Keine berufliche Perspektive durch Stottern

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Theresa
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Keine berufliche Perspektive durch Stottern

Beitrag von Theresa » 25. Oktober 2012 19:10

Liebes Forum,

ich hatte vor einiger Zeit bereits in der Fachberatung um Hilfe gebeten, möchte nun aber auch nochmal die Gelegenheit nutzen, die Meinung anderer Forenmitglieder zu hören.

Ich stottere schon seit meiner Kindheit und bin mal mehr und mal weniger gut damit klargekommen. Inzwischen allerdings bin ich 30 und komme überhaupt nicht mehr damit zurecht. Ich habe eine Ausbildung und ein Studium hinter mich gebracht, stehe nun aber vor dem beruflichen Nichts, weil mir durch meine Sprechbehinderung kein Beruf einfällt, in dem ich arbeiten könnte. Als Stotterer habe ich kein "sicheres Auftreten" (selbst dann nicht, wenn ich mich tatsächlich mal so fühlen sollte), bin nicht "kommunikationsstark" und habe auch keine "gute mündliche Ausdrucksfähigkeit", wie immer in den Stellenanzeigen gefordert wird. Schon ein einfaches Telefon mit fremden Leuten kann eine unlösbare Herausforderung sein, von Vorträgen usw. fange ich mal besser gar nicht erst an. Auch die üblichen Aushilfstätigkeiten (Kassiererin, Call-Center-Mitarbeiterin, Bedienung bei McDonald's, Kellnerin usw.) kommen nicht in Frage, weil man auch dabei sprechen muss.
Ich bin inzwischen ganz furchtbar deprimiert, nicht einmal für ganz einfache Aufgaben einsetzbar zu sein und von Hartz IV zu leben.

Zu meinem Stottern: Manchmal ist es so leicht, dass es nicht auffällt. Dann kann ich reden wie ein Wasserfall. Aber es gibt auch Tage, wo ich einfach andauernd hängenbleibe und mir bestimmte Wörter gar nicht über die Lippen gehen. Die tausche ich dann in der Regel aus, aber das geht eben nicht immer - vor allem nicht in einem beruflichen Kontext, wo es darauf ankommt, sich präzise auszudrücken. Meistens sind es bestimmte Buchstaben, mit denen ich Probleme habe, wie z. B. n, m, j und a.

Ich schäme mich so sehr, dass ich mich nicht traue, mit Freunden, Familie, Ärzten oder auch nur den Mitarbeitern des Jobcenters darüber zu sprechen. Ich habe mit einigen Psychologen darüber geredet, aber die konnten mir nicht weiterhelfen und haben das Problem teilweise nicht einmal ernst genommen.

Hat noch jemand einen Rat?

Viele Grüße

Theresa

paul.dest
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Re: Keine berufliche Perspektive durch Stottern

Beitrag von paul.dest » 29. Oktober 2012 12:14

Hallo Theresa,

Schon Deinen ersten Beitrag im Forum der Fachberatung habe ich mit großem Interesse gelesen. Nicht nur mit großem Interesse, sondern mit großem Staunen.

Deine Texte - soweit Rückschlüsse von nur zwei Beiträgen zulässig sind - zeugen von außerordentlich guter Beherrschung der Sprache, von treffsicheren Ausdrucks- und Formulierungsfähigkeiten. Dieser Grad an makelloser Rechtschreibe und inhaltsunterstützender Absatz-Gliederung sind nur in wenigen Forum-Beiträgen zu finden. Für mich ein Zeichen von Verbindlichkeit, Gewissenhaftigkeit und klarem Denken: Kompetenzen, die im beruflichen Leben sehr gefragt sind.

Warum ich gestaunt habe? Ich habe mit Erschrecken gedacht: "Unglaublich! Schau Dir an, wie ein offenbar fähiger und intelligenter Mensch sich vom Stottern klein kriegen lässt!" Ich hielt diese Konstellation für so bemerkenswert, dass ich Deinen ersten Beitrag meiner Freundin zu lesen gegeben habe. Mit genau diesem Kommentar.

Ich habe keinen Rat für Dich. Dafür kenne ich Dich viel zu schlecht. Mein Bild, das ich mir von Dir gemacht habe, beruht auf lediglich zwei schriftlichen Beiträgen. Davon ausgehend lässt es sich schlecht Ratschläge erteilen. Ich kann höchstens damit anfangen, Dir Fragen zu stellen. Fragen, die auf meinen Vermutungen über Dich beruhen. Vielleicht sind diese Vermutungen falsch. Dann werden sie durch Deine Antworten korrigiert. Vielleicht sind sie richtig. Dann werden sie Dich hoffentlich dazu anregen, Deine Situation aus einer anderen Perspektive zu sehen, so dass Du auch ohne Ratschläge anderer herausfinden wirst, wie Du Deine Situation ändern kannst.

