Stottern in der Arbeitswelt - Diskrimination

Austausch speziell zum Thema Ausbildung und Beruf. Für eine professionelle Beratung wende Dich bitte an die Fachberatung

Was tun gegen Diskrimination von Stotterern in der Arbeitswelt?

Da kann man nix tun! Am Besten man ignoriert es und tut sein Bestes...
3
27%
Dagegen muss man kaempfen! Schliesslich wird einem nix geschenkt! Notfalls gerichtlich.
8
73%
 
Abstimmungen insgesamt: 11

Benutzeravatar
Einar
angekommen
angekommen
Beiträge: 30
Registriert: 19. Februar 2007 23:26
Ort: Luxemburg
Kontaktdaten:

Beitrag von Einar » 26. Februar 2007 07:43

Uwe hat geschrieben:Weil du etwas ansprichst was jedem eh aufgefallen sein wird.

Etwas anderes wäre es, wenn das Gespräch darauf käme oder wenn du in dem Bericht über Dich erzählest, dass du unter anderen aktiv in der Stottererselbshilfe seist. Alles andere halte ich für unpassend.

Das ist meine ganz persönliche Meinung.
Ich finde durch ein paar gut platzierte Saetze kann man helfen diese fuer den Interviewer vermeintlich verstoerende Situation zu entkrampfen, auch wenn man sich noch nicht in der Stotterselbsthilfe hervorgetan haben sollte. Wie das geschieht ist jedem Stotterer selbst ueberlassen.
Es gehoert schon ein gewisses Feingefuehl dazu, haengt von der Situation ab, aber auf jeden Fall ist das Thema gesamt gesehen auf keinen Fall unpassend, es ist ja ein Teil von einem, also kann man es auch als Thema anschneiden. (und der Interviewer wird es oft nicht von sich aus wagen, aus Angst einen Tabubruch zu begehen oder versehentlich diskriminierend zu wirken). Aber man sollte auf keinem Fall auf dem Thema rumreiten, sondern sich lieber darauf konzentrieren seine Staerken hervorzuheben, aber es kurz anschneiden finde ich wichtig. Ich finde das Thema Stottern passt so wunderbar zur Frage "Welches sind Ihre Schwaechen?" Man kann ja das Stottern als Schwaeche aufzaehlen, dann aber sogleich diese umdrehen und darauf verweisen, dass man durchs Stottern gelernt hat sich durchzusetzen, wie man dadurch ueber Jahre motiviert wurde am Sprechen und an der Kommunikation zu arbeiten und welche Erfolge man dadurch erzielt hat usw...

Mir geht's auch immer so: Am Anfang eines Bewerbunggespraechs bin ich aufgeregter, und stottere recht viel... Das nehme ich dann als Anlass um kurz das Stottern anzuschneiden. Danach bin ich meistens ruhiger, weil das Thema erwaehnt wurde, der Interviewer weiss wo er dran ist, dass ich zum Stottern stehe und ich offen darueber reden kann... Und ich werde auch ruhiger dadurch und stottere dann auch viel weniger danach und kann mich voll und ganz auf das Wesentliche konzentrieren...
Zuletzt geändert von Einar am 26. Februar 2007 08:38, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
Ernst-Martin
nicht mehr wegzudenken
nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 988
Registriert: 12. August 2006 10:41
PLZ: 86343
Ort: Augsburg

Re: ... der Personalchef entscheidet nicht ...

Beitrag von Ernst-Martin » 26. Februar 2007 08:38

Einar hat geschrieben:
Ernst-Martin Schneider hat geschrieben:


"Behinderten-Kloster"
eine Stadt für sich zu errichten, und alle Behinderten / Dauerarbeitslosen / irgendwie durch die Maschen Gefallenen .... hier zusammen zu führen.
(Nach einem "Naturgesetz" müßten sie sich gegenseitig ergänzen und wären am wenigsten von den Sozialträgern abhängig - und mir würde es Spaß machen, dort ohne den "Besser als der andere sein"-Streß - zwar bescheiden aber immerhin zu arbeiten)



Die Idee gefaellt mir ehrlich gesagt nicht weil es einer Desintegration und Stigmatisierung von Stotterern oder Behinderten gleichkaeme.

Das Thema des diesjaehrigen Stotter-Weltkongresses in Kroatien ist "Inclusion: Creating Our Place in Society", ich glaube darauf kommt es an, Integration, und keine separaten protektionnistischen Luftschloesser...
Da hast Du vollkommen Recht und auch Creating our place in Society ist ein hehres Ziel!

