Referendariat abbrechen?

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Mondlicht

Referendariat abbrechen?

Beitrag von Mondlicht » 27. Januar 2015 16:58

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Mut
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Re: Referendariat abbrechen?

Beitrag von Mut » 27. Januar 2015 17:55

Definitiv NICHT abbrechen!

Zieh das durch, schau mal wie weit du gekommen bist.
Den Mut, studieren zu gehen, hatte ich damals nicht und du schon, meinen absoluten Respekt.

Mondlicht

Re: Referendariat abbrechen?

Beitrag von Mondlicht » 27. Januar 2015 18:12

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Re: Referendariat abbrechen?

Beitrag von PetraS » 27. Januar 2015 21:59

Liebes Mondlicht,
ich möchte dir aus verschiedenen Perspektiven Mut machen.
Ich selbst hatte einen stotternden Mathelehrer zu einer Zeit, als das Sprechen übers Stottern absolut tabuisiert war. Er war ein sehr beliebter und resoluter Lehrer, der allerdings damals ein dickes Fell haben musste, weil es immer wieder Schüler gab, die über ihn (seine klonische Symptomatik) kicherten.
Du kannst dir vielleicht denken, wie ich als stotternde Schülerin mich in dem Moment gefühlt habe. :(
Wir waren damals seine Examensklasse, als er sein Referendariat beendete (danach hatten wir ihn drei weitere Jahre als Fachlehrer), und ich hatte immer das Gefühl, dass er sowohl unter Kollegen, als auch unter den Schülern große Anerkennung genoss.
Ich finde es gut, wenn du überall offen mit dem Stottern umgehst. Und ich kann es auch nachvollziehen, dass du manchmal das Gefühl hast, die Anderen können dich nicht verstehen, auch wenn du es ihnen erklärt hast.
Mondlicht hat geschrieben:Ich habe Angst zu stottern... (...) Die psychische Belastung, im Sprechen blockiert zu sein..die damit verbundene Scham können Normalsprecher einfach nicht nachvollziehen. Für sie klingt es immer nach: dafür musst du dich doch nicht schämen.
Dagegen kannst du eigentlich nur eines tun: dich immer mehr desensibilisieren und immer größere Herausforderungen annehmen und sie durchziehen. Wenn du das Studium mit all den Referaten und Vorträgen bereits gemeistert hast, die mündlichen Prüfungen im Abitur und in deinen Examina (keine Ahnung, wie das jetzt heißt, Bachelor oder Master oder...), dann weißt du doch auch, wie es bislang gelaufen ist. Dass du dich überhaupt entschieden hast, Lehrer(in) zu werden, wird doch auch nicht nur ein Traum, sondern mit der realen Idee verbunden gewesen sein: "das kann ich - trotz Stottern!"
Du schreibst...
Mondlicht hat geschrieben:Dabei habe ich schon sehr viel getan, um die günstigen Weichen für das Ref zu legen. Ich gehe damit offen um, um das Referendariat zu schaffen und mich davon zu befreien.. aber es schwirrt mir trotzdem jeden Tag im Kopf herum :(
Dass es bei dir im Kopf herumschwirrt, ist an sich nicht schlimm. Es darf dich nur nicht runterziehen und bei dir Selbstzweifel an deinen Fähigkeiten auslösen.
Bei mir schwirrt es auch jeden Tag im Kopf herum (vermutlich die Folge jahrzehntelanger Tabuisierung, ich weiß es nicht genau), und dennoch arbeite ich in einem Sprechberuf, bei dem ich schlimmstenfalls bis zu 10 Stunden am Tag dauerreden muss. (Als Dolmetscherin, ich war aber auch jahrelang Dozentin an der Uni).
Jedes Mal, bevor ich eine Fachdelegation dolmetsche, bin ich so nervös, dass mir fast schlecht wird. Und wenn ich die Leute erst kennen lerne und merke, dass ich zwar zwischendurch stottere, dass es aber den Ablauf nicht wirklich stört, dann legt sich die Nervosität von selber. Und wenn dann anschließend die Leute noch auf mich zukommen und sich bedanken, ich hätte es toll gemacht, fühle ich mich gestärkt und bestätigt.
Es gibt immer mal zwischendurch Momente, wo ich nicht weiter kann, wo ich für Sekunden geblockt bin, aber ich habe es geschafft, darüber nicht in Panik zu geraten, sondern ganz ruhig weiterzumachen. Und dann geht es auch, vor allem seit auch ich bereit bin, es jederzeit offen anzusprechen. Oder es manchmal mit ein wenig Selbstironie zu betrachten. Denn loswerden werde ich es nie ganz, das ist mir klar.