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Theresa
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Re: Keine berufliche Perspektive durch Stottern

Beitrag von Theresa » 8. November 2012 19:41

Hallo Paul,

vielen Dank für deinen langen Beitrag! Ich komme leider erst jetzt dazu, zu antworten. Eigentlich hatte ich es heute Nachmittag bereits getan, aber dann war mein Beitrag plötzlich weg.

Du hast völlig Recht, dass ich mich noch nicht oft um einen Job bemüht habe. Es ist früher aber tatsächlich schon einmal vorgekommen, dass mir während der Probezeit gekündigt wurde. Da kann es allerdings nicht am Stottern gelegen haben, denn es war ein Job gänzlich ohne Telefon oder sonstige unangenehme Sprechsituationen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, woran es gelegen hat und könnte mir vorstellen, dass ich vielleicht zu wenig Einsatz gezeigt habe, weil der Job so abgrundtief langweilig war, dass ich über die täglichen acht Stunden hinaus keine Überstunden machen wollte.
Nach meinem Studium habe ich mich einfach noch nicht oft getraut, mich auf eine richtige Stelle zu bewerben. Mit meinem Studium kann man viele verschiedene Sachen machen, aber sie haben fast alle gemeinsam, dass man in der Lage sein muss, Vorträge zu halten und mit fremden Menschen am Telefon zu sprechen. Beides bereitet mir große Schwierigkeiten. Da nützt es mir wenig, dass ich mich schriftlich gut ausdrücken kann. Mündlich kann ich es eigentlich auch, aber dadurch, dass ich eben häufig Wörter tauschen muss, wenn ich merke, dass ich hängenbleiben werde, drücke ich mich häufig sehr viel komplizierter und unpräziser aus, als eigentlich sein müsste.

Mit meiner Familie spreche ich über das Stottern gar nicht. Das ist ein absolutes Tabuthema, das so weit wie möglich umgangen wird. In meinem Freundeskreis gibt es lediglich einen Freund, dem ich mich anvertraut habe. Da er mit der Thematik nicht vertraut ist, kann er mir aber auch nicht viel helfen. Beim Arzt ist einfach die Scham zu groß, auch wenn ich weiß, dass das eigentlich nicht gerechtfertigt ist. Es ist mir dennoch noch nie gelungen, das Thema anzusprechen. Auch der Gedanke, wohlmöglich auf dem Weg in eine logopädische Praxis von Leuten gesehen zu werden, die ich kenne, ist riesengroß. Die Psychotherapien konnten mir nicht helfen, weil die Therapeuten vom Stottern überhaupt keine Ahnung hatten. Dass es denen nicht so stark aufgefallen ist, liegt daran, dass ich mich eine begrenzte Zeit häufig mit dem Austauschen schwieriger Wörter über Wasser halten kann und zudem auch eher zu Beginn eines Gespräches stottere. Wenn ich mich erstmal "eingesprochen" habe, geht es meistens besser.

Wenn man häufiger mit denselben Personen zu tun hat, ist es sicher einfacher, selbstsicher zu wirken. Aber für Fremde ist es eben nicht zu erkennen, ob jemand stottert, weil er unsicher ist oder eben, weil er eine Sprachstörung hat. Und natürlich wünschen sich viele Firmen und sonstige Institutionen, dass sie von Menschen repräsentiert werden, die über ein sicheres Auftreten verfügen. Leider ist es bei mir generell mit der Selbstsicherheit nicht weit her. Das alles wäre also auch schon ohne Sprachprobleme schwierig für mich - mit hingegen erscheint es mir als unlösbar.

Ich finde es sehr mutig von dir, das Stottern sogar in der Beschreibung deiner Soft Skills zu erwähnen. Diesen Mut hätte ich definitiv nicht. ;-) Aber ja, du hast Recht, dass längere Kommunikationskontexte günstiger sind. All diese Einschränkungen machen es aber nicht gerade leicht, eine Stelle zu finden. Das ist für Menschen ohne Sprachprobleme ja oft schon schwierig.

Vor über zehn Jahren habe ich mal all meinen Mut zusammengenommen und eine Logopädin nach einer Stottertherapie gefragt. Sie hat mir damals gesagt, dass der Erfolg bei Erwachsenen höchst ungewiss sei und es bei mir auch nicht stark genug ausgeprägt sei, um eine Stottertherapie von der Krankenkasse bezahlt zu bekommen. Ich solle wiederkommen, wenn ich mal viel Geld verdiene und die Stunden privat bezahlen kann. Dabei bin ich mir ganz sicher, dass eine logopädische Behandlung bei mir sinnvoller wäre als eine psychologische, die ich immer ohne Probleme bekommen habe. Es bleibt aber auch immer noch das Problem mit der Scham, die mich daran hindert, einen Arzt um Hilfe zu bitten.

Viele Grüße!

