Stottern im Pflegeberuf

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Sorbin
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Stottern im Pflegeberuf

Beitrag von Sorbin » 4. Oktober 2008 12:29

Hallo Zusammen,

Nach intensivem Suchen im Internet, bin ich nun auf dieses Forum gestoßen und möchte doch gern mal was nachfragen
Unzwar bin ich selber 21 Jahre alt und stottere seid dem ich denken kann. Natürlich wurde ich gut gefördert und habe eine Sprachgrundschule besucht (Erich-Kästner-Schule)

Daher gehe ich mit meinem Problem eigendlich sehr selbstbewusst um und hatte bis heute auch nicht wiklich viele negative Erfarungen gesammelt.
Nun mache ich eine Ausbildung zum Sozialhelfer. Dies ist eine assistenskraft im Altenheim ect.
Die Ausbildung läuft ohne Probleme und ich habe auch sehr gute Noten (1,9)

Nun habe ich mich als Gesundheits- und Krankenpfleger beworben und habe dort Montag mein erstes Vorstellungsgespräch.
Natürlich bin ich nervös und krieg jetzt schon riesen Panik wenn ich drann denke.
Meine eigendliche Frage ist allerdings, wie es bei stotterer in solchen Berufen aussieht?

In meinen Praktika (Altenheim und ambulante Pflege) habe ich keinerlei negative Erfahrungen gemacht, im gegenteil ich Arbeite sogar jetzt nebenbei im Altenhein, allerdings stellt sich meine Frage trotzdem, ob ich genau die selben Chancen habe wie andere Bewerber?
Denn dies ist meine größte Angst. Ich möchte diesen Beruf gerne erlernen und wäre natürlich enttäuscht wenn es an solch ein Problem scheitern würde.
Im Gesetz ist es zwar verankert, das man Menschen aufgrund einer Behinderung nicht benachteiligen sollte, allerdings kann man ja viele Gründe nennen, wenn man denjenigen nicht haben möchte.
Kennt jemand vielleicht Menschen die stottern und in Sozialberufen arbeiten?


Zu meinem Stottern:
Dieses wirkt sich gerade bei den Selbstlauten aus. Gerade am anfang des Gespächs wird dies sehr deutlich. Sobald ich mich ins Gespräch eingefunden habe, ist das Problem fast weg.
Ich rede auch sehr gerne und lasse mich trotz meines Problems nicht drann hindern.
Komischerweise ist, das ich bei Pflegen mit Patienten nur selten stottere und auch wenn ich zb. im Laden bin und dort eine Verkäuferin etwas frage, geht dies meist ohne Stottern.
Kommt aber ein Telefonat oder ich weiss, das ich gleich Reden muss, wird es wieder extrema
Das ganze hängt dann noch von meiner Gefühlslage ab. Wenn ich nervös und unzufrieden bin, ist es extreme als wenn ich ausgeglichen und glücklich bin.


Ich bedanke mich schon mal für die Hilfe
Liebe Grüße Sorbin

---***---
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Re: Stottern im Pflegeberuf

Beitrag von ---***--- » 4. Oktober 2008 14:33

Liebe Sorbin,

ich kann verstehen, dass Du aufgeregt bist, vor deinem Vorstellungsgespräch, wer wäre das nicht? Und da schwirren einem alle möglichen Gedanken durch den Kopf, weshalb man abgelehnt werden könnte, bei Stotterern ist es dann meist das Stottern, um das man sich dann doch Sorgen macht.

Ich weiß nicht, ob Du vor Montag noch von Leuten Antwort bekommst, die in Pflegeberufen arbeiten. Also antworte ich Dir: ich kenne mindestens 3 Männer und Frauen, die stottern und eine Pflegerausbildung gemacht haben und in dem Beruf arbeiten, gerne arbeiten. Im Kontakt mit Patienten ist Stottern kein Problem. Schwierigkeiten kann es geben, Angst vor dem Telefon zB, aber die sind in jedem Beruf gleich, mit denen muss sich jeder auseinandersetzen.

Bei deinem Vorstellungsgespräch kann eine Frage zu deinem Stottern kommen, darauf solltest Du vorbereitet sein. Genauso, wie Du es hier beschrieben hast, kannst Du es auch dort erzählen, deinen Werdegang, dass es Dir im Umgang mit Patienten keine Probleme macht, Du gerne mit Menschen arbeitest, Du deinen Berruf mit Freude ausübst. Wahrscheinlich ist den Leuten schon klar, dass Du an deinem Sprechen arbeiten musstest - Du hast wahrscheinlich die Sprachgrundschule in deinem Lebenslauf erwähnt. Und sie haben Dich eingeladen!

Ich wünsch Dir jedenfalls viel Glück für Montag! Drück Dir die Daumen!

Alles Liebe, Mechthild

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Re: Stottern im Pflegeberuf

Beitrag von Zypresse » 16. Oktober 2008 22:20

Hallo Sorbin,habe leider erst jetzt Deine Zeilen gelesen.Ich denke und erlebe das als Krankengyxmnastin immer wieder.Die pflegebedürftigen Menschen brauchen uns doch und den meisten ist es dann egal ,ob wir ab und zu stottern oder nicht.Außerdem haben wir ja bekanntlich mehr feeling als der größte Teil der lieben Mitmenschen,Kollegen etc.Dass wir etwas besser im Job sein müssen als die nicht stotternden Kollegen und Kolleginnen ist in meinen Augen immer günstig.Ein Handicap kann man gut durch Leistung ausgleichen.Und das Wissen um die Stotter-Abhängigkeit von der Gefühlslage kann Dich sehr viel verbessern.Schau in Dich rein,nach einer Blockierung,und frag Dich wer oder was Dich geärgert hat.Dann geht es in ähnlichen Situationen immer besser.Alles Gute für Dich von Zypresse

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Stottern im Pflegeberuf

Beitrag von Ernst-Martin » 10. Mai 2009 15:13

Liebe Sorbin,
herzlichen Glückwunsch zu Deinem guten Notendurchschnitt!

Stört Dich das Stottern noch auf Deiner Arbeitsstelle?
Ich kann mir vorstellen, es gibt Schlimmeres! :)
Ernst-Martin,
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... die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere -
ja, wenn man sie läßt!
Peter Alexander

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Re: Stottern im Pflegeberuf

Beitrag von Sorbin » 5. August 2009 11:26

Nun ist meine Anfrage schon mehr als 1 Jahr her und ich wollte doch einmal erzählen was alles so passiert ist.

Ich hatte ja im Oktober 08 mein Vorstellungsgespräch und das war auch nicht von schlechten Eltern.
Das ganze ging über 2 Std (gefühlte 5Std) und da wurde vieles abverlangt. Unteranderem ein "Rollenspiel" wo ich eine Situation klären sollte. Unzwar war ich in der Rolle einer Stationsleitung und sollte einen Konfikt klären.
Da war mein Sprachfehler doch relativ heftig, obwohl ich sonst ziemlich gut damit klar komme. Aber das war auch kein Problem.

Im persönlichen Gespräch bin ich, wie ich bin, mit der Tür ins Haus gefallen und habe sie direkt darauf angesprochen. Ob sie damit ein problem hätten ect.
Sie waren von meiner offenheit sehr begeistert und sagte mir nur, dass ich mich so gut ausdrücken könnte und der Sprachfehler ja an sich nicht wirklich schlimm wäre.
Dazu muss ich sagen, das mein Sprachfehler wirklich nicht sooo gravierent ist. Natürlich bei Selbstlauten habe ich es doch extremer, aber sonst hindert es mich nicht zu reden. Schulisch hatte ich desweiteren nie Probleme. Kommt aber durch die gute Förderung meiner Eltern. Loko. und einer Sprachschule (Grundschule, Erich Kästner Schule Paderborn)

Na gut, das Gespräch war vorbei und ich völlig fertig. Das war echt viel gewesen.
Und siehe da?
2 Wochen später kam Post vom Krankenhaus mit der Gratulation das sie mich genommen haben. Vertrag ect. ist schon unterschrieben und dieses Jahr gehts dann los mit meiner Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger!

Natürlich habe ich auch meine schulische Ausbildung abgeschlossen. Prüfungen waren im Mai diesen Jahres. Die schulische Ausbildung habe ich mit einen Notendurschnitt von 1.4 gemacht.
Wir hatten desweiteren in der Zeit noch ein Praktikum in dem Bereich von körperlich und geistig behinderten Menschen wo ich mich super einfinden konnte und ich auch dort keinerlei Probleme aufgrund meines Stottern hatte.

Jetzt kommt natürlich ab Herbst bzw. ab Oktober die Hürde als Krankenpfleger. Dazu zählt unteranderem auch eine Probezeitprüfung nach der Probezeit. Wo ich mündlich wie praktisch Geprüft werde.
Gehe das ganze aber sehr zuversichtlich an. Ich habe die jetztigen 2 Jahre perfekt gemeistert. Das kann man mit einem Notendurschnitt von 1.4 ja sagen und ich werde auch die kommenden 3 Jahre meistern.

Viele Grüße
Sorbin

PS: Natürlich hatte ich mir damals die Antworten durchgelesen und man konnte mich gut beruhigen
Ich muss schmunseln! Danke für die "Liebe Sorbin" aber ich bin ein 22 Jahre junger Mann ;D

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Re: Stottern im Pflegeberuf

Beitrag von Tarantandy » 5. August 2009 11:33

Hallo Sorbin,

Gratulation, das klingt doch echt anch einer sehr schönen Entwicklung, die das ganze genommen hat! Weiterhin alles Gute!
Nebenbei finde ich es auch für unser Forum sehr interessant zu sehen, dass sich Probleme, die hier genannt werden, sich in so guten Lösungen fügen können.

Liebe Grüße

Andi!

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Re: Stottern im Pflegeberuf

Beitrag von ---***--- » 13. August 2009 11:24

Hallo Sorbin,

;-) und ich dachte, Du bist eine Sorbin...
Danke, dass Du von Deinen Erlebnissen geschrieben hast. Es ist schön zu lesen, wie es dann weiter gegangen ist.
Zwei Stunden Vorstellungsgespräch... Respekt! Alles Gute!

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Re: Stottern im Pflegeberuf

Beitrag von everchanging » 23. Oktober 2012 15:58

Hey Sorbin,
bin nun total neu in diesem Forum & lese den Artikel nun erst. Ich habe im August 2011 ebenfalls eine Ausbildungs als GuK angefangen. Vorher habe ich mich viel informiert: welche Situationen könnten auf mich zukommen? wie groß könnten die Probleme im Stationsalltag werden? Ich denke, unsere "Art" des stotterns ist sehr ähnlich, jedenfalls so wie du sie beschrieben hast. Nach einiger Zeit entschied ich mich dann, dass Abenteuer einzugehen und mich als GuK zu bewerben. Eine Ausbildungsstelle hatte ich nun. Schon vor beginn der Ausbildung kamen einige Ängste: Neue Klasse-> Vorstellungsrunde :/, Neue Stationsteams und mündliche Prüfungs, Telefonate auf Station usw. Ein Jahr kämpfte ich mich durch die Ausbildung, hatte viele Rückschläge & wenig verständnis vom Schulteam. Als ich mein Problem erstmals offen bei der Schulleitung ansprach, wurde mir lediglich empfohlen, mir eine Therapeutin zu suchen, helfen könne man mir nicht dabei. Nach diesem Gespräch wurde das Thema nicht mehr angesprochen & wieder stand ich "alleine". Nun, nach einem Jahr, habe ich mich dazu entschlossen, dass die Probleme die das Stottern mit sich bringen, zu groß sind um in diesem Beruf zu arbeiten. Ich habe aufgehört & suche nun etwas, in dem ich problemlos arbeiten kann.

Mich würde interessieren, wie gehts es dir? Dein Examen solltest du ja nun in der Tasche haben :) Wäre schön von dir zu hören!
LG :)

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