Vermehrtes Stottern wegen Arbeiten am Computer

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matze182
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Vermehrtes Stottern wegen Arbeiten am Computer

Beitrag von matze182 » 30. März 2015 14:56

Hallo zusammen,

erst einmal ein bisschen was zu mir: Ich heiße Matthias, bin 24 Jahre alt und stottere seit ich denken kann. Zwischen meinem 5. und 15. Lebensjahr war ich sehr oft bei einer Logopädin, habe es jedoch irgendwann aufgegeben, da ich finde, dass die Logopädie eher versucht ein "leichteres Stottern" zu ermöglichen, als das Vermeiden des Stotterns herbeizuführen.

Mittlerweile studiere ich Maschinenbau im letzten Semester und das Stottern ist für mich persönlich eigentlich immer weiter in den Hintergrund gerückt.
Leider ist dies seit circa vier Wochen nicht mehr wirklich der Fall.

Denn vor vier Wochen habe ich angefangen meine Bachelorarbeit bei einem Unternehmen zu schreiben. Ich muss sehr viel mit dem PC arbeiten, was mich an sich nicht stört oder belastet, jedoch ist mir aufgefallen, dass ich nach jedem Tag, bzw. kurz vor dem Wochenende stark vermehrt stottere, bzw. Hänger bei Wörtern habe, bei denen ich es niemals dachte. Ich nehme an es kommt zu einer Reizüberflutung durch das achtstündige Arbeiten am Computer. Nach einem ausgiebigem entspannten Wochenende geht es wieder ins "alltägliche Stottern" über.

Jetzt zu meiner Frage: Habt ihr irgendwelche Vorschläge oder Ideen für mich, was ich nach Feierabend tun kann damit ich wieder einen "klaren Kopf" bekomme?
Ich habe schon an mehr Schlaf, mehr Sport und weniger "Bildschirmaktivität" nach der Arbeit gedacht, aber irgendwie bringt mich das nicht wirklich voran.


Wäre super wenn ihr was wisst, geht mir mittlerweile ziemlich auf die Nerven, dass das Thema jetzt wieder so sehr zum Vorschein kommt.

Vielen Dank schon einmal!

Grüße

Matthias

F.J.Neffe
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Das Leben verlangt Wachstum

Beitrag von F.J.Neffe » 7. April 2015 14:20

Das Leben kennt dich in- und auswendig und kennt natürlich auch alle deine genialen Talente, die du noch nicht ausgegraben hast. Du hast dir ein Leben angewöhnt, wo du dich mit anderen Talenten behelfsmäßig über die Runden bringst.
Das toleriert dein Leben bzw. der geniale Geist, der es steuert, offensichtlich nicht mehr. Da du nicht freiwillig nach deinen besten Talenten gräbst, was bleibt ihm übrig, als dir die nötigen Schwierigkeiten zu bescheren, die dich dazu zwingen?

Dass du weder wegen des Computers noch wegen des Arbeitens stotterst, weißt du längst.
Dass du mit deinen Bemühungen nur deine Mühe vermehrst, solltest du langsam auch nicht mehr übersehen können.
Du willst woanders hin als das Leben mit dir.
Dem Leben sind deine Fleißaufgaben offensichtlich langweilig geworden, es will etwas Neues von und mit dir erleben.
Da wäre es hilfreich, die alten Sichtweisen und Erklärungen loszulassen.
Du schreibst ja selbst, dass es dir auf die Nerven geht, dass das Thema wieder so sehr zum Vorschein kommt.
Das heißt anders herum, du hast es bis heute nur unter den Teppich gekehrt.
Das Thema sind deine genialen Sprechtalente und ihre geniale ENTwicklung.

Du schreibst ja selbst, dass Stottern und (so) Denken bei dir immer direkt verbunden waren.
Du schreibst, dass du - deine Talente - aufgegeben hast.
Dass die Logopädin gar nicht dein sondern ihr Problem behandelt hat, hat dich sinnvollerweise genervt, aber du konntest dich nicht aus ihrer Vorgabe befreien.
Du hast aber auch nicht erkannt, dass es nicht ums Vermeiden des Stotterns geht sondern um deine Beziehung zu und deinen Umgang mit deinen genialen Talenten.
Wie würdest Du dich als Kind fühlen, wenn deine Eltern den Umgang mit dir nur danach ausrichten, Schwierigkeiten mit dir zu vermeiden? Genauso fühlen sich deine sensibelsten Talente in dir.
Du weißt, dass man dieses KERNproblem nicht durch mehr Schlafen lösen kann oder indem man sich sportlich trimmt.
Nimmt halt den Ball auf, den dir das Leben zuspielt, und spiele dich frei!
Spiele ein anderes Spiel mit dir und deinen Talenten!
Es geht darum, über sich selbst hinauszuWACHSEN.
Ich freue mich auf deinen Erfolg.
Franz Josef Neffe
[i]"Nicht der Wille ist der Antrieb unseres Handelns sondern die Vorstellungskraft." [/i] Émile Coué

matze182
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Re: Vermehrtes Stottern wegen Arbeiten am Computer