Theresa

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Re: Keine berufliche Perspektive durch Stottern

Beitrag von paul.dest » 12. November 2012 15:24

Hallo Theresa,

Ratschläge habe ich für Dich immer noch nicht, aber ein paar Kommentare und weitere Fragen. Im schlimmsten Falle gehen die Fragen an Deiner tatsächlichen Situation vorbei, im besten Falle bringt Dich das Beantworten der Fragen - oder auch nur das Nachdenken darüber - auf Ideen, wie Du Dir selbst helfen kannst. Ich hoffe natürlich auf den besten Fall. :-)

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Re: Keine berufliche Perspektive durch Stottern

Beitrag von Roland Pauli » 13. November 2012 01:53

Gut gesprochen Paul,

die Therapie des Stotterns sehe ich auch als Verhaltenstherapie, bzw. Leistungssportler ihr mentales Training nicht als Verhaltenstherapie, sondern schlichtweg als Leistungsoptimierung an. Denn Sportler sind ja nicht krank, wenn sie in besonders wichtigen Situationen in der Lage sein wollen cool zu bleiben.

So sehe ich auch mein Sprechen. In guter Fokussierung klappt das wunderbar, aber ich lasse es auch zu, wenn der Gesprächspartner auch mal ein Stottern bei mir wahrnimmt, wenn ich einmal ohne Konzentration spreche.

Es geht Leistungssportlern darum, in entscheidenden Momenten Zugriff auf alle Ressourcen zu haben, die sie sich im Training erarbeitet haben.

Vor ca. 15 Jahren wurden Tennisspieler in den Top 10 der Weltrangliste belächelt, die mit einem Mentaltrainer auf der Tour aufkreuzten. Heutzutage gehört das zum guten Ton.

Sei stolz, Theresa, wenn du dich in Behandlung gibst, denn du wirst Hochachtung ernten von deinen Mitmenschen, wenn sie sehen, dass du das Beste aus deiner jetzigen Situation machen willst.

Herzlichst
Roland
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Re: Keine berufliche Perspektive durch Stottern

Beitrag von SummerWalker » 14. November 2012 15:38

Hallo Theresa,

ich schreibe hier aus Zeitgründen nur noch recht selten mit, aber zu deinem Beitrag wollte ich doch einen Kommentar abgeben.

Deine Einschätzung des Schweregrads deine Stotterns
Manchmal ist es so leicht, dass es nicht auffällt. Dann kann ich reden wie ein Wasserfall. Aber es gibt auch Tage, wo ich einfach andauernd hängenbleibe und mir bestimmte Wörter gar nicht über die Lippen gehen
könnte ich auch für mich so unterschreiben. Insofern stottere ich bestimmt nicht weniger als du. Trotzdem arbeite ich (wie Paul Dest) als IT-Berater, und muss viel mit Kunden und noch mehr mit Kollegen kommunizieren. Ich hatte bisher nicht den Eindruck, dass das für irgendeinen unserer Kunden ein Problem darstellt - klar, manchmal gibt es überraschte Blicke, aber mit der Qualität meiner Arbeit konnte ich bisher noch jeden Zweifler überzeugen. Und es ist auch nicht so, dass ich als Stotterer in diesem Umfeld ein völliger Exot wäre: mir laufen im beruflichen Umfeld immer wieder andere Stotter über den Weg (gerade neulich saß ich mit einem stotternden Mitarbeiter einer anderen externen Firma in einem Meeting bei gemeinsamen Kunden; oder letztes Jahr auf einer Konferenz war ich in einem Vortrag, in den ein anderer stotternder Teilnehmer die meisten - und besten! - Zwischenfragen stellte...).

Von daher also mein wichtigster Tip an dich: Keine Panik! Selbstverständlich kannst du auch stotternd beruflich erfolgreich sein, und in der Regel geht mit wachsender Selbstsicherheit das Stottern auch eher zurück.