Hast Du auch daran gedacht,
daß in der EU grob jeder 10. "Arbeitsfähige" deshalb arbeitslos ist,
weil er einfach mangels Angebot keinen Job bekommen hat und auch wenig Aussicht darauf besteht und nicht, weil er "dumm" ist?

Was meinst Du, Uwe,
wird es bei uns in den nächsten 10 Jahren mehr oder weniger Arbeitsplätze geben ... und wird der Anteil der "Arbeitssuchenden" daran fallen oder steigen?

Nur so zum Nachdenken über das Schicksal der "Arbeitssuchenden" ....

und ich freue mich, daß Du wegen Deiner Sprachbehinderung im privaten Bereich keine Nachteile erlitten hast. Freue Dich also auch ...

Du kennst ja den Teufelskreis:
keine Arbeit ... keine Ehefrau .... keine Kinder ... und keine Anerkennung und allein wegen der fehlenden Anerkennung wirst Du mit der Zeit echt "arbeitsunfähig" ...

Dies gilt für alle "durch die Maschen gefallenen" und zur Intergration von ihnen müssen die "Normalos" erstmal dazu bereit sein ... und welche Vorteile hätten die Normalos denn davon ...?
Du weißt ja, wen die gesetzliche Behinderten-Quote bisher erfaßt und wieviel Firmen sich darum kümmern ....

Ich sehe in 1. Linie jene, die ein Bewerbungsgespräch nur vom Hören-sagen kennen, jedoch gerne weiter arbeiten oder auf eine an sie angepaßte Schule gehen wollen.
... und hierzu angelehnt an den Gewerkschafts-Spruch: Proletarier aller Länder verbündet Euch ... und die durch die Maschen Gefallenen auch!
Ernst-Martin,
der Lechgeist
--------------------------------
... die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere -
ja, wenn man sie läßt!
Peter Alexander

Benutzeravatar
Ralf_D.
Der Dude
Der Dude
Beiträge: 388
Registriert: 11. August 2006 15:28
Ort: Bochum

Beitrag von Ralf_D. » 26. Februar 2007 11:50

Ich finde, eine kurze Erklärung kann durchaus vom stotternden Bewerber selbst aus kommen, das macht die Situation entspannter und wirkt sympathisch.
Kommt sicher auch darauf an, wie stark man beim Gespräch stottert.

Wenn man schon bei den ersten Worten mit jedem Wort ringt, kann das auf den Zuhörer durchaus auch schon mal etwas erschreckend wirken.
Manche Personaler denken dann sicher auch, man würde nur so herumstammeln, weil man aufgeregt/nervös ist.
Wenn man dann kurz die Situation anspricht, kann das sowohl für den Betroffenen wie auch für den Personaler durchaus befreiend wirken.

Ich denke nicht, dass das ein Zeichen von Unsicherheit ist, eher ein Zeichen von Selbst-Bewusst-Sein. Man zeigt, dass man sich seiner Schwächen bewusst ist und damit umgehen kann.

Gruß
Ralf
We are Motörhead und we play Rock n' Roll!

Gast

Beitrag von Gast » 26. Februar 2007 12:30

Ich habe bei meinen Vorstellungsgesprächen die Erfahrung gemacht, dass es sowohl für mich als auch für die Gesprächspartner entspannend wirkt, wenn man kurz auf sein Stottern eingeht.

Man muss sich nicht mehr so sehr auf sein Sprechen konzentrieren und die Spannung, die dadurch entsteht, dass der Personaler eventuell komisch schaut, wird abgebaut. Zumindest war das bei mir der Fall und es ist in diesen Gesprächen viel besser gelaufen als in denen, wo ich das Stottern nicht angesprochen habe.

Ich kann das jedem in so einer Situation empfehlen, es gibt nichts Schlimmeres als Gesprächspartner in einem Vorstellungsgespräch, die irritiert schauen und sich eventuell von seinem Bewerber verschaukelt fühlen.

Benutzeravatar
djub
kompetent
kompetent
Beiträge: 422
Registriert: 10. November 2006 08:57

Beitrag von djub » 27. Februar 2007 12:10

In solchen Situationen stottere ich in der Regel erstaunlich wenig, weshalb mein Stottern meist als Aufregung und Unsicherheit abgetan wird, obwohl ich eiegntlich gleichzeitig als selbstbewusst und offen eingeschätzt werde, wenn ich mich jmd. vorstelle.
Gerade deshalb wäre es mir schon wichtig, anzusprechen, dass ich stottere, weil ich ja nicht unsicher bin.
Diese angenommene Unsicherheit könnte da wohl manchmal schwerer ins Gewicht fallen als die Tatsache, das man stottert.