Ein Referendariat kann hart sein, auch vom Stottern völlig unabhängig. Ich habe meine Nichte anderthalb Jahre bei mir beherbergt, während sie ihr Referendariat an einem Gymnasium gemacht hat, und ich als Tante habe ihr Wochenlang die Hand gehalten und Nächtelang mit ihr über ihren UB Entwürfen gebrütet. Sie war durch ihren Perfektionismus geblockt, der sie manchmal an den Rand des Abbruchs gebracht hat, und ich und mein Mann haben ihr Mut gemacht.
Ich möchte auch dir Mut machen, weil ich glaube, dass du dich von den UB-Entwürfen nicht herunterziehen lässt. Und vom Stottern solltest du dich auch nicht herunterziehen lassen. Denk an das, was du schon erreicht hast, und nimm dir vor, den Rest auch noch zu schaffen.
Denk immer daran, was das Schlimmste ist, was passieren könnte - auch anhand der Erfahrungen, die du schon gemacht hast.
Scham ist etwas, das man nicht einfach abschalten kann. Man kann es aber mit dem Verstand bekämpfen, indem man sagt: "wozu schäme ich ich eigentlich für etwas, an dem ich nicht selber schuld bin?"
Desensibilisieren kannst du dich nicht, indem du einen Rückzieher machst. Nur durch weitere Herausforderungen und weiteres Nicht-Vermeiden kommst du weiter.
Ich wünsche dir viel Erfolg und glaube, dass man es auch trotz Stottern schaffen kann. Genug andere haben es bewiesen. §dup
Schönen Abend
Petra

Mondlicht

Re: Referendariat abbrechen?

Beitrag von Mondlicht » 27. Januar 2015 22:20

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Re: Referendariat abbrechen?

Beitrag von paul.dest » 27. Januar 2015 22:33

Hallo Mondlicht,

...

Wenn ich Deine Beschreibung richtig verstehe, drehen sich Deine Schwierigkeiten um die Gefühle "Sprechangst," "Angst zu stottern" und "Scham".

Ein paar Ideen zu Deiner Situation:

...

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Der vollständige Inhalt dieses Beitrages ist ab jetzt nur noch unter http://www.stottern-verstehen.de verfügbar.
Zuletzt geändert von paul.dest am 5. Dezember 2016 13:41, insgesamt 1-mal geändert.
http://stottern-verstehen.de

Mondlicht

Re: Referendariat abbrechen?

Beitrag von Mondlicht » 27. Januar 2015 23:56

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Zuletzt geändert von Mondlicht am 29. Januar 2015 18:53, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Referendariat abbrechen?

Beitrag von BVSS » 28. Januar 2015 13:24

Hallo Mondlicht,

hättest du Interesse dich direkt mit einem stotternden Lehrer/einer stotternden Lehrerin auszutauschen? Wir (ich schreibe von der BVSS-Geschäftsstelle, bin hier Ansprechpartnerin zum Thema Stottern und Beruf) haben nämlich unter unseren Mitgliedern stotternde Lehrer, die dir vielleicht mit ihren Erfahrungen aus dem Referendariat eine Hilfestellung sein könnten. Es tummeln sich ja nicht alle im Forum... Wenn du Inteeresse hast, schreib mir doch bitte eine Email: el-meskioui@bvss.de Dann schaue ich was ich für dich tun kann.

Viele Grüße
Martina El Meskioui
Projektreferentin Stottern und Beruf

http://www.bvss.de/beruf
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Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V.
Zülpicher Str. 58
50674 Köln

Anerkannter gemeinnütziger Verein
Register-Nr. Köln 43VR7852

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Re: Referendariat abbrechen?

Beitrag von 777 » 1. Mai 2015 21:32

Ich habe jetzt auch mit dem Ref angefangen .. Das erste Vorstellen überstanden (es gab direkt einen Schulwechsel aufgrund des Stotterns) und ich bin gespannt, wie es weiter geht. Der zusätzliche Druck aufgrund des Stotterns ist schon belastend, aber ja, der Weg bisher soll ja nicht umsonst gewesen sein.

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Re: Referendariat abbrechen?

Beitrag von PetraS » 2. Mai 2015 08:53

Hallo 777,
deine Einstellung finde ich ermutigend. Weiter so §dup
Gruß
Petra

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Re: Referendariat abbrechen?

Beitrag von 777 » 10. Mai 2015 12:43

Dankeschön!

Die erste Woche ist überstanden. Etliche Vorstellungsrunden (Horror) habe ich auch überlebt und jedes Mal wird man etwas stärker. :wink:
Jetzt muss nur noch der erste eigene Unterricht überstanden werden.. :?

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