Beitrag von matze182 » 8. April 2015 12:38

Vielen Dank schon einmal für deine ausführliche Antwort.

Ich denke, ich verstehe was du meinst. Du sagst ich sollte meine Einstellung zum Stottern ändern, beziehungsweise das Leben will von mir neue Aufgaben.

Aber ist das nicht kontrovers? Bisher lief es doch ganz gut so wie es war und neue Aufgaben und Probleme habe ich eigentlich zu genüge.
Wieso sollte mein Hirn mir dann noch eine neue Aufgabe geben, oder nach neuen Herausforderungen rufen?

Und zum Thema alte Sichtweisen und Erklärungen loslassen kann ich leider nur sagen, dass meine Sichtweise immer auf dem Stand bleiben wird, ich könne das Stottern so in den Griff bekommen, sodass es niemand anderes mitbekommt.
Hat ja schließlich bisher geklappt.

Aber wie kann es denn dann sein, dass ich nach langen Wochenenden, beziehungsweise während des Wochenendes, weniger stottere, als wenn ich unter der Woche arbeite?
Ich denke schon, dass es etwas damit zu tun hat, dass ich so viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen muss. Hierbei nehme ich an, dass meine alten Gewohnheiten und Taktiken des Stottern Vermeidens einfach nicht mehr greifen und funktionieren.

Denkst du ich sollte es noch einmal mit der Logopädie probieren?

Ich weiss nicht wirklich wie ich meine Ansichten ändern soll.

Was würdest du an meiner Stelle sonst noch tun?

Vielen Dank schon einmal im Voraus für deine Antwort.

Grüße

Matthias

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Re: Vermehrtes Stottern wegen Arbeiten am Computer

Beitrag von Jaspis » 9. April 2015 10:02

matze182 hat geschrieben:Denn vor vier Wochen habe ich angefangen meine Bachelorarbeit bei einem Unternehmen zu schreiben. Ich muss sehr viel mit dem PC arbeiten, was mich an sich nicht stört oder belastet, jedoch ist mir aufgefallen, dass ich nach jedem Tag, bzw. kurz vor dem Wochenende stark vermehrt stottere, bzw. Hänger bei Wörtern habe, bei denen ich es niemals dachte.
...
Jetzt zu meiner Frage: Habt ihr irgendwelche Vorschläge oder Ideen für mich, was ich nach Feierabend tun kann damit ich wieder einen "klaren Kopf" bekomme?
Hallo Matthias,
zwei Gedanken kamen mir beim Lesen Deines Berichtes:
- Zum einen können die neue Umgebung, neue Menschen und neue Bedingungen, mit denen Du klar kommen musst (musst Du, denn die Bachelor-Arbeit hängt dran) Auslöser für stärkeres Stottern sein.
- Zum anderen wäre es die Frage, was Du am PC machst, Texte schreiben oder viel programmieren und mit Zahlen arbeiten? Im letzteren Fall tritt bei mir auch mehr Stottern auf, wenn ich lange am und nur mit dem PC arbeite. Ohne zu sprechen und ohne mit Sprache zu arbeiten, also keine Text schreiben, sondern Programmieren oder Excel-Tabellen berarbeite. Ich habe dann den Eindruck, dass ich das Sprechen regelrecht "verlerne", dass ich ganz anders zu denken beginne, in einer anderen Sprache sozusagen. Also nicht so extrem, aber ich benötige nach solchen intensiveren Programmierphasen erst eine Warmlaufphase, um wieder auf richtiges Sprechen umzuschalten.

Vielleicht erlebtst Du gerade eine Kombination von beiden? Neue Umgebung und intensiveres Arbeiten am PC? Du kannst selbst am besten einschätzen, was nun wirklich anders als vorher ist. Und danach könntest Du Ausgleichsübungen auswählen und ausprobieren. Mir selbst würde dann zum Beispiel lautes Lesen von schönen, blumigen Texten helfen, um aus dem Programmiermodus wieder rauszukommen.
Viele Grüße und viel Erfolg bei der Bachelor-Arbeit!
Jaspis

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Re: Vermehrtes Stottern wegen Arbeiten am Computer

Beitrag von matze182 » 9. April 2015 11:56

Hallo Jaspis,

ich denke, dass mich die neue Umgebung nicht sonderlich stört, ich fühle mich wohl und komme mit allen Leuten gut zurecht.
Am PC arbeite ich viel mit Text-, Grafikprogrammen und Programmiersprachen. Zahlen spielen definitiv eine Rolle in meinem Aufgabenfeld.

Das mit dem "verlernen" halte ich für einen guten Erklärungsansatz. Aber bei mir ist es dann meistens so, dass es sich den restlichen Tag nicht wirklich verändert, es bleibt beim vermehrten Stottern.

Hast du mit dem lautem Vorlesen Erfolg? Der Vorschlag gefällt mir, ich werde das mal ausprobieren. Obwohl ich eigentlich ungern vorlese, da ich mich dann nur darüber aufregen muss wie oft ich stottere, was beim Vorlesen nicht zu vermeiden ist, da man die Wörter die geschrieben stehen aussprechen muss und sie nicht durch Synonyme ersetzen kann.

Hast du vielleicht noch andere Tips als Ausgleichsübungen für mich?

Vielen Dank für deinen Rat und die Erfolgeswünsche ;)

Grüße

Matthias

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Re: Vermehrtes Stottern wegen Arbeiten am Computer

Beitrag von Roland Pauli » 10. April 2015 00:09

matze182 hat geschrieben: Hast du mit dem lautem Vorlesen Erfolg? Der Vorschlag gefällt mir, ich werde das mal ausprobieren. ...
Matthias
Hallo Matthias, hast du schon einmal daran gedacht, deine sprachlichen Wunschgedanken in Worte zu fassen und die laut zu lesen?

Zum Beispiel:
Ich spreche ruhig.
Ich werde anerkannt.
Ich unterhalte mich gerne.
Ich komme mit meiner Arbeit gut voran.
...
Wenn du realistische, positive und zielführende Sätze liest, wird sich dein Unterbewusstsein damit beschäftigen und sich allmählich damit identifizieren. Auch wenn die Aussagen noch in einer gewissen Entfernung liegen sollten, wird sich dein Unterbewusstsein engagieren, diese Zielvorstellungen zu erreichen.

Das klingt für dich bestimmt utopisch, weil du es noch nicht erleben durftest.

Vielleicht wagst du einen Versuch und bist neugierig wie dein Unterbewusstsein darauf reagiert?

Liebe Grüße

Roland
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Re: Vermehrtes Stottern wegen Arbeiten am Computer

Beitrag von matze182 » 13. April 2015 16:23

Hallo Roland,

gerne probiere ich das mal aus. Vielleicht hilft es mir ja wirklich, das wäre der Wahnsinn.

Danke für den Tip :)

Gruß

Matthias

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Re: Vermehrtes Stottern wegen Arbeiten am Computer

Beitrag von Jaspis » 13. April 2015 21:47

Hallo Matthias!
matze182 hat geschrieben:Hast du mit dem lautem Vorlesen Erfolg?
Ja, mir hilft lautes Vorlesen sehr. Vor einigen Jahren, als ich begann an meinem Stottern zu arbeiten, habe ich morgens vor der Arbeit solche Texte, wie von Roland auch vorgeschlagen, mir selbst laut vorgelesen. Ich hatte eine ganze Seite von Selbstmotivationssätzen (bzgl. Sprechen) von einem Seminar mitgenommen und dann morgens laut gelesen.
In den letzten Jahren dann habe ich meinen Kindern abends viel vorgelesen. Das half sogar noch besser, weil ich Zuhörer hatte. Inzwischen sind meine Kinder größer und lesen selbst. Ich müsste mir also langsam mal wieder was neues suchen ... ;-)
matze182 hat geschrieben:Hast du vielleicht noch andere Tips als Ausgleichsübungen für mich?
Bezogen auf's Sprechen entspannt mich persönlich ja auch das Hören von anderen guten Sprechern, zum Beispiel auf Hörbüchern oder bei Radiosendungen mit langen Textbeiträgen.

Gruß, Jaspis!

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