Moment geschah das, was ich die ganze Zeit versuchte, krampfhaft zu umgehen: ich kam ins Stottern und brachte keinen Ton heraus. :oops: Das war mir natürlich sehr peinlich. Zum Glück hatte ich die Freundin als "mentale Unterstützung" dabei. Sie erzählte dann letztendlich, warum ich in die Logopädie gehe. Solche Freunde sind goldwert. :knuddel: Ich bzw. wir erreichten, dass mein Vortrag nicht so streng bzgl. der Sprache bewertet wird. Ferner komme ich jetzt beim Vorlesen nicht mehr "aus heiterem Himmel" dran, sondern nur, wenn ich es möchte und mich melde. Das ist eine enorme Erleichterung. So sitze ich - zumindest in seinen Stunden - nicht mehr "auf heißen Kohlen" und habe Angst, lesen zu müssen.

Gruß

Nina 1999
Jedes Problem durchläuft bis zu seiner Anerkennung drei Stufen:
In der ersten wird es lächerlich gemacht.
In der zweiten bekämpft,
in der dritten gilt es als selbstverständlich.
(Arthur Schopenhauer)

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