Gefährdet das Stottern meinen Beruf ?

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Huntley
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Gefährdet das Stottern meinen Beruf ?

Beitrag von Huntley » 18. Juni 2008 14:34

Hallo zusammen
Gestern bin ich durch Zufall auf das Forum gestoßen und bin begeistert :)

Ich falle mal direkt mit der Tür ins Haus ....

Ich arbeite seit fast 10 Jahren in einer Firma. Ich habe damals dort nur angefangen, da ich ein Job geboten bekommen habe mit dem ich keinen direkten Kundenkontakt habe und nicht telefonieren usw muß (halt nix was uns belastet und uns schwer fällt)
Es ging Jahre lang gut. Ich war immer nur Innendienst (auch wenn ich immr mal wieder dafür kämpfen mußte)
Vor ca 2 Jahren wurde plötzlich von heute auf morgen meine Abteilung aufgelöst. Ich wurde zu einem Kunden "verkauft", aber zum Glück für eine Tätigkeit die mir möglich war. Ich habe mich hier ganz gut eingelebt und die Arbeit war für mich ok - ich bin ganz gut zurechtgekommen.
Leider habe ich damals bei der Einstellung nicht geschafft, dass in den Vertrag Einschränkungen bezüglich meiner Sprachbehinderung eingetragen wird . Ich hatte in den Jahren öfters mal Vorgesetzte die meinten es wäre nicht so schlimm und ich könnte jetzt langsam mal mit Kunden in Berührung kommen. Zum Glück ist es nie so weit gekommen.

Wir haben einen neuen Chef bekommen, der Teamleiter ist auch neu, also keiner mehr der mich kennt und die Vorgeschichten kennt. Jetzt wurde meine Arbeit näher unter die Lupe genommen und es wurde festgestellt das ich falsch "verkauft" worden bin und keinen großen Gewinn einbringe.( Hier wird auf Gewinnmaximierung gearbeitet) Jetzt soll umstrukturiert werden und mein Arbeitsplatz ist in Gefahr. Alle Tätigkeiten in der Firma die sonst noch frei wären sind zB Hotline oder Kundenbesuche, für mich undenkbar. Ich habe Angst wegen der Behinderung meinen Job zu verlieren.

Ich habe mich gestern das erste mal dran gemacht und über stottern im Internet zu suchen. Da fiel mir bei einer der ersten Seiten auf, dass stottern eine anerkannte Behinderung ist. Ich mache mir jetzt seit langer Zeit sorgen wegen Beruf und stottern, weil ich schon lange mit der Situation die jetzt Eintritt gerechnet habe - besser gesagt ich habe Angst vor diesem Moment gehabt. Und diese Angst hat mich noch zusätzlich Krank gemacht.
Ich habe seit mehreren Jahren unerklärbare gesundheitliche Probleme . Und seit gestern weiß ich das das alles mit dem Stottern zu tun hat. Ich bin gerade ziemlich aufgewühlt. :(

Ich dachte mir nur, ich könnte mit meinem Arzt zusammen versuchen beim Versorgungsamt meine Behinderung zu melden und sehen ob ich eine Anerkennung meiner Behinderung durchbekomme.

Meint Ihr es hat einen Sinn? Ich bin es Leid immer wieder in der Firma als Bittsteller aufzutreten um einen geeigneten Arbeitsplatz zu bekommen. Ich erhoffe mir dadurch auch,dass meine Angst zurückgeht und ich Stück für Stück ein normaleres Leben leben kann. Ich falle gerade in ein tiefes Loch :( Ich kann nicht mehr......

Ich würde mir eine 20-30 GdB vorstellen, aber bringt mir so ein Wert schon was? Ich lege keinen Wert auf mehr Urlaub oder Steurbegünstigung oder was weiß ich was, ich will einfach nur meinen Job behalten und eingesetzt werden wo ich zurechtkomme.