Was deine Berufssuche angeht, würde ich dir folgendes empfehlen:
  • Es ist zwar korrekt, dass Stottern bei Erwachsenen in den meisten Fällen nicht geheilt werden kann, aber es gibt eine ganze Reihe guter Ansätze, um zumindest die Schwere des Stotterns zu reduzieren. Viele Logopäden arbeiten nach dem Non-Avoidance-Ansatz (van Riper); das erscheint mir bei deiner Beschreibung deiner Situation durchaus das richtige für dich zu sein (mir hat es sehr viel gebracht). Ebenfalls gute Erfahrungen gemacht habe ich mit der Ropana-Methode von Roland Pauli, der in diesem Thread ja auch schon geschrieben hat: wenn man morgens ganz in Ruhe ein paar Lese- und Sprechübungen mit seinen Leitsätzen macht, erhöht das nach meiner Erfahrung ganz deutlich die Wahrscheinlichkeit dafür, dass es sprechtechnisch ein guter Tag wird.
  • Keine Panik vor dem Arzt oder Logopäden! Es ist der Job des Logopäden, dass er Menschen wie dich behandelt - für ihn sind solche Erfahrungen, wie du sie gemacht hast, nichts außergewöhnliches, sondern völlig normal. Ebenso der Arzt - überleg dir mal, was der sich Tag von Tag von seinen Patienten für Geschichten anhören muss.
  • Gegen Scham oder Angst hilft Desensibilisierung! Das erste Mal bei jemand unbekanntem anzurufen kostet eine riesige Überwindung, aber beim zehnten Mal ist es nur noch halb so schlimm, und beim hundertsten Mal wird es Routine. Ich konnte vor zehn Jahren auch keinen Telefonhörer in die Hand nehmen, ohne Herzklopfen zu bekommen - heute rufe ich, gerade wenn es um Auskünfte geht, lieber an, als eine Mail oder gar einen Brief zu schicken.
  • "Gute Kommunikationsfähigkeiten" werden in jeder Stellenanzeige gefordert, darauf würde ich nicht all zu viel geben. Für den Anfang deiner Stellensuche solltest du vielleicht darauf achten, nach Stellen zu schauen, wo sich der Erfolg deiner Arbeit nicht ausschließlich nach deinen Kommunikationsfähigkeiten bemisst, sondern wo du eher für die fundierte Arbeit im Hintergrund zuständig bist - d.h. du erarbeitest die Ergebnisse, jemand anderes präsentiert sie. Da heute ohnehin meistens in Teams gearbeitet wird, ist so eine Arbeitsteilung völlig legitim (gerade im IT-Bereich, aus dem ich komme). Im Laufe der Zeit kannst du dann immer noch deine Schwerpunkte anders setzen.
  • Setz nicht zu viel Hoffnung auf das Job-Center! Nach dem, was ich so höre, sind die oft mit der Vermittlung von Akademikern überfordert, egal ob Stotterer oder nicht. Außerdem geben viele Unternehmen gerade die Ausschreibungen von Stellen, für die eine hohe Qualifikation benötigt wird, gar nicht erst an Arbeitsamt raus. Schau lieber mal in einschlägigen Online-Jobbörsen nach und werde selbst initiativ.
Lass mal hören, wie es weitergeht :-)

Viele Grüße,
SummerWalker

P.S. Wie es der Zufall so will: Mitten während ich diesen Text schreibe, kam unser Vertriebler zu mir ins Zimmer, und bat mich, an einem Telefongespräch mit einem - mir völlig unbekannten - Interessenten teilzunehmen und fachliche Beratung zu leisten. Natürlich hat der am Telefon gemerkt, dass ich gestottert habe, aber fachlich habe ich ihn wohl trotzdem überzeugt - jedenfalls wollte er ein konkretes Angebot haben.
Now I'm still here with the eyes of a child - the wonder never grows old. (Runrig)

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Re: Keine berufliche Perspektive durch Stottern

Beitrag von Theresa » 16. November 2012 15:34

Vielen Dank für eure ausführlichen Antworten! Hier hat sich ja richtig was getan! Ich antworte mal der Reihe nach:

@Paul:
Ohne Dein Stottern relativieren zu wollen, ist es sicherlich hilfreich, sich zu vergegenwärtigen, dass auch viele Nichtstotterer Schwierigkeiten damit haben, Vorträge zu halten und mit fremden Menschen am Telefon zu sprechen.
- Ja, da hast du völlig Recht, allerdings ist es bei mir so stark ausgeprägt, dass ich es nicht bewältigen kann. Andere Leute sind vielleicht auch aufgeregt, schaffen es dann aber irgendwie. Ich habe sogar schon eine Verhaltenstherapie gemacht deswegen. Meine Therapeutin hat dann allerei Sprechsituationen für mich organisiert, aber der Durchbruch blieb aus.
Vielleicht kennst Du die folgende (erfundene) Anekdote:
In einer statistischen Erhebung wurde eine repräsentative Stichprobe der Menschen nach ihren größten Ängsten befragt. Das aufgestellte Ranking ergab, dass die zweitgrößte Angst der Menschen der Tod ist. Platz eins nimmt die Angt vor dem öffentlichen Reden ein. Auf einer Beerdigung sind Sie daher besser dran, wenn Sie im Sarg liegen anstatt vor dem Sarg eine Trauerrede zu halten.
- Nein, die kannte ich nicht, aber sie gefällt mir. ;-)
In neue Lebensabschnitte aufzubrechen ist meist mit Unsicherheit verbunden. Du bist nicht unsicherer als andere, nur weil Du hier zögerst oder gerne zögern würdest. Ich meine: vielleicht bist Du unsicherer als andere - das kann ich (noch) schlecht beurteilen - , aber nicht deswegen! Irgendwann bringt aber das Zögern einen zur Einsicht, dass das weitere Zögern kontraproduktiv ist. Was hält Dich von dieser Einsicht ab?
- Ich weiß, dass ein weiteres Zögern kontraproduktiv ist. Wie gesagt, ich leider sehr darunter, arbeitslos zu sein und Hartz IV zu beziehen. Es geht dabei nicht nur ums fehlende Geld, sondern auch um die fehlende Aufgabe und alles, was damit noch verbunden ist (soziale Anerkennung, das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, neue Erfahrungen, soziale Kontakte, Möglichkeiten, etwas dazuzulernen ...). Bisher konnte ich aber ohnehin nicht arbeiten, weil ich gegen Ende meines Studiums krank geworden bin. Diese Krankheit hatte sowohl starke körperliche als auch Auswirkungen auf die Psyche (z. B. starke Angstzustände). Ich muss mich jetzt hier so schwammig ausdrücken, damit ich nicht zu schnell identifizierbar werde. ;-)
Ich bin überrascht. Warum ist das in Deiner Familie ein absolutes Tabuthema?
- Ich weiß nicht, weshalb es so ist, aber es ist so. Das Stottern wurde nie offen thematisiert, obwohl ich mir sicher bin, dass meine Eltern es beunruhigt hat, als es erstmals auftrat. Es wird so getan, als wäre es nicht existent und meine Eltern haben mich auch als Kind deswegen nicht zur Therapie geschickt.
Offenbar laufen Deine Gedanken in diesem Punkt anders. Wie laufen sie? Warum hast Du in diesem Fall Scham? Welche Befürchtungsphantasien stehen dahinter? Und warum hast Du sie scheinbar nicht, wenn Du in eine psychotherapeutische Praxis gehst?
- Leider kann ich gar nicht sagen, weshalb ich mich so furchtbar schäme. Vielleicht ist es deswegen, weil Sprechen als etwas völlig Selbstverständliches angesehen wird und es sehr bitter ist, sich einzugestehen, dass man etwas so Selbstverständliches nicht kann. Es ist irrational, aber ich kann trotzdem nicht wirklich etwas dagegen tun.
Warum befürchtest Du also, dass jemand, der Dich auf dem Weg in eine logopädische Praxis sieht, gleich vom Stottern ausgehen würde? Ist es nicht etwa wie jemandem Geschlechtskrankheit zu unterstellen, nur weil dieser jemand auf dem Weg zum Hautarzt ist?
- Es geht gar nicht direkt ums Stottern, sondern allgemein um eine Sprachstörung. Ich weiß, dass es einem eigentlich genauso wenig peinlich sein sollte, als wenn man wegen Schwerhörigkeit ein Hörgerät bekommt.
Wenn der Patient sein Stottern nicht zeigt, dann kann der Therapeut das Stottern nicht behandeln.
Da hilft es dem Therapeuten auch nicht weiter, dass er das Stottern behandeln will und dafür geeignet ist.
- Ja, das stimmt, aber alle Therapeuten, bei denen ich war, hatten von dem Thema so überhaupt gar keine Ahnung. Wobei es für mich schon wichtig wäre, dass in einer Stottertherapie auch die psychische Dimension mit einbezogen wird.
Interpretiere ich Deine bisherigen Beschreibungen richtig, dass Deine aktuelle Schwierigkeit darin besteht, Dein Stottern einem Logopäden in seinen Einzelsymptomen offen zu legen?
- Nein, überhaupt nicht. Vor einem Logopäden wäre es mir überhaupt nicht peinlich. Es wäre mir eher peinlich vor allen anderen Leuten. Sollte ich mich jemals überwinden können, eine Therapie zu machen, dann eher nicht in einer Praxis in der Nähe, wo die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, dass ich auf dem Weg dorthin Bekannten begegne.

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Re: Keine berufliche Perspektive durch Stottern

Beitrag von Theresa » 16. November 2012 15:40

@Roland:
So sehe ich auch mein Sprechen. In guter Fokussierung klappt das wunderbar, aber ich lasse es auch zu, wenn der Gesprächspartner auch mal ein Stottern bei mir wahrnimmt, wenn ich einmal ohne Konzentration spreche.
- Ja, so ist es bei mir auch oft. Manchmal, wenn es darauf ankommt, kann ich völlig flüssig sprechen, aber manchmal bewirkt starke Konzentration auch das Gegenteil. Und natürlich kann niemand immer zu 100 % konzentriert sein. Ich möchte wenigstens so viel Kontrolle über meine Sprache haben, dass ich ganz normal berufstätig sein kann. Natürlich schränkt mich das Stottern auch privat ein, aber bei Weitem nicht so stark. Insgesamt finde ich aber schon, dass Stottern die Lebensqualität sehr stark mindert. Erst diese Woche habe ich mich durch die Vermeidung einer Situation, in der öffentliches Sprechen gefordert gewesen wäre, in eine unmögliche Situation gebracht ...
Sei stolz, Theresa, wenn du dich in Behandlung gibst, denn du wirst Hochachtung ernten von deinen Mitmenschen, wenn sie sehen, dass du das Beste aus deiner jetzigen Situation machen willst.
- Ich würde es ganz sicher niemandem mitteilen.

