Stottern im Vorstellungsgespräch - wie ansprechen?

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Maja S.
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Stottern im Vorstellungsgespräch - wie ansprechen?

Beitrag von Maja S. » 26. Januar 2011 10:46

Hallo allerseits,

ich bin derzeit wieder auf Stellensuche und bin jetzt auch soweit, das ich das Stottern im Vorstellungsgespräch ansprechen bzw. darauf hinweisen möchte.
Hat jemand von euch eine nette... gute Formulierung? Ich würde es gerne zu Anfang ansprechen, damit sich der andere keine Gedanken machen muss, was ist den bloss mit der Bewerberin los??? Und es soll auf jeden Fall nicht groß zum Thema werden. Wie bezeichnet man es am besten? Sprachproblem (Problem klingt schon so negativ)? "Wenn ich manchmal nicht flüssig spreche, dann ist das Stottern, nur das Sie sich nicht wundern"? Ich würde auch gerne darauf hinweisen, das ich trotzdem gut kommunizieren kann und das es mich noch nie in meiner beruflichen Tätigkeit behindert hat (das letztere stimmt zwar nicht, aber das muss ich dem anderen ja nicht auf die Nase binden).

Im Vorstellungsgespräch wird ja auch häufig diese (blöde) Frage nach den Stärken und Schwächen geäußert. Ich weiss immer nicht, was ich bei Schwäche sagen soll. Macht es Sinn, das Stottern als Schäche anzugeben? Im letzten Vorstellungsgespräch habe ich bei Schächen gesagt, das ich in der Kommunikation mit "schwierigen" mandanten (nicht fachlich schwierigen) schon Schwierigkeiten habe, und das ich mich z. B. nie im Callcenter oder im Beschwerdemanagement bewerben würde. Ob das klug war, weiss ich nicht genau.

Ich hatte schon recht viele Vorstellungsgespräche (bin fachlich einfach gut ;-) ), aber ich denke ich kann mich schlecht verkaufen, daher versuche ich das zu verbessern.

Viele Grüße von Maja

Bolli
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Re: Stottern im Vorstellungsgespräch - wie ansprechen?

Beitrag von Bolli » 28. Januar 2011 21:25

Hmmm...,
Ich habe es damals nicht angesprochen, wobei mich aber auch nicht viel gefragt wurde, da mein Vorgesetzter sich lieber selber reden hörte :D

Du möchtest einen Job haben und du weißt, dass deine Arbeitsqualität gut ist. Der Arbeitgeber möchte eine Arbeitskraft haben, die die Arbeiten gut erledigt. Also würde ich mit der Einstellung in das Vorstellungsgespräch gehen. Es geht nicht primär darum, dass du dich als flüssig sprechender Mensch präsentierst, sondern als Mensch, der in der Lage ist eine gute Arbeitsqualität zu erbringen. Ob du Stotterst oder nicht steht dann, wenn überhaupt, nur nachrangig zur Debatte.

Ich würde es nur erwähnen, wenn er danach fragt. Ansonsten würde ich es nicht sagen, da er es im Zweifel auch selbst hören kann.

LG Gürcan

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Frankie
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Re: Stottern im Vorstellungsgespräch - wie ansprechen?

Beitrag von Frankie » 29. Januar 2011 12:12

Ich würde es nur erwähnen, wenn er danach fragt. Ansonsten würde ich es nicht sagen, da er es im Zweifel auch selbst hören kann.
Da bin ich ganz anderer Meinung. Die Ankündigung des Stotterns gehört bekanntermaßen zu den Dingen, die eine Situation ungemein entspannen. Es fällt zwar oft nicht leicht, führt aber zu einer höheren Flüssigkeit. Und was in diesem Fall noch wichtiger ist: Der Gesprächspartner beschäftigt sich in den ersten Minuten nicht nur mit dem Gedanken, was mit diesem stotternden Bewerber (bzw. Bewerberin) los ist. Der Arbeitgeber könnte ja beispielsweise vermuten, die Aufregung vor dem Bewerbungsgespräch wäre schuld.

Ich meine daher: auf jeden Fall das Stottern ansprechen, spätestens wenn es auftritt. Die vorgeschlagene Formulierung halte ich für brauchbar. Ich würde das Stottern (oh, das schlimme Wort...) auch beim Namen nennen, denn Maja, wie du schon sagtest, SprachPROBLEM klingt noch viel schlimmer. Es sollte rüberkommen, dass du zwar stotterst, aber damit eben kein Problem hast. Daher würde ich mir als Schwäche (sofern diese doofe Frage überhaupt noch gestellt wird) etwas anderes zurechtlegen.

Grüße,
Frank

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Beitrag von F.J.Neffe » 30. Januar 2011 12:00

Stell Dir mal vor, Du würdest Dich bei mir bewerben! Du kommst zur Tür herein und ich denke: "Was für eine nette, freundliche Dame!" und täte nun gern ein nettes, freundliches Gespräch mit Dir führen. Aber Du bist weder bei der Sache noch bei mir, wir scheinen Dir ganz egal zu sein. Du beschäftigst Dich ständig IN DIR DRIN mit dem Stottern, mit Problemen, mit sonst was. Wir - die Sache und ich - scheinen für Dich gar nicht zu existieren. Warum in Himmelsnamen kommst Du zu uns, wenn Du ein Gespräch mit Deinen Problemen und Dir selbst führen willst???
Was denkst Du Dir eigentlich, über einen Gesprächspartner, den Du gar nicht kennst, dermaßen bevormundend zu spekulieren? Du willst mir meine Probleme aus dem Weg räumen? Du willst mir eine sterile Puppe vorspielen, die alles richtig macht? Du unterstellst mir, ich wäre unfähig, Dich zu verstehen, wenn Du nicht perfekt bist? Du willst mir eine perfekte Nummer vorspielen und fragst gar nicht, ob ich vielleicht auch Schwierigkeiten habe, perfekt zu sein? Wie kannst Du Dich unterstehen, soviel DRUCK in die Begegnung mit mir hineinzupressen? Jeder x-beliebige Mensch auf der Straße redet mich einfach so gescheit oder blöd an, wie ihm gerade ist, und ich kann so gescheit oder blöd reagieren, wie mir gerade ist. Und Du möchtest mir nun die Perfekte vorspielen und mich damit nötigen, ebenfalls den Perfekten zu spielen? Was soll dieses Theater? Warum lässt Du Dich nicht einfach ECHT sein?
Ich wünsche Dir guten Erfolg - er wartet auf Dich.
Franz Josef Neffe
[i]"Nicht der Wille ist der Antrieb unseres Handelns sondern die Vorstellungskraft." [/i] Émile Coué

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Re: Wann willst Du endlich ECHT sein?

Beitrag von Frankie » 30. Januar 2011 12:17

F.J.Neffe hat geschrieben:Aber Du bist weder bei der Sache noch bei mir, wir scheinen Dir ganz egal zu sein.
Warum denke ich das auch immer, wenn ich deine Beiträge lese?

Und fällt dir an deinen beiden folgenden Aussagen nicht vielleicht ein klitzekleiner Widerspruch auf:
F.J.Neffe hat geschrieben:Du beschäftigst Dich ständig IN DIR DRIN mit dem Stottern, mit Problemen, mit sonst was. Wir - die Sache und ich - scheinen für Dich gar nicht zu existieren. Warum in Himmelsnamen kommst Du zu uns, wenn Du ein Gespräch mit Deinen Problemen und Dir selbst führen willst???
F.J.Neffe hat geschrieben:Was denkst Du Dir eigentlich, über einen Gesprächspartner, den Du gar nicht kennst, dermaßen bevormundend zu spekulieren?
Grüße,
Frank

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Re: Wenn es paßt!

Beitrag von Jaspis » 30. Januar 2011 14:43

F.J.Neffe hat geschrieben:Was soll dieses Theater? Warum lässt Du Dich nicht einfach ECHT sein?
Weil dieses Theater "Vorstellungsgespräch" heißt! ECHT kann und sollte ich privat sein, völlig richtig. Im Berufsleben ist dagegen schon eine Menge "Theater" gefragt, um es mal so zu formulieren. Und das ist nicht mal nur negativ - finde ich inzwischen. Theater bietet auch mir einen gewissen Schutz, aber vor allem bietet eine erfolgreiche "Theatervorstellung" in Form eines Vorstellungsgespräches im besten Falle einen neuen Job und damit Einkommen.

Maja, im Moment würde ich das Stottern nicht von mir aus am Anfang ansprechen, außer es tritt schon am Anfang auf. Entweder gegen Ende, wenn schon eine gewisse Vertrautheit da ist und es auch positiv mit dem Job aussieht. Oder eben mittendrin, wenn es sowieso sicht- und/oder hörbar wird - und es paßt. Denn wenn man gerade in der fachlichen Diskussion steckt, paßt eine Abschweifung zu einem anderen Thema vielleicht nicht so. Wenn Du aber gerade dann weitersprichst und beim Thema bleibst, zeigst Du ja, dass DU auch mit Stottern gut arbeiten kannst. Das würde Deine späteren Erklärungen unterstreichen.

Vielleicht erwähnst Du das Stottern dann, wenn Du es auch sonst in ernsthaften Gesprächen erwähnen würdest? Wenn Du das öfter machst, hast Du wahrscheinlich schon ein gewisses Gefühl dafür, wann es passt.

Ich habe aber aber auch keine aktuellen Bewerbungserfahrungen (zum Glück konnte ich auch nach unseren Kindern in der gleichen Firma weiterarbeiten!). Vor etlichen Jahren, als ich aber erst begann, mich mit meinem Stottern auseinanderzusetzen, erwähnte ich es in einem Vorstellungsgespräch. Auf die Gegenfrage des Personalers "Ach, das kenne ich! Meine Frau ist Logopädin, welche Therapie machen Sie denn?" war ich überhaupt nicht vorbereitet und sie hatte mich völlig aus meinem Konzept gebracht. Seitdem versuche ich immer vorher abzuschätzen, ob es paßt und Sinn macht Stottern zu erwähnen.
Ich denke, Du hast da aber schon viele Erfahrungen gesammelt und weißt, wann Du es erklären möchtest und auch kannst. Ich wünsche Dir viel Glück! Und denk dran, Deine Fachkraft ist gefragt! §dup
Karen

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Re: Stottern im Vorstellungsgespräch - wie ansprechen?

Beitrag von ---***--- » 1. Februar 2011 22:42

Für mich hat sich die Formulierung "Ich stottere. Wenn Sie Fragen dazu haben, beantworte ich die gerne" nur bewährt.
Meine Gespräche verliefen in der Regel so, dass ich anfangs die Gelegenheit bekam, zu erzählen, beruflicher Werdegang, Schwerpunkte, Interessen. Falls ich tatsächlich stotterte, schob ich einen Satz vor, etwa "wie Sie eben womöglich gehört haben". Zweimal wurden mir dann tatsächlich Fragen zu Stottern gestellt, einmal hat der Interviewer ständig gefragt, ob das jetzt Stottern war (der mochte mich wohl und hatte sich auch für mich entschieden...). Einmal bekamen sich zwei in die Haare, der eine fragte, ob ich die Aufgabe (eine Lehrtätigkeit) überhaupt bewältigen könnte, der Chef des Ganzen sagte empört "natürlich kann sie das!". Darauf folgte eine lebhafte Diskussion. War nett.
Es gibt viele gute Gründe, Stottern in so einem Gespräch anzusprechen, keine, es zu verschweigen. Eine Rolle spielt Stottern soundso.

Ich kann mich nicht erinnern, je nach den "Schwächen" gefragt worden zu sein. Ich hätte da Stottern auch nie dabei gesehen. Ich würde mir das mit den schwierigen Kunden auch noch mal überlegen. Du hast vielleicht schlechte Erfahrungen gemacht und denkst, dass Du solchen Menschen wegen Stottern weniger gut Paroli bieten kannst. Ich glaube aber, kaum jemand kommt mit allen Menschen gut zurecht. Vielleicht muss ein Stotternder andere Strategien verwenden, aber Stottern muss kein Nachteil sein. Viel Glück, Erfolg und Spaß!

IgorOnline
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Re: Stottern im Vorstellungsgespräch - wie ansprechen?

Beitrag von IgorOnline » 24. Oktober 2012 20:40

Ich will mich auch demnächst auf einen Nebenjob bewerben und hatte mir schon seit längerer Zeit vorgenommen dies zu tun, aber ich habe mich schon recht oft nen Kopf gemacht, wie es ansprechen könnte bzw. ob ich ansprechen sollte :-) ...

Der Thread hat mich jetzt schon ermutigt meine Bewerbung abzuschicken ;-) ...

Ich werde dann mal berichten, wie mein Vorstellungsgespräch verlief :-) ...
"Da, wo die Angst ist, da geht es lang"
"Nicht vermeiden - Stottern zeigen"
[Beide Zitate sind aus Abenteuer Stottern, Wolfgang Wendlandt, Verlag DEMOSTHENES]

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