Ich habe gute Ärzte die mich schon sehr lange kennen, kann mehrere Therapien nachweisen (die alle nix gebracht haben)und habe für die Bundeswehr schon mal ein recht heftiges Gutachten erhalten.

So, das wars. Lange und chaotisch geschrieben §dup

Freu mich sehr über jeden Tipp von euch

Huntley

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Re: Gefährdet das Stottern meinen Beruf ?

Beitrag von Quax » 18. Juni 2008 15:13

Hallo Huntley !

ich habe zwar gerade nicht ganz so viel Zeit (weil ich gerade selber im Büro sitze), aber ich werde mich auf jeden Fall später nochmal einklinken.
Ich habe Angst wegen der Behinderung meinen Job zu verlieren.
So schnell verliert keiner seinen Job, glaub' mir - wozu haben wir sonst das KSchG. Es ist nicht einfach, jemanden "einfach von heute auf morgen rauszuwerfen". Vermutlich sprechen wir hier von einer betriebs- oder personenbedingten Kündigung, aber selbst da darf die Kündigung immer nur das ultima ratio sein.
Sollte dir wirklich gekündigt werden, wäre zumindest aus meiner Sicht auch über einen Rechtsanwaltsbesuch nachzudenken (bist du rechtsschutzversichert ?) und eine Kündigungsschutzklage anzustreben ...

Grüße

BERND :knuddel: :knuddel: :knuddel:

Huntley
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Re: Gefährdet das Stottern meinen Beruf ?

Beitrag von Huntley » 18. Juni 2008 15:32

Hi Quax,
das ich meinen Job "im Prinzip" nicht so schnell verlieren kann ist mir klar, aber was ist wenn die Dir nur Stellen anbieten wie Hotline usw die Du nicht bewältigen kannst?
Dann läuft es auf einen Aufhebungsvertrag oder was weiß ich noch raus......
Sie bieten mir einen Job den ich nicht erfüllen kann, ich "will" nicht - Ende !
Ich hätte halt gerne mal was in der Hand worauf ich mich berufen kann.

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Re: Gefährdet das Stottern meinen Beruf ?

Beitrag von Quax » 18. Juni 2008 15:52

Hallo Huntley,

"berufen" ist jetzt so direkt schwierig, ich habe natürlich nicht immer alle Vorschriften und Regeln im Kopf (auch wenn es eigentlich auch teilweise mein Metier ist :) :wink: ). Ich kann dir gerne einmal nachkucken, wenn du willst ... im Falle des Falles wirst du aber dennoch nicht um einen RA herumkommen.

Viele Grüße und BB

BERND :knuddel: :knuddel: :knuddel:

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Re: Gefährdet das Stottern meinen Beruf ?

Beitrag von Huntley » 18. Juni 2008 18:01

Ja, wäre schön wenn Du mal schauen könntest. Bin um jede Info froh
Anwalt ist kein Thema. Hab den vor 2 Tagen eh schon wegen der Arbeit einschalten müssen, aber das hat nix mit diesem Thema zu tun. Habe auch nix verbrochen ;) Was anderes. Aber das gehört hier nicht her.

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Re: Gefährdet das Stottern meinen Beruf ?

Beitrag von djub » 19. Juni 2008 10:26

Ganz dumme Frage: Warum erklärst du dem Vorgesetzten nicht, dass du stotterst und stürzt dich dann in die Kundengespräche. Sollten sich Kunden beschweren, dann ist er selbst schuld. Aber ich kann dir versichern, dass mich noch kein Kunde "verstoßen" hat, weil ich stottere. Im Gegenteil: Mein Stottern wurde sogar als positiv bewertet, weil sie so ab und an mal Zeit hätten, über das gesagte nachzudenken. ;)
Hab keine Angst vor den Gesprächen. Wenn du sie nicht länger vermeidest, dann wirst du irgendwann keine Angst mehr davor haben. Und wenn du keine Angst mehr hast, haben sich doch fast alle Probleme erledigt, oder?
Verlierer suchen Bestätigung. Gewinner suchen Entwicklung.