Ich denke, die meisten Stotterer werden abgelehnt, weil sie sich einfach für ihr stottern schämen und damit nicht klar kommen. In dieser Situation befand sich wohl jeder Stotterer mal. In dieser Situation kommt man unsicher und gehemmt rüber, was natürlich einen gänzlich negativen Eindruck hinterlässt.

Wenn man jetzt nicht ein richtig schwerer Stotterer ist, der kaum ein Wort herausbringt, dann wird man mit entsprechendem selbstsicherem Auftreten, auch mit Stottern von sich zu überzeugen wissen. Ob man das Stottern nun anspricht oder nicht.
Verlierer suchen Bestätigung. Gewinner suchen Entwicklung.

Uwe
entdeckend
entdeckend
Beiträge: 15
Registriert: 24. Februar 2007 17:38
Ort: Vittinge, Schweden

Beitrag von Uwe » 27. Februar 2007 18:54

djub hat geschrieben:Wenn man jetzt nicht ein richtig schwerer Stotterer ist, der kaum ein Wort herausbringt, dann wird man mit entsprechendem selbstsicherem Auftreten, auch mit Stottern von sich zu überzeugen wissen. Ob man das Stottern nun anspricht oder nicht.
Genau.
“We are no longer the knights who say ni! We are now the knights who say ekki-ekki-ekki-pitang-zoom-boing!” (Monty Python)

blanka

Re: Stottern in der Arbeitswelt - Diskrimination

Beitrag von blanka » 27. Februar 2007 18:58

Einar hat geschrieben:Im vorletzten Kieselstein gab es folgenden Artikel:
http://www.bvss.de/der-kieselstein/ks-a ... el270.html
Was haltet ihr davon? Wie kann man sich als Stotterer gegen solche Diskrimination wehren? Waeren rechtliche Schritte in aehnlichen Situationen vielleicht sinnvoll? Wer hat schon mal Aehnliches erlebt?
Hallo Einar,

super, dass Du den Artikel hier nochmal in Erinnerung gebracht hast. Hab ihn damals gelesen und fand ihn sehr gut geschrieben und den Inhalt natuerlich erschuetternd. Vielleicht schaut ja Sabine dann und wann mal hier rein, damit sie die von ihr angestossene Diskussion mitverfolgen kann.

Ich kann dazu leider gar nix beitragen, mein Stottern ist im Deutschen gering und ich vermeide auch viel.

Wuerde mich aber auch interessieren, ob man jetzt mit Berufung auf das AGG gegen so eine Diskriminierung vorgehen koennte...

blanka

Beitrag von blanka » 27. Februar 2007 19:05

Ralf_D. hat geschrieben:Ich kann dem Kieselstein-Bericht eigentlich nur entnehmen, dass der Personalleiter aufgrund des Stotterns der Bewerberin skeptisch war und deshalb nochmal mit seinen Kollegen sprechen wollte...
Ein paar Tage später kam dann die Absage, aber ich gehe mal davon aus, dass das Stottern in dem Absage-Schreiben nicht als Grund "schwarz auf weiß" genannt wurde.
Sabine schreibt:

und er müsse es doch erstmal mit seinem Kollegen besprechen, ob sie mich unter diesen Umständen einladen werden.

Das ist schon deutlich. Klar stuende dann Aussage gegen Aussage, weil es telefonisch war, aber muesste der Arbeitgeber denn nicht nachweisen, was ihm an der Bewerbung nicht gefallen hat? Naja, das ist was fuer Arbeitsrechtler. Waere ja vielleicht ein neues Betaetigungsfeld fuer die BV?

blanka

Beitrag von blanka » 27. Februar 2007 19:09

Einar hat geschrieben:
Ich glaube in einem Bewerbungsgespraech kommt es punkto Stottern vor allem auf GELASSENHEIT an, dh das Thema irgendwo wo es passt kurz ansprechen, dann erklaeren was Sache ist, wie man damit umgeht und wie das Umfeld damit klar kommt.
Tja, nur genau das hat Sabine ja auch getan. Trotzdem abgelehnt.

Benutzeravatar
Ralf_D.
Der Dude
Der Dude
Beiträge: 388
Registriert: 11. August 2006 15:28
Ort: Bochum

Beitrag von Ralf_D. » 27. Februar 2007 19:43

blanka hat geschrieben: Sabine schreibt:

und er müsse es doch erstmal mit seinem Kollegen besprechen, ob sie mich unter diesen Umständen einladen werden.

Das ist schon deutlich. Klar stuende dann Aussage gegen Aussage, weil es telefonisch war, aber muesste der Arbeitgeber denn nicht nachweisen, was ihm an der Bewerbung nicht gefallen hat?
Ja, die Sache klingt natürlich offensichtlich. Trotzdem hast Du keine Absage aufgrund "Stottern" schriftlich vorliegen.
Und insofern kannst Du dem AG auch nix vorwerfen. Mag ja sein, dass sie sich wegen des Stotterns nicht sicher waren, ob sie Sabine einladen sollen, oder nicht. Aber letztendlich werden sie sich hüten, vor Gericht, das Stottern als letztendlichen Grund anzugeben, sondern sich irgendwas anderes aus dem Ärmel schütteln.

Wo liegt denn bei Euch da eigentlich die Grenze?
Wie stark muss das Stottern denn sein, damit der AG wirklich sagen "darf", dass jemand nicht für den Beruf geeignet ist?

Gruß
Ralf
We are Motörhead und we play Rock n' Roll!

Benutzeravatar
Ernst-Martin
nicht mehr wegzudenken
nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 988
Registriert: 12. August 2006 10:41
PLZ: 86343
Ort: Augsburg

... der November-kieselstein ...

Beitrag von Ernst-Martin » 28. Februar 2007 04:53

Ralf_D. hat geschrieben:
Wie stark muss das Stottern denn sein, damit der AG wirklich sagen "darf", dass jemand nicht für den Beruf geeignet ist?

Gruß
Ralf
Lieber Ralf, Du Moderator,

schön, daß Du Dich unserer Berufschancen so annimmst!
:lol:
Optimismus ist ja immer angesagt!

1)
Wir haben generell Vertragsfreiheit:
wenn Du ein Auto ausprobierst und es oder der Preis gefällt Dir dann doch nicht, kannst Du es ja ohne Begründung wieder zurückgeben ...

und der Arbeitgeber kann natürlich den gleichen Weg beschreiten!
Wenn er Dir nun freundschaftlich rät, doch einen anderen Beruf zu ergreifen, weil er dort mehr Chancen sieht, solltest Du dem Personal-Sachbearbeiter noch dankbar sein - denn er erspart Dir unnötige Bewerbungen bei anderen Firmen ...
:cry:
Dies hast Du wohl nicht erwartet - ich schon, als ich mich um eine Lehrstelle bemüht habe und diesen Rat bekam!

2)
Du hast ja Realschule und in Sozialkunde habt Ihr sicherlich über die ersten 15 Artikel des Grundgesetzen gesprochen.
Im GG Artikel 3 steht zuerst:
"Jeder ist vor dem Gesetz gleich" (Nr. 1)

alle nachfolgenden Artikel (auch Nr. 3) müssen sich zuerst nach diesem Satz richten und kein Behinderter kann außerhalb der Gerichtsbarkeit (nur der Richter muß sich daran halten) (und dies war nicht immer so; schon gar nicht vor 74 Jahren; Heiko wird dazu etwas sagen können)
Vorteile oder Benachteiligungen einklagen ...; denn wir haben ja Vertragsfreiheit;
:oops:
einklagbar ist die "Behinderten-Quote" - und von ihr kann sich der Arbeitgeber freikaufen ....

3)
Den Bundestags-Abgeordneten interessieren zuerst die Wählerstimmen, dann fragt er, was seine Idee kostet - und dann verschwindet sie in der Schublade ...
Ich glaube nicht, daß jemand im Arbeitsleben sich um die Behinderten kümmert bei 4 Mio Arbeitslosen - der Arbeitgeber hat die Wahl!
:cry:
Es tut mir auch leid,
Dir keinen anderen Bescheid geben zu können - ich wollte, es wäre anders - und verbleibe
:wink:
Ernst-Martin,
der Lechgeist
--------------------------------
... die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere -
ja, wenn man sie läßt!
Peter Alexander

Benutzeravatar
djub
kompetent
kompetent
Beiträge: 422
Registriert: 10. November 2006 08:57

Beitrag von djub » 28. Februar 2007 08:15

Ich studiere zwar heuschreckenmäßige Wirtschaftswissenschaften ( :roll: ), aber ich finde den Vergleich zwischen Arbeiter und Auto schon etwas drastisch, Ernst-Martin.
Ein Auto ist eine Sache ohne Gefühle, ohne Ortsbindung, ohne Mobilitätsschwierigkeiten, etc.
Aber nichtsdestotrotz, einem Arbeitgeber sollte es freigestellt sein, wen er einstellt und wen nicht, das finde auch ich. So ungünstig das für uns Stotterer auch manchmal sein mag. Wenn ich mir vorstelle, selbst Unternehmer zu sein und irgendjemand wollte mir wegen irgendwelchen Quoten etc. vorschreiben, wen ich einzustellen hätte, auch wenn es völlig irrational und unwirtschaftlich wäre, hätte ich vermutlich auch nen dicken Hals.

Das ganze System ist einfach völlig falsch durchdacht. Meine Meinung interessiert zwar (noch ;) ) keinen, der was ändern könnte, aber die Industriegesellschaft ist nun mal ein entwicklungstechnisch sehr kurzzeitiges Phänomen. Massenproduktion wird (leider) als Krone der Entwicklung angesehen, einhergehend mit Vollbeschäftigung und dem Bild des abhängigen Arbeiters. Lest mal die Gesetze, schaut euch um. Nichtselbständige Arbeit ist das Leitbild in unserer Gesellschaft.
Wer nicht in abhängiger Beschäftigung ist, sitzt zu hause und weint, weil er keine Arbeit hat - überspitzt formuliert.
Wer keine geregelten Arbeitszeiten hat und nicht in einem möglichst großen Unternehmen dient, in dem ohnehin mehr "zwischenmenschliche Politik" als Wirtschaft betrieben wird, gilt als Sonderling. Wer nicht das Ziel hat, sich vom Callcenter in die Chefetage hochzuschuften / -schlafen, wird nicht selten schon fast verspottet und ausgegrenzt.

Das ist aber ein Thema, das wohl die Grenzen dieses Forums sprengt, deshalb hier mein Fazit, mein Aufruf:

Setzt euch nicht hin und bemitleided euch, wenn euch niemand anstellen will. Kommt aus dieser passiven Haltung und tut was. Es gibt den Weg in die Freiberuflichkeit, ins Unternehmertum....in die SELBSTÄNDIGE Arbeit. Werdet euer eigener Chef. Na klar, ihr werdet keine Millionen verdienen und vllt. desöfteren gerade mal eure Miete zahlen können, aber ihr seid nicht von den Meinungen irgendwelcher Personalleiter abhänig.
Klar werdet ihr auch hier auf Ablehnung auf Grund eures Stotterns stoßen, aber andere Menschen haben auch (vllt. sogar wesentlich schlimmere) Probleme und sie raffen sich wieder auf. Wenn alles schief läuft, kann man sich immer noch sozial engagieren (ja, das steht leider meist an letzter Stelle bei den Menschen) und darüber Qualifikationen erwerben und Kontakte knüpfen.

Die meisten Leute würden sich über das Geld, das mir monatlich zur Verfügung steht, totlachen. Meine Freundin verdient 5 mal (oder sogar noch mehr) so viel wie ich. Ich arbeite und studiere umgerechnet auf meinen Zeiteinsatz für einen Lohn, der kaum einen Sozialhilfeempfänger zum arbeiten ermutigen würde.
Aber ich fühle mich frei. Ich bin frei. Ich genieße jede Sekunde meines Lebens. Ich gehe nicht mit runtergezogenen Mundwinkeln morgens um sechs zur Arbeit, ich muss keinen Job ausüben, der mich nicht erfüllt, der mich quält, ich muss mich nicht mit Mobbing oder internem Konkurrenzkampf herumschlagen. Ich lebe gut, bin gesund, das Geld reicht auch mal für eine Reise.
Und ich kann so viel stottern wie ich will ( wenn's nach mir ginge, am liebsten gar nicht. ;) ), weil mein Chef Stotterer versteht. Denn der Chef bin ich selbst.

Was ich damit sagen will: Ihr wollt was gegen Diskriminierung tun? Dann beißt euch durch! Zeigt, dass Stotterer fähige Menschen sind - nicht mehr oder weniger als andere. Jede Anerkennung muss erarbeitet werden, sonst ist sie nicht viel Wert. Und wenn uns in Unternehmen erst gar keine Chance gegeben wird, uns zu beweisen, dann müssen wir es anders probieren.
Mich hinstellen und fordern, dass ich meine Chance und Gleichberechtigung will und verdient habe, ist nicht meine Art.
Erarbeiten wir sie uns. Nur so bekommt man wirkliche Anerkennung.

Ich werde mich mit Sicherheit auch bei Unternehmen bewerben, aber man sollte sich nicht darauf festlegen. Lotet eure Fähigkeiten aus und feilt an euren Fertigkeiten. Eine Berufsausbildung muss nicht euren Lebensweg bestimmen.

Ihr habt euer Leben in der Hand.
Formt es!

djub
Verlierer suchen Bestätigung. Gewinner suchen Entwicklung.

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast