Keine berufliche Perspektive durch Stottern

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Theresa
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Re: Keine berufliche Perspektive durch Stottern

Beitrag von Theresa » 10. Dezember 2012 19:52

Frankie hat geschrieben:Hallo Theresa,

den Ratschlägen von Tobias kann ich uneingeschränkt zustimmen. Wende dich an einer der genannten Anbieter und/oder eine SHG und tu was. Deine Situation kannst du damit sicher deutlich verbessern. Du lernst einen sicheren Umgang mit dem Stottern und Techniken, die du dann einsetzen kannst, wenn das Stottern zuschlägt. Außerdem werden dabei die Schamgefühle angegangen, wie Paul schon beschrieben hat. Dies ist ein ganz wichtiger Punkt, und erstaunlicherweise sagen die meisten hinterher, dass es eigentlich gar nicht so schwer war, wie es vorher schien.
Ja, ich weiß, dass das der wichtigste nächste Schritt ist. Und wichtig ist auf jeden Fall auch, dass ich an einen Therapeuten geraten, der meine ganze Lebenssituation in den Blick nimmt.
Ich habe mittlerweile viele Leute kennengelernt, deren Leben sich nach einer Van-Riper-Therapie bzw. verwandten Therapie grundlegend geändert hat. Dabei sind die unterschiedlichsten interessanten Berufe vertreten, darunter auch welche, bei denen man viel reden muss. Du kannst dir jetzt wahrscheinlich gar nicht vorstellen, was man alles trotz hörbarer Stottersymptomatik erreichen kann!
- Ja, da hast du völlig recht. ;-) Momentan kann ich mir wirklich nicht mehr vorstellen, jemals normal arbeiten zu können. Das belastet mich inzwischen auch sehr.

Was die Möglichkeit der Selbsttherapie bei Ängsten angeht, habe ich durchaus schon Erfahrungen mit anderen Ängsten. Die Selbsttherapie hat mir da sehr viel mehr geholfen als die Therapie bei einem Psychologen. Allerdings habe ich das nicht aus dem Blauen heraus gemacht, sondern einen Stapel Bücher darüber gelesen, wie man es richtig macht. Da ging es allerdings um Panikattacken. Die Schamgefühle wegen des Stotterns sind anders. Ich denke aber, bei vielen Formen der Angst ist es wirklich besser, man sucht sich einen Therapeuten, denn Bücher bieten eben keine persönliche Unterstützung.

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Re: Keine berufliche Perspektive durch Stottern

Beitrag von T_homas » 11. Dezember 2012 15:11

Da ich selbst Betroffener bin,äußere ich mich auch mal. :)
Meine Sprachstörung wollte ich nach einer jahrelangen,flüssigen Phase und damit verbundenen anderen (besseren) Lebensweise,vorerst überhaupt nicht annehmen.
Selbst als ich auf Stotterer stieß,während damaliger Arbeitssituationen und sie mich aufgrund kleinerer Pausen während meines Sprechens ansprachen,ob ich selbst Stotterer sei und Wörter austausche,verneinte ich und schob das Thema weit weg.

Irgendwann musste ich mir es aber eingestehen,was nicht einfach war und bestimmt eine Dauer von 5J. in Anspruch nahm.
Natürlich kam ich mir komisch vor,den Schritt zu gehen um von meinem Hausarzt eine Überweisung für den Logopäden zu holen,aber es gibt Schlimmeres.

Dem Arbeitsamt hatte ich es auch über Jahre verschwiegen,was den ursächlichen Grund für mein Nicht-arbeiten-Gehen beinhaltet.
Irgendwann hab ich dann reinen Tisch gemacht,da mir das ganze Rumgedruckse selbst auf den Geist ging und denen reinen Wein eingeschenkt.

Der Hauptgrund war eigentlich der,dass ich aufgrund psychogener Stotterauswirkungen mir eine soziale Phobie aufgebaut hatte,die es mir damals unmöglich machte,mehrmals die Woche in meinen Briefkasten zu schauen,teilweise ging es nur 1x im Monat oder 1x in zweien.
Daraufhin verpasste ich einige Arge-Einladungen und wurde um 50% sanktioniert,dies implizierte für mich Tafelbesuche um so noch einigermaßen über die Runden zu kommen oder Gutscheineinkäufe in Supermärkten bei denen ich,hinter mir eine Schlange stehend,meinen Einkauf an der Kasse durchsuchen lassen und meinen Ausweis zeigen musste.
Das war dann wirklich mehr als peinlich!

Trotz der Sanktionierung schaffte ich es wieder nicht in den Briefkasten zu gehen,obschon ich wusste,dass ich in nächster Zeit wieder mit einer Einladung zu rechnen hätte.
Prompt übersah ich die nächste Einladung und man drohte mir die Leistungen ganz einzustellen.
Das war dann für mich der Grund,das Gestammel um die tatsächliche Ursache hinter mir zu lassen und Tacheles zu reden.
Ich machte ihr also klar,dass ich Stotterer bin und infolge der damit verbundenen Sozialphobie,die Meldebesuche nicht wahrnehmen konnte.

Man schickte mich daraufhin zum Medizinischen Dienst zur Begutachtung,die segneten das als begründet ab und so bekam ich wieder mein volles Geld und war für 1 Jahr vollkommen freigestellt mich um Arbeit zu bemühen,da die Genesung im Vordergrund stehe und das Priorität hätte.

Ich war auch in mehreren Sprachtherapien,auch schon mit dem Grund,weil ich dem Arbeitsamt Eigenbemühungen vorweisen musste.

Wenn man das vorhat,sollte man die Therapeutin/Therapeut schon am Telefon festlegen,ob sie/er sich überhaupt mit der Materie auskennt,selbst schon Stotterer,erwachsene,therapiert hat und Fortbildungen besucht.
Das hilft ungemein,da man so keine Zeit verschwendet.

Es bringt nichts zu dem Nächstbesten zu gehen,die wenigsten haben Ahnung von dem,mein letzter Therapieversuch schlug fehl,da ich auf Anraten meines Artzes,mich bei einer mir unbekannten Firma in Behandlung begab,mein Arzt konnte da nichts für,da er sich selbst nicht so mit der Thematik Stottern auskennen wird.

Im Endeffekt saß mir eine frisch ausgelernte Logopädin gegenüber,mit nur wenig Stotterkompetenz,bei der ich Kinderspiele spielen durfte,da man nicht wusste wo man ansetzen sollte oder man fragte mich,was man an Übungen machen könne.
Der Spuk hatte für mich ein Ende,als man mich bat im Vorfeld schon die ganze Verordnung zu unterschreiben,obwohl ich noch nicht mal wusste,ob ich zu allen Terminen erscheinen kann,des Weiteren wurden da nur 30 Minuten anberaumt,obwohl einem laut Kasse,dies zahlt,man selbst nur 10%,45 Minuten zustehen.

Du kannst dir auch Adressen kompetenter Logopäden von der Fachberatung zuschicken lassen,die führen da eine Liste.

Edit: Gegen Ängste,Depressionen wäre z.B. ein AD in Form von Citalopram sehr gut zu empfehlen,je nachdem welche Hemmer man braucht.
Ich hatte auch schon Lyrica,ziemlich teuer und die Wirkung begann sich schon am Anfang abzuflachen,deswegen abgesetzt.
Vom Cita hab ich nach ca. 9 Monaten leichte Hallus. :shock:
Man sieht dann während der Aufwachphase Sachen die nicht da sind,meist Menschen.
Am Anfang wars ziemlich erschreckend,weil sich das erst nach ca. 10 Sekunden auflöst,mittlerweile beunruhigt mich das nicht mehr. :mrgreen:
„Das Leben ist wie ein Fluss! Mal schnell, mal langsam, mal klar, mal dreckig, mal niedrig, mal hoch, immer in Bewegung und jeden Moment anders!“ Quelle: -asiatische Weisheit-

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Re: Keine berufliche Perspektive durch Stottern

Beitrag von Theresa » 14. Januar 2013 21:13

Hallo T_homas!

Dein Beitrag liest sich wirklich traurig. Geht es dir denn inzwischen besser und arbeitest du wieder?

Ein Jahr Pause zu haben ist sicherlich gut, aber es muss dann natürlich auch etwas geschehen. Ich hatte ja all die Jahre immer gehofft, dass ich doch noch eine Lösung für mein Problem finde und nach Ende der Ausbildungsphase keine arbeitslose Hartz-IV-Empfängerin sein werde, aber dann ist ja leider genauso gekommen.

Ich habe mir inzwischen einen Termin beim HNO-Arzt geholt, verspreche mir aber nicht viel davon.

Antidepressiva kommen für mich nicht in Frage. Die habe ich schonmal gegen andere Beschwerden genommen und leider so überhaupt gar nicht vertragen. Citalopram war auch schon dabei. Das löst auch mein Problem nicht.

Alles Gute!

Theresa

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Re: Keine berufliche Perspektive durch Stottern

Beitrag von T_homas » 15. Januar 2013 00:53

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Zuletzt geändert von T_homas am 5. Februar 2015 16:24, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Keine berufliche Perspektive durch Stottern

Beitrag von T_homas » 12. Februar 2013 17:31

Was kam denn bei dir beim HNO-Arzt raus?
Meine Sprechstörung wurde auch von ihm nicht auf Anhieb erkannt,alle tippen bei mir zuerst auf zu schnelles Sprechen,Poltern.
War auch bisher bei allen Logopäden so,denen musste ich es erst erklären,dass es eine Verschleierung bzw. Blocklösung ist.

Meine heisere Stimme hat sich nun auch geklärt,in dem Fall ist es eine psychogene Dysphonie mit kompl. Glottisschluss.
Letzteres musste ich erst googeln um zu wissen was gemeint ist.

Da er so einiges an fähigen Logopäden kennt (hoff ich mal),hab ich mir mal wieder eine zuweisen lassen,zumindest ist sie auf Stimmstörungen spezialisiert.
Werd das mal versuchen,vllt. tut sich ja mal was.
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Re: Keine berufliche Perspektive durch Stottern

Beitrag von Maik75 » 18. Februar 2013 09:01

Hallo, also ich hatte trotz meines doch sehr starken Stotterns nie wirklich Probleme im Beruf oder bei der Arbeitsfindung . Ich bin gelernter Bäcker und gelernter Fachlagerist und war bislang nur mal für sehr kurze Zeit arbeitslos. Ich glaube es liegt auch daran , das ich sehr selbstbewusst mit meiner Sprachstörung umgehe. Ich sehe mein Stottern auch nicht als Behinderung an, da es mich nicht behindert ! Aber dieses Selbstbewusstsein musste ich erst lernen . Ich stehe zu meinem Stottern da es ein Teil von mir ist und ich sonst so wäre wie alle anderen . Und das will ich nun wirklich nicht sein ! :wink:


Bis denn :)

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