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Re: Gefährdet das Stottern meinen Beruf ?

Beitrag von Huntley » 19. Juni 2008 11:29

Du kennst unsere Firma nicht. Wäre schön wenn es so leicht wäre .....
Außerdem habe ich wie schon oben geschrieben einen Anwalt einschalten müssen. (Bin da normalerweise echt nicht der Typ sofort einen Anwalt einzuschalten, aber es ging nicht anders - müssen übrigens meine anderen Kollegen auch).
Und wenn das mit dem Anwalt durchgehen sollte werde ich sicherlich Probleme wegen meinem Stottern bekommen.
Ich kenne die Firma und Ihre Machenschaften recht gut, daher will ich mich darauf etwas vorbereiten.

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Re: Gefährdet das Stottern meinen Beruf ?

Beitrag von djub » 19. Juni 2008 13:31

Aber du schreibst doch, sie wollen dich in den Außendienst stecken. Wenn du also in den Außendienst gehst, was hat der Anwalt dann noch zu tun?
Verlierer suchen Bestätigung. Gewinner suchen Entwicklung.

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Re: Gefährdet das Stottern meinen Beruf ?

Beitrag von Huntley » 19. Juni 2008 13:49

Hi djub
Du lässt aber auch keine Ruhe :lol:
Ich möchte die Gründe wegen dem Anwalt erstmal nicht schreiben, weils erstmal nix mit meinem anderen Problem zu tun hat.
Außerdem ist es Aberglaube. Immer wenn ich was erzähle was ich vorhabe geht es schief. Verstehs bitte ;)

Wichtiger wäre mir erstmal das mir jemand meine ursprüngliche Frage beantwortet.

Über meine persönlichen Sachen gehe ich nochmal später ein, ich bin hier noch am Forum druchstöbern. Ich glaube das dauert auch noch, hier gibt es so viel interessantes §prost

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Re: Gefährdet das Stottern meinen Beruf ?

Beitrag von Quax » 19. Juni 2008 16:53

Hallo Huntley,

also zunächst mal sollte man klären, um was für eine Art der Kündigung es sich handelt. Soll nur dein Arbeitsplatz gestrichen werden (so habe ich es jedenfalls verstanden) oder soll deine ganze Abteilung dicht gemacht werden ?

Schon die Qualifzierung der Kündigung bereitet mir ein bisschen Probleme (ich bin WR-Student, also insofern ist das nicht so ganz mein Metier :roll: ). Infrage kommt eigentlich eine betriebsbedingte oder eine personenbedingte Kündigung. Ich würde eher zu letzterem Tendieren, da du im Moment nicht vertragstreu sein kannst, selbst wenn du wolltest. Du kannst nicht den Gewinn einfahren, der von dir erwartet wird, weil du stotterst. Ganz egal wie man die Kündigung aber qualifizieren würde, es müsste immer eine umfassende Interessenabwägung bzw. eine angemessene Sozialauswahl stattfinden, im Zuge derer auch immer anderweitige Einsatzmöglichkeiten geprüft werden müssen. Inwieweit dich das KSchG schützt etc. kann ich dir leider nicht beantworten, da ich dazu zu wenig Infos habe. Du solltest mir den Fall ein bisschen ausführlicher schildern (Firmengröße, Organisationsstruktur, Diskussionen mit Chef, ähnliche Fälle etc.) aber in letzter Konsequenz solltest du dich auf jeden Fall schon mal nach einen guten RA, bevorzug Fachanwalt für Arbeitsrecht umsehen.

Viele Grüße

BERND :knuddel:

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Re: Gefährdet das Stottern meinen Beruf ?

Beitrag von ---***--- » 19. Juni 2008 17:39

Hallo Huntley,

willkommen hier!
Erstmal zum Verständnis: Du hast keine Änderung Deines Arbeitsbereichs oder gar eine Kündigung bekommen, Du erwartest so etwas?
Huntley hat geschrieben:Alle Tätigkeiten in der Firma die sonst noch frei wären sind zB Hotline oder Kundenbesuche, für mich undenkbar. Ich habe Angst wegen der Behinderung meinen Job zu verlieren.

Ich habe mich gestern das erste mal dran gemacht und über stottern im Internet zu suchen. Da fiel mir bei einer der ersten Seiten auf, dass stottern eine anerkannte Behinderung ist. Ich mache mir jetzt seit langer Zeit sorgen wegen Beruf und stottern, weil ich schon lange mit der Situation die jetzt Eintritt gerechnet habe - besser gesagt ich habe Angst vor diesem Moment gehabt. Und diese Angst hat mich noch zusätzlich Krank gemacht.
...
Ich dachte mir nur, ich könnte mit meinem Arzt zusammen versuchen beim Versorgungsamt meine Behinderung zu melden und sehen ob ich eine Anerkennung meiner Behinderung durchbekomme.

Meint Ihr es hat einen Sinn? Ich bin es Leid immer wieder in der Firma als Bittsteller aufzutreten um einen geeigneten Arbeitsplatz zu bekommen. Ich erhoffe mir dadurch auch,dass meine Angst zurückgeht und ich Stück für Stück ein normaleres Leben leben kann.
Über die "Vorteile" (oder Nachteile) des Behindertenstatus können Dir andere hier sicher mehr erzählen, auch wie man vorgeht. Grundsätzlich dürfte es nicht so problematisch sein. Die Frage ist auch, ob Du ohne offiziellen Behindertenstatus, sprich Ausweis, wegen Stottern benachteiligt werden kannst. Ich würde sagen: Nein. Analaog zum Nachteilsausgleich bei Schülern, die brauchen keinen Behindertenausweis, trotzdem ist Stottern eine Behinderung. Frag doch auch noch bei der Informations- und Geschäftsstelle der BVSS nach (Link hier oben links), oder stelle zum Behindertenstatus Anfragen im Subforum "Fachberatung", dann wüssten wir alle ein wenig mehr :wink:.

Mir scheint, Deine Angst, wegen Stottern Deine Stelle verlieren zu können, ist diffus, was nicht heißt, dass sie unbegründet ist. Ich glaube, es würde Dir helfen, die Schreckensszenarien deutlich auszumalen, damit Du tatsächlich Strategien entwickeln kannst und hier konkrete Tipps bekommen kannst. Du kannst so auch prüfen, ob es wirklich so schlimm für Dich wäre, wenn eine Umverteilung der Aufgaben einsetzen würde.
Also z.B., Du wirst in die Hotline gesteckt und jemand wird die ganze Zeit hinter Dir stehen und Dich auspeitschen, wenn Du hängenbleibst :smile.
Ein Beispiel! Was fürchtest Du konkret? Beschreibe es, gerne auch hier, wir können Dir dann besser unsere Ideen dazu schreiben.

Es scheint ja in Deiner Firma überhaupt viel Unruhe und Aufregung zu herrschen und nicht gerade ein Klima des Vertrauens, was die naheliegenden Schritte, wie den, mit Leuten offen zu reden, schwierig erscheinen lässt. Ich glaube, Du musst Deine Schritte gut planen, Konfrontation, wie es ein Schreiben vom Anwalt ist, kann auch kontraproduktiv sein. Ein offenes Gespräch kann trotzdem leichter sein, als Du denkst.
Ich persönlich glaube nicht, dass Du offen wegen Deines Stotterns diskriminiert werden wirst - das ist ungesetzlich, so dumm wird kaum ein Arbeitgeber sein. Ein subtiler Druck ist weit schwieriger zu fassen, auch ein Klima, das Angst erzeugt und das Selbstwertgefühl untergräbt. Du musst kein Bittsteller sein, und für Stottern brauchst Du Dich nicht entschuldigen, wahrscheinlich wirst Du selber Dein Anliegen selbstbewusst vertreten müssen, vielleicht kannst Du das noch nicht immer, das lässt sich aber lernen.

Wie ist Dein Stottern denn? Bis Du eher ein verdeckter, vermeidender Stotterer oder hast Du eine auffällige Symptomatik? Würdest Du sagen, dass Dich hauptsächlich die Angst vor Kontakten mit Fremden belastet?

Schönen Tag Dir! Mechthild

Huntley
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Re: Gefährdet das Stottern meinen Beruf ?

Beitrag von Huntley » 19. Juni 2008 21:30

Hu Mechthild,
wow, Du machst Dir ja echt Gedanken.
Ist für mich etwas blöd, Ihr kennt mich (noch) nicht. Ich habe meine nächsten Schritte sehr genau geplant.
Das einzige "Mosaiksteinchen" was jetzt erstmal noch fehlt ist diese Frage oben.

Wegen der Arbeit und dem Anwalt schreibe ich halt doch mal ein bisschen was damit Ihr meine Lage besser versteht.
Wir Angestellten (ca 100 Leute) wehren uns gerade gegen Aktionen der Geschäftsleitung die auch lt unseren Anwälten nicht ganz sauber ist.
Wer sich wehrt hat es dann in Zukunft nicht so leicht. Und ich habe das Problem, dass ich zu dem für meinen Job zu viel verdiene (aus Sicht der neuen Chefs). Da man ja so leicht nicht gekündigt werden kann , habe ich Angst das ich auf eine Stelle gesetzt werde die ich nicht kann, nur um mich zu ärgern(und das ich dann freiwillig gehe oder wegen schlechter Leistung entlassen werde. Daher will ich mich vorbereiten was meine Rechte sind.
Wenn ich das alles weiß und mir die Anerkennung was bringt dann werde ich natürlich das Gespräch mit meinen Vorgesetzten suchen. Diese Sicherheit würde mich für ein Gespräch stark machen.
Mein Stottern ist je nach Lebenslage mal nicht so schlimm, mal geht garnix mehr. Und in allen Situationen vor denen ich auf der Arbeit Angst habe sind genau die wo sie mich einsetzen könnten. Kann zB -auch wenn ich mich noch so gut fühle- meinen Namen nicht aussprechen, und damit scheitert alles.

So, etwas durcheinander geschrieben aber ich hoffe Ihr versteht was ich sagen will :oops:

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Re: Gefährdet das Stottern meinen Beruf ?

Beitrag von Michael13 » 20. Juni 2008 02:15

Hallo lieber Huntley & "alle anderen",

darf ich dir mal eine vielleicht etwas nüchterne Frage stellen, Huntley?
Hast du vielleicht schon mal darüber nachgedacht, ob du vielleicht in der "falschen" Firma bist?

Ich meine, das Arbeitsklima ist doch entscheidend für das persönliche Wohlbefinden (was nützen dir paar hundert Euro im Monat mehr, wenn du nicht glücklich bist) und deine Beschreibungen sehen eher nach Unwohlbefinden aus.
Vielleicht ist die Branche ja auch nicht dein Ding? Ist es dein gewünschter Beruf oder vielleicht einer früheren "Naja, da mache ich eben das"-Stimmung entsprungen? Hast du dir diese Richtung selbst gewählt oder war sie vielleicht mehr von deinen Eltern beeinflusst? Hast du nicht eher Angst im Falle einer Entlassung keine neue Stelle zu finden?

Mir scheint das alles nicht sonderlich diffus und ich kann dein Bedenken durchaus nachvollziehen, über einiges nicht reden zu wollen (es setzt manchmal Dinge frei, die noch mehr Nervenstress verursachen, weil es ein Außenstehender nicht verstehen kann).

Also, um ehrlich zu sein, würde ich als Chef, dich durchaus auch mal an die Hotline setzen, um dir die Möglichkeit zu geben, zu sprechen. Wenn du einen Chef hast, der dir damit eins auswischen will und dich aufgrund deines Stotterns kündigen möchte, dann kannst du immer noch klagen (im doppelten Wortsinne) oder - so würde ich es sehen - dann ist die Firma nicht die richtige für dich. Warum sollst du deine Fähigkeiten an jemanden verschwenden, der es nicht verdient hat?
Vielleicht ist er ja auch ein sehr toleranter und verfolgt deine Entwicklung wohlwollend mit.

Und überhaupt, wo ist das Problem mal das Thema der sog. Arbeitslosigkeit zu durchleben? Ich persönlich habe diese Erfahrung als sehr bereichernd empfunden ... endlich konnte ich mal etwas mehr über den Tellerrand hinausschauen, weil ich mir meine Zeit frei einteilen konnte ... und neue Ideen währenddessen entwickeln.

So weit, so gut ... ich hoffe, du verstehst es nicht als Angriff, doch Ängste sind nicht da, um sich von ihnen lähmen zu lassen. sondern genau das zu tun, wovor du Angst hast.

Alles Gute und viel Glück, Micha.

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Re: Gefährdet das Stottern meinen Beruf ?

Beitrag von Jaspis » 20. Juni 2008 10:22

Hallo Huntley,
mir fiel bei Deinem Beitrag das AGG ein, das europäische Antidiskriminierungsgesetz, das auch für Deine Firma gilt. Ich hatte vor einiger Zeit mal eine Zusammenfassung erstellt, die hier unten dranhänge.

Allerdings würde das AGG eher passen, wenn Du z.B. gern in der Kundenberatung arbeiten möchtest, man Dich aber wegen des Stotterns nicht läßt. Bei Dir ist es aber so, daß es in der Firma offenbar bald nur noch Kommunikationsjobs geben soll, die Du nicht ausüben kannst und willst, was ich verstehe. Rein sachlich gesehen, stellt sich daher schon die Frage, ob Du dann noch in diese Firma paßt und ein Verbleib in einem "unsprachlichen" Job könnte vielleicht wirklich nur noch rechtlich durchgesetzt werden. Da spielt es sicher eine Rolle, mit welchem Vertrag und welcher Stellenbeschreibung Du diese Firma wechseln mußtest.

Könntest Du Dir denn gar nicht vorstellen, einen kommunikativeren Job auch als Herausforderung anzunehmen? Das soll nicht provokativ klingen, aber ich selbst habe gute Erfahrungen damit gemacht, mich höheren kommunikativen Jobaufgaben zu stellen und bin eigentlich immer noch überrascht, wie schnell sich Verbesserungen in meinen gesamten Kommunikationsverhalten eingestellt haben (und heute noch anhalten). Ohne den Druck, das damals "machen zu müssen" (denn das gehörte einfach zu meinem Job und ich wollte diesen Job), wäre mir das nie gelungen. Aber das erkennt man eben immer erst hinterher. Vorher können solche Hürden schier unüberwindbar erscheinen. Von daher fällt es mir schwer, einen konkreten Rat zu geben.

Gruß, Karen

________________________________________________________________________________________
Kennt Ihr schon das
Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ?

Im Jahr 2006 wurden damit europäische Antidiskriminierungs-Richtlinien in deutsches Recht umgesetzt.

Ziel des AGG ist es, Diskriminierungen aus Gründen
• der Rasse oder ethnischen Herkunft
• des Geschlechts
• der Religion oder Weltanschauung
• einer Behinderung
• des Alters oder
• der sexuellen Identität
zu verhindern oder zu beseitigen.

Die Diskriminierung von Kollegen wegen dieser acht Merkmale ist gesetzlich verboten.

Zu dem Merkmal „Behinderung“ besagt das AGG: Eine Behinderung ist kein Grund für Diskriminierung. Behinderte Kollegen erbringen genau wie jeder andere ihre Leistung.

Was versteht das AGG unter einer Behinderung? Einige Beispiele:
• Hinken auf Grund eines verkürzten Beins
• Hörschwäche (Hörgerät)
• Sehschwäche (starke Brille)
Sprachstörungen wie Stottern oder Lispeln
• Lern- oder Rechenschwäche

Vor Diskriminierung geschützt sind also nicht nur schwerbehinderte Menschen, sondern alle Menschen, die eine Behinderung im Sinne des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes aufweisen – das sind wesentlich mehr!

Definition Behinderung im AGG
Im Sinne des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes liegt das Merkmal der Behinderung bereits dann vor, wenn
• die körperliche Funktion
• die geistige Fähigkeit oder
• die seelische Gesundheit
mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht, und daher die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft beeinträchtigt ist.

Wichtig ist, dass mit dem Begriff "Behinderung" nicht nur die Schwerbehinderung gemeint ist. Hierzu können auch körperliche oder geistige sowie seelische Beeinträchtigungen gehören, die eine Schwerbehinderung noch nicht begründen.
Der Begriff der Behinderung im Sinne des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes entspricht der gesetzlichen Definition im Sozialgesetzbuch (§ 2 Abs. 1 SGB IX) und im Behindertengleichstellungsgesetz (§ 3 BGG). Behinderung ist auch nicht mit „Krankheit“ gleichzusetzen. Insbesondere auskurierbare Verletzungen (gebrochener Finger) oder normale Erkrankungen (Grippe) fallen nicht unter dieses Merkmal.

Arbeitgeber bzw. Vorgesetzte sind gesetzlich verpflichtet, bei Diskriminierungen hart durchzugreifen und die im Einzelfall erforderlichen und angemessenen Maßnahmen zur Unterbindung von Diskriminierungen zu treffen.

Das AGG - eine Chance für Stotterer?!
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Re: Gefährdet das Stottern meinen Beruf ?

Beitrag von ---***--- » 20. Juni 2008 12:17

Hallo Huntley,

hast Du bereits gecheckt, inwiefern Dein Stottern als Behinderung gewertet werden würde?
Interessant: Der Kündigungsschutz greift mit Beginn der Antragstellung.
Hier http://www.sozialportal.de/Dateien/Behi ... usweis.pdf ist eine gute Übersicht über das Vorgehen und über den Schweregrad der Behinderung bei Stottern (S. 133)
Stottern
leicht. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 0
mittelgradig
auf bestimmte Situationen begrenzt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
nicht situationsabhängig . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
schwer, auffällige Mitbewegungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 – 40
mit unverständlicher Sprache . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
Außergewöhnliche psychoreaktive Störungen (einschl. somatoformer Störungen) sind ggf. zusätzlich zu berücksichtigen (siehe Nummer 18 Absatz 8, Seite 96).
Bei Dir scheint die "psychoreaktive" Störung auch hoch zu sein, Du hast bereits psychosomatische Störungen entwickelt (nicht außergewöhnlich für Stotterer, aber ich glaub, darum geht's hier nicht...)

Der Ansatzpunkt bei der Anwendung des AGG scheint mir auch die unzumutbare psychische Belastung zu sein, die eine Versetzung in einen anderen Bereich für Dich bedeuten würde. Zur Zeit bedeuten würde, ich glaub nämlich auch, dass diese Aufgaben für Dich grundsätzlich machbar sind und ich bin sogar überzeugt, dass Sprechberufe Stotterern sehr gut tun. Du bräuchtest dafür verständnisvolle Vorgesetzte und Kollegen und wahrscheinlich zusätzliches Training, vielleicht eine Therapie? Das hilft Dir noch nicht in Deiner aktuellen Situation, einen Weg gibt's immer. Wer weiß, was sich noch Gutes ergeben kann.

Viele Grüße! Mechthild

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