Theresa
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Re: Keine berufliche Perspektive durch Stottern

Beitrag von Theresa » 16. November 2012 16:00

ich schreibe hier aus Zeitgründen nur noch recht selten mit, aber zu deinem Beitrag wollte ich doch einen Kommentar abgeben.
- Vielen Dank dafür!
könnte ich auch für mich so unterschreiben. Insofern stottere ich bestimmt nicht weniger als du. Trotzdem arbeite ich (wie Paul Dest) als IT-Berater, und muss viel mit Kunden und noch mehr mit Kollegen kommunizieren. Ich hatte bisher nicht den Eindruck, dass das für irgendeinen unserer Kunden ein Problem darstellt - klar, manchmal gibt es überraschte Blicke, aber mit der Qualität meiner Arbeit konnte ich bisher noch jeden Zweifler überzeugen. Und es ist auch nicht so, dass ich als Stotterer in diesem Umfeld ein völliger Exot wäre: mir laufen im beruflichen Umfeld immer wieder andere Stotter über den Weg (gerade neulich saß ich mit einem stotternden Mitarbeiter einer anderen externen Firma in einem Meeting bei gemeinsamen Kunden; oder letztes Jahr auf einer Konferenz war ich in einem Vortrag, in den ein anderer stotternder Teilnehmer die meisten - und besten! - Zwischenfragen stellte...).
- Das sind für mich Berichte aus einer anderen Welt. Ich habe schon seit Jahren befürchtet, nach dem Studium ohne Arbeit dazustehen und genauso ist es jetzt leider auch gekommen. Da ist einfach noch nicht der Mut, mich für einen Job zu bewerben, in dem ich auch sprechen muss. Dabei hätte ich sogar durchaus Lust, am Anfang erstmal einen Aushilfsjob zum Geldverdienen anzunehmen. Aber gerade in dem Bereich ist es schwierig, da kellnern, kassieren usw. für mich wegfallen.
Viele Logopäden arbeiten nach dem Non-Avoidance-Ansatz (van Riper); das erscheint mir bei deiner Beschreibung deiner Situation durchaus das richtige für dich zu sein (mir hat es sehr viel gebracht).
- Ich wünsche mir auf jeden Fall eine Sprechtechnik, die sich recht natürlich anhört. Ich bin ein sehr lebhafter Mensch und eine Sprechtechnik, die z. B. darauf abzielt, nun nur noch extrem langsam zu sprechen, passt einfach nicht zu mir und wäre zumindest im Alltag viel auffälliger als gelegentliches Stottern.l
Ebenfalls gute Erfahrungen gemacht habe ich mit der Ropana-Methode von Roland Pauli, der in diesem Thread ja auch schon geschrieben hat: wenn man morgens ganz in Ruhe ein paar Lese- und Sprechübungen mit seinen Leitsätzen macht, erhöht das nach meiner Erfahrung ganz deutlich die Wahrscheinlichkeit dafür, dass es sprechtechnisch ein guter Tag wird.
- Darüber werde ich mal informieren, wenn ich gerade etwas mehr Zeit habe.
[*]Keine Panik vor dem Arzt oder Logopäden! Es ist der Job des Logopäden, dass er Menschen wie dich behandelt - für ihn sind solche Erfahrungen, wie du sie gemacht hast, nichts außergewöhnliches, sondern völlig normal. Ebenso der Arzt - überleg dir mal, was der sich Tag von Tag von seinen Patienten für Geschichten anhören muss.
- Nein, vor dem Logopäden habe ich auch keine Angst, sondern eher, später auf dem Weg zur Therapie gesehen zu werden, auch wenn das jetzt etwas paranoid klingt.
[*]Gegen Scham oder Angst hilft Desensibilisierung! Das erste Mal bei jemand unbekanntem anzurufen kostet eine riesige Überwindung, aber beim zehnten Mal ist es nur noch halb so schlimm, und beim hundertsten Mal wird es Routine. Ich konnte vor zehn Jahren auch keinen Telefonhörer in die Hand nehmen, ohne Herzklopfen zu bekommen - heute rufe ich, gerade wenn es um Auskünfte geht, lieber an, als eine Mail oder gar einen Brief zu schicken.
- Das scheint keine generelle Regel zu sein. In meiner Ausbildung musste ich teilweise extrem viel telefonieren. Am Anfang machte es mir nicht viel aus, aber am Ende ging da gar nichts mehr. Die Angst vorm Telefonieren hat sich immer weiter gesteigert und für mich war dann auch klar, dass ich in diesem Beruf nicht weiter arbeiten kann - was ich vorher schon befürchtet hatte.
[*]"Gute Kommunikationsfähigkeiten" werden in jeder Stellenanzeige gefordert, darauf würde ich nicht all zu viel geben. Für den Anfang deiner Stellensuche solltest du vielleicht darauf achten, nach Stellen zu schauen, wo sich der Erfolg deiner Arbeit nicht ausschließlich nach deinen Kommunikationsfähigkeiten bemisst, sondern wo du eher für die fundierte Arbeit im Hintergrund zuständig bist - d.h. du erarbeitest die Ergebnisse, jemand anderes präsentiert sie. Da heute ohnehin meistens in Teams gearbeitet wird, ist so eine Arbeitsteilung völlig legitim (gerade im IT-Bereich, aus dem ich komme). Im Laufe der Zeit kannst du dann immer noch deine Schwerpunkte anders setzen.
- Leider stoße ich momentan fast ständig auf Stellenanzeigen, in denen (universitäre) Lehre gefordert wird oder aber zumindest das Halten von Vorträgen. Solche Sachen kann einfach ganz definitiv nicht.
[*]Setz nicht zu viel Hoffnung auf das Job-Center! Nach dem, was ich so höre, sind die oft mit der Vermittlung von Akademikern überfordert, egal ob Stotterer oder nicht. Außerdem geben viele Unternehmen gerade die Ausschreibungen von Stellen, für die eine hohe Qualifikation benötigt wird, gar nicht erst an Arbeitsamt raus. Schau lieber mal in einschlägigen Online-Jobbörsen nach und werde selbst initiativ.[/list]
- Oh, bisher habe ich eigentlich nur gute Erfahrungen mit dem Jobcenter gemacht. Die haben mir z. B. ein paar wertvolle Tipps für meine Bewerbungsunterlagen gegeben. Konkrete Stellenangebote haben die mir eh nicht gemacht. Da suche ich natürlich auch selbst.
P.S. Wie es der Zufall so will: Mitten während ich diesen Text schreibe, kam unser Vertriebler zu mir ins Zimmer, und bat mich, an einem Telefongespräch mit einem - mir völlig unbekannten - Interessenten teilzunehmen und fachliche Beratung zu leisten. Natürlich hat der am Telefon gemerkt, dass ich gestottert habe, aber fachlich habe ich ihn wohl trotzdem überzeugt - jedenfalls wollte er ein konkretes Angebot haben.
- Ich finde es sehr bewundernswert, dass du das trotzdem alles so locker machst. Als ich das letzte Mal hier im Forum aktiv war, hat auch der Zufall zugeschlagen und ich bekam eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Das war inzwischen schon. Ich habe ein paarmal etwas gestottert und musste leider einige Male zu umständlichen Umschreibungen greifen, aber ich denke, es ist trotzdem gut gelaufen. Ich soll eine Arbeitsprobe anfertigen und falls ich die Stelle nicht kriege, wird es eher an der Arbeitsprobe als am Stottern liegen. Es wäre allerdings nur eine zeitlich sehr stark befristete Tätigkeit, die das Grundproblem nicht löst.

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Re: Keine berufliche Perspektive durch Stottern

Beitrag von Tobias » 17. November 2012 15:52

Theresa hat geschrieben:Hat noch jemand einen Rat?
Der Ratschlag liegt eigentlich auf der Hand, oder? :)

Nach allem, was du schilderst, kommt eigentlich nur eine Stottertherapie in Frage. Angesichts deiner großen Schamgefühle kommt in meinen Augen auch nur eine Van-Riper-Therapie ("Nichtvermeidungsansatz") in Betracht. Wie Bettina von der Fachberatung schon geschrieben hat, wäre eine Gruppentherapie sicher auch sehr gut für dich, um dir das Gefühl zu geben, dass du mit deinem Problem nicht allein bist. Außerdem kann dich die Gruppe aufbauen, mitziehen und motivieren. In so einer Gruppe aus lauter anderen Stotternden ist es plötzlich ganz normal zu stottern. :)
Eine Therapie nach dem Nichtvermeidungsansatz hat immer auch einen großen Anteil an verhaltens- und psychotherapeutischen Maßnahmen, d.h. du wirst dich deinen Ängsten stellen und nur so kommst du auch weiter.

Wie du schon geschrieben hast, würdest du gerne eine Therapie vor Ort vermeiden, damit dich keiner sieht. Das würde gut mit einigen Intensiv-Intervall-Therapien zusammenpassen. Die Bonner Therapie findet - wie der Name schon sagt - wochenweise in Bonn statt, die IMS am Wochenende in Köln, dann gibt es noch die Wochenendtherapie von Andreas Starke in Hamburg und die wochenweise 4x5-Therapie mit Robert Richter und Andreas Starke in Boltenhagen an der Ostsee. Daneben gibt es noch andere.

Wenn so große Ängste und so große Schamgefühle gegenüber dem Stottern bestehen, wird eine Therapie nicht einfach. Aber andererseits wird sich dir eine neue Welt eröffnen, wenn du dich dieser Angst stellst. Und diese Aussicht sollte Ansporn genug sein, den ersten Schritt zu machen. Ich wünsche dir alles Gute, dass du diese Kraft findest, eine Therapie zu beginnen. :knuddel:

Und natürlich kann ich dir noch empfehlen, deine örtliche Selbsthilfegruppe zu besuchen. Auch dort kann man die Angst vor dem Stottern überwinden und eine andere, gelassenere Haltung zum Stottern entwickeln.

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Re: Keine berufliche Perspektive durch Stottern

Beitrag von paul.dest » 19. November 2012 19:16

Hallo Theresa,

Diesmal traue ich mich, sogar Ratschläge zu geben! "Der schlimmste Schlag ist der Ratschlag."
Setze also schon mal den Helm auf! ;-)

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Re: Keine berufliche Perspektive durch Stottern

Beitrag von Frankie » 19. November 2012 19:39

Hallo Theresa,

den Ratschlägen von Tobias kann ich uneingeschränkt zustimmen. Wende dich an einer der genannten Anbieter und/oder eine SHG und tu was. Deine Situation kannst du damit sicher deutlich verbessern. Du lernst einen sicheren Umgang mit dem Stottern und Techniken, die du dann einsetzen kannst, wenn das Stottern zuschlägt. Außerdem werden dabei die Schamgefühle angegangen, wie Paul schon beschrieben hat. Dies ist ein ganz wichtiger Punkt, und erstaunlicherweise sagen die meisten hinterher, dass es eigentlich gar nicht so schwer war, wie es vorher schien.

Ich habe mittlerweile viele Leute kennengelernt, deren Leben sich nach einer Van-Riper-Therapie bzw. verwandten Therapie grundlegend geändert hat. Dabei sind die unterschiedlichsten interessanten Berufe vertreten, darunter auch welche, bei denen man viel reden muss. Du kannst dir jetzt wahrscheinlich gar nicht vorstellen, was man alles trotz hörbarer Stottersymptomatik erreichen kann!

Den ersten Schritt musst du jetzt selbst tun, bei den weiteren helfen die Therapeuten.

Eben sehe ich Pauls Vorschlag einer Selbsttherapie: Dem würde ich widersprechen. Bei diesen ausgeprägten Scham- und Angstgefühlen halte ich eine gute Unterstützung für sinnvoll.

Grüße
Frank

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Re: Keine berufliche Perspektive durch Stottern

Beitrag von paul.dest » 19. November 2012 20:31

Frankie hat geschrieben:Eben sehe ich Pauls Vorschlag einer Selbsttherapie: Dem würde ich widersprechen. Bei diesen ausgeprägten Scham- und Angstgefühlen halte ich eine gute Unterstützung für sinnvoll.
Wir haben gerade mit Frankie geklärt, dass er mich ursprünglich dahingehend mißverstanden hat, ich würde Dir eine Stottertherapie als Selbsttherapie empfehlen. Das habe ich jedoch nicht gemeint. Wenn man Stottern allein mit Intelligenz selbsttherapieren könnte, dann hättest Du, Theresa, keins.

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Theresa
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Re: Keine berufliche Perspektive durch Stottern

Beitrag von Theresa » 10. Dezember 2012 19:34

Liebes Forum, nach längerer Abwesenheit melde ich mich hier mal wieder zurück! Es fällt mir leider immer noch schwer, mich mit dem Thema auseinander zu setzen.

@Tobias: Ja, ich weiß eigentlich, dass ich eine Therapie brauche. Inzwischen war ich auch beim Hausarzt und habe mir eine Überweisung zum HNO-Arzt geholt. Aber da das Quartal nun schon fast zu Ende ist, bringt das leider nichts mehr. Ich werde mir dann wohl im Januar eine neue Überweisung holen müssen.
Das mit den Wochenendtherapien ist eine gute Idee, aber ich denke, ich werde mich erstmal ruhig mit einer Therapie einmal pro Woche rantasten. Es fällt mir wirklich immer noch sehr schwer, mich mit dem Thema Stottern zu beschäftigen.

Theresa
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Re: Keine berufliche Perspektive durch Stottern

Beitrag von Theresa » 10. Dezember 2012 19:47

@Paul:
Theresa hat geschrieben:... allerdings ist es bei mir so stark ausgeprägt, dass ich es nicht bewältigen kann. ... Meine Therapeutin hat dann allerei Sprechsituationen für mich organisiert, aber der Durchbruch blieb aus.
Das Phänomen gibt es durchaus, wenn auch ganz selten. Ich kenne einzelne Personen, die zu Toastmasters gehen und dadurch noch mehr Angst vor dem öffentlichen Reden bekommen. Ich denke, das passiert immer dann, wenn der Überwindungsschritt, den man eingeht, zu groß ist; wenn man sich quasi nicht mehr überwindet, sondern vergewaltigt. Dann sollte man kleinstufiger vorgehen: den Weg in kleinere Schritte einteilen.
- Das Problem war eher, dass ich ja wusste, dass es nur Übungssituationen waren, in denen mich keiner negativ bewerten würde. Mir geht es aber eher um die Scham im normalen Leben. Typisches Beispiel: Ich werde etwas gefragt und bringe dann die Antwort nicht über die Lippen. Wenn ich hängenbleibe, ist auch automatisch ein großes Schamgefühl da.
Theresa hat geschrieben:Ich weiß nicht, weshalb es so ist...
Ratschlag: Frag doch mal Deine Eltern! Dann weißt Du es!
- Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie vermeiden wollten, dass ich mich schäme. Aber was für Einschränkungen mit dem Stottern verbunden sind, ist ihnen offensichtlich nicht klar, denn noch vor ein paar Wochen hat mein Vater mich ernsthaft gefragt, warum ich mich nicht einfach im Büro bewerbe.
Sitzt der Helm immer noch gut? ;-)
Ich hätte noch mehr Ratschläge. Aber ich fürchte, Du magst mich jetzt nicht mehr. ;-)
- Äh, also so schlimme Ratschläge waren jetzt nicht dabei. ;